Dosencola: „Böööölk!“

Der leuchtend- rote Zylinder befindet sich kühl und etwas feucht in der Hand, der Fingernagel klappt den Verschluss hoch: „Zisch!“ – Das bekannte Aroma des braunen Frischmachers streichelt die Geruchsnerven, kühl und prickelnd rinnt das Zeug in die Kehle, der Druck sammelt sich in der Magengrube, um in einem herrlichen Rülpser jedem in der Umgebung zu signalisieren: Ich genieße Dosencola! Geil! Echte Cola genießt man aus Dosen!

Aber worin erkennen Fans den Reiz einer Dosencola? Alles nur Philosophie?

Immerhin wird das Zeug größtenteils in Plastikflaschen verkauft. Die auch mehrfach verwendbar sind (etwa 15 Mal). Eigentlich so richtig erst seit 2003, als das „Dosenpfand“ eingeführt wurde. Aber Cola aus der Plastikflasche (aus PET) ist lange nicht das Gleiche wie aus der Dose. Es schmeckt – zumindest aus Flaschen, die schon mehrfach verwendet wurden – irgendwie anders. Einbildung?

Mal sehen.

1936 wurden in den USA die ersten Coladosen befüllt (zunächst noch in Schwarzblech), in Deutschland erst ab 1963. Heute werden nur Aluminium- Dosen verwendet. Eine gängige Größe sind Dosen mit 0,33 l Inhalt, was etwa 12 US- Unzen (355ml), abzüglich der technisch bedingten Füllhöhe,  entspricht. Da Cola leicht säurehaltig ist, löst sich etwas Aluminium der Dose in dem Getränk. Und das macht es aus? Nicht ganz. Nicht nur.

Denn die (mehrfach verwendbare) PET- Flasche ist nicht so neutral, wie die Werbung es verspricht. Sie ist nicht ganz gasdicht, weshalb Cola aus Plastikflaschen im Schnitt auch nur bis 6 Monate nach der Abfüllung haltbar ist (in den dickeren 1,5l- Flaschen 9 Monate), Dosencola schafft es auf 12 Monate, und aus Glasflaschen ist sie sogar nach 18 Monaten noch gut. Die Kohlensäure diffundiert teilweise durch die dünnwandigen Flaschen. Aber nicht nur das: Auch andere Stoffe werden in geringen Mengen in das Getränk abgegeben.

Vor ein paar Jahren hatte man richtig Probleme damit, dass zum Beispiel das nach Wein riechende Ethanal in das Getränk abgegeben wurde, daher füllte man zu Anfangszeiten der PET- Flasche auch weniger das geschmacksneutrale Mineralwasser ab. Auch Antimon (kann – aus z.B. Textilien gelöst- Hautreizungen verursachen und gilt als Krebsverdächtig), Phthalate (Weichmacher)  und östrogenartige Substanzen werden in geringen Mengen abgegeben. Phthalate können (ebenso wie die östrogenartigen Substanzen) Unfruchtbarkeit bei Männern verursachen. Das soll sich besonders in der Entwicklungsphase der zukünftigen Stecher bei verstärkter Aufnahme auswirken. Allerdings werden Phthalate (Weichmacher) auch in der Verpackung des Grillfleisches und dem abgepackten Mett verwendet, wodurch so ein Tonnen verzehrender Vollblut- Gorilla wohl ein Vielfaches von dem Potenzkiller über seine feste Nahrung zu sich nehmen dürfte. Ist also alles relativ.

Dieses versucht man durch eine Nano- Beschichtung im Inneren der Flasche zu verhindern. Diese Beschichtung wird durch Reinigungsvorgänge aber angegriffen- und der Senf geht von vorne los. Und offensichtlich geben einige dieser aus PET gelösten Stoffe auch Geschmack ab. Deutlich zu schmecken, wenn man eine bereits mehrfach genutzte Colaflasche öffnet und angebrochen, aber wiederverschlossen, einen Tag stehen lässt. Macht man das gleiche mit einer Glasflasche: Keine Geschmacksveränderung. Wenn die Pulle vernünftig dicht war. Aus Glasflaschen kann man also den puren Geschmack der „Wave of Refreshing“ genießen. Aber ist das der Gipfel?

Nö. Für mich nicht. Lieber die Dose.

Denn in der Dose wird etwas Aluminium gelöst (etwa um die  0,3mg / l) . Das hat natürlich nicht nur eine geschmackliche Komponente: Aluminium, welches ins Gehirn gelangt, kann sich dort ablagern. Aluablagerungen geben dabei einen Grundstock, der die Bildung von Plaques und Fibrillenbündel begünstigt. Und die sind wohl Ursächlich für die Alzheimer- Erkrankung. Bei einigen säurehaltigen Lebensmitteln werden daher teilweise Weißblechdosen verwendet. Allerdings bleibt zu erwähnen, dass man nicht nur über Dosen Aluminium und seine Verbindungen zu sich nimmt: Es ist nicht nur in vielen Lebensmitteln von Natur aus enthalten, sondern wird in der Lebensmittelindustrie auch als Zusatz z.B. in Backpulver, Schmelzkäse, Zuckerguss oder auch als Farbstoff (Effekt- Pigmente) verwendet.

Und dann spielt natürlich auch noch eine Komponente eine Rolle, die unsere dosenreduzierten Kinder wohl nicht mehr verstehen werden: Das Gefühl in UNSERER Jugend.

Ich sollte natürlich als Kind nicht so viel Cola trinken. Was kauft man also vom Taschengeld, wenn Mama und Papa nicht zusehen? – Richtig. Ist cool, eine Art Widerstand gegen die Erziehung, Fanta ist eh‘ für Mädchen. Und wie stand es im Laden rum, wenn man nicht gleich mit vier Mann an einer Pulle nuckeln wollte? – Als Dose, natürlich! Man saß also irgendwo rum, wo man unter sich war, schraubte sich den roten Zylinder nach hinten und zerquetschte später lässig den Behälter, um ihn dann durch die Gegend zu treten, bis sich Oppa von gegenüber beschwerte. Mann, waren das Zeiten! Walkman, Turnschuhe, Dosencola! Mit den damaligen „Ring-Pull“- Verschlüssen konnte man dann noch ein „UFO“ fliegen lassen. Der Rest lag dann allerdings auch im Freibad auf der Liegewiese rum, was schon mal Schnittverletzungen an den Füßen gab. Aber irgendetwas ist ja immer.

Natürlich ist eine Aludose aus ökologischen Gesichtspunkten einer Glasflasche total unterlegen. Selbst die PET- Flasche ist da besser. Und dass Alu in der Birne nicht gut ist, habe ich ja eben beschrieben. Plastik ist dabei aber auch nicht ohne, nur Glas scheint da wieder überlegen zu sein.

Und trotzdem: Wenn ich eine Cola so richtig genießen möchte, nehme ich eine Dose, stürze sie runter und bölke schön asozial die Wände ordentlich an. Und Mausi bölkt zurück (wenn auch nicht von „so weit unten“). Gehört irgendwie dazu. Genauso wie das anschließende martialische Kleindrücken. Und das kann ich mir leisten, weil meine Dose aus Holland kommt – da gibt es nämlich kein Dosenpfand. 🙂

In diesem Sinne: Prost.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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11 Antworten zu Dosencola: „Böööölk!“

  1. T K (@Sueder80) schreibt:

    Dosencola ist für mich auch immer wieder ein genuss und ich erkenne auch den Unterschied. Ich kann mich noch gut an die Mittagspause in der schule erinnern bei der wir uns im örtlichen Supermarkt erst eine 0,5 l Dose cola geholt haben und dann erfolgte das obligatorische Weitschnippsen des Öffnungsringes.

  2. BRC_MEDIC schreibt:

    Bin zwar Verfechter von PEPSI, aber ich weiss was Du meinst 🙂

    • firefox05c schreibt:

      Mooooment: Ich habe nichts von Coca Cola geschrieben, und die Fotos darfst du ruhig als Symbolfotos sehen! 😉 (So, ist der Werbeblock auch durch…)

      • Der Ich schreibt:

        Doch, hast du: „ab 1963 in Deutschland“, „1,5L MW Flaschen“. Das trifft nur auf eine Marke zu. 😉

  3. Mr. Gaunt schreibt:

    Oh ja, das Weiterschnipsen des Öffnungsrings, das gehörte irgendwie mit dazu. Geht ja schon lange nicht mehr, leider (Umweltaspekt mal ausgeklammert).
    Auch wenn ich mich für den Tagesgebrauch mit Coke zero in der Plastikflasche arrangiert habe, geht doch unter den Erfrischungsgetränken nichts über eine eiskalte Dose Coca Cola. Ausser eine eiskalte kleine (!) Glasflasche Coca Cola.

  4. lelei schreibt:

    Ich war ja immer ein Fan von den 0,33l Glasflaschen aus dem Automaten.

    You Can’t Beat the Feeling

  5. steimi schreibt:

    ja haargenau richtig, es geht nichts über die gekühlte 0,33l dose oder glasflasche !!!

  6. Benjamin schreibt:

    Wobei ich dir in einem Punkt widersprechen muss: die neuen, etwas schlankeren und dafür höheren Coca-Cola-Dosen (sehen so’n bisschen aus wie Red-Bull-Dosen) sind mit „Fe“ gekennzeichnet, also nicht aus Alu…

    • firefox05c schreibt:

      Diese Dosen sind aus Weißblech, also verzinntes Stahlblech. – Aber mal ehrlich: Das ist doch nichts für Männerhände, ehr der Long- Drink- Ersatz für Mädchen? 😉

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