Alles richtig gemacht!

Also, ich habe dieses Blog ja jetzt nicht nur, um mich aufzuregen. Oder über bekloppte Menschen zu schreiben. Darum schreibe ich heute mal über Menschen, die tatsächlich mitgedacht haben:

Die Alarmmelder piepsten. „Zimmerbrand, Rauch aus Fernsehgerät“. Also fix los, den Verkehr strubbelig gemacht, Omas von der Kreuzung gehupt, und nach wenigen Minuten waren wir vor Ort. Schwarzer Rauch kam aus dem gekippten Fenster, das Kunststoff- Rollo hing lustlos von der Fensterbank herab, da es schon abgeschmolzen war, und der Wohnungsinhaber wartete auf der Straße: „Ich habe die Wohnungstür zugezogen, der Schlüssel steckt außen!“ – Sehr gut! Dadurch war das Treppenhaus schon mal frei von Rauch!

Kurz vor uns trafen schon von einer anderen Wache ein Tanklöschfahrzeug und das Führungsfahrzeug mit dem Einsatzleiter ein. Da wir den Angriffstrupp stellen sollten, hatten die ersteintreffenden Kollegen zwei Minuten Zeit: Der Einsatzleiter schnappte sich den „Mobilen Rauchverschluss “  und setzte ihn im Wohnungstürrahmen ein, während die Besatzung des Tankwagens schon mal unsere Schlauchleitung bis vor den Hauseingang vorbereitete. Wir konnten also sofort die Leitung übernehmen, nachdem unsere Atemschutzgeräte angeschlossen waren. „Sind da noch Leute drin?“ – „Nein“, versicherte uns der Häusling, „auch die Nachbarn sind alle raus.“ Gut, dann konnten wir ja jetzt in Ruhe das Feuer erwürgen. Der Kollege schnappte sich die Wärmebildkamera, ich mir das Strahlrohr, und wir gingen vor.

Nachdem wir den Schlauch bis vor die Tür gezogen hatten, stieß ich sie auf und wir huschten auf allen Vieren in die bis auf den Boden verrauchte Wohnung, damit der Rauchverschluss sich hinter uns schnell wieder schließen konnte. Drinnen stellte ich jedoch fest, dass der Rauch sein bestes gab, die Wohnung vor uns zu verbergen: Es war nicht die Hand vor den Augen zu sehen! Mit dem Strahlrohr am Wickel konnte ich auch nicht gut den Weg ertasten. Wer kann denn auch ahnen, dass in einer brennenden Wohnung so viel Qualm ist… 🙂  Ich nuschelte durch die Maske dem Kollegen zu: „Ich glaube, es ist besser, wenn du mit der Kamera vorkriechst!“ , und ließ ihn vorbei. Selbst auf die kurze Entfernung im Wohnungsflur konnte ich ihn nur schemenhaft im Licht meiner Helmlampe erkennen.

Schlauchpaket, sog. ‚Loop‘: Schlauchreserve für den Innenangriff

Also suchte er das Wohnzimmer, in dem ein Fernsehgerät brennen musste. Geradeaus und nach rechts waren die Türen verschlossen, und wir entschieden uns, sie auch erst einmal zu zu lassen. Es sollte schließlich niemand mehr in der Wohnung sein, und es muss ja nicht unnötig auch dort Rauch eindringen. Die Tür nach links war offen. „Da drüben flackerts!“, hörte ich den Kollegen vor mir. Immer noch erschwerte dichter Qualm die Orientierung,  Verbrennungsreste aus Kunststoff schwebten wie schwarze Spinngewebe durch den Lampenstrahl. Ich kroch am Mitlöscher vorbei, gab in die besagte Lichterscheinung kurz Wasser und watschelte dann im Entengang geradeaus bis zum Fenster, um es ganz zu öffnen: Zum Ersten würde der abziehende Rauch uns die Sicht erleichtern, zum Zweiten würde dann auch das Feuer heller brennen. Und es klappte: Schemenhaft konnte ich langsam die Einrichtung erkennen. Zumindest, wenn ich bis auf etwa einen Meter herangekrabbelt war. Aber man darf ja nicht immer den vollen Luxus erwarten: Bei guter Fernsicht und angenehmen Temperaturen könnte ja jeder den Job machen!  😉  Hier und da brannten kleine Flammen in einem Bereich, in dem ich den Fernsehschrank vermutete. Mit vielleicht zehn Litern Wasser war alles dunkel.

Personen vor einer Wärmebildkamera

Jetzt hatten die anderen Kräfte draußen auch schon den Überdrucklüfter aufgebaut, und in zwei Minuten war die Luft soweit durchgepustet, dass man ohne Probleme die Umgebung sehen konnte: Wo der Fernseher stand, war nur noch ein Klumpen aus verbranntem Plastik und daraus hervorstehenden elektronischen Platinen. Unter dem TV- Klumpen schwelten noch einige Bücher vor sich hin. Die Möbel und die Wände waren schwarz vom Ruß, der beim Verbrennen von Kunststoff massenweise entsteht und sich überall niederschlägt. Auch in Form von leichten Fäden, die sich wie Spinnenfäden überall abgesetzt hatten und im Luftzug wehten. Bilderrahmen und Wanduhr waren durch die Hitze ähnlich Dali’s „Vergänglichkeit der Zeit“ deformiert. Auch der Flur war schwarz. Der Blick in die bis dahin verschlossenen Räume zeigte aber, wie wirkungsvoll eine geschlossene Tür vor Rauch schützt: Es war mir fast peinlich, mit meinen verrußten Stiefeln eine lustige Spur bis zum Fenster zu legen, um es zu öffnen, damit möglichst schnell der Brandgeruch abziehen kann! Auch die Küche war so gut wie unversehrt.

Nachdem wir den Schlauch möglichst ohne zu kleckern aus der Wohnung gezogen hatten, durfte der Bewohner kurz in seine lädierte Behausung, um ein paar wichtige Papiere heraus zu holen. Als er wieder vor der Tür stand, sagte er ganz erstaunt: „Das ist da ja alles trocken! Ich dachte, die Bude schwimmt jetzt!“ So eine Aussage ist natürlich ein riesen- Kompliment für unser Vorgehen!

Aber bei diesem Einsatz lief ja auch wirklich (fast) alles optimal:

– Als das TV- Gerät anfing, zu qualmen, verließ er sofort die Wohnung und schloss dabei alle Türen, und der Rauch blieb weitgehend im Wohnzimmer und im Flur. Auch die Wohnungstür zog er zu und ließ den Schlüssel stecken. Dadurch blieb der Fluchtweg für die anderen Hausbewohner rauchfrei.

– Er meldete sofort, dass in der Wohnung niemand mehr ist. Wir konnten uns daher gleich mit der Brandbekämpfung beschäftigen, ohne uns mit unnötiger Personensuche aufzuhalten. Es arbeitet sich so viel entspannter!

– Der Einsatzleiter setzte sofort den mobilen Rauchverschluss in die Türzarge.

– Wir ließen die verschlossenen Zimmertüren im ersten Angriff geschlossen, weswegen wohl keine komplette Sanierung der nicht betroffenen Räume notwendig ist.

– Ich spritzte nicht wild mit Wasser rum, sondern gab nur immer kurz Wasser, wenn ich Flammen erkennen konnte, um dann das Rohr sofort wieder abzusperren. Glutnester zu löschen ist Feinarbeit, bei der man sich Zeit nehmen kann.

Alles in allem konnten wir unsere Aufgabe, den Schaden möglichst gering zu halten, durch das Zusammenspiel aller Beteiligten optimal umsetzen. Die Zeiten, in denen bei so einer Lage das Fenster eingeschlagen und mit dem Rohr einfach reingehalten wird, bis das herausfließende Wasser genauso kalt ist, wie das hineingespritzte (Temperatur- Differenz- Löschtaktik), sollten endgültig vorbei sein.

Advertisements

Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
Dieser Beitrag wurde unter Feuerwehr und Rettungsdienst abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Antworten zu Alles richtig gemacht!

  1. ToWi schreibt:

    Ein wahrhaftig vorbildlich gelaufener Einsatz. Schön auch mal sowas zu lesen!
    Gerne mehr davon. 😉

  2. blaulichtengel schreibt:

    Mal wieder ein super Artikel und ich muss sagen, der Einsatz scheint ja echt sehr gelungen zu sein! Es muss eben auch Dinge geben, die wirklich mal gut laufen und wo die Leute auch mitdenken und nicht nur panisch reagieren!
    Würde mir selbst auch gerne mal so einen Feuerwehreinsatz wünschen!

  3. notizbuchfragmente schreibt:

    Klingt gut! Vor allem jemand, der anscheinend tatsächlich die Nerven behalten hat … Fände ich nämlich echt schwierig in so einer Situation.

  4. zbygnev schreibt:

    Temperatur-Differenz-Löschtaktik? Neumood’schen Tüünkroms! Wir haben noch die „Ozeanische Löschtaktik“ gelernt: im Falle eines Kellerbrandes so lange Wasser geben, bis das schwelende Sofa die Brandstelle schwimmend und ohne weitere Gegenwehr durch das Fenster im ersten Stock verlässt…

  5. witchofpersephone schreibt:

    Ähm, was spricht dagegen den Stecker zu ziehen und wenn möglich, das qualmende Gerät, so lang da noch keine Flammen rauskommen selber z.b. in eine Decke gewickelt in die Badewanne oder gleich vors Haus zu tragen? Also, das würd ich vermutlich machen. Bisher hatte ich aber nur mit kleineren qualmenden Elektrogeräten zu tun, und meine erste Reaktion war aber trotzdem immer, Stecker raus-Stromzufuhr unterbrechen! dann raus mit dem Gerät aus den Bereichen wo ein mögliches Feuer Schäden anrichten könnte. Das letzte Gerät war ein Häcksler in Betrieb, sobald ich den Rauch roch, zuckte schon ein „Alarm“ durch meinen ganzen körper, als nächstes sah ich die Rauchwölkchen, da hatte ich schon die Hand am Aus-Schalter und als nächstes gleich das Kabel gezogen, dann kurz durchgeatmet, festgestellt dass mir keine Flammen entgegenschlagen und dann den Deckel geöffnet. Erst dann hätte ich zu Wasser gegriffen, aber auch nur weil ich keine Decke zur Hand gehabt hätte und bei einem größeren Gerät dass oben wie unten offen ist eh nicht gereicht hätte… . Mir – als Laie! – würd im Traum nicht einfallen auf ein rauchendes, qualmendes Elektrogerät, welches noch am Strom hängt (!) mit Wasser drauf los zu gehen. Hab mir eingeprägt im Zweifel immer mit Decken oder Sand das Feuer ersticken, wenn das Feuer echt noch klein ist, nicht zu heiß und man noch atmen kann. Alternativ überhitzte Elektrogeräte am Kabel oder wo man sie halt noch anfassen kann auf den Balkon bzw. Straße zu tragen (das letzte war ein uralter Föhn, bei welchem ich beim ersten verdächtigen Geruch sofort den Stecker zog).

    • firefox05c schreibt:

      Wenn so ein alter Röhrenfernseher mal mit Qualmen loslegt, trage ich den höchstens noch bis zum Fenster. Eine Decke um so ein riesiges Gehäuse zu wickeln bringt gleich mehrere Probleme mit sich:
      -Im Gehäuse ist genug Luft, damit das Feuer darin nicht ausgeht.
      -Um so einen Klotz richtig einzuwickeln, fehlt durch die Unhandlichkeit einfach die Zeit. Es würde bei einem „drüberwerfen“ bleiben, das Gehäuse würde also noch genug Luft ziehen, viel Rauch würde entweichen.
      -Oft liegen auf dem Sofa Polyesther- Decken. Die brennen selbst ganz toll. Wenn schon, dann sollte es eine „klassische“ Wolldecke (Idealerweise Baumwolle?) sein, die auch sehr dicht sein muss.
      -Brennen Kondensatoren oder Kupferdrahtspulen mit dem verwendeten Harz, ist der Rauch auch in kleinen Mengen schon extrem reizend.
      -Und wenn bei deinem TV- Gerät der Stecker immer gut zugänglich ist, hast du Glück: Zumeist ist er irgendwo hinter dem Schrank verstöpselt, und du müsstest dich zum Ziehen hinter das brennende Gerät beugen.
      – Ein Gerät, welches womöglich noch weiter schmort, gehört keinesfalls an irgendeinen anderen Ort in der Wohnung. Auch nicht in die Wanne!(siehe dazu meinen Artikel „Sofarauchermessi)Selbst auf dem Balkon könnte es Probleme geben, wenn es noch schwelt. Wenn es noch möglich ist, muss das Ding raus!
      Ein TV- Brand ist daher oft nicht so einfach, als wenn z.B. bloss der kleine Receiver schmort, den man „mal eben“ mit einer Hand aus der Möbelzeile rausreißen kann. Das hatte ich nämlich selbst schon mal.
      Keinesfalls würde ich mir (selbst als erfahrener Feuerwehrmann!) so einen 20- Kilo- Monster vor den Bauch packen und damit irgendwelche Treppen runterstolpern, wenn es brennt. Allenfalls, wenn ich an den Stecker herankomme und man nach dessen Ziehen noch keine offenen Flammen am Gehäuse sieht, würde ich ihn aus der Wohnung werfen.
      Wobei: Oft sind ja selbst die zugepackten Fensterbänke, vor denen u.U. auch noch ein Sessel oder eine Kommode steht, ein nicht zu unterschätzendes Hindernis.
      Von daher: Im gegebenen Fall hat der Bewohner doch im Grunde alles richtig gemacht.

      • Roxa schreibt:

        „-Oft liegen auf dem Sofa Polyesther- Decken. Die brennen selbst ganz toll. Wenn schon, dann sollte es eine “klassische” Wolldecke (Idealerweise Baumwolle?) sein, die auch sehr dicht sein muss.“
        Am besten sind dichte Wolldecken, idealerweise aus Bundeswehrbeständen 😉 Die Dinger anzuzünden ist verdammt schwehr…
        Nicht umsonst waren Löschdecken früher (meines Wissens nach) meist aus Wolle. Baumwolle brennt deutlich schneller! Wobei dicke Baumwolle natürlich immer noch besser ist, als Kunstfaser…

      • firefox05c schreibt:

        Die Löschdecken, die ich kenne, waren früher aus einer Asbestfaser und sind heute durch eine Kunstfaser abgelöst (Asbest ist bekannterweise seit ein paar Donnerstagen verboten… 😉 )
        Baumwolle an sich brennt übrigens zunächst einmal schlecht. Wenn du z.B. versuchst, einen Jeansfaden (natürlich von einer Jeans ohne Stretch- Anteil! 😉 )anzuzünden, wird er nach kurzer Zeit von selbst verlöschen. Tierwolle brennt da schon etwas besser.
        Die alten grauen BUND- Decken waren meines Wissens aus Naturwolle, dazu noch sehr dicht gewebt und verfilzt, wodurch sie wiederum noch etwas beständiger gegen eine Entzündung sind. Leider finde ich gerade keine der „grauen Pferdedecken“. Die braunen BUND- Decken, die ich hier gefunden habe (1971) waren jedenfalls auch aus Baumwolle.

  6. Conny schreibt:

    Gruuuseliges Szenario – hoffentlich passiert mir sowas nie *auf Holz klopft*
    Gratuliere zu der gelungenen Lösch-Aktion!! Wenn ich sowas lese, weiß ich genau, warum ich mich nie bei der Feuerwehr beworben hätte (auch wenn ich im Einsatz immer froh bin, euch zu sehen 😉 ).
    Bei mir sind mal Föne durchgebrannt – das war gruselig genug für mich – ließ sich mit schnellem Rausreißen der Stromverbindung aber selbst regeln.
    Vielleicht kannst du mir aber mal erklären, wie es zum Durchschmoren eines Lampen-Schalter kommen konnte – Strecker war in der Steckdose, Lampe aber ausgeschaltet – keinerlei Störfaktoren vorher, war bloß überrascht, als die Hauptsicherung zweimal rausgeflogen ist. Und noch erstaunter, als ich einen Tag später einen komplett verrußten Schalter vorgefunden habe. Nach dem Schreck (und dem Nicht-weiter-denken-Wollen…) war ich heilfroh, dass das so glimpflich ausgegangen ist. Lampe stand in der Küche, ich war an dem Abend/ in der Nacht nicht mehr in dem Zimmer, hätte auch bös ins Auge gehen können.
    Wasserkocher und Kaffeemachine trenne ich jedesmal nach Benutzung direkt vom Netz, aber Lampen eben nicht – eigentlich: wozu auch?! Dache ich…

    Liebe Grüße,
    Conny

    • firefox05c schreibt:

      Tja, dazu müsste ich schon näheres über den Schalter wissen. Ursach kann zum Beispiel sein, dass im altersschwachen Schaltergehäuse etwas abgebrochen ist, so dass sich ein Kurzschlussfunken bilden konnte.Oder ein Kabelbruch, der den besagten Lichtbogen ausgelöst hat. Oder eingedrungener Staub, der feucht geworden ist. Oder so…

      • Conny schreibt:

        Oh… äh… ach herrje, keine Ahnung, ehrlich gesagt…
        Also zumindest ist das Kabel nicht irgendwann mal geknickt worden. Und wirklich alt war die Lampe auch nicht. Eingedrungener Staub, der feucht geworden ist – sowas könnte hinkommen, hier herrschte „etwas“ höhere Luftfeuchtigkeit aufgrund eines Mietmangels. Da aber die Lampe nicht im Wasser lag, bin ich auf die Idee eines Kurzschlusses so auf die Art gar nicht gekommen. Seither stöpsel ich alle Küchengeräte inklusive Lampen aus (ich Schisserchen).
        Dankeschön für deine Erklärungen 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s