Kaffee inne Box

Ich war für diesen Dienst zunächst als Zentralist in der Telefonzentrale der Wache eingeteilt. Kurz vor Feierabend musste aber doch noch ein Kollege im Angriffstrupp ausgelöst werden. Als ich dann mein Alarmzeug in das Löschfahrzeug gelegt habe, fiel es mir auf: Es müffelte. Und zwar nicht zu knapp: In der Mannschaftskabine verbreitete sich der liebliche Duft käsiger, nasser Socken!

Ich schnüffelte mich also mehr widerwillig als begeistert durch die Kabine. Waren die Atemschutzgeräte vielleicht von einem der vergangenen Einsätze versaut? – Nö.

Aha, dann hat der Kollege vielleicht etwas unpässliche Körperausdünstungen in seinen Stiefeln hinterlassen, die im Auto standen? Vorsichtig schnüffelte ich an den Stulpen: Nö. Auch nicht.

Hatte sich ein Kollege vielleicht im Einsatz in irgend etwas schmutziges geschmissen? Auch die Einsatzklamotten der Kollegen, die im LF verteilt lagen: Fehlanzeige. Aber wo kam jetzt dieser üble Gestank her, sobald man die Fahrzeugtüren schloss und einen Moment wartete?

Ich kroch wie ein Schweißhund durch das rote Auto. Im Bereich der Sitzbank wurde ich fündig. Als ich sie hochklappte, dampfte aus dem darunter liegenden Staufach ein würziger Duft uralten Goudas herauf! Bei genauerer Untersuchung fand ich dann die Quelle: Irgendjemand hatte die tolle Idee, auch auf einer Dienstfahrt nicht auf seinen Kaffee verzichten zu müssen, und hatte – wie sollte es anders kommen – seine Tasse anscheinend umgekippt.

Manchen Kollegen scheint der „Flausch- Faktor“ einer Dienstfahrt noch verbesserungswürdig…

In den Staukasten rein. Dort kroch der Kaffee neugierig in alle Ecken und verschwand dann etwas erschöpft mitsamt seinem Milch- und Zuckeranteil unter die dort gelagerte Werkzeugkiste. Und da wuchs er nun vor sich hin. Schön eingetrocknet, mit kleinen, hellen Inselchen darauf,, die immer neue Kinderchen bekamen, blinzelte er mir entgegen, als ich die Kiste anhob. Na Klasse, ein weiteres Kapitel im Buch „Aus den Augen, aus dem Sinn“ … Und über meine heutigen Kollegen ärgerte ich mich auch: Sie hatten immerhin die ganze Schicht Zeit gehabt, es zu bemerken und zu richten!

Bevor ich jedoch anfangen konnte, das aromatische Heiß Kaltgetränk aus den Ritzen des Staukastens zu popeln, ging das Alarmlicht an: Wir mussten kurz vor der Ablösung noch einmal zu einem Brandmeldeanlagen- Alarm ausrücken. Nichts wildes. Nur hinfahren, schauen, wo der blinkende Melder hängt, die Anlage wieder scharf stellen und zurück zur Wache. Wie so häufig.

Bei unserer Rückkehr zur Wache standen die ablösenden Kollegen schon in Warteposition. Also übergab ich an meinen Erlöser: „Wundert euch nicht, wenn ihr da einsteigt, und euch kräuseln sich die Nasenhaare. Irgendein Pfosten hat da Kaffee in den Sitzkasten gepülschert. Mit Milch. Ob auch Zucker drin war, weiß ich aber nicht. Habe nicht probiert.“ – „Und warum hast du es nicht weggeputzt?“, war die zu erwartende Frage. Meine Begründung, dass ich kurz vor dem Alarm erst den Posten als Angriffstrupp übernommen hatte, klang da natürlich wie eine Ausrede. Ändern konnte ich es nicht.

Da solche Reinigungsarbeiten so beliebt wie Zahnschmerzen sind, rechnete ich eigentlich damit, dass sie weiter prokrastiniert werden, bis wir wieder Dienst hätten. Aber – oh Wunder – bei der Schnüffelattacke in der nächsten Schicht war schon wesentlich weniger am Klima zu bemängeln! Bei genauerer Inspektion des Sitzkastens hatte ich allerdings den Eindruck, dass auch der ausführende Kollege beim Putzen gestört wurde. Als ich das Fach ausräumte, um es neu einzusortieren, da es aussah, wie der Wühlkorb mit den Kinderpisselünten bei Aldi, fand ich noch so einige übelriechende Reste: Es war nur das Nötigste beseitigt, und große, graubraune Flecken verzierten auch weiterhin die öde Tristess der Innenlackierung. Also nahm ich mir einen Eimer und einen Schwamm, kroch in den Kasten, bis nur noch meine Beine herausguckten, und beseitigte auch noch die letzten Reste, bevor ich in dem Ding wieder Ordnung schaffte.

So viel Arbeit, nur, weil einer Kaffee mit Milch in den Kasten gekippt hatte! Und was lernen wir daraus?

Auf Dienstfahrten bitte NUR Kaffee OHNE Milch und Zucker!!

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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9 Antworten zu Kaffee inne Box

  1. zbygnev schreibt:

    Mann Mann Mann… dat haste wenigstens *ein* mal ein Bissken lebendige Kultur im Auto, und wat macht der Bratbär? Wischt ’se wech 🙂

  2. BRC_MEDIC schreibt:

    Tja, mit Reisebechern passiert sowas nicht. Die sind meist dicht 🙂 Was anderes ist bei unseren RTW/RRV auch nicht mehr „zugelassen“. Wer ohne erwischt wird, scheuert die Kabine. Alleine.
    Uebrigens, Kaffee schwarz sieht getrocknet aus wie Blut 🙂 Auch nicht schlecht bei einer Inspektion durch die Zentrale ….

  3. Conny schreibt:

    Wuhäää, ekelhaft!!
    Ich muss aber zugeben – das gelesene Kopfkino war großartig 😀

  4. Hightower schreibt:

    Ich will nen Bild von den Nummer bis zu den Beinen in die Kiste gekrabbelt … 😀

    • firefox05c schreibt:

      Würde ich gerne weitergeben. Leider habe ich keines. Der Grund: Bei solchen Arbeiten ist man immer mutterseelenalleine… 😉

      • Hightower schreibt:

        Wie ? keine hämischen kollegen ?
        Kann mich an ne Aktion damals bei Y-tours erinnern, wo nur meine Beine zur Fahrerluke rausgucken. Da standen plötzlich jede Menge Leute die sich das Schauspiel amüsiert angeguckt haben…

      • firefox05c schreibt:

        ich könnte dann ja womöglich auf die abwegige Idee kommen, dass sie helfen könnten…

  5. Hightower schreibt:

    Nur wenn in der Kiste genügend Platz ist (wars bei mir nicht)

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