Zum aus-der-Haut-fahren!

Wenn eine Schlange wächst, kann sich die Haut zwar etwas dehnen, sie wächst aber nicht mit. Daher muss eine Schlange sich von Zeit zu Zeit häuten. Auch der beste Maßanzug ist schließlich irgendwann mal „fertig“. Hierzu wird zwischen der alten und der neuen Haut Flüssigkeit eingelagert, damit sich das alte Leder löst. Bei Hugo hatten wir in seinem Alter mit etwa 1x Monatlich  Garderobenwechsel gerechnet und warteten gespannt auf die typischen Anzeichen hierfür:

Die Trübung der Augen ist deutlich sichtbar

Die Augen trüben zunächst ein, weil auch über den Augen eine Hautschicht abgelöst wird, die übrige Haut erscheint mit einem Grauschleier. Da die Schlange mit den Trüben Augen natürlich schlechter sehen kann, hält sie sich dann gerne versteckt. Vorzugsweise an feuchten Orten, damit die alte Haut auch ordentlich weich bleibt und die Schlange nicht zu viel Flüssigkeit verliert. Irgendwann war es dann so weit: Hugos Augen wurden milchig! Oh, es ging los! Die Nachricht traf mich über Twitter wie einen Vater die Niederkunft seiner Frau!

"Bitte nicht stören" ...

Wir hatten zwei Tage zuvor den letzten Imbiß gereicht, so dass er wohl keine Probleme bekommen sollte: Eine Schlange braucht nämlich sowohl zum Häuten als auch zur Verdauung vermehrt Wasser. Frißt das Tier zu knapp vor einer Häutung, soll es schon zu Problemen gekommen sein, weil die Schlange nicht genug Wasser zum Verdauen und gleichzeitigem Abstoßen der Haut hatte.

Hugo lag jetzt fast nur noch in seiner Schmuckdose, die wir als „WetBox“ mit feuchter Erde gefüllt hatten. Da er sich gerade eine trockne Periode ausgesucht hatte, um sich umzuziehen,  sank natürlich gerade jetzt  die Luftfeuchtigkeit im Terrarium bis auf unter 25% ab, weswegen auch die Erde in seiner Wetbox schnell gar nicht mehr so wet war. Wir belästigten ihn also mehrfach täglich in seiner Schmuckdose und sprühten die Erde ein, damit es Hugo so richtig schön subtropisch hatte. Mit der Lampe darüber hatte er drinnen auch kuschelige 30 Grad.

Etwa 3 Tage später wurden die Augen wieder klarer, der Grauschleier in seiner Haut blieb aber. Jetzt hieß es „Warten, bis beim Ochsen die Milch kommt“. Irgendwann sollte er sich irgendwo schubbern, bis die Haut sich an den Lippen ablöst, und seinen Pyjama auf Links ziehen. Das dauerte aber. Und dauerte. Also, nicht, dass es gleich am nächsten Tag passierte, wie ich es in meiner Unerfahrenheit angenommen hatte, nein: Der Herr zierte sich erst eine Weile!

Die leere Hülle misst etwa 47 cm

Plötzlich, nach weiteren zwei Tagen, passierte es: In einem unbeobachteten Moment (eine halbe Stunde zuvor hatte ich noch nach ihm gesehen!) zog sich das schüchterne Reptil um. Und als ich vor das Terrarium trat, um nochmal nach ihm zu sehen, hatte er seine gesamte Haut am Stück um seine Dose herum und bis unter das benachbarte Kuhschädelimitat gezogen! Gerade sah ich Hugo noch, wie er sich auf dem Ast in seiner Behausung unter die Kunstpflanze verzog, in leuchtender Farbe, um sich nach all den Tagen mal wieder schön im Warmen auszustrecken! Ist schon ganz schön faszinierend, wenn man das erste Mal an einem frischen Natter- Saitling rumfummeln kann!

Bauchschuppen, Kloake, Schwanzschuppen. Männchen oder Weibchen?

Bei genauerem Betrachten des ehemaligen Schwanzstückes hatte ich aber den Eindruck, dass ich meine bisherige Annahme, Hugo sei ein Männchen, unter Umständen revidieren muss: Der (an der Haut erkennbaren) Form nach ist Hugo eventuell ein Weibchen. Oder doch nicht? Naja, so ganz sicher war ich mir sowieso nicht:

