Spaß am Fenster

Ich schrub hier schon mal, wie ich eine Kohlmeise, supportet by Küken, dazu rumbekam, handzahm zu werden. Die Meise bekam einen Namen (Kurt) und folgte mir bis ins Wohnzimmer und sass auf meinem Laptop, um sich Mehlwürmer abzuholen: Futterdruck macht`s möglich. So. Und in diesem Jahr ist die Bude gegenüber meinem Fenster wieder bewohnt, nachdem sich im letzten Jahr leider kein Mieter fand: Eine Blaumeise! Wenn sie in den Kasten fliegt, hört man deutlich das aufgeregte Piepsen ihres Nachwuchses.

maroder Altbau

Also war es für mich an der Zeit, das Futterhäuschen an der Dachrinne auszutauschen und auf Sommerbetrieb umzustellen. „Austauschen“, weil das alte Restaurant mittlerweile ziemlich runtergekommen war und auf die Straße abzustürzen drohte. Mein ganzer handwerklicher Stolz, das „Leben nach dem Tod“ der Schranktür und dem Besenstiel, aus dem ich dieses Kleinod zusammengeprutscht hatte, war über mehrere Winter ziemlich marode geworden. Wer soll denn da gepflegt dinnieren?

08/15, aber schnuckelig: Fertighaus

Dieses mal kaufte ich im Baumarkt ein Fertighaus. Dieses hat auch den Vorteil, dass es zu eng für Tauben ist. Die fressen nämlich unverschämterweise alles sofort leer und blockieren das Haus für andere Vögel. Zudem gibt es hier leider unmengen wilder Tauben, die für Schäden in der Stadt sorgen (übrigens, das „übermäßige Verbreiten von Krankheiten“ halte ich für Propaganda). „Sommerbetrieb“ in der Weise, dass im Winter von den Vögeln bevorzugt Sämereien verlangt werden, die Küken aber nicht viel damit anfangen können: Sie brauchen natürlich Proteine, um groß und stark zu werden. Eine Meise kann mit einem Schnitzel aber nicht so gut fliegen, also habe ich im Zoogeschäft eine Dose Mehlwürmer gekauft und diese angeboten. Besser als Maden, da nicht so viel Fett.

Schnell stellte sich nicht nur mein alter Freund Kurt zum Absahnen ein, der wieder irgendwo in der Nähe seine Blagen satt bekommen musste, sondern auch die Blaumeise! Nach einer Weile tolerierte sie es auch, dass ich vom Fenster aus dabei zuschaute, wie sie die Viecher holte. Also: Warum nicht auch ihr die Hand anbieten?

Yeah: Mein neuer Freund. Oder Freundin. Weiß nicht genau.

Zunächst legte ich hierzu ein paar Würmer auf das Vordach und ließ die Hand etwa 30cm davon entfernt aus dem Fenster baumeln. Störte sie nicht so wirklich, schnell war die Scheu überwunden. Kurt bekam natürlich weiterhin von der Hand. Und das erleichterte mir die Sache ungemein: Die Blaumeise sah ein paar mal, wie Kurt auf der Hand landete, und als ich ihr dann auch die Hand bot, kam sie recht schnell, um ihren Snack zu holen! Zunächst etwas zögerlich, dann schon recht mutig: A new Star was born! Macht natürlich einen Heidenspaß, die Vögel so zutraulich auf der Hand zu haben!

Heute machte ich beim Rasieren im Bad, welches sich auf der anderen Hausseite befindet, das Fenster auf. Und wer schaute mich erwartungsvoll vom Vordach aus an? – Die Blaumeise! Im Gegensatz zu Kurt akzeptiert sie mich sogar an einem anderen Fenster! 🙂

Allerdings wird weiterhin nur vorne gefüttert. Und auch nur so viel, dass sie noch genug andere Insekten suchen müssen, damit die Kleinen nicht nur Fastfood bekommen. Denn die Freude ist bei Mutti groß, dass sie nicht mehr so lange suchen muss, und die Kleinen freuen sich immer wie Bolle, wenn Mutti schon nach kurzer Zeit wieder da ist, um das nächste „Happy Meal“ zu verteilen.

Und das Körnerfutter? Dafür gibt es immer noch genügend Abnehmer: Ein Finkenpäärchen, zwei Gimpelpäärchen, und auch ein Rotkehlchen schaut schon mal vorbei. Ja, und die Meisen knabbern natürlich auch weiterhin gerne mal ein paar Erdnüsse zum Fernsehn.

Kritiker sagen ja, dass (gerade auch im Winter) nicht gefüttert werden braucht, weil die Vögel für gewöhnlich in den Städten genug Futter finden. Es hätte bei Untersuchungen in den Städten keine Unterschiede gegeben, ob in Bereichen mit viel oder in Bereichen mit wenig Zufütterung untersucht wurde. Aber dann kann man das Argument auch umdrehen: Warum sollte ich nicht zufüttern? Schadet doch anscheinend auch nicht? (Vorausgesetzt, man besorgt sich Futter ohne Ambrosia– Samen.) Schließlich macht es ja auch Spaß, die Vögel so dicht vor dem Fenster zu beobachten!

nächsten Winter Futter aus eigenem Anbau? 😉

Ach, wo wir schon mal bei der „Futterverwertung“ sind: Ich habe auch ein paar Sonnenblumenkerne in das Kräutertöpfchen geworfen. Die wachsen jetzt fleißig. Aber wie groß werden die in so einer Schale? Bleiben die in so einer Schale klein, oder brauche ich demnächst einen Decken- Durchbruch?

Advertisements

Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
Dieser Beitrag wurde unter Privat abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

13 Antworten zu Spaß am Fenster

  1. gotsassaufeinemast schreibt:

    Och nää wat schön *-*
    Solche kleinen Piepmätze hätt ich auch gern vor meinem Fenster.

  2. notizbuchfragmente schreibt:

    Meine Großeltern hatten das auch ein Jahr. Daraufhin kam eine Kohlmeise(?) bis ins Wohnzimmer geflogen, oder auch in die Küche – regelmäßig, und meine Oma war da nie begeistert von (»…der kackt alles voll!«).

    Mittlerweile hängen sie nur noch im Winter Meisenknödel auf.
    Aber eure Katze dürfte schon dafür sorgen, dass es keine Vögel in der Wohnung gibt, oder? Jedenfalls nicht lange … :mrgreen:

    Bei der Stelle mit dem Schnitzel hab ich übrigens sehr gelacht. Das sähe großartig aus, davon bin ich überzeugt! 😀

    • firefox05c schreibt:

      Auf die Katze muss ich natürlich aufpassen. Aber nicht, weil ich Angst hätte, dass dem Vogel was passiert, sondern, dass sie in ihrem Jagdfieber hinter dem flüchtenden Vogel herspringen könnte: Wir wohnen im 2. Stock…

  3. Träumerin schreibt:

    Ich füttere auch ganzjährig die Vögel, aber zu mir kam noch keiner in die Bude…..süß 🙂

  4. Husteguzje schreibt:

    Köstlicher Beitrag aber „schrub“ ?
    Was ist das denn für ein Verb? Hab ich da in Grammatik was verpasst? Dachte immer es heißt schrieb.

  5. Mr. Gaunt schreibt:

    Nanana, in Berlin wärste da aber nicht mit durchgekommen. Klarer Fall von Luxussanierung, die zur weiteren Gentrifizierung beiträgt. Das lässt man in der Hauptstadt nicht so einfach durchgehen, jedenfalls nicht in Friedrichshain und Kreuzberg. Da muss man dann mit Graffitis an der Hauswand rechnen. Oder Farbbeuteln. Oder ab und zu ein Molotowcocktail.

  6. OP-Tisch-Pilotin schreibt:

    im Krankenhaus hab ich eine Spatzenschar, die auf Pfiffe hört. Ich lege Brot und Kekse vor’s Fenster, pfeife einmal und die Viecher kommen angeflattert 🙂

  7. Conny schreibt:

    Meisen sind was liebes… Find ich echt cool, wie handzahm die werden können 🙂
    Ich schätze, sowas lässt sich auch nur in der Stadt und nicht auf dem Land machen – ich hab hier täglich das Concerto grosso von den Piepmätzen und finds total toll 🙂
    Lustig war, dass ich tatsächlich vor ein paar Tagen auch eine Meise auf der Fensterbank sitzen hatte, die ganz aufgeregt flatterte und scheinbar durchs Fenster wollte – goldig 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s