Bremen. Tote Babys. Unglaublich! – Unglaublich?

Klinikum Bremen: wieder sind Babys an Bakterien gestorben.  Durch die Medien geht ein riesen- Aufruhr, weil die Station ja erst aufwändig renoviert wurde. Aber woher kommen die Bakterien? Wachsen die an Wänden? So wie Schimmel? Oder sind die in den Betten? Das kann doch nicht möglich sein, dass man in DER EINEN Klinik so Probleme mit der Hygiene hat! – Nicht? Richtig. Die Probleme gibt es nicht nur dort.

Ich sah zum Thema „Skandal in Bremer Klinik“ einen TV- Beitrag. Dort wurde sich natürlich darüber ausgelassen, dass „anscheinend in dieser Klinik“ die Sauberkeit nicht so richtig ernst genommen würde. In „diesem“ Krankenhaus wurden die Eingangskontrollen bei neuen Patienten auf MRSA vernachlässigt und nicht konsequent durchgeführt, sagten sie in dem Beitrag. Nur in dem Haus nicht? Und in anderen Krankenhäusern? Wie konsequent? Seit wann?

Und damit das mit den Hygienemaßnahmen besser wird, hätte man Hygienebeauftragte eingesetzt. Das sei aber bloß halbherzig, denn  Hygienebeauftragter „soll irgendein Arzt sein, keine besondere Fachrichtung, mit einer 40h- Zusatzausbildung“. Das wäre zu wenig. Eigentlich sogar völlig unzureichend. Wirklich? – Was lernt man denn zum Beispiel an Hygiene, schon so als ganz einfache Krankenschwester, und was wird davon auch wirklich umgesetzt?

Der Lehrstoff bei der Ausbildung der Schwesternschülerinnen und auch jedes einfachen Sanis im Rettungsdienst beinhaltet auch die Themen: Sinn und richtige Durchführung von Desinfektion, Kontaminationsverschleppung, Infektionswege, Fehler bei der Desinfektion und deren mögliche Auswirkungen. Auch, dass man nicht nur sich selbst vor dem Patienten, sondern auch den nächsten Patienten vor dem Vorherigen schützen muss, z.B. vor der Infektion mit dem auch in Bremen zum Problem gewordenen „MRSA“ – Bakterium.

Zu wenig genutzt?

Zu wenig genutzt?

Und wie sieht es in der Praxis dann aus? Der Lehrstoff wird durchgekaut, sogar geprüft, und in der Praxis kommt dann sofort der Bremser: „Für jeden Patienten neue Handschuhe? Weißt du, was das kostet? Das wurde mir neulich noch vorgerechnet! – Jedes mal Hände desinfizieren? Dann kommen wir ja nie durch mit der Arbeit! – Einzelzimmer für den infizierten Patienten? Da haben wir nicht genug Zimmer für…“ und so fort. Alles Sätze, die ich in verschiedenen Krankenhäusern gehört habe und dort Alltag sind. Warum geht man so liederlich mit der Sauberkeit um?

Zum Teil ist es dem wirtschaftlichen Druck geschuldet, zum Teil auch reine Bequemlichkeit oder Gedankenlosigkeit.

Zum wirtschaftlichen Druck zählen zum Beispiel die Materialkosten für Einmal- Schutzkleidung. Kittel, Hauben, Schuhüberzieher…  Da fallen selbst an sich günstige Verbrauchsmaterialien wie Handschuhe ins Gewicht: Eine Station, 10 Zimmer, 15 Patienten, 3 Kontakte pro Patient durch eine Schwester. Macht pro Schwester pro Schicht 90 Handschuhe (heute oft aus Nitril, weil Latexfrei), etwa eine Schachtel.  2 Schwestern die Schicht, tagsüber 2 Schichten. Sind schon 4 Packungen täglich. Die kosten dann schon 20 Euro  Euro pro Tag. Bei einem Haus mit watt-weiß-ich wievielen Stationen kämen im Jahr einige Euro zusammen. Da wird die Frau von der Buchhaltung schon mal auf den Gedanken kommen können, einen „Sparvorschlag“ einzureichen. Wir leben schließlich in Zeiten, wo über jede dem Patienten mitgegebene Ibuprofen- Tablette peinlich genau Rechenschaft abgegeben werden muss.

Die Auslastung des Hauses spielt auch eine Rolle in der Hygiene: Jedes Zimmer muss voll belegt sein, aber möglichst kurz, damit von der Fallpauschale der Kassen auch noch was übrig bleibt. „Viel durchschleusen“ ist angesagt. Da wurden schon mal „heimlich“ Patienten mit ansteckenden Krankheiten (u.a. auch MRSA) mit nicht- infektiösen zusammen gelegt. Als wir den Keimträger dann mit dem Krankenwagen abgeholt haben, wurde uns das Problem mehr oder weniger beiläufig mitgeteilt (tolles Verhalten gegenüber dem Haus, in das wir den Patienten verlegt haben!).

Außerdem macht überall das Wort „Leistungsverdichtung“ die Runde, also die gleiche Arbeit durch weniger Personal zu bewältigen. Das hat dann nicht nur zur Folge, dass weniger Zeit für den einzelnen Patienten übrig bleibt, weshalb z.B. Opa auch schon mal längere Zeit im bepissten Bett liegen muss, sondern auch, dass Vorsichts- und Hygienemaßnahmen einfach als zusätzliche Last gesehen werden, die dazu führen, dass das Arbeitspensum nur schwer erreicht wird. Schwestern, die Tee trinkend im Schwesternzimmer rumalbern à la „Nicola“ sind längst Vergangenheit.

Danke, Gesundheitsreform. Danke, CDU/CSU 2006. Danke, „Centrum für Krankenhaus- Management“ (Bertelsmann- Stiftung).

Aber um welchen Horror- Keim geht es eigentlich? Was ist dieses „MRSA“, an dem die Frühchen gestorben sind?

