Berlin. Was man da so sieht.

Wie der eine oder andere, vielleicht auch beide, vielleicht mitbekommen hat, war ich mit meinem Schatz in Berlin. So für eine Woche. Das ist zwar etwas kurz für eine solche Stadt, um auch nur die wichtigsten Punkte zu erledigen, aber mein Chef wollte mir den Urlaub trotzdem nicht um eine Woche „Bildungsreise“ verlängern. Da half es auch nichts, ihm zu versprechen, einen echten Hauptstadt- Rettungswagen in freier Wildbahn zu fotografieren.

Tja, also mussten wir in nur einer Woche eine kulturelle Druckbetankung durchführen. Wir entschlossen uns, mit der Bahn anzureisen: Die Fahrkarte war etwa so teuer wie die erwarteten Spritkosten, und in Berlin selbst gab es ja eine Wochenkarte für den ÖPNV, die wohl etwa für die vermuteten Park- Kosten zu haben war. Das sollte reichen, um nicht die halbe Zeit mit der Parkplatzsuche zu verschwenden. Und stressfreier war es auch.

Berlin Mitte: Monumente, Staatskarossen, Touristen.

Nachdem wir am späten Sonntagnachmittag unser Gepäck mit dem Aufzug von 1910 in den 4. Stock gebracht hatten, in dem sich das Hotel befand  (der Aufzug mit knatschender Holzkabine und den Klapptüren war der Horror für meine Kleine, für mich ehr ein Abenteuer), schlenderten wir noch mal zum Tagesabschluss den 200m entfernten Ku’damm rauf und runter. Aber mal ehrlich: Wenn am Wochenende die Sonne scheint, kann man sich das echt sparen. Ein prolliges Schaulaufen ohne Gleichen! Jeder stellte zur Schau, was er hatte, wobei teuer nicht immer mit geschmackvoll gleichbedeutend war: Eine Strumpfhose mit Leopardenflecken unter einem Leder- Mini sieht IMMER nuttig aus, auch, wenn das Ding 200 Eumel gekostet hat! Die Prollos mit ihren teuren Schlampenschleppern, die die Straße rauf und runter brüllten, waren wohl noch nicht so mit der Bedienung der Fahrzeuge vertraut: Mehr wie 70 gaben die Karren im 2. Gang nicht her, und der 3. Gang war anscheinend schlicht unauffindbar. Das Einschalten der Glühlampe hinter der grünen Ampelscheibe wurde mit einem Getöse wie in Le Mans begrüßt. Was diesen Piloten dabei wohl durchging: Ich sah auf dem Gehweg in solchen Situationen ehr verständnislose als bewundernde Blicke. (Ich bin nicht alleine!!)  🙂

Nachdem etwas später die Straßenkaffees aber wieder dicht waren, konnten wir in Ruhe spartanische Riemchen- Sandalen mit etwas „Bling-bling“ für knapp 500€ in den Schaufenstern bewundern, denn die Neureichen hatten sich wohl in irgendwelche „Chichi- Lokale“ verzogen. Da muss man ja auch mal gesehen werden. Die Schwanzvergleiche, die in Katernberg schlicht auf dem Parkplatz bei Mackes stattfinden, wurden hier wohl unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen.

Montag Morgen dann in der Bäckerei die erste Begegnung mit den lokalen Eigenheiten: Baguettes gibt es dort auch, aber die Brötchen heißen „Schrippen“. Seltsam inkonsequent fand ich nur, dass verlängerte Schrippen wieder „Baguette- Brötchen“ heißen, nicht etwa „Baguette- Schrippen„. Ja wie denn nun? Ich wollte der netten Backwarenverkäuferin (Inhaberin einer Sonnenbank- Dauerkarte und einer „Fick-mich-Palme“ auf der blonden Runkel) jetzt aber keine etymologische Grundsatzdiskussion aufzwingen, da Mausi schon das erste Museum besuchen wollte:

Das Erotik- Museum von Frau Uhse.

