Und dann war da noch…

…der sehr konservative Gruppenführer:

Ein zur Vertretung kommender Wachführer (!) schaute sich auf dem „Schwarzen Brett“ unserer Wache um und entdeckte die Dienstanweisung zum „Vorgehen bei KFZ- Bränden mit neuem Klimamittel“. Dort wird vorsorglich angeordnet, bei Fahrzeugbränden nur noch mit Atemschutz vorzugehen und auch bei Unfällen ohne Brand auf der Hut vor den Auswirkungen des in neuen Automodellen verwendeten Klimamittels zu sein. Der Kommentar des Führungsgewaltigen zeugte von einer – sagen wir mal – „kognitiven Grundkonfiguration“: „Verhalten bei… Tetrafluorpropen… So’n Blödsinn, was denn noch alles? Damals hatten wir mal so’n Zeugs, Tetrafluorbromid oder so’n Geschiss, fast das Gleiche, Halonzeugs… das hat damals auch keinen interessiert, was damit war. Das wird auch immer mehr, was die sich da für’n Scheiß ausdenken…“ Als ich das hörte, ist mir fast alles aus dem Gesicht gefallen. Diese ewig gestrigen sind der Meinung, dass sich nichts ändert, solange sie leben.

Was er ansprach, war das Löschmittel „Tetrrachlorkohlenstoff“, welches früher als eines der Halone zwar weit verbreitet war, nachdem die gesundheitsschädigende und u.U. sogar tödliche Wirkung aber thematisiert wurde, schon Mitte der 60er verboten wurde. Was er meinte, war die gesamte Gruppe der Halon- Löschmittel, die wegen ihrer klimaschädlichen und krebserregenden Wirkung Ende der 90er des letzten Jahrhunderts aus dem Verkehr gezogen wurden.

Diese Art der Feuerwehrleute schwärmt auch heute noch davon, dass „früher“ kaum Atemschutzgeräte benutzt und bei jeder Gelegenheit eine Schaumparty veranstaltet wurde. Dabei vergessen sie, dass „Feuer 1970“ nicht gleich „Feuer 2012“ ist: Die Materialien in den Wohnungen haben sich grundlegend geändert, das daraus resultierende Brandverhalten genauso wie neue Kenntnisse über Gesundheits- und Umweltgefahren können nicht einfach ignoriert werden. Und schon gar nicht durch Führungspersonal! Diese Unfähigkeit, sich auf neue Taktiken/ Forschungsergebnisse/ Geräte einzustellen, sollte ein Grund sein, eine Führungsposition auch wieder aberkennen zu können. Schließlich stecken wir uns heute bei der Brandbekämpfungen auch nicht mehr zum Innenangriff die nassen Bärte in den Mund oder bilden eine Eimerkette. Und kein Mensch würde auf die Idee kommen, dieses wieder einzuführen. Aber was vor nur 30 Jahren Alltag im Job war, scheint Beständigkeit für alle Zeiten zu haben. Neues ist dann entweder übertrieben oder sogar kompletter Unfug…

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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10 Antworten zu Und dann war da noch…

  1. AusNRW schreibt:

    Wie war, wie war

  2. ML schreibt:

    Hier treffen dann wieder die drei Grundregeln der Feuerwehr zu:
    1: Das haben wir schon immer so gemacht
    2: Das haben wir noch nie anders gemacht
    3: Und überhaupt….

    • dasholzi schreibt:

      Nicht zu vergessen, was auch sonst überall gilt:
      1. Ich habe immer Recht.
      2. Sollte ich mal falsch liegen, was nicht passiert, tritt automatisch Regel 1 in Kraft.

  3. Daniel S. schreibt:

    lol – ich kann dich trösten, das ist in allen Berufssparten so, sogar bei der durch schnelle Entwicklung getriebenen Informatik gibt es diese „Ewiggestrigen“ 😉

  4. delfinstern schreibt:

    @daniel S: In der Informatik find ich allerdings die Leute schlimmer, die immer und überall das neuste vom neuesten probieren wollen. und am besten jede woche was anderes, dass am Ende Software aussieht wie ein Flickenteppich… aber hauptsache das neuste, schönste, glitzernste….

  5. wie wahr.. leider…

  6. gotsassaufeinemast schreibt:

    Manch einer scheint den Kopf doch auch wirklich nur noch zu haben, damit es nicht in den Hals regnet. Ich kenne sowas. Die Feen der älteren Generation pipettieren auch noch gern irgendwelche Säuren und Chemikalien mit dem Mund. 😉

  7. Wolfram schreibt:

    Hier lief neulich in der Sendung „C’est pas sorcier“ (sowas wie die MAUS, aber für Größere) eine Sendung über Feuerwehr. Mit Übungen im Container, um mit Rauchverbrennung etc. umgehen zu lernen… wow.
    Da sagte der Chefausbilder u.a., vor 40 Jahren wär eine Rauchverbrennung nie vorgekommen, weil die Häuser viel zugiger waren und es darum nicht so heiß wurde; heute würde es um 400°C heißer brennen, und deshalb die Rauchgase auch sich entflammen.
    Aber damals, da passierte das nicht, also passierts heute auch nicht… (Und damals, da kam man mit den lahmen Ford Transit eh erst zum Autobrand, wenn schon alles vorbei war… ;))

  8. Lexy schreibt:

    Eigentlich sollte jedes Jahr die Führungskräfte auf ein neues geprüft werden. Dabei ist es egal ob ehrenamtlich oder hauptamtlich.
    Was sie für eine Verantwortung haben, ist vielen leider gar nicht bewusst 😦

    • firefox05c schreibt:

      Das Dumme an den Prüfungen ist nur, dass oft nur die Fragen aus dem Prüfungskatalog entscheiden, ob jemand „fähig“ ist. Hier hat man die Möglichkeit, ganz klar einen Bewertungspunkt zu geben oder eben nicht. Nur sagt das Wissen über die Paragraphen- Nummern vor den Gesetzestexten, die auswendig gelernt wurden, nicht aus, ob jemand bereit ist, sein Wissen auch flexibel zu überdenken oder Menschen zu führen. Spruch: „Wer glaubt, dass Gruppenführer Gruppen führen, meint auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten…“

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