Dieser Keim, SA, ausgeschrieben „Staphylococcus Aureus“, ist ein Darmbakterium. Also, eigentlich. Er kann aber auch überall sonst am Körper rumlümmeln, und ist im Grunde erst einmal harmlos. Bei vielen Menschen (etwa 20%) ist sogar der gefährliche „multiresistente“ oder „Methicillin- Resistente“ Stamm, der MR SA, im Nasen- Rachen- Raum zu finden. Er macht aber beim gesunden Menschen keine Probleme, da die hauseigene Polizei ganz gut damit umgehen kann. Problematisch wird es aber bei Menschen, dessen Immunsystem geschwächt  (alte, kranke Menschen, Patienten mit z.B. OP- Wunden), oder noch nicht richtig ausgebildet ist – eben Frühchen. Bei dieser anfälligen Patientengruppe kann sich das Bakterium auf den Atemwegen oder auf Hautdefekten ansiedeln und ausbreiten, es kommt dann zu Hauterkrankungen, Wund- oder Lungenentzündungen oder / und  einer Sepsis („Blutvergiftung“), die auch tödlich sein können. Und das ist in Bremen passiert und öffentlich geworden.

Das Gefährliche an diesem Bakterienstamm ist die Resistenz gegen ganze Gruppen von Antibiotika: Kommt der Körper nicht selbst mit den Biestern klar, hat man kaum Möglichkeiten, das Bakterium mit Medikamenten zu bekämpfen. Der Patient wird es schlecht oder gar nicht mehr los! Und Möglichkeiten, sich an Antibiotika zu gewöhnen, haben diese Viecher genug. Antibiotika werden z.B. in der Schlachtvieh- Zucht inflationär genutzt. Auch durch mit Medikamenten belastete Abwässer (auch durch belastete menschliche Ausscheidungen!), die in den Klärwerken oft nicht herausgefiltert werden können und so in die Flüsse gelangen, kommen Antibiotika in den Nahrungskreislauf. Und viele Ärzte verschreiben bei (viral bedingten) Erkältungen schon mal Antibiose, um „die Keimlast im Körper zu senken“ (denn Antibiotika sind gegen Viren eh‘ nicht wirksam), und nicht korrekt / nicht zu Ende durchgeführte Antibiotika- Behandlungen lassen viele Bakterien im Körper zurück, die das Medikament überleben – und Resistenzen dagegen entwickeln. Und „Zack!“ – MRSA.

Auch durch die im häuslichen Bereich (durch die Werbung ja als unbedingt notwendig propagierte)  ständige „Desinfektion“ werden Keime gezüchtet, die immer hartnäckiger werden: Was sie nicht umbringt, macht sie härter. Und bei einer laienhaft durchgeführten Desi bleibt genug Gelegenheit, zu überleben.

Jährlich infizieren sich nach Statistiken in deutschen Krankenhäusern etwa 160 000 Menschen mit MRSA, die Dunkelziffer ist erheblich höher. Die Todesfälle wurden für 2009 auf bis zu 40 000 Menschen jährlich geschätzt! Allerdings sind diese Schätzungen schwierig: Für den Totenschein ist „MRSA“ keine Todesursache, sondern es wird die Folgeerkrankung wie Lungenentzündung eingetragen.

Blutuntersuchungen in Deutschland und den Niederlanden haben ergeben, dass in den Niederlanden bei etwa 3% der Menschen ein MRSA- Stamm nachweisbar war, Deutschland hingegen bei etwa 25%!

(Ich hoffe, dass ich die Sache nicht zu sehr vereinfacht habe.)

Wie Kompass?

In den Niederlanden wird das Problem schon seit Jahren viel ernster genommen. Während hierzulande bis zum ersten Bremen- Skandal mehr verharmlost und abgestritten wurde, als offensiv gearbeitet, war in den Niederlanden schon jeder eingelieferte Patient bis zum Beweis des Gegenteils potentiell MRSA- verdächtig. Übrigens u.a. besonders, wenn er im letzten halben Jahr in einer deutschen Klinik war…

Hierzulande wurden die Patienten bis vor Kurzem nur in Verbindung mit handfesten Risikofaktoren auf MRSA getestet. Viele Infektionen fielen aber erst auf, nachdem irgendwelche Wunden entzündet waren und nicht heilen wollten. Abstrich, Ursache gefunden: Darmbakterien. Bis dahin hat die Schwester schon X Patienten im Bett nebenan betüdelt, nachdem sie die infizierte Wunde gewartet hat.

Dass  MRSA- Patienten sich zusammen mit Nicht- MRSA- Patienten schon mal ein Zimmer geteilt haben (selbst, wenn die Infektion schon erkannt war!), habe ich ja oben schon erwähnt. Selbst gesehen, sogar einmal in einer Intensiv- Station. Die Schwestern huschen „mal eben“ mit der Blutdruckmanschette von einem zum anderen Patienten, tragen keine Handschuhe bei der Messung (bei der man ja zwangsläufig den Patienten anfassen muss), die Geräte werden nicht nach jedem Patienten desinfiziert, das Essen wird in „normaler“ Reihenfolge gebracht, ohne auf isolierte Patienten zu achten, usw.

Kopflos putzen bringt nichts

Auch die Reinigungskräfte tun ihr Übriges: Die Lappen werden zu selten gewechselt, teilweise sogar der gleiche für Toilette, Waschbecken und Tische genutzt, und einige der Kräfte, die die Reinigung ja schließlich hauptberuflich jahrelang machen, haben trotzdem keine Ahnung, was sie dort tun:

In unserer Rettungsdienst- Unterkunft, die vom Krankenhauspersonal gereinigt wird, kommt ein Putzmann mit einem Messbecher, den er mit Schwung mitten in die Bude kippt, um dann alles notdürftig wieder aufzufeudeln. Die Ränder des Bodens sind trocken, während in der Mitte das Wasser schon fast ein Häufchen bildet. Auf die Frage, was er denn da mache, antwortete er nur: „Wir haben da eine Vorschrift, dass wir im Raum eine bestimmte Menge des Putzwassers benutzen müssen.“ Aha.