Exponat aus Äthiopien

Ich hatte es vor ein paar Jahren schon mal gesehen und meinem Schatz davon erzählt. Aber damals waren einige der Kollegen, die es auch besuchten, enttäuscht vom Museum. Ich frage mich allerdings, ob sie die Bezeichnung „Museum“ nicht ganz ernst genommen und ehr so etwas wie eine kostenlose Vorführung historischer Ruckel- Western von Herrn Kolle erwartet hatten. Denn – mal losgelöst vom Vortitel „Erotik-„ : Was erwartet man in einem Museum? Skulpturen? Zeichnungen und Gemälde? Oder antike Ritual- und Alltagsgegenstände? Vielleicht noch Dokumente? All das gibt es in Museen. Und also auch hier: Zille zeichnete Sex in der Enge der überfüllten Schlafstätten im Berlin der Industrialisierung, die Chinesen hängten sich vor tausend Jahren schon schlüpfrige Bilderchen zum Herrenabend an die Wand, und die Afrikaner schnitzen sich Brüste aus Holz und tanzen damit. Die ältesten Kondome (zum Zubinden und mehrfachen Gebrauch) kann man dort ebenso bestaunen wie verschiedene Präparate aus dem pseudo- medizinischen Sektor, über die man sagen kann: Alles, was aussieht, wie ein Pimmel, scheint für Asiaten potenzfördernd zu wirken, wenn man sich einen Tee daraus kocht, egal ob Wurzel und Pilz oder Schildkröte (Hals und Kopf…) und Skorpion. Nun gut, auch mein Schatz fand dieses alles und die Ausstellung über das Leben der Frau Uhse sehr interessant. Im „Souvenirshop“ im Erdgeschoss verschafften wir uns noch einen kurzen Überblick über Hilfsmittel und Spielzeuge der Gegenwart und entdeckten auch einige hochrote Köpfe, die aus einer der Kinokabinen kamen (dort wurde wohl ein Film über Frauen gezeigt, die Tennis spielten. Zumindest hörte es sich so an),und waren kaum vier Stunden später auch schon wieder raus.

So machten wir uns den Rest des Tages an das Abklappern der

Standart- Sehenswürdigkeiten in Berlin- Mitte:

Mauerhändler

-Am Potsdamer Platz forderte ich nochmals, dass die Mauer weg muss. Eigentlich meinte ich aber mehr die „Souvenirverkäufer“, die vor den Gedenk- Resten stehen und  mit dem Feilbieten von Gummimasken, Orden und Mützen die alten Bestände der NVA verramschen. Wer so etwas kauft, hat von Berlins Teilung nicht viel verstanden. Und die Händler hatten mit der Geschichte auch nicht viel zu tun, so, wie sie aussahen.

-Im Sony- Center fand ich es schade, wie der Erhalt der Reste des „Hotel Esplanade“ umgesetzt wurde. Irgendwie fällt von Außen kaum auf, dass hier ein Stück Geschichte aufwändig implementiert wurde. Die Rondellkonstruktion der Überdachung ist aber ein Hingucker.

Ganz so alt sind die Bahnen dann doch nicht...

– Die U-Bahn– Taktung ist besser als im Pott. Aber die Bahnen rumpeln so laut, dass man Gehörschutz braucht. Außerdem fährt die U- Bahn, die man beim Erstürmen der Station gerade noch mitbekommt, immer in die falsche Richtung.

-Das Mahnmal für die im „3. Reich“ verfolgten Homosexuellen ist sehr unauffällig plaziert. Ich hätte es auch besser gefunden, wenn man z.B. durch einen kleinen Eingang den Klotz hätte begehen können, um dort die Enge des (gesellschaftlichen) Raumes, in dem die Verfolgten sich bewegten, zu spüren (wenn das überhaupt ein Gedanke des Künstlers war). Aber dann hätte wohl auch irgendein Vollpfosten mal wieder einfach reingepinkelt. Also doch wieder gut, wie es jetzt ist.

– Das Stelenfeld des Holocaust- Mahnmales sollte man erst betreten können, wenn man den darunter liegenden „Raum der Information“ besucht hat. Dann würde vielleicht nicht den ganzen Tag lang von irgendwelchen Jugendlichen albern gackernd „Verstecken“ gespielt.

