Beachvolleyball auf der Birne

Karneval. Begründung für Fremdknutschen, wildes Komasaufen und flache Reden. Eigentlich überhaupt nichts für mich. Aber da gibt es ja auch noch den Umzug, und in vielen Städten wird hierfür den Schaulustigen ein Deputat für die Wagenbauer abgenötigt. So auch bei uns. Und da der Karnevalsverein meiner kleinen Gemeinde für die paar Mitglieder an diesem Tag mehr als genug zu tun hat, übernimmt die örtliche Freiwillige Feuerwehr die Zutritts- Bettelei. Und da komme auch ich mit ins Boot: Wenn es mein Dienstplan erlaubt, stelle ich mich bei Schietwetter mit den Kameraden an die Zugangsstraßen zur Innenstadt und verkaufe die Marken, dessen Erlös den Wagenbauern zu gute kommt. Und anschließend machen wir immer mit den Familien ein „gemütliches Beisammensein“ im Feuerwehrhaus.

Damit wir auch als – sagen wir mal – Bevollmächtigte erkannt werden, tragen wir dazu unsere Schutzkleidung, zur Feier des Tages manche mit Herzchen auf den Wangen oder einer angemalten Nase. Mehr Verkleidung geht leider nicht. Watt spießig…

Ich hatte da jedoch eine bessere Idee: Da mir ja sowieso schon das Knie durch die Frisur drückt, warum diesen Umstand nicht ausnutzen und die Glumse an sich „verkleiden“? Wie wäre es mit einer Freizeitwiese? Mit Beachvolleyball- Feld in der Mitte! Das wär’s doch!

Stellprobe

„Aber wie soll das denn aussehen?“ – „Naja, ich rasiere mir die Pleete eckig, das ist dann das Spielfeld. Und die Haare drumherum rasiere ich kurz und färbe sie grün. Das ist dann der Rasen, da kommen dann auch Liegestühle drauf. So halt…“ – „Liegestühle… du hast sie ja nicht alle… Aber dann hast du doch das Feld nach Karneval auch noch auf’m Döz?“ – „Och, dann kommt danach der Putz eben mal runter. Wächst ja wieder nach.“ Sie fiel fast vom Stengel: „Waaas? Dann hast du ja Glatze!! Wie sieht das denn aus??“ – „Wir werden es sehen…“ Zu diesem Zeitpunkt war mein Schatzi noch sehr skeptisch und hielt es für eine fixe Idee. Das sollte sich aber im Laufe der Zeit ändern. 😉

Testlauf: Entspannen auf dem HandrückenIch bestellte also ein paar entsprechende Figürchen, die Beach- Volleyball spielen und auf Liegestühlen rumlümmeln im Modellbau- Maßstab, und eine Dose grünes Haarspray. Doch wie soll ich die Figuren – die ich übrigens schon im Oktober bestellt hatte – auf die Rübe pflanzen? Uhu? Wird wohl auf Haut nicht so halten. Sekundenkleber? Geht später nicht mehr runter…Hmm… Tackern? Naja, mir würde schon was einfallen… Zunächst klebte ich die Figürchen schon mal mit Kunststoffkleber auf kleine Chips aus klarem Plastik. So als Klebeflächen- Vergrößerung. Das hielt schon mal ganz gut. Und bis Karneval hatte ich dann noch die Idee: Nagellack! Der erste Versuch mit einem Liegestuhl auf dem Handrücken verlief klasse!

Der Spielspaß kann losgehen Aber nicht so die Mädels baggern, da links!

Am Tag X drückte ich meinem Mausi also einen Rasierer und ein Papierrechteck (Spielfeld- Schablone) in die Hand und nötigte sie, das Feld schön eckig auszurasieren. Spielfeld für Beach- Volleyball fertig. Dann wurde unter Auflage der Schablone das umliegende, kurz geschnittene Haar grün besprüht. Wiese auch fertig. Nach einem Handyfoto, auf dem ich den geplanten Aufbau festgehalten hatte, schnitt sie mir noch Löcher ins Grün, um die Liegestühle aufzukleben, bevor dann auch noch die Spieler und das Netz aufs Feld kamen. Das sah dermaßen cool aus!!! 😄

So wurde aus meinem „männlichen Kopfgebrechen“ ein Hingucker, der im Laufe des Nachmittages gerne fotografiert wurde. Und der Nagellack hielt: Schneeschauer, Schwitzen und das eine oder andere Rumfummeln konnten keinen vorzeitigen Spielabbruch auslösen. Super geklappt!

