Der Ölprinz

Ölkrise, Teil 2

Sonntags in der Werkstatt…

Also, mit dem Öl in Autos ist das so eine Sache: Es sollte ab und an mal kontrolliert werden. Wenn man es mal vergisst, wird man heutzutage vom Bordrechner auch schon mal herzlich mit einem „PiiiiiiiiiiiiiiiiiiP!!!!!!!!!!!„, welches einem beim Drehen des Zündschlüssels brutal entgegen schalmeit, daran erinnert, dass etwas nicht stimmt. Nur dass das Display dieses Mal ausnahmsweise nicht zu wenig, sondern zu viel Öl anzeigte. Naja, beginnen wir die Geschichte etwas früher:

Ich gedachte eigentlich, in der friedlichen Sonntags- Schicht etwas an unserem neu erstandenen Auto zu tun. Warum wir ein neues brauchten, habe ich ja beschrieben. Die Bremse musste nachgestellt werden, ein  kleinerer Schaden an der Motorhaube rief nach Farbe. So’n Gedöhns eben. Also wollte ich das Löschfahrzeug aus der Halle fahren, um mein Auto dahinter abzustellen. Und wie ich den Schlüssel des LF drehte, ohrfeigte mich dieses fiese Warngeschrei, und im Cockpit entbrannte ein Geblinke, das locker mit einer Brille von Elton John mithalten konnte: Die Ölkanne erschien hektisch flackernd im Mäusekino des Löschbombers, gerahmt von dicken, roten Balken.

Rote Balken, große Ölkanne… Was ist daran zu übersehen?

Na, die Schicht fing ja gut an! Da ich mich immer gleich für sowas verantwortlich fühle (in einem früheren Leben hatte ich ja mal Autoschrauber gelernt), war meine Laune erst mal im Keller. Zu meinem Erstaunen musste ich im Fahrerhandbuch (Format: Frankfurter Telefonbuch) lesen, dass die angezeigte Meldung bedeute, dass im Motor mindestens 2 Liter zu viel Öl seien. Zwei Liter?? Zu viel?? „Die haben wohl bei der wöchentlichen Kontrolle zu viel eingefüllt.“, meinte der Chef. Ich hatte da so eine andere Befürchtung. Mir fiel ein, was die Kollegen bei der Ablösung geklagt hatten: „Hömma, der Bock hat ja ’nen Kühlwasserverlust, da kriegste die Tür nicht zu! Wir mussten in der Schicht zwei mal nachfüllen!“

Das Fahrzeug war nämlich vor einiger Zeit in der „hauseigenen“ Werkstatt, um einen neuen Kühlwasser- Behälter zu bekommen. Als wir das Auto abholen wollten, weil es angeblich repariert worden war, war aber der alte Behälter immer noch an seinem Platz. Der ertappte Mechaniker meinte nur: „Also, auf meinem Zettel stand nur „Kühlwasserverlust“. Und da war ein Schlauch undicht, den habe ich ausgetauscht. Von „Behälter“ hat keiner was gesagt…“ Der zuständige Schirrmeister (für den Zustand der Fahrzeuge verantwortlich) explodierte kurz, trat sich die Füße auf dem Stolz des Mechanikers ab, und wir hatten am nächsten Tag einen neuen Wasserbehälter. Nur, wie es so ist: „Repariert“ man an etwas herum, was gar nicht kaputt ist, ist es oft danach so weit. So auch dieses Mal: Der „reparierte“ Schlauch leckte… Jedenfalls beschwerten sich jetzt die Kollegen über massiven Wasserverlust, und dass sie zwei mal nachfüllen mussten.

Links Wasser, rechts Öl.

An dem neuen Behälter fürs Kühlwasser befand sich auch der Öleinfüllstutzen. Da ich den Kollegen alles zutraue, und natürlich auch nicht alle bei uns ausgebildete Mechaniker sind, lag es für mich im Bereich des Möglichen, dass jemand beim „Kühlwasser nachfüllen“ den falschen Deckel losgeschraubt hatte. „Und wenn da Wasser im Ölkreislauf ist, ist die Schmierung natürlich erheblich schlechter. Es wird also nicht nur über kurz oder lang zu Dichtungsschäden kommen, sondern der ganze Motor kann Hops gehen!“ , erklärte ich unserem Anstaltsvorsteher. Der Chef telefonierte daher mit dem Verantwortlichen der Hauptwache. Dieser meinte, wir könnten doch mal ein wenig Öl ablassen, um zu sehen, ob auch Wasser dabei austritt. Na prima, eigentlich wollte ich doch an meinem eigenen Auto fummeln! Wieso fällt eigentlich immer mir sowas auf? Ich meine, es ist doch ziemlich unwahrscheinlich, dass ich zu Schichtbeginn sofort vom LKW angemeckert werde, wärend bei den Kollegen der letzten Schicht „natürlich“ alles noch in Ordnung war? Und jetzt, am Sonntag, fangen wir an, die Karre auf Links zu drehen? Ich schimpfte also vor mich hin und verschwand rücklings unter dem Auto. Nachdem ich eine Auffangwanne unter den Motor drappiert hatte, schraubte ich den Bolzen aus der Ölwanne und eine Suppe aus Öl und – sieh mal einer guck – Wasser ergoss sich über meine Hand. Und den Arm. Bis in die Achseln. Klasse. Meine Laune „besserte“ sich natürlich schlagartig. Aber wattwillzemachn. „Chef! Da ist Wasser drinne. Nicht zu knapp. Damit würde ich nicht mehr ‚bis irgendwann mal‘ rumgurken.“ Das war auch die Meinung des diensthabenden Schirrmeisters: „Dann kommt mal zur zentralen Anstalt. Da muss Ölwechsel. Weil besser iss‘ datt…“ Also nix mit „am eigenen Auto arbeiten“.

Wir fuhren zur Hauptwache und wurden dort darüber aufgeklärt, wie sich der Meister den Ölwechsel vorstellte: Er steht unter dem Auto in der Grube, beaufsichtigt uns beim Arbeiten (aus Sicherheitsgründen bleiben die Hände in der Tasche) und gibt uns aus der heiligen Kammer im passenden Moment ein Häppchen Öl. In unserem Fall so an die dreißig Liter. Naja, meine Achseln waren sowieso schon schwarz (allerdings weniger von der Behaarung…), also sprang ich mit in die Grube. „Unnu? Wo rinn mit dem Zeugs?“ „Am Ende der Grube ist so’ne rollbare Wanne, da lässt du das Öl rein laufen.“Und tatsächlich: Besagte Wanne hing am Ende über einem Trichter rum, in den das Becken nach Gebrauch entleert werden konnte.

Die verschiebbare Wanne auf dem Grubenrand. Natürlich voll…

Und sie war natürlich randvoll mit Altöl, welches trotz offenem Hahn nicht ablief. Klappt ja alles prima. „Das Röhrchen ist mit was  verstopft.“ – „Oder verklebt.“  Der Schirrmeister fummelte den Ablasshahn auf und zu, als wenn sich der Hahn dann vielleicht doch noch überlegen würde, den Weg in die Entsorgung frei zu machen. „Vielleicht liegt ja auch sowas wie ein Stück Putzlappen vorm Loch?“ – „Hömma, Klaus, prockel doch mal da drinne rum, vielleicht findste ja watt. Kannze dann auch behalten…“ Der angesprochene Kollege zog sich fix einen Gummihandschuh an und versenkte seine Hand todesmutig in die unbekannten, mockigen  Tiefen. Anschließend wühlte er mit angestrengtem Gesichtsausdruck darin herum – und erinnerte mich irgendwie an „Meister Röhricht“, der im Klo einer Oma rumwühlt und die verschiedensten – äh- „Unannehmlichkeiten“ zwischen die Finger bekommt. „Nö… da ist nichts… also, so tief ich die Finger da rein bekomme… nö…“ Der Werkstatt- Bevollmächtigte griff wieder gedankenversunken zum Ablasshahn der Wanne, die – da er selbst in der Grube stand- in Nasenspitzen- Höhe auf dem Grubenrand hing. Er drehte am Hahn. Da der Kollege aber noch seinen Finger in der Abflussröhre hatte, wurde dieser heftig durch das sich schließende Kugelventil verformt. „Aaau!“ , brüllte er, und zog blitzartig die Hand aus dem Behälter, womit das Öl natürlich nicht gerechnet hatte. Eine große Jitsche verließ daher ebenso fluchtartig wie die Hand das Becken und verteilte sich großzügig auf die nächste Umgebung: Dem Schirrmeister! Der schaute einen Moment recht belämmert durch eine teilverdunkelte, triefende Brille auf die Wanne und überlegte noch, was passiert war. Während sich die schwarze Soße in großen Flecken über seine spärliche Frisur verteilte und dickflüssige Tropfen am Ohrläppchen immer länger wurden, bis sie schließlich über den Hemdkragen auf die Schulter umzogen, fielen die Kollegen fast um vor Lachen. Das Hemd großflächig versaut, die halbe Schädeldecke schwarz, Brille versaut und Öl im Mund: Der „Ritter vom öligen Scheitel“ hatte den Kaffee auf. „Ey, weisse, datt reicht. Schappes getz. Macht den Scheiß mal alleine, ich gehe Duschen. Bin getz außer Betrieb. Ihr kricht den Schlüssel fürre Kammer, ich bin wech. Echt ey… – Finger noch dran?“ Der gepeinigte wedelte heftig mit der Hand, nach einer Begutachtung konnte er aber Entwarnung geben. „Ja gut, iss‘ die Hauptsache. Ihr wisst Bescheid. Sacht, wenna fettich seit.“ Missmutig verließ der frisch gewichste Ölprinz, dem die Suppe vom Kinn tropfte, sein Königreich.

Nachdem wir die Werkstatt für uns alleine hatten, lief erst das Altöl aus der Wanne ab (der Finger des Kollegen war wohl weit genug drin gewesen), dann auch der Rest reibungslos. Nach getaner Arbeit ließen wir den Schirrmeister wissen, dass wir fertig seien (der ärmste musste drei mal duschen, bis der Kopf wieder sauber war!), und fuhren wieder zum eigenen Standort zurück.

der undichte Schlauch, gut versteckt

Ach: Und tags darauf, am Montag, wurden wir nochmals in der Werkstatt vorstellig. Aufgrund des wachsenden Wasserverlustes haben wir ein Tauschauto bekommen- und unser Löschfahrzeug mitsamt frischem Öl blieb in der Werkstatt. Den Ölwechsel hätten wir uns also auch sparen und das Auto sofort tauschen können.

Aber dann hätten wir den knurrigen Ölprinzen nicht kennen gelernt! 😉

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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6 Antworten zu Der Ölprinz

  1. Michi schreibt:

    Irgendwie scheint ihr ein allgemeines Problem mit Öl zu haben… Aber solange da solche Stories herauskommen, finde ich das gar nicht sooo schlimm 😉

    Sehr genial geschrieben, allein die Szene in der Werkstatt ist zum Kugeln 😀

    • firefox05c schreibt:

      Bei einem so großen Fuhrpark kommt sowas schon mal vor. Und wenn viele der Kollegen die Betriebsstoffe- Kontrolle vor sich her schieben, bleibt vieles an wenigen Kollegen hängen. Zum Beispiel an mir. 😉

  2. Tobi schreibt:

    Ich hoffe, den Kollegen, die Kühlwasser in den Öltank gekippt haben, hast du auch noch ordentlich den Kopf gewaschen, denn irgendwie ist die Ölkanne auf dem rechten Einfüllstutzen doch eigentlich nicht zu verkennen… kann man sich ja gar nicht ausdenken, sowas o_O

  3. Conny schreibt:

    *lol* 😀 Das ist ja köstlich zu lesen… 😀
    Hm… ich schlage kleine Klebe-Etiketten über den Einfüllstutzen vor – „Öl“ und „Wasser“ drüber geklebt, vielleicht hilfts ja was?! 😉
    Kenne einige Pkw, bei denen groß das Wort DIESEL extra nochmal im Tankstutzen steht – wobei die Tatsache eigentlich mehr als hinlänglich bekannt sein dürfte… But: you never know… 😉
    Zur Arbeits-„Teilung“: ist doch immer so – vieles bleibt an einigen wenigen hängen. Scheint leider ein allgemeingültiges Prinzip zu sein.

    Lieben Gruß,
    Conny

  4. Wolfram schreibt:

    Wo doch mittlerweile jeder weiß, daß der 710-Deckel fürs Öl ist, dürfen die da keine Kanne draufmalen, die so aussieht wie die Kühlwasserkanne an der Tanke! Der Hersteller ist schuld!

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