auch über den Augen wird die Haut abgestoßen

Die „Vorbesitzer“ (ich möchte sie jetzt nicht „Züchter“ nennen, da der Wurf bei ihnen ehr nach dem Motto: „Keine Ahnung, probieren wir mal, ob aus den Eiern was rauskommt“ gezogen wurde) wussten das Geschlecht nicht, und beim Belesen über die Geschlechtsbestimmung habe ich mich ob der möglichen  Nebenwirkungen gefragt, ob ich Hugo dem Risiko aussetzen sollte: Von Blutungen und Durchstoßung der Geschlechtsteile beim Penetrieren mit irgendwelchen Sondennadeln bis zum Tod des Tieres durch Verletzungen war alles drin, wenn der durchführende Mensch sich nicht auskannte. Und wie kann man als Neuling wissen, welcher Arzt sich wirklich auskennt? Die Bestimmung anhand der Form des Schwanzstückes ist zwar für das Tier sehr sicher (man braucht dazu ja nur genau gucken), aber auch nicht sicher im Ergebnis.  Zudem weiß ich nicht, ob die Form sich erst in späteren Jahren genauer ausbildet. Auch mit dem Verhältnis von Bauchschuppen zu Schwanzschuppen soll man Hinweise auf das Geschlecht bekommen. Diese Methode ist allerdings auch nicht sicher, da sie wohl noch nicht hinreichend untersucht wurde. Nun gut, ich will ja auch nicht züchten, da ist das erst einmal nicht so wichtig. Ich werde wohl warten müssen, ob er / sie irgendwann Tampons oder einen Playboy kauft.

Katze stirbt den Schnüffel- Tod

Wichtig für mich war, dass Hugo keine Probleme hatte, das alte Ganzkörper- Kondom am Stück loszuwerden. Und Katze hatte schwer was zu schnüffeln!

Zum näheren Betrachten blies ich die Haut jedenfalls erst mal mit einem Strohhalm auf und zog sie glatt. Ist schon seltsam, so ein Schlangenpyjama auf Links.

Jetzt liegt die Haut auf dem Terrarium, und ich überlege noch, ob sich damit nicht irgend ein Blödsinn machen lässt… 😉

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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8 Antworten zu Zum aus-der-Haut-fahren!

  1. notizbuchfragmente schreibt:

    … Habt ihr euch keine Bücher gekauft, nachdem ihr die Schlange geholt habt? Da steht doch sowas meistens drin …

    • firefox05c schreibt:

      Wir hatten uns schon Bücher gekauft. Daher wusste ich ja auch um den vermehrten Flüssigkeitsbedarf usw. Ich habe auch eine „Einweisung“ durch den Züchter von „Hugo I“ bekommen. Aber da klang es noch so, als wenn die Augen kurz blind werden, dann ein oder zwei Tage aufklaren und dann die Haut auch schon abgestriffen wird. Hugo quälte sich aber insgesamt etwa eine Woche lang damit ab!
      Und es ist ja auch ein Unterschied, ob man bloss etwas liest oder live dabei ist und die Haut später in der Hand hat! 😉

      • notizbuchfragmente schreibt:

        Das stimmt natürlich – entschuldige. Da hab ich nicht vernünftig mitgedacht.
        Und es stimmt schon, manchmal kann man ne Geschlechtsbestimmung nur schwer machen, gerade beim ersten Mal …

        Du hast Recht, es ist ein Unterschied, ob man das liest und logisch nachvollziehen kann – oder ob man live dabei ist und merkt: „Verdammt – das Tier kommuniziert ja TATSÄCHLICH nicht mit mir …!“ 😉

      • firefox05c schreibt:

        Auch über die Geschlechtsbestimmung habe ich mich natürlich belesen.
        Es gibt mehrere Methoden, die unterschiedlich gefährlich für das Tier und mehr oder weniger sicher im Ergebnis sind. Ich beschreibe sie einfach mal „kurz“:
        Das „aufpoppen“ des Geschlechtsteiles soll man nur bei Schlangen bis 6 Monate machen. Der Schwanz wird dabei in Richtung der Geschlechtsöffnungen massiert, so dass männliche Geschlechtsteile „herauspoppen“ können. Sieht man einen oder beide Hemipenisse, ist es ein Männchen. Wenn nicht, KÖNNTE es ein Weibchen sein. Oder man hat es falsch gemacht. Und hierbei könnte das Tier auch innere Verletzungen bekommen, da man ja ziemlich heftig am Hinterleib rummacht und die Schlange sich ohne Drogen wehren wird. Da ich das genaue Geburtsdatum des Tieres nicht kenne, lasse ich das aber lieber nicht machen. Und die Vorbesitzer haben es versäumt.
        Wird durch diese Prüfung ein Männchen identifiziert, kann man sicher sein, die „Identifikation“ eines Weibchens muss dann nicht unbedingt stimmen.
        Beim „Sondieren“ bei Tieren ÜBER 12 Monaten (Hugo ist jünger) geht es darum, eine Knopfsonde (durch einen sachkundigen Tierarzt oder Züchter) in die Geschlechtsöffnung einzuführen. Geht die Nadel weit rein (adultes Tier: 5-7cm): Männchen. Oder man hat die Hemiklitoris durchstoßen, was das Tier schwer verletzt und für das Tier auch tödlich sein kann! Geht sie nur etwa 1cm rein: Weibchen. Oder der Penetrator stochert in der Stinkdrüse rum, die sich auch dicht an dem Bereich befindet. Oder in der Kloake, wenn er garkeine Ahnung hat. Oder es ist ein Männchen, dem es nicht gefällt, dass in seinem Pimmel rumgestochert wird, und es kneift. Und das ist jetzt die häufigste Methode bei der Geschlechterbestimmung der älteren Tiere… Verletzungsgefährlich und im Ergebnis nicht unbedingt sicher, wenn man das nicht durch einen Profi machen lässt.
        Da ich aber nicht mit Sicherheit weiß, ob der Arzt in meiner Stadt, der angeblich kundig sein soll, sich auch in diesen Methoden wirklich gut auskennt (das weiß man erst, wenn man ein paar Leute gesprochen hat, die selbst Ahnung haben und bei ihm waren), setze ich mein Tier diesem Risiko nicht aus.
        Eine weitere Methode besteht darin, die Schuppen auf der abgeworfenen Haut zu zählen und Schwanzschuppen- Paare von den Bauchschuppen abzuziehen. Differenz unter 154 = Männchen, darüber ein Weibchen. Diese Methode ist aber nicht wissenschaftlich belegt, also ist das Ergebnis nicht unbedingt sicher. Zumindest ist aber das Tier nicht in Gefahr. Wenn ich Zeit habe, werde ich das vielleicht mal machen, so als Hinweis auf das mögliche Geschlecht…
        Bleibt noch Durchleuchten oder Röntgen, um die Geschlechtsteile sichtbar zu machen. Das Kostet aber einiges und wäre zwar für Züchter bestimmt interessant, ich als Einzelhalter würde das Geld aber lieber in Sachen stecken, von denen das Tier vielleicht mehr hat.
        Tja, und dann bleibt da noch die Schwanzform. Ist zwar auch nicht immer sicher (ich denke mir, dass sich die Form noch etwas ausprägen wird), aber ebenfalls zumindest sicher für das Tier. Und das ist doch wichtiger als alles andere. Im Grunde will ich das Geschlecht ja auch bloß aus Interesse wissen, ich könnte mit der Information aber nichts weiter anfangen. Also warte ich noch etwas, bis ich mehr Ahnung, die Schlange mehr Lenze und mein Schrank mehr Häute zum Auszählen hat. (Ist doch irgendwie auch spannender, nicht?)
        Ich hatte diese Sachen nur deswegen nicht so genau in den Artikel gebracht, um ihn lesbarer zu halten.
        Ja, bei so Reptilien ist schon einiges anders als bei Säugetieren: Beim Hund wartet man einfach, bis er sich leckt, dann sieht man alles. 🙂

  2. notizbuchfragmente schreibt:

    Ich habe so lachen müssen bei dieser Beschreibung … Wobei ich gar nicht daran denken möchte, wie viele Tiere schon verletzt worden sind, weil irgendjemand wirklich mit einer Knopfsonde …. Oh weh. Da hört der Spaß wirklich auf.
    Da ist es bei anderen Nicht-Säugetieren wirklich sehr viel einfacher. Kauft eine Vogelspinne!, Wenn die sich häutet (und man an die Haut kommt), kann man das ab irgendwann genau sehen. 😀

    Aber Schlangenmännchen (heißen die auch „Böcke“?) werden doch in etwa so alt wie die Weibchen, oder? Deshalb bestimmt man nämlich bei Spinnen – während die Weibchen bei guter Pflege je nach Art locker mal 25-30 werden können, sterben die Männchen nach etwa 5 Jahren.

  3. tinyentropy schreibt:

    Auch bei Spinnentieren ist dies faszinierend. Wir hatten mal einen Nachbarn mit 150 Terrarien in unserem Mietshaus. Eines Tages hat er mir eine Spinnenhaut geschenkt, die er vor dem Trocknen präpariert hatte. Das Ganze sah 1:1 wie eine Vogelspinne aus und ich hatte damit viel Spaß in meiner Klasse! 😉 Schönen Gruß!

  4. TickleMeNot schreibt:

    Das finde ich ganz toll, daß du darauf verzichtest das Geschlecht bestimmen zu lassen, wenn das für Hugo(line) böse Folgen haben könnte. Hut ab!

    Und was die Schlangenhaut betrifft – wie wärs denn mit Sammeln, für einen Schlangenledergürtel, oder sogar Schlangenlederschuhe?

    Danke für die tollen Bilder :), sehr interessant!

    • firefox05c schreibt:

      Also, für einen Gürtel bräuchte ich schon eine komplette Haut, ich denke, eine abgeworfene Schicht wird da nicht reichen, da sie dünn wie Butterbrot- Papier ist! 😉
      Und wie ich schon schrub: Ich habe eigentlich nichts davon, wenn ich das Geschlecht wüsste. Darum war es für mich kein langes Überlegen, ob ich mit Hugo einen Arzt deswegen aufsuche.

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