Da muss ich jetzt durch...

Abends musste das Zeug aber wieder runter. Ich knibbelte und zupfte, riß mir dabei noch das eine oder andere Stoppelchen aus, und nach dem Waschen des Kopfes konnte man sogar den Lack wieder vom Kopf runterpopeln. Nur das „Spielfeld“ sah natürlich erwartungsgemäß bescheuert aus, so ohne Figuren. Da ich aber zum Dienst am nächsten Tag nicht alles wieder aufkleben wollte, kam, was kommen musste: Als auch der Versuch, die Pleete wieder in eine natürlich aussehende Form zu rasieren, fehlschlug, musste die Wolle der Flaum endgültig radikal gekürzt werden. Auf 0,8mm. Na gut, wächst ja nach. Und der Gag war es mir wert! Nächstes Jahr vielleicht einen Hubschrauber- Landeplatz.

Aber etwas kühl ist es jetzt doch so um die Murmel…

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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14 Antworten zu Beachvolleyball auf der Birne

  1. Karin schreibt:

    Was man so alles macht zum karneval :-))))))
    Respekt vor soooo viel Mut!!!

  2. Roxa schreibt:

    Hihi, das ist ne spuer Idee 😀 Da muss man erst mal drauf kommen…
    Schaut genial aus!
    Danke für den Eintrag, der hat meine schlechte Laune ein bisschen weggepustet 🙂

  3. Andreas Wedel schreibt:

    Eine wirklich klasse Idee. Da es an meinen „Spielfeld“-Ecken langsam ein wenig kritisch wird, ist das vielleicht eine Aktion für nächstes Jahr. Aber mit dem Nagellack auf blanker Haut? Mhm, gibts da nicht was von Ratiopharm? 🙂

    • firefox05c schreibt:

      Der Nagellack schien mir als die beste Möglichkeit von meinen Ideen zur Befestigung. Da er bei bestimmungsmäßigen Gebrauch auch an die Haut des Nagelbettes kommt (und als Kosmetikprodukt ja auch auf Verträglichkeit getestet werden sollte), gehe ich davon aus, dass es zumindest keine zerstörerische Wirkung hat, wie z.B. Sekundenkleber. 😉
      Kleber aus dem Theaterbereich wollte ich mir dafür nicht extra kaufen.

  4. notizbuchfragmente schreibt:

    Total irre. :mrgreen: ABER: Originell. ist mal ne schöne Abwechslung bei den ganzen »Ich hab einen lustigen Hut auf, also darf ich auch bis zum Umfallen saufen« Mist, den man leider viel zu häufig sieht … 😉

  5. Antara schreibt:

    Ich würde für so etwas ja Mastixkleber empfehlen, der dürfte hautfreundlicher sein und geht auch besser ab. so teuer ist der auch nicht.
    Den gibt es im gutsortieren Spielwarenladen.

  6. ToWi schreibt:

    Dieses ganze sozial abgesegnete Besäufnis ist mir eh zuwider.
    Ist zwar interessant zu sehen, was manche da an Kreativität reinstecken, aber ich bin froh, das ich aus einer Region komme, wo das zum Glück nicht mehr als eine Randnotiz in den Nachrichten ist. 🙂

  7. Feuerpatsche schreibt:

    Geniale Idee! 😀

  8. Conny schreibt:

    Was für ne krasse Aktion 😀 Gefällt mir aber – Hut ab, würd nicht jeder machen.

  9. blaulichtengel schreibt:

    Super Idee, denn das wird man sicher nicht von vielen Männern sehen. Echt gut gemacht und somit ein echter Hingucker! Finde ich auch echt mutig, denn danach ist eben die Haarpracht erst mal weg, naja es wird ja wieder wachsen! 😉

  10. TickleMeNot schreibt:

    Ich fand den Beitrag herrlich, habe herzlich gelacht.
    Schön das du dich auch selbst mal zum Maxen machen kannst, viele können das ja leider nicht!

  11. OP-Tisch-Pilotin schreibt:

    Coole Sache! Ich freue mich schon auf Bilder des Helipads! 😀

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