In dem Putzwasser ist wohl ein desinfizierendes Mittel, welches nur in einer bestimmten Konzentration in einer bestimmten Mindestzeit wirken kann. Und damit der Boden ausreichend lange naß bleibt, gibt es Anweisungen über die Menge des Gemisches pro Fläche. So weit, so gut. Der Reiniger bekam es zwar nach seiner Unterweisung zwar noch auf die Kette, das richtige Gemisch herzustellen (hoffe ich mal) und die richtige Menge für den Raum im Becher abzumessen. Den Sinn hingegen hat er anscheinend nicht verstanden, denn für eine ordentliche Desinfektionswirkung muss das Zeug natürlich auch gleichmäßig verteilt werden (siehe weiter oben: Resistenzen durch Desinfektionsfehler)!

Schaut man mal genauer hin, liegt vieles im Argen

Es wird von den Kliniken gerne behauptet, die Keime würden hauptsächlichst durch den Rettungsdienst eingeschleppt. Richtig: nämlich auf oder in dem Patienten, den wir im Bettenbahnhof abladen, und der dann dort bei den folgenden Untersuchungen seine Keime verteilt: Blutdruckmanschette, EKG-Gerät, der Fingerclip vom Pulsoxymeter usw. Wird NATÜRLICH alles nach jedem Patienten desinfiziert. Und mit den sog. Monovetten, den Röhrchen für das Laborblut, kommen die Keime, die außen womöglich anhaften,  in Sekundenschnelle mit der Rohrpost ins Labor…

Denn in der Notaufnahme kann man die Hygiene-nicht-Maßnahmen gut beobachten: Der Arzt untersucht die Hüfte der gestürzten Patientin aus dem Heim (der Hintern wurde nach dem letzten Brunzen aufgrund der Bertelmann’schen „Leistungsverdichtung“ natürlich vom Heimpersonal ausgiebig – äh – nicht – desinfiziert), dann die Fußverletzung des Sportlers (die Wunde wird sich bestimmt nur wegen dem Dreck vom Sportplatz entzünden), dann die Kopfplatzwunde des Obdachlosen. Alles ohne Handschuhe. Zwischendurch tippt er was auf dem Computer, telefoniert (alles freihändig?), fasst Untersuchungsgeräte an und begrüßt den nächsten Privatpatienten mit Handschlag. Der Kittel reibt erst am Patienten, der Ärmel schubbert über dessen nackten Bauch, und in der Kantine liegt er dann auf dem Tisch. „Hygienebereich Esstisch“ kontaminiert. In vielen Häusern wird nämlich leider nicht konsequent darauf geachtet, dass solche patientennahe Schutzkleidung bitte an der Garderobe bleibt! Der Studierte möchte schließlich auch in der Kantine als solcher erkannt werden.

Und für das Erkennen solch einfacher Kontaminationsketten und Hygienedefizite reichen die in der Ausbildung vermittelten Kenntnisse UND einem zusätzlichem 40- Stunden- Fortbildung nicht aus? Lächerlich. Denn durch die Einhaltung (und damit meine ich auch, dass die Zeit und die Lust da ist!) der einfachsten Grundsätze ließe sich schon einiges verhindern. Alleine das Tragen von Handschuhen und die Desinfektion der Hände, die immerhin mindestens 30 Sekunden dauert, würde schon so einige Übertragungen zumindest stark erschweren. Dieses muss aber durch die Klinikleitung auch bedingungslos unterstützt werden. Und durch das Personal, unter denen noch immer viele behaupten, sie könnten mit Handschuhen zum Beispiel kein Blut abnehmen. Ausgerechnet beim Arbeiten mit Blut ziehen sie also blank!

Jetzt, da nach den Skandalen und (bewiesenen) MRSA- Todesfällen die Voraussetzungen in den Häusern zum Handling mit Keimen forciert werden, gibt es in der Statistik auch auf einmal regelmäßig Zahlen über besiedelte Patienten und Infektionsgefahren. Früher nie? Jetzt plötzlich?

Ich sehe da im Moment drei Phasen des Hygiene- Bewustseins:

1. Kein Interesse, nur bei direktem Auffällig werden von Infektionen, bzw. wenn die Infektion bereits in den Papieren steht, wird entsprechend gehandelt. Ansonsten wird die Gefahr verdrängt, weil es unbequem ist, weil es Zeit und Geld kostet, darauf zu reagieren. (Ich habe gelesen, dass die Kassen eine Behandlung gegen MRSA nicht bezahlen, wenn die Infektion im Krankenhaus erworben wurde.)

Ich hoffe, diese Phase ist in den meisten Häusern Vergangenheit.

2. Erste Schritte werden eingeführt, vermehrt Patienten wie potentielle Keimträger zu behandeln, bis sie negativ auf MRSA getestet wurden. Hierzu gibt es Listen von Risikofaktoren, z.B., ob der Patient aus einem Altenpflegeheim kommt.

Da sind viele Krankenhäuser heute.  Andere noch nicht.

3. , heute schon in einigen Häusern, bald hoffentlich in allen: Jeder Patient ist verdächtig, den MRSA- Keim zu tragen, und wird getestet. Entsprechend hygienisch wird dann auch agiert.

So. Und was ist mit dem Skandal in Bremen?

Nach all‘ dem, was ich hier geschrieben habe, denke ich, wird jeder einsehen, dass es trotz sanierten Räumlichkeiten von der Gesundheit bis zu einer Infektion womöglich nur ein kurzer Weg ist. Hierzu muss bloß ein Träger des Bakteriums von außerhalb der Neugeborenen- Station in diese hineinkommen und telefonieren (und damit den Keim auf dem Hörer hinterlassen). Zum Beispiel ein Arzt, der auf einer anderen Station eine infizierte Wunde versorgt hat. Oder eine Schwester, die infizierte Untersuchungsgeräte wegräumt und danach an den Inkubatoren arbeitet. Oder jemand, der den MRSA im Nasen- Rachen- Raum hat, ohne selbst erkrankt zu sein, und keinen Mundschutz benutzt. Wenn man Pech hat, reicht ein in der Kantine geliehener kontaminierter Kugelschreiber aus, um den Keim wieder einzuschleppen. Dann nützen auch neue Wandfarben und geschrubbte Heizkörper nicht viel. Wurde in Bremen auch die Sterilisation saniert? Vielleicht gibt es ja dort Probleme mit den Sterilisatoren?  Oder dem Personal?

Bringt man alte Leute unter die Erde, interessierts keinen.

So unglaublich, wie es von den Medien dargestellt wird, ist es auf jeden Fall nicht, solche Keime einzuschleppen. Im Gegenteil: Oft ist es auch in vielen anderen Häusern zur Infektion nur ein kleiner Schritt, vielleicht sogar nur zufälliges Pech. Nur kommt es wo anders nicht zu so einer Öffentlichkeit, weil meistens ja alte Leute davon betroffen sind. Die würden sowieso bald sterben.

Aber es müssen ja immer erst Menschen sterben, bevor gehandelt wird.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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26 Antworten zu Bremen. Tote Babys. Unglaublich! – Unglaublich?

  1. tofu schreibt:

    Der Uhrzeit geschuldet nur schnell überflogen. Morgen werde ich mal meinen ausführlichen Senf zum Thema abgeben. Soviel sei aber schonmal verraten: Es liegt nicht am Geld. Nicht hauptsächlich zumindest. Warum und wie und woran dann morgen. 😉

  2. WaPi schreibt:

    Hallo!
    Ein kleiner Einwand: Wenn ich mich recht erinnere handelt es sich bei dem Bakterium auf der Frühchenstation um eine ESBL-Klebsielle. Klebsiella ist auch ein Darmbakterium, jedoch im Fall eines ESBL-Stammes gegen deutlich mehr Antibiotika resistent als sein Wildstamm. Im Grunde genommen genauso wie beim MRSA auch. Der Patient wird isoliert, das Personal muss sich (noch öfter) gründlich reinigen.
    (Eigentlich ja nicht, denn im Idealfall schrubbt es sich ja sowieso nach jedem Patienten die Hände wund. Aber da gehen Ideal und Realität wie du sagtest weit auseinander. Meines Erachtens ist oft das ältere Personal etwas desinfektionsabgeneigt, da es solche Reinigungsmaßnahmen garnicht gelernt hat damals in der Ausbildung und als „übertrieben“ abtut.)
    Und das Resultat sehe ich dann oft auf der Arbeit: Ich arbeite in einer Mikrobiologie eines Krankenhauses.

    Wie ist es bei euch im Rettungsdienst mit ESBL- und VRE-Patienten oder anderen, von multiresistenten Bakterien besiedelten, Patienten? Der gleiche Reinigungsaufwand nach so einem Transport?
    Mir scheint, dass mittlerweile MRSA sehr bekannt ist, aber die anderen, genauso gefährlichen, multiresistenten Bakterien oft unter den Tisch fallen.

    • firefox05c schreibt:

      Du hast recht: Es wird fast immer nur von MRSA gesprochen. Aber auch bei anderen Keimen sollte man nicht nur einfach mit den Schultern zucken. 😉
      Zum Vorgehen in unserem Rettungsdienst:
      Erfahren wir nach einem Transport über einen Patienten, der mit irgendetwas infiziert war (wir müssen natürlich erst einmal diese Info haben, die teilweise sogar erst nach Stunden bei uns ankommt!), kommen die geeigneten Desinfektionsmaßnahmen zum Tragen. Das ist dann auf den Keim abgestimmt und geht vom einfachen Desinfizieren patientennaher Flächen mit „Bordmitteln“ bis zum außer- Betrieb- nehmen des Fahrzeuges für eine stundenlange Desinfektion unter Atemschutz mit speziellen geprüften Mitteln und dem sofortigen Duschen der Besatzung in der Desinfektionsabteilung. Auch eine medikamentöse Prophylaxe kann bei Bedarf schnell organisiert werden. Durch dieses Vorgehen wird der notwendige Aufwand betrieben, ohne unnötig über das Ziel hinaus zu schießen. So ganz gesund sind die verwendeten Mittel ja auch nicht! 😉
      Da wir (die RTW- Besatzung) uns natürlich nicht mit allen Viren auskennen, rufen wir beim (nachträglichen) Bekanntwerden eines infizierten Patienten den diensthabenden Desinfektor der Feuerwehr an, der uns sofort oder kurzfristig sagt, wie wir zu verfahren haben. Ist vor dem Transport schon bekannt, dass und mit welchem Keim der Patient infiziert ist, wird der Desinfektor natürlich schon sofort eingeschaltet und ordnet entsprechende Maßnahmen für den Transport an. Hier haben wir z.B. auch die Möglichkeit, ein Fahrzeug einzusetzen, bei dem sogar die Abluft aus dem Patientenraum verbrannt wird, damit sie „daußen“ kein Unheil anrichtet.
      Das große Problem bekommen wir bei einem aggressiven Keim, der uns erst nach Stunden gemeldet wird: Dann haben wir auch schon mal eine ganze Wache desinfizieren müssen. Man glaubt ja kaum, wo man in etwa 3 Stunden so alles anfasst…

      • WaPi schreibt:

        Wow, das nenne ich mal Gründlichkeit!
        Selbst bei uns wird in den wenigsten Fällen so ein Aufwand betrieben. Ich glaub ich wechsel auf die andere Seite 🙂

      • firefox05c schreibt:

        Ich kann mir vorstellen, dass es nicht überall so ist, da im ländlichen Bereich nicht die gleichen Möglichkeiten (24h- Verfügbarkeit von Desinfektoren, Tauschfahrzeuge, UV-Licht in Duschen…) zur Verfügung stehen. All diese Maßnahmen stehen und fallen aber mit der Information, überhaupt tätig werden zu müssen: Wenn ein Krankenhaus eine Infektion mit irgendeinem Dreckzeug erst Tage später herausfindet und es uns nicht zeitnah mitteilt, passiert auch bei uns gar nichts (außer die „normalen“ Hygienemaßnahmen nach einem Transport)…

  3. TickleMeNot schreibt:

    Sehr guter Beitrag, so wie immer 🙂

    Sollte Deutschland oder die EU jemals einen Minister für gesunden Menschenverstand brauchen – du hast meine Stimme!

    Das erinnert mich an einen Vorfall im meinem ersten Ausbildungsjahr zur Krankenschwester. Im Unterricht hatten wir erst die Grundlagen zum Thema Hygiene behandelt. Als ich kurz darauf für mehrere Wochen auf eine Station kam, sollte ich dort u.a. stets eine nette, ältere Dame betreuen. Waschen, Anziehen, Essen reichen, etc.
    Sie kam von der Uniklinik, hatte dort einen Herzschrittmacher bekommen und war nun für ein paar Wochen in der Geriatrie.
    Was wir erst etliche Wochen später erfuhren – sie war MRSA-Träger! Irgendwie ging diese sehr wichtige Info wohl zwischen Uniklinik und Geriatrie verloren. Wie gesagt, erstes Ausbildungsjahr, Thema Hygiene war noch nicht komplett abgehandelt, ich konnte mit dem Begriff MRSA nichts anfangen, ausser das die Dinger ansteckend sind.
    Irgendwann hiess es dann, die Dame bekommt ein Einzelzimmer. Ihre Sachen wurden bereits in die Schränke geräumt und ich wurde geschickt, sie rüberzuholen. Natürlich schob ich sie samt Rollstuhl in ihr neues Zimmer, warum auch nicht…
    Erst als ich drin war, fiel auf, das niemand mir gesagt hatte, das ich nicht in das Zimmer dürfe. Und auch keinen Körperkontakt mit der Dame haben sollte, etc, etc…

    Wieso, weshalb, warum, wurde mir nicht erklärt. Es gab auch keine Tests oder Untersuchungen an mir. Ich wurde nicht nach Hause geschickt bis geklärt wurde, ob ich mich angesteckt hätte oder nicht. Ich wurde auch nicht über Symptome aufgeklärt, nüscht.

    Die Tragweite dessen, was damals passiert ist, wurde mir erst sehr viel später klar.

    Jahre später, meine Mutter lag auf Station, ihr wurde die Gallenblase entfernt. Ich kam zu Besuch, und auf dem Flur sehe ich eine junge Schwester die den Stationswagen (mit Verbandszeug und Medikamenten) über den Flur schob, wie sie behandschuht in ein Zimmer geht, mit voller Ente rauskommt, das Teil in ein Gestell am Stationswagen hängt, immer noch mit den gleichen Handschuhen an den Stationswagen anfasst und ihn weiterschiebt…
    Leider, leider, leider, leider, habe ich damals nichts gesagt. Würde ich heute soetwas sehen, würde ich die Schwestern darauf aufmerksam machen, was da vorgeht.

    Naja,

    Ich freu mich schon auf Tofus Bericht 🙂

    • firefox05c schreibt:

      By the way: Ich bin mir ziemlich sicher, dass man den Keim bei mir auch nachweisen könnte. Wenn man denn testen würde. Aber wenn offiziell wird, dass wir im RD zum großen Teil Träger ohne Symptome sind, müsste man ja was dagegen machen! Also lieber nur auf TBC, Hep usw. testen. (o.O)

      • WaPi schreibt:

        Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass ein sehr großer Teil des Gesundheitspersonals Träger solcher Bakterien ist. (nicht nur die, sondern auch deren Angehörige usw.)
        Aber es wäre zu sinnlos die alle zu testen und zu sanieren. Zu teuer. Und dann müssten die womöglich zuhause bleiben und keiner würde mehr arbeiten bis wieder saniert. Dabei wird doch die Personaldecke eh schon überall auf Kante genäht. Und schlussendlich wären die eh nach 1 Woche Arbeit wieder besiedelt. Vollkommen sinnlos also. *seufz*
        Hoffentlich gilt es später als Berufserkrankung, wenn mir wegen irgendsoeinem multiresistenten Mistvieh mein Bein schneller abfault, als irgendein gerade noch so eben wirksames Antibiotikum gefunden wird.

      • firefox05c schreibt:

        Da hilft nur eins: Am Ende der Dienstzeit, vor dem Ruhestand, eine Untersuchung und Eradikation… 😉

  4. monopoli schreibt:

    Reblogged this on monopoli.

  5. gotsassaufeinemast schreibt:

    Dein Beitrag spricht mir aus der Seele. Ich frage mich auch immer, wieso ich mir als Laborfee in einem Krankenhaus, am Tag gefühlte 2 millionen Mal die Hände in aller Gründlichkeit desinfiziere, wenn nur eine Schwester, die mit ihren kontaminierten Handschuhen mein Labor stürmt (wie eben wieder geschehen..Intensivstation übrigens..), ausreicht, um praktisch das ganze Haus wieder neu mit irgendetwas anzustecken, weil sie meine Türklinke verseucht.

    Aber ein paar Amerkungen habe ich auch. Der MRSA ist kein ausschließlicher Darmkeim, sondern siedelt auch gern auf der Haut, bzw. auf Schleimhäuten, was die Übertragung und Weiterverbreitung gleich noch beschleunigt. Und bei dem Fall in Bremen handelte es sich, glaube ich wirklich um die Kollegen der ESBL Fraktion. Der MRSA ist also ausnahmsweise unschuldig. Da man mit den Kollegen aber mindestens genauso viele Probleme hat und die Problematik trotzdem die gleiche bleibt, wäre es meckern auf hohem Niveau, da jetzt kleinlich zu sein.

    Ein wirklich sehr schön geschriebener Beitrag. Ich hab ihn sehr gern gelesen.

    • firefox05c schreibt:

      Dass der Staphylococcus Aureus auch auf der Haut und in anderen Organen (Lunge usw.) siedelt und Probleme verursacht, steht ja schon im Artikel. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich zwar stundenlang am Artikel rumgebastelt habe, aber trotzdem noch nicht richtig informiert war! Ist auch nicht ganz so einfach mit den Viechern…
      Wenigstens habe ich keinen groben Unfug geschrieben. 😉

      • gotsassaufeinemast schreibt:

        Jaaaa, aber ich wollts trotzdem nochmal sagen, ehe alle Angst vor ihrem Darm bekommen 😉
        Naja, ich glaube da kann man sich auch blöd bei informieren. Hast das schon ganz gut gemacht 🙂 Ich hätte gar nicht den Nerv mir das alles zusammen zu recherchieren. Hut ab dafür. Ich werde meinen nächsten Beitrag übrigens auch dieser Thematik widmen, dank des Vorkommnisses heute morgen und würde mich freuen, deinen Beitrag dazu lobend, in einer kleinen geklammerten Anmerkung oder so, erwähnen zu dürfen..passt so schön 🙂

      • firefox05c schreibt:

        Angst vor dem Darm? 🙂 Bakterien sind ja nicht schlimm. – Wenn sie da sind, wo sie hingehören.
        Und was den Artikel angeht: Erwähn ruhig. Ich weiß ja, dass ich hier nicht nur für meine Mutti schreibe! 😉

  6. Sonja schreibt:

    Ein wirklich interessanter Beitrag. Jedenfalls war er deutlich informativer als das Faltblatt was mir in dem Krankenhaus aufgeschwatzt wurde wo erkannt wurde, dass es meiner Mutter wohl wegen MRSA das letzte Jahr so schlecht ging – seit ihrem letzten Krankenhausaufenthalt um genau zu sein.
    Ihr Zimmer bekam einen Zettel an die Tür und wir durften sie nur noch mit Schutzkleidung besuchen und mussten alles desinfizieren, was mit raus genommen wurde. Und natürlich schön die Schutzkleidung in den Müll, dann die Hände desinfizieren – und danach die Tür aufmachen und rausgehen… fand ich total logisch (Ironie).

    Nunja, frisch operiert, MRSA und noch ein Noro obendrauf… immerhin konnten wir noch ihren 75. Geburtstag feiern (mehr oder weniger, wir waren halt zu Besuch) bevor sie die Einbahnstraße zur Intensivstation genommen hat. 😦

    Jedenfalls waren da allerlei interessante Verhaltensweisen zu beobachten bei denen ich mich gefragt hab, wieso wir als Besucher eigentlich so einen Aufwand treiben mussten…

    • firefox05c schreibt:

      Was ich dann so irre daran finde: Ihr tragt den MRSA- Keim ja mit nach Hause, wo (hoffentlich) gesunde Menschen sitzen, die wohl wenig Probleme damit haben. Das Krankenhaus- Personal geht anschließend mit dem Keim zu einem Patienten, der womöglich eh‘ schon auf dem letzten Loch pfeift…

      • Sonja schreibt:

        Und das Personal war nachlässiger als wir Besucher sein durften – wobei ich nur ein oder zwei Mal gesehen habe, dass eine Schwester ganz ohne Schutzkleidung rein kam.

        Vor meinem inneren Auge lief jedenfalls fast dauerhaft die eine Folge von Scrubs wo die Keime so schön grün leuchten und die nette alte Dame am Ende stirbt.

  7. T K (@Sueder80) schreibt:

    Als Zivi 2001 hatten wir auf unserer Station auch mal öfters MRSA-Patienten. Erstaunlicherweise wurden aus meiner Sicht alle Regeln eingehalten obwohl das Krankenhaus in dem ich war eher ein schlechten Ruf hat.

    Ich selbst hatte keinen bekannten Kontakt zu den betroffenen Patienten. Es wurde ganz klar gesagt das ich mich nicht dem Risiko auszusetzen brauchte da ich eh nur für insgesamt 10 Monate da war. Aus meiner Sicht hatte das Pflegepersonal sich immer geschützt. Auch ist mir nicht bekannt das bei Handschuhen oder ähnlichem eingespart worden ist. Es wurde eher gefragt ob man immer genug Handschuhe in der Tasche hatte um immer welche Griffbereit zu haben.

    • firefox05c schreibt:

      Es gibt ja auch Häuser, in denen auf sowas geachtet wird. Die sind ja nicht alle so lax. In unserem größten Haus kommt man z.B. mit Kittel nicht in die Kantine. Allerdings habe ich dort auf einer Station auch gesagt bekommen, wie teuer Handschuhe sind… Es kommt eben auch viel auf das Personal bzw. die direkt übergeordneten Stellen an.

      • gravFreak schreibt:

        Krass, ich persönlich hätte gedacht das zum Thema Hygiene in Deutschland gewisse Standards gibt woran sich die Kliniken halten müssen. Aber anscheinend erfindet jede Klinik das Rad in allen möglichen Variationen neu. :-/

      • firefox05c schreibt:

        Diese Standarts gibt es natürlich. Aber was intern gemacht wird, ist manchmal etwas anderes.

  8. Gedankenchaos schreibt:

    Auch wenn ich hier nur gerade zufällig vorbeigekommen bin, möchte ich nicht kommentarlos wieder verschwinden, weil mich gerade dieses Thema (persönlich) sehr berührt. Sehr guter Beitrag und mit deinem letzten Kommentar bringst du es auf den Punkt. Wem nützen schon strenge Hygienerichtlinien, wenn sie nicht in erforderlichem Maße umgesetzt werden!?
    Meine inzwischen verstorbene Mama ist MRSA-verseucht durch drei Kliniken gewandert – drei Kliniken und drei verschiedene Umsetzungsvarianten einer Hygienerichtlinie. Da war von Vollvermummung bis mal eben lax ’nen Kittel überwerfen alles dabei – sowohl bei Ärzten und Pflegepersonal, als auch bei den besuchenden Angehörigen.

    Vor Jahrzehnten hieß das Schreckgespenst Pseudomonas, heute verstärkt MRSA & Co. und wer weiß, was in Zukunft noch kommt. Ich darf gar nicht darüber nachdenkten, was ich in Punkto Hygiene in deutschen Kliniken schon alles erlebt habe – sowohl in der dort anrbeitenden Zunft, als auch als betroffene Angehörige und wenn ich jetzt anfangen würde meine Erfahrungen hier auszubreiten, würde es wahrscheinlich ein Roman werden. Deshalb nur ein Beispiel am Rande: 300-Betten-Haus ohne Bettezentrale, sprich (für die Unwissenden): Ohne zentrale Desinfektionsabteilung für benutze Patientenbetten. In diesem Haus wurden die Betten auf dem Stationflur „gereinigt“ – was so viel bedeutete, dass sie mal kurz mit Spüli-Wasser abgefeudelt wurden und die Matratze gewendet wurde. Auf dieser allgemeinchirurgischen Station, auf der ich damals arbeitete, kam es pausenlos zu Sekundärheilungen – wen wundert’s – und meine eigenen Versuche die Hygienemaßnahmen einzuhalten wurden von den Kollegen und Kolleginnen belächelt.

    So lang diesem gewichtigen Thema der Hygiene als das A und O im Umgang mit Menschen so wenig Bedeutung beigemessen wird, wird sich in diesem Land auch nichts ändern – so zumindest meine Befürchtung – und sich immer nur mit zu hohen Kosten rauszureden finde ich schlichtweg fahrlässig. Davon abgesehen sind die Folgekosten für die medizinische Versorgung infizierter Patienten vermutlich weitaus höher, als die Kosten, die in gescheite Hygienemaßnahmen investiert werden. Unser Nachbarland macht das schon ganz richtig – bleibt nur zu hoffen, dass auch Deutschland irgendwann mal aufwacht. Egal ob Baby oder alter Mensch – jeder Mensch, der infolge einer nachweislichen „Krankenhaus-Infektion“ stirbt, ist ein Mensch zu viel!

    Sorry, dass es jetzt doch so viel geworden ist.

  9. kampfmieze schreibt:

    Reblogged this on kampfmiez und kommentierte:
    Bei meinem gestörten Verhältnis zu hygiene könnte ich bei dem Beitrag fast schon weinen. Mir graut schon bei dem Gedanken, dass Menschen mir die Hand schütteln und nach dem letzten Besuch auf dem Porzellanthron die Pfoten nicht ordentlich gesäubert haben könnten. Oh Angst oh Graus, ich will nie mehr ins Krankenhaus.

  10. Scully schreibt:

    Das ist ein Thema, das ich, je öfter, ich es höre, einfach nicht begreifen will: Warum hat mein Alter mir dieses Thema im zarten Grundschulalter plausibel und selbst damals für mich nachvollziehbar erklären können, aber weder Politiker noch andere Entscheidungsstellen begreifen die Notwendigkeit von Hygiene im Gesundheitswesen? Mir gruselt es dann immer, wenn mir dann wieder in den Sinn kommt, dass das für die auf dem Papier eben eine reine Kostenrechnung ist. Würde ja am Ende des Gedankens womöglich bedeuten, dass das ganze abgebau… nein, die ganzen nicht neubesetzten Stellen wieder besetzt werden müssten, von dem Material will man ja eben gar nicht erst anfangen. – Wie gesagt: Es gruselt mich dabei wirklich. Auch solche Aussagen von Bekannten, dass es den ein oder anderen Mitarbeiter gibt, der sich über elementarste Vorschriften – oder Bakterien – einfach erhaben fühlt oder tatsächlich schlicht wegen diverser Einsparungen im Personal sehen muss, wo er seine Zeit herbekommt.

    Da ein Elternteil mit der Thematik ziemlich viel zu schaffen hat – und sich über derartige Skandale auch nicht wirklich wundert, da er sich wohl schon zu oft über sowas aufgeregt hat („Naja, viel mehr falsch als andere haben die nicht gemacht. Nur diesmal stand es in der Zeitung. Wie oft das bei alten Leute trifft, interessiert die Zeitungen nicht so sehr, dass es für die Titelseite reichen würde. So neu ist das Problem nicht.“) -, war das im Elternhaus auch immer mal wieder Gesprächsthema und was das angeht, bin ich ziemlich desillusioniert und auch ziemlich skeptisch, wenn ich mal zum Arzt gehe.
    Allein schon der Blick auf die Tastaturen, auf denen ja diverse Mitarbeiter immer mal wieder zwischendurch herumtippern … und das Wissen, dass die mal weiß waren – also die Tasten … Ich bin zu Hause nun auch wirklich kein Ordnungsfanatiker, aber wenn mein Abwehrsystem ohnehin mit irgendwelchem Kram im Klinsch liegt (wie das der fünfzehn Leute vor mir), fällt einem das gleich dreimal unangenehm auf. Und auch wenn ich vom Gesundheitswesen nicht unbedingt viel Ahnung habe: Wie lange es dauert, bis auf einer Tastatur, die den ganzen Tag benutzt wird, Ablagerungen von der Nutzung (Schweiß und was weiß ich nicht alles, dieser unansehliche (je nachdem wie alt) mehr oder minder (meist zum Glück eher minder) auffällige Belage halt) sichtbar wird, weiß ich als ITler nur zu gut! Und da beruhigt dann auch die Note Desinfektionsmittel, die in den meisten Räumlichkeiten zu riechen ist, nicht wirklich. Zumindest mich nicht …
    Und das beim – allein von der geologischen Lage her – logischsten gemeinsamen Nenner von kranken Menschen (auch wenn nicht alles ansteckend ist). Nein, das klang schon damals nicht sonderlich klug. Aber unterm Strich scheinen die Folgen wohl „billiger“ (*grusel*) zu kommen, als etwas zu ändern. Wie das funktionieren soll – wenn man weiter als bis zur nächsten Wahlperiode oder zum nächsten Jahresabschluss denkt – weiß ich nicht, da ja auch Heilungsprozesse verlangsamt werden und mehr Personal gebunden wird, welches im Zweifel sogar gefährdet wird und dann sind da noch die Zimmer, die – wenn man tatsächlich isolieren würde – eben nicht voll belegt werden können und und und. Nicht zuletzt ist da noch so ein Mensch, der an dem Ganzen Keim-Gedöns sicher auch keinen Spaß hat: Der betroffene Patient, dem es im Zweifel erst mal egal ist, was der Spaß kostet und woher ers hat. Aaaaber vielleicht wissen da andere ja einfach mehr als der Rest. Oder ich hab grundsätzlich was missverstanden. Oder … Ach, keine Ahnung. Vielleicht sollte ich es so machen, wie einige Kollegen. Sich einfach darüber freuen, dass ich mit einer bunten Plastikkarte zu einem Mediziner gehen kann. Es könnte schlimmer sein. Stimmt ja auch, es könnte viel schlimmer sein. Aber besser könnte es eben auch sein … Siehe in dem Punkt Holland.

    • firefox05c schreibt:

      Die Antwort auf alle Probleme, die in diesem Kommentar erwähnt werden, ist – und das weißt du wohl genauso wie ich – kurz und einfach: Geld. Es darf alles nichts kosten. Zumal ein gesundeter Patient nicht in Gewinnwerten in die Buchhaltung der Kassen eingeht: Sie geben nur Geld aus, wenn der Mensch krank ist, aber haben kein Plus, wenn er schnell und bzw. dauerhaft gesund ist. Durch die buchhalterische Zerfaserung der Vorgänge ist es dem, der die Hygienekosten der Intensivstation zusammenrechnet, auch egal, ob an anderer Stelle Kosten durch eine MRSA- Sanierung aufgrund von Sparmaßnahmen anfallen – die wiederum gesondert abgerechnet wird. Das gleiche Schema findet man in fast allen Bereichen, in denen es um die Sicherheit und Gesundheit der Menschen geht: Die Sache kostet, ohne in Zahlen messbaren Gewinn einzubringen. Ganz egal, ob Pflege, Feuerwehr, Polizei, ob es um den Verbot von Lebensmittel- Zusatzstoffen geht, um Medikation in der Massentierhaltung … es ist immer das Selbe: Die Zahlen auf dem Papier haben immer ein „-“ davor. Tja. Und während alte Leute still an Lungenentzündungen und Hygienemängeln sterben, wird in der Öffentlichkeit nur registriert, wenn auch mal Säuglinge dzwischen sind.

      • Scully schreibt:

        Jip, traurig aber wahr. Was ich ganz vergaß dazu zu schreiben: Ein gut geschriebener Beitrag (vor allem gut verständlich). Ich hoffe ja jedes Mal, dass jemand noch irgendeine andere Erklärung aus dem Hut zaubert, die nicht darauf hinausläuft, dass jemand für schwarze (oder „weniger“ rote) Zahlen Tote in Kauf nimmt, aber am Ende läufts tatsächlich drauf hinaus.

        Obwohl ich mich ja tatsächlich frage, neben dem moralischem Aspekt – aber auf dem „nicht quantifizierbaren“ Ohr war bisher jeder Controller taub, der mir über den Weg lief -, ob es auf lange Sicht (wie gesagt, nicht nur bis zur nächsten Wahlperiode oder zum nächsten Jahresabschluss oder zu Gunsten des „Forecast“) nicht sogar „kosteneffizienter“ wäre, wenn man durch die „teuren“ Hygienemaßhmen und Schulungen (es soll ja Leute geben, die einen solchen Satz tatsächlich ernsthaft, ohne zynistischen Unterton mit diesem Wortlaut über die Lippen kriegen) einfach einige Erkrankungen und daraus resultierende Kranke (neben den Behandlungs- und Materialkosten kommen da noch zu Verdienstausfall/Frühinvalidität/u.a. mögliche Folgen) und Tote (ist ja nicht so, als würden die einfach wegfallen, auf Angehörige wirkt sich das ja auch aus) verhindern würde. Das klingt für mich, naiv wie ich bin, ja irgendwie teurer als ein Paar Handschuhe oder etwas mehr Zeit im Pflegeplan für Hygiene (so dass die dafür vorgesehene Zeit auch tatsächlich für beispielweise eine wirkungsvolle (und damit nicht-sinnlose) Händedesinfketion auch reicht und man sogar Zeit hat, das Zeug aus der Tasche zu zaubern oder auf’m Gang zu finden). Klar steht dafür auch ein Minus, aber naiv wie ich bin, bezweifel ich tatsächlich, dass das größer ist, als das, was jetzt an Folgekosten dafür anfällt. Wäre sogar viel planbarer, als wenn man von Zeit zu Zeit einfach mal Stationen dicht machen muss und einem die Kunden wegsterben – wie man so etwas gegen Geld rechnen und offensichtlich für „kalkulierbar“ halten kann, begreife ich zwar nicht – mir wird schon ein wenig übel, wenn ich das so versuche nachzuvollziehen … -, aber naja.

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