Stretch- Trabbi. 3 Achsen...

– Am Brandenburger Tor stellte ich zufrieden fest, dass man jetzt durchlaufen kann, ohne, dass im Westen eine Mauer im Weg ist. Aber die uniformierten „Darsteller“, mit denen man sich fotografieren lassen kann, sollten ihre Aufgabe vielleicht etwas ernster nehmen. Wenn jemand in einer britischen Besatzeruniform die Mädels wild hampelnd und lautstark auf italienisch belästigt, bekommt die Geschichte der Teilung irgendwie was von Disneyland. Für die meisten Berlin- Besucher ist die Sache eh‘ schon schwer zu verstehen, wenn sie die Mauer vorher nie „in Betrieb“ gesehen haben.

Zwischen den Pferdedroschken, einer Trabi- Stretch- Limo und bettelnden, bunten Frauen machte mich eine Reihe von Staatskarossen auf dem Platz neugierig. Der von mir befragte Polizist klärte mich dann darüber auf, dass dieses aber nicht der Taxistand der Bundestagsabgeordneten sei, sondern sich im angrenzenden Hotel Adlon mal wieder ein paar Staatsmänner zu einem Plausch getroffen hatten. So unspektakulär ist das also… 😉

Karl Friedrich Schinkel konnte prima Fassaden entwerfen und bauen lassen. Ich werde mir überlegen, meinen Wintergarten von ihm gestalten zu lassen. Falls er noch nicht in Rente ist. Ich muss da mal googeln.

heißer Bauchladen

– Um Bratwürste zu verkaufen, braucht man keinen Imbißstand. Ein Bauchladen reicht.

Vita- Kola schmeckt, als hätte man ein oder zwei Haribo- Colafläschchen in einem Glas Fanta aufgelöst. Und das „Dressing“ der DDR- Ketwurst (nämlich einfach Ketchup) ist sozialistisch- spartanisch, aber lecker.

– Im DDR- Museum kann man Kleiderschränke durchwühlen und im Plattenbau- Wohnzimmer den Sudel- Ede („Der schwarze Kanal“) gucken.

– Es gibt in einer U- Bahn- Station einen Mackes, den ich für den kleinsten der Welt halte: 1 Tisch, 4 Stühle.

"Augen rechts!" war schon immer für einige schon zu schwierig...

Am Dienstag war dann das Neue Museum dran. Zwischen tausenden ägyptischen und trojanischen Exponaten traf ich auch das eine oder andere Stück, welches ich aus meinem Geschichtsbuch kannte, wieder. Zum Beispiel – und allem voran – „datt Noffi“. Was ich bis dahin nicht wusste: Die Büste der Nofretete war wohl nur eine naturgetreue Vorlage eines antiken Gipsers, der nach ihr die eine oder andere Skulptur schaffen wollte. Nur hatte die gute Frau Nofretete wohl kein Bock oder auch zu viele Termine, um hierzu immer Modell zu sitzen. Daher das naturgetreue Modell. Bei all‘ der damals gebräuchlichen „idealisierten Darstellung“, die man so betrieb, für uns heute ein Glücksfall: Noffi sah nämlich nicht nur schick aus, dank dieser „Vorlage“ wissen wir heute auch, dass sie Fältchen unter den Augen hatte. Und weil Frauen es scheiße finden, wenn man ihre Fältchen dokumentiert, ist dort auch Foto- und Filmverbot. Oder so. 😉

Ausschnitt aus dem Titelstein der ersten "MAD" mit Alfred E. Neumann.

Eigentlich wollten wir noch ein zweites Museum besuchen, aber da uns der Kopf etwas schwirrte, beließen wir es bei dem „Neuen Museum“. Nach einem Streifzug über den Breitscheidplatz und Umgebung (Europacenter, Gedächtniskirche mit „Puderdose und Lippenstift“…) war es dann schon wieder Abend . Zur Restaurierung der Gedächtniskirche kann man übrigens ab 50€ eine „Fugen- Partnerschaft“ übernehmen. Der Name des Paten steht dann allerdings nicht auf der Fuge. Ich glaube, man darf sie nicht einmal rot kennzeichnen, um sie später wieder zu finden….

Für Mittwoch hatte Mausi uns eine historische Führung im Reichstag gebucht. Und das wäre fast schief gegangen: Um 10 sollten wir an der Sicherheitsschleuse sein, damit um halb 11 die Führung beginnen konnte. Aber da die erstbeste U- Bahn immer in die verkehrte Richtung fährt und wir etwa zwei Stationen brauchten, um es zu merken, kamen wir natürlich zu spät an. Aus dem Bahnhof rausgestürmt und einen Polizisten belästigt („Wie kommen wir in den Reichstag?? Schnell, bitte!!“ – „Müssta euch wählen lassen…“), kamen wir an den Einlasscontainern an. „Oh Mann, da stehen 60 Piepelz! Wir schaffen es nicht mehr…“ , unkte ich resigniert. „Dann lass uns doch erst mal fragen!“, meinte mein Schatz, lief an der Schlange einfach vorbei und meldete sich vorne. Mittlerweile war es fast zwanzig nach zehn. „Haben gebucht… so reserviert… zu spät… 10 Uhr… historische Führung…“ keuchten wir. Die Anzugmaus am Eingang wies uns aber nicht (wie ich schon befürchtet hatte) zurück, sondern schaute auf ihrer Liste nach und griff zum Funkgerät: „Position 17 ist jetzt auch da“ , und zu uns: „Dann kommen sie mal mit.“Yeah! Reservieren rulz! Wie die VIPs wurden wir an allen vorbei zur Sicherheitsschleuse gebracht.

Blick vom Plenarsaal in die Besucherkuppel

Hier wurden wir gebeten, alles Metallene in eine Wanne zum Durchleuchten zu geben. Während mein Schatz schon durch den Metalldetektor- Rahmen war und ihren Kram auf der anderen Seite wieder in ihre Taschen sortierte, wühlte ich noch alles aus mir raus. Geldbörse… Telefon… Hotelschlüssel… Pfefferspray… ?? Pfefferspray!!?! In meiner Jackentasche befand sich noch eine vergessene Dose Pfefferspray! Ich sah mich schon im Keller in einem dunklen Büro sitzen, dem Staatsschutz erklärend, wen ich denn im Plenarsaal anzutreffen gedachte, um ihm mit meinem Spray zu erläutern, wie man sich fühlt, wenn einem nach Abzug der Steuern vom Lohn zum Heulen ist. PANIK!!! Ich Vollpfosten will Waffen mit in den Sicherheitsbereich schmuggeln! Das war es womöglich mit der Führung… Hektisch und verzweifelt plapperte ich der Dame und dem böse dreinblickenden Herren auf der anderen Seite des Röntgengerätes Fetzen der Entschuldigung ins Gesicht: „Oh Mann, das hatte ich ganz vergessen, dass ich die noch… aber nehmen Sie die bitte, können Sie entsorgen… einfach weg damit… das tut mir jetzt Leid… Kommen wir trotzdem rein? Vielleicht?“ Die Dame schaute kurz auf die Dose und konnte mich beruhigen: „Da steht drauf, dass das zur Hundeabwehr ist. Darum fällt das nicht unter das Waffengesetz. Als „Gefährlicher Gegenstand“ tüten wir das hier einfach ein, und wenn Sie wieder rauskommen, holen sie es am Ausgang wieder ab.“ Gott! Sei! Dank! Hätte die Dose aus der vermeintlich leeren Jackentasche den Alarm ausgelöst, wäre da wohl eine umfangreichere Erklärung notwendig geworden. Aber seit dem Fall der Mauer sind die Sicherheitsbeamten wohl wesentlich entspannter…

Der Reichstag in Stichworten:

– Es sind noch Graffiti an einem Teil der Wände, die angeblich von russischen Soldaten stammen. Da der Stein darunter aber wie Sandgestrahlt aussieht, wird die wohl jemand nachgezeichnet haben müssen.

Datt Angela war nicht da. Dabei hatte ich extra meine Schuhe geputzt, um beim gemeinsamen Kaffee Eindruck zu schinden.

– Im Innenhof gibt es eine Art Beet, für das jeder Abgeordnete etwas Erde aus seinem Wahlkreis mitbringen sollte, so dass sich hier Boden aus dem gesamten Regierungsgebiet der BRD befindet. Konsequenterweise wurde es auch allen Bewohnern Deutschlands gewidmet, und nicht nur den „Volksangehörigen“ (Widmung über dem Hauptportal).

– Man fühlt sich im Plenarsaal sehr erhaben. Meinte Mausi. Sie hatte die ganze Zeit dort anscheinend einen Stock im Hintern, so aufrecht wandelte sie.

Die Wand mit den "Abgeordneten- Kisten" und dem schwarzen Platzhalter

– Im Keller sind Kisten gestapelt, mit den Namen aller Parlamentarier, die es so im Laufe der Zeit gab. Deren Asche ist da aber glaube ich nicht drin. Allerdings ist für Frau Merkel da auch schon eine Kiste bereitgestellt. 😉 Für die NS- Zeit, in der es kein Parlament gab, wurde übrigens eine schwarze Kiste eingefügt.

Die rote Fahne, die in diversen (schwarz-weißen) Filmdokumenten immer wieder auf dem Dach gezeigt wird, hängt dort gar nicht. Passte wohl farblich nicht zur Europaflagge.

Vordergrund ein Turm des Reichstages, Hintergrund Siegessäule und die "Schwangere Auster"

– Man hat vom Dach aus aber eine klasse Aussicht. Vielleicht miete ich mich irgendwann mal in die Kuppel ein. Aber da, wo das Bad hinkommt, werden die Scheiben dann blind beklebt.

Am Donnerstag war dann das Pergamon- Museum dran. Das, wo ein Teil des gleichnamigen Altars zu sehen ist. Und weil in Berlin auch schon mal schlechtes Wetter ist, haben sie ihn reingestellt. Ziemlich monumental. Zwei Räume weiter steht der nächste Klotz: Das Vortor des Ischtar- Stadttores. Sehr groß, sehr blau, sehr beeindruckend. Muss man gesehen haben. Dabei ist das bloß erst das Vortor gewesen! Der damalige Chef, Nebukadnezar II, scheint einen Faible für blaue Fliesen gehabt zu haben: Seinen Palast, der hinter dem Tor um die Ecke gestanden hat, hatte er auch damit verkleiden lassen. Naja, vielleicht waren die Fliesen auch gerade „in“…

Nachdem wir wieder gefühlte 2 Millionen Exponate begutachtet (und auch mal wieder einige schlüpfrige Sachen entdeckt hatten), musste das Gesehene erst mal wieder verarbeitet werden. Schatz meinte, das könnte man am Besten bei einem Bummel durch das legendäre KaDeWe besorgen. Dort angekommen, schritt sie voller Erwartungen in den Konsumbunker – und wurde enttäuscht: Im Erdgeschoss drängelten sich einige kleine Filialen der hochpreisigen Luxusmarken. Dort sahen wir Bushido bei Chanel einkaufen. Ob der bei seinem Mädchen etwas gut zu machen hatte? Jedenfalls meinte Mausi etwas desillusioniert, dass er ja viel kleiner sei, als sie es sich vorgestellt hatte. Oberhalb des Erdgeschosses mit den Marken- Filialen und Bushidos sah das KaDeWe eigentlich einem übergroßen Karstadt sehr ähnlich. Will man also nicht gerade im Restaurant im obersten Geschoss eine Curry bestellen, kann man sich die Rolltreppen getrost sparen.

Was ich an dem Tag noch so lernte:

Er hat sich geärgert, dass zwischen ihm und unseren Kuchentellern eine Scheibe war...

– Die Tauben heißen dort Spatzen und sind viel niedlicher. Sie kacken auch nicht so große Plocken.

– Curry- Uwe von der Bude an der Ecke weiß, wo man am Tiergarten kostenlos parken kann. Wir wollten deswegen aber nicht extra unser Auto nachholen.

– Das Berlin- Museum am Brandenburger Tor bringt wenig Neues und kommt mir schlecht recherchiert sowie lieblos präsentiert vor. Ehr ein Souvenirladen mit Ausstellung. Kein Foto für dich…

– Die Wasserversorgung in den Randbezirken ist immer noch teilweise sehr schlecht.

Checkpoint- Charly ist recht unspektakulär. Für 2 Eumel kann man sich dort den Abdruck eines ausgedienten Stempels abholen oder sich mit GI- Darstellern knipsen lassen. Das angrenzende Museum fanden wir mit 12 Euronen Eintritt doch etwas zu teuer, da wir nur noch knapp 3 Stunden dafür Zeit gehabt hätten.

Freitag dann fuhren wir nochmal mit der Bus- „Touristenlinie“ 100, um die Goldelse zu gucken. Am Besten fotografiert man die Siegessäule anscheinend von hinter einer Grundstücksmauer aus: Dort ist auch schon ein beachtlicher Trampelpfad entstanden. Zumindest dem Geruch nach wurde dort ausschließlich fotografiert. Ferner machten wir noch einen Abstecher zur

Mauer, Minenfeld, Fahrweg mit Wachturm, Signalzaun, rückwärtige Mauer

„Gedenkstätte Berliner Mauer“ in der Bernauer Straße. Und die dort einzusehenden Auszüge aus Wachbüchern und Berichten sowie das originalgetreue Stück der ehemaligen Grenzanlage halfen meinem Schatz, der die Teilung ja nicht persönlich erlebt hatte, zu verstehen, was damals in Berlin so los war. Vor allem die Kontrollen, Schikanen und Bespitzelungen auf der Ostseite. Was anfangs noch für junge Ohren lächerlich klang, wurde nach dem Verstehen doch etwas beklemmend.

Am Samstag traten wir dann die Rückreise an. Was wir in der ganzen Woche abends so gemacht haben? Nun, wenn wir um 22.00 ins Hotel kamen, ist Mausi tot umgefallen, während ich insgesamt fast 1100 Fotos aus 2 Kameras durchsortiert und über 300 verworfen habe. Ab und zu ist Schatzi dann zwischendurch aufgewacht, hat in ein anderes Programm gezappt, um dann wieder einzuschlafen. Und wenn ich dann das nächste Mal vom Laptop aufgeschaut habe, war ich höchst irritiert, wieso die bei „Polizeiruf 110“ um einen Diskussionstisch sitzen und labern…

Als Fazit kann ich sagen: Die Woche war mit 9 Ausstellungen, der Reichstags- Klamotte und dem Sightseeing zwar proppevoll gestopft und anstrengend, aber wir haben lange noch nicht alles gesehen. Berlin wäre also auch noch eine zweite Reise wert.

Übrigens hier noch ein schickes Symbolbild für die Endzeitstimmung in den von Kohl versprochenen „Blühenden Landschaften“ im Osten:

Der Laden im heruntergekommenen Haus ist zu, und die Plakate rechts scheinen zu verraten, wohin der ehemalige Inhaber abgewandert ist: „Die USA verlosen 55.000 Greencards!“

Advertisements

Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
Dieser Beitrag wurde unter Privat abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Berlin. Was man da so sieht.

  1. unimogfahrer schreibt:

    …und wo ist das Bild vom Holzaufzug… 😉

  2. ozyan schreibt:

    Ich glaube, das Hotel kenne ich… Da brauchte man allerdings einen Schlüssel für den Aufzug. War nicht zufällig bei Cartier um die Ecke? Der Wachmann hat uns schon immer gegrüßt, nachdem wir zum vierten Mal an ihm vorbei gelatscht waren 😀

  3. gotsassaufeinemast schreibt:

    Das klingt wirklich nach einer schönen Reise und die Fotos sind absolut toll. Da bekommt man gleich wieder Fernweh.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s