Die Motivations- Parabel. Eine kurze Verwechslungskomödie.

Wie ich schon mal erwähnte, machen wir bei der Feuerwehr auch Unterrichte, Fortbildungen und Wiederholungen. Manchmal auch wachübergreifend. So trafen wir uns mit anderen Kollegen auf unserer Nachbarwache, um dort eine Übung „Verletzten- Dekontamination“ zu machen. Der Ausbilder war guter Dinge: „Wir wiederholen erst mal ein paar Grundbegriffe. Dann sollte auch irgendwann der Wechsellader mit dem Dekon- Container hier eintreffen, damit wir dann praktisch üben können.“

Also setzten wir uns zusammen in den Lehrsaal der Wache und hörten uns nochmal die Definitionen zu Inkorporation, Dekontamination, Verschleppung usw. an, bis das Wechsellader- Fahrzeug mit dem aufgesattelten Container auf den Hof fuhr. Der Ausbilder drehte auf: „So, dann zieht euch mal die Einsatz- Klamotten an. Wir nehmen an, dass da drüben auf dem Hof eine verletzte Person liegt. Eingeklemmt, kontaminiert, muss gerettet werden. Dazu zwei Mann unter Vollschutz.“ Wir schauten etwas ungläubig: „Ey, Langen, reicht es nicht, wenn wir die Geräte in der Halle ausbreiten und sie uns einfach noch mal ansehen? Das ist kalt da draußen. Und Nieselregen…“ In der Tat war es knapp über null Grad. So richtig Bock hatte kaum einer, dort im Nassen rumzuspringen. „Ja, dann ist das halt so“, fuhr der Ausbilder ungerührt fort. „Macht aber nichts. Wir bauen also die Duschen zusammen, mit den Rollbahnen für den Verletzten. Der Verletzte und der vorgehende Trupp werden dekontaminiert. Der Dekon- Trupp trägt die leichteren Gebläse- Anzüge…“ So schwelgte er weiter in seiner geplanten Materialschlacht und trieb uns fast wie eine Schafherde vor sich her zum Hof. Bis es einem Kollegen auffiel: „Öh… Stopp mal: Ich glaube, die Jungs haben den verkehrten Container aufgesattelt…“ Wir schauten alle zum auf den Hof stehenden Wechsellader: Tatsächlich! Auf dem LKW stand der Container mit den Geräten für einen Gefahrgut- Einsatz… „Tja. Das kommt davon, wenn auf allen Containern was von Umweltschutz steht…“, raunte ich meinem Nachbarn zu. Ein Grinsen machte sich bei den Kollegen breit: Während unsere Stimmungsparabel langsam wieder stieg, hatte die des Ausbilders soeben den Zenit überschritten und befand sich im freien Fall.

Die beiden, die mit dem falschen Container gekommen waren, drucksten rum: „Aber die haben doch gesagt, der richtige sei aufgesattelt… So genau habe ich da ja auch nicht mehr geschaut… wir sollten den einfach hier rüber fahren… haben extra noch mal gefragt…“ Es half aber nichts: Die Übung fiel aus. „Tja“, meinte der Ausbilder resigniert, „dann machen wir die Übung halt theoretisch.“ So zogen wir alle wieder in den Lehrsaal und ließen uns bei einer Tasse Kaffee ein paar Bilder einer Präsentation zeigen. Im trocknen. Hat ja auch was. 🙂

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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14 Antworten zu Die Motivations- Parabel. Eine kurze Verwechslungskomödie.

  1. Michi schreibt:

    Gibs zu, ihr habt den Jungs vom WLF pro Nase ne Kiste Bier für die Aktion geboten 😀

    • firefox05c schreibt:

      Ich denke eher, es lag an Kommunikationsproblemen: Nach jeder Normung, nach jeder Untersuchung und Ausarbeitung muss sich der Urheber ein Denkmal setzen, indem bisherige Abkürzungen ersetzt werden. Ein WAB- Gefahrgut wird vom ABC- zum Ox/N-Ox zum BC- Container, die TS heißt jetzt PFPN (warum man in Deutschland unbedingt eine englische Abkürzung braucht, erschließt sich mir nicht), Ü-ManV T ist jetzt PTZ10 und Raider heißt neuerdings Twix. Und in diesem AKüFi- Durcheinander hat wohl jemand die Idee gehabt, der „alte“ WAB-VDekon sei jetzt der BC- Container… 😉

      • Michi schreibt:

        Hilfeee, da soll noch einer durchsteigen… Sind die diversen Abkürzungen eigentlich „Spezialitäten“ deiner Wehr? Auf die Schnelle finde ich mit der Suchmaschine meines Vertrauens sowie in einer bekannten Online-Datenbank nämlich nur einen AB-BC (eben den von euch) und keinen einzigen N-Ox. Wofür soll die Abkürzung eigentlich stehen? Ich kenn nur NOx im Sinne von Stickoxiden…

        Mit PTZ 10 und PFPN kann ich immerhin was anfangen 🙂

      • firefox05c schreibt:

        Wir hatten mal einen AB- Gefahrgut. Irgendwann wurde der Platz auf dem Ding zu klein und jemand schlaues hatte die Idee, die Sachen auf zwei Abrollcontainern zu verteilen, sortiert nach oxidierenden Gefahrgütern (Ox, also Säuren und Laugen ) und nicht- Oxidierenden Gütern (nOx). Tja, und schon mussten wir hier neben dem überall üblichen Abkürzungs- Wust noch weitere tolle Einfälle auswendig lernen… 😉

      • Michi schreibt:

        Ah, auf sowas muss man auch erst mal kommen. SL wäre wohl zu einfach gewesen (und vielleicht auch schon durch „Sonderlöschmittel“ belegt).

        Danke für die Aufklärung! 🙂

  2. Conny schreibt:

    Ohhh, wie schaaade… 😉

    Mit verständnisvollen Grüßen,
    Conny

  3. Nobelix schreibt:

    Und dabei ist eine praktische Dekon-Übung doch soooooooooo lustig. Vor allem, wenn man sie bei kaltem, warmen oder sonstwelchem Wetter macht.
    „Leichte Gebläse-Anzüge“ klingt ja gegen den altbekannten Zodiac noch direkt angenehm 🙂

  4. blaulichtengel schreibt:

    Kommt mir teilweise bekannt vor. Es geht doch vielen so, dass man auf Ausbildung bzw. Wiederholung nicht immer die große Lust hat und sich freut, wenn der hochmotivierte Ausbilder dann doch nicht den vollen Umfang durchziehen kann.
    Eines muss ich allerdings sagen, bei uns in der Feuerwehr gibt es einen top Ausbilder, der zwar viel verlang, doch bei dem man eben auch sehr viel lernen kann. Leider sind auch dort nicht immer alle motiviert und das finde ich schade, denn er macht seine Sache sehr gut (es gibt bei ihm eben keine halben oder laschen Übungen). Bei ihm würde ich echt nichts gegen eine solche Aktion mit Vollschutz und allem haben, denn danach weiß ich, dass ich wieder viel dazu gelernt habe.

  5. Christian (@lelei) schreibt:

    Passiert so etwas auch bei richtigen Einsätzen? 😉

    • firefox05c schreibt:

      Nein. Weil dann der zum Transport beauftragte sich den Container selbst aufsattelt. 🙂

      • ML schreibt:

        Wobei man nix ausschließen soll…
        Ich kenne eine Einheit die auf der Einsatzfahrt umkehren musste weil der Rettungshund noch im Kofferraum des Privatwagens saß.. 😉

  6. Micha I schreibt:

    oh wie schade. Theorie bei ner Tasse Kaffee…….. 🙂

    @ ML
    nee oder? Ich kann nicht mehr…..ich lieg unterm Sofa…

    • firefox05c schreibt:

      Sowas passiert. Hier konnte man mal an einer Einsatzstelle mit dem gebrachten Container nicht viel anfangen, da die Fächer abgeschlossen waren und der Schlüssel auf der Hauptwache lag… 😉
      Glücklicherweise wird auf solchen Containern im Regelfall nur Nachschubmaterial gelagert, bei dem es dann nicht auf die Minute ankommt.

    • ML schreibt:

      Doch…
      Zum Glück war das Fahrzeug noch nicht weit gekommen und es ging zu einer Vermisstensuche. Aber ein Brüller war es doch schon.

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