Unboxing Ü-Ei, Sponsored by Automobilhersteller

Immer wieder bricht mal das Kind im Manne durch. Und so kommt es, dass ich schon mal an der Kasse vor der „Quengelware“ stehe und mich die unwiderstehliche Lust packt, mir schnell noch diese paar Gramm Schokolade in völlig überteuerter Eierform auf das Kassenband zu legen. Kullert dann bei jedem Ruck des Bandes bis zum Bezahlen immer so verführerisch hin und her…

DIGITAL CAMERAZu Hause dann das „Unboxing“, wie es so schön auf Neudeutsch heißt: Die Schokolade wie gewohnt lecker, war aber schon nach zwei Happen weg. Jetzt lag noch das gelbe Innenleben da. (Wenn ich für Schatz eine Ausrede brauche, wieso ich mir diesen Kram überhaupt kaufe: Ich brauche die Plastikeier als Bissanzeiger beim Angeln. Drahthaken durch den Deckel zum Aufhängen an der Schnur, und Nachts kann man sogar ein Knicklicht hineingeben, damit man auch im Dunkeln jeden Zupfer sieht…) Erwartungsvoll knackte ich den Deckel auf: „Oh, ein kleines Cabrio!“ Waren die Autos früher noch sehr neutral gehalten, so dass man nicht unbedingt sofort ein bestimmtes Modellvorbild erkennen konnte, war dieses eindeutig ein Porsche. Nun gut, die Modelle werden ja auch von Erwachsenen gesammelt, dachte ich bei mir, und das macht natürlich mehr Spaß, wenn man ein spezifisches Modell auf der Börse präsentieren kann…

Scheinbar nicht irgendein Flitzer, sondern ein ganz, GANZ tolles Auto!

Scheinbar nicht irgendein Flitzer, sondern ein ganz, GANZ tolles Auto!

Mehr aus Langeweile faltete ich den Begleitzettel auseinander, um zu sehen, ob dort – wie bei anderem Ü-Ei- Gedöhns auch- vielleicht als Schmankerl noch irgendein bekloppter  Aufkleber für z.B. die Motorhaube beiliegt. Erhöht schließlich den Fummelfaktor. Doch dann musste ich erkennen, dass es Ü-Eier mittlerweile nicht nur in einer besonders gekennzeichneten Ausgabe für Mädchen gibt, sondern auch scheinbar in einer Inkognito- Ausgabe für Erwachsene: Auf dem Zettel war Porsche- Werbung!

Oh! Da kann Papa ja noch andere Autos toll finden...

Oh! Da kann Papa ja noch andere Autos toll finden…

Der Text richtet sich meines Erachtens – bis auf den Alibi- Kasten auf der linken Seite mit dem Hinweis, nicht bei Rot über die Straße zu gehen – nicht an 5-Jährige. Auch die auf der Rückseite angegebenen Modelle der Gesamtserie waren nicht nur mit tollen Adjektiven versehen, sondern es prangte auch der original Schriftzug und das Wappen dort. Muss jedes Kind kennen. – Oder geht es hier eher darum, den Papa neugierig zu machen, was das für tolle Autos sind?

Auf dem Zettel ist auch ein Code zur virtuellen Ü-EI-Welt. Und wenn man den eingibt bzw. das Porsche- Logo vor die Webcam hält, wird man auf weitere Seiten geführt, die keinen Zweifel daran lassen: „Pass op, Rotzigen, du bist jetzt in der Welt von Porsche!“: Original- Wappen unten rechts, die Modelle in Großbild, auf der nächsten Seite das Porsche- Center in Essen.

Geil! Das Porsche-Center in Essen! