Kleine Nachlässigkeiten, von denen man tagelang etwas hat…

Wenn man schon so langsam einen kleinen „Landeplatz“ auf der Kappe entwickelt, bleiben dem Mann nicht wirklich viele Alternativen, was eine halbwegs normale Frisur angeht, die nicht wie ein „missglückter Versuch“ aussieht. Lässt man das Hinterhaupthaar lang wachsen, sieht man immer irgendwie aus wie Gildo. Oder so wie ein entrückter Künstler. Trägt man die Flusen dann noch zum Pferdeschwanz gebunden, sieht es so aus, als hätte man seine Haare so stramm nach hinten gezogen, dass die Stirn nach oben gedehnt wurde.

Eine andere „Möglichkeit“ sieht man schon mal bei älteren Leuten: Die lassen das Haar an der Seite lang wachsen, schlagen es dann über den Kopf, und – ja, und dann? Entweder man verknotet es auf der anderen Seite am Ohr, oder bei Seitenwind sieht die Denkmurmel aus, als wäre man im früheren Leben ein Kakadu gewesen. Total lächerlich. Und „Minipli“ ist nicht nur aus der Mode, sondern sieht immer aus wie Vogelnest. Mit Laminatboden… Also bleibt mir nicht viel anderes als die Haare recht kurz zu rasieren. Und weil ich beim Friseur mehr fürs Suchen als fürs Schneiden zahlen würde, mache ich das selbst. So 11mm können die meisten Haarschneider ja.

Jetzt hatte ich einen Scheraparillo, der mit einem Aufsatz funktionierte, den man individuell ausziehen und dann verriegeln konnte. Der tat, was er sollte, konnte von 3 bis 12mm, und das Beste: Er lag im Supermarkt für 3,95 rum! Nach dem Haare waschen schnappte ich mir also eines Morgens mal wieder den Knochen, stellte meine optisch noch vertretbare  gewünschte Länge ein, beugte mich über das Waschbecken und legte am Hinterkopf los. „Bsssss!“ Die ersten Büschel fielen ins Becken. „Bssss! Bsssuusuuussssuu…“ Hä? Der Haarschneider tat sich plötzlich enorm schwer! „Bssuuussssssuuuuu…“ – Naja, hatte ja auch eine Menge zu schnei… Moment… So viele Haare im Becken? So lang auch noch? Unheilsahnend schaute ich auf den Rasierer: Der Aufsatz war ganz hinein gedrückt… Ich drösel hatte ihn nach dem Einstellen nicht verriegelt!

Es gibt im Leben Dinge, die man sich auch schon vorstellen kann, bevor man nachsieht. Trotzdem wollte ich das Grauen sehen. Vielleicht war ja noch was zu retten? Ich klappte die Alibert- Spiegel so, dass ich mich von hinten sehen konnte. Und was ich da so sah… Kennt ihr Nazca? Diese Von Däniken’schen Landebahnen in der Steinwüste? Nun ja, bei mir wurden sie zwar von Haaren begrenzt, aber sonst… Eine gewisse Ähnlichkeit, so kreuz und quer, war nicht zu leugnen!

Tja. Was nun? Ich musste schließlich auch in einer Stunde zum Dienst! Und sollte ich so aus dem Haus gehen, würde mich sofort jeder Förster wegen Tollwutverdacht erschießen, so mit diesen kahlen Stellen im Pelz! Es half nichts, ich musste die Sache zumindest etwas angleichen. Also: Von drei auf fünf Millimeter gestellt, den Rest geschoren,  und auf der Wache gab es dann einen freundlichen Kollegen, der dann in etwa rettete, was zu retten war. Nachdem er wieder Luft bekam und der Bauch nicht mehr so weh tat. Mit dem Erfolg, dass ich die folgenden Tage aussah, wie ein MonChichi. Nur der Schwanz hinten fehlte.

Tja, jetzt musste ich ja noch meinen Schatz davon unterrichten, dass mir (schon wieder mal)  etwas schief gegangen war. Also rief ich sie an. „Hallo, Schatz? – Du hast mich doch lieb, nicht?“ – „Was hast du nun schon wieder angestellt…“ – „Och, nichts… Äh… hömma, die Haare, ne, die waren ja schon recht lang. Und du wolltest doch auch schon mal sehen, wie ich mit Glatze aussehe, nicht? Hattest du doch mal gesagt…“ Ihr schwante, worauf ich hinaus wollte: „Was? Hast? Du? Gemacht? Du hast dir nicht eine Glatze rasiert!“ – „Öhm… nöö, nicht so direkt… also, nicht ganz…“ Sie befürchtete das Schlimmste. Aber das gehörte ja zu meiner Taktik: Erst Angst machen, sie sich das schlimmste vorstellen lassen, und dann „Entwarnung“ geben, damit sie den Frisuren- Fail nicht ganz so schlimm findet. „Nenee, also, nicht Glatze. Aber mir ist da schon was in der Richtung passiert. Der Haarschneider ist mir reingerutscht… Jetzt habe ich zwar nicht Glatze, aber doch sehr kurz…“ Nachdem ich meinem Schatz alles gebeichtet hatte, um sie auf mein Erscheinen als Kleiderbürste vorzubereiten, rollte sie sich gröhlend mit dem Telefon am Boden, wobei sie beim Lachen fast erstickte. Ein „ordentliches“ Telefonat war dann nicht mehr möglich. Wer den Schaden hat, braucht sich um den Spott nicht kümmern. Ja, und wie Frauen nunmal so sind, hat sie es natürlich sofort ihrer Mutter weiter getratscht. Na, wenigstens wusste sie dann, was sie mir bei nächster Gelegenheit schenken konnte!

Jetzt habe ich ein – sagen wir mal – „semiprofessionelles“ Gerät zu Hause liegen. Auch mit Langhaarschneider. Allerdings hat die Verstellung ein Schneckengetriebe. Das braucht man dann nach dem Einstellen auch nicht mehr seperat verriegeln…

Heute trage ich die Haare wegen „fortschreitendem Knie auf dem Kopf“ generell so kurz. Auch kein Drama.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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11 Antworten zu Kleine Nachlässigkeiten, von denen man tagelang etwas hat…

  1. Karin Bürger schreibt:

    Hilfe… ich kann nicht mehr -schluchz, tränenwegwisch… BITTE ein Bild, das wäre zuuuuu schön!!!

    • firefox05c schreibt:

      Leider, leider habe ich kein Bild mehr davon. Ich hatte zwar damals mal eines gemacht, um meinem ungeduldigen Schatz schon mal einen Vorgeschmack zu geben, aber das ist schon längst wieder gelöscht…

  2. mf112 schreibt:

    Schade.. den „Unfall“ hätte ich gerne mal gesehen *gröhl*

  3. Wolfram schreibt:

    Wenn ich richtig verstehe, hast du jetzt eh ne Frisur wie der ehemalige französische Außenminister (und leider immer noch Bürgermeister von Bordeaux) Alain Juppé?

  4. Mr. Gaunt schreibt:

    Aussehen wie ein Monchichi? Also an Kopf und Körper überall kurzes, sehr dichtes wuscheliges Haar? Nur ohne langen pelzigen Schwanz? Uääh, ganz ganz greusliches Kopfkino. Bitte KEIN Foto.

  5. Conny schreibt:

    Muhaha, erinnert mich an meinen Friseur-Unfall… „Bitte den Nacken zwei Finger breit „ausrasieren“, also so ganz kurz… so wie immer…“ – „Alles klar…“ sprachs, setzte den Rasierer an und aus zwei Finger breit wurde quasi zwei Männerhände breit – fast bis ganz oben.
    Fühlte sich geil an, bloß in derselben Sekunde war klar – da ist nix mehr zu retten. Der Nachschnitt des kinnlangen Bobs war dahin, stattdessen notdüftig die angschnittene Landebahn versucht, in sowas wie eine Frisur einzubetten. End vom Lied: alle Kollegen wollten mal kurz anfassen, „weil sich das so schööön und sooo lustig anfühlt hihi“ (grmlz) und ich sah aus wie Nofretete mit völlig verschobener Kopf-Optik. Gnaaaaaah!!!

    • firefox05c schreibt:

      Ich glaube, das war noch schlimmer als bei mir, wenn ich das so höre! 🙂

      • Conny schreibt:

        Öhm… joaaaa, das hatte schon sowas von nem kleinen bis mittelschweren Schock… 😉
        Das war wie in nem Comic… entspannter Chill-Friseur-Relax-total-Blick, hinten machts *surrr* und *ritsch* ist das halbe Haar mittig wech… Mir kamen ein wenig die Augen aus den Höhlen 😉
        Das ganze Ausmaß des Dramas stellte sich dann aber erst nach Abfluten von Adrenalin und Kortisol zuhause heraus… 😉 Zum Glück wachsen meine Haare wie Gift – hoffe, dass dein etwas verunglückter Selbstversuch auch schnell wieder vergessen war!!
        Inzwischen kann ich drüber lachen (und weiß leider auch noch viel schlimmere Friseur-Unfälle zu berichten).
        Merke: schlimmer geht immer 😉 Und: Alles halb so wild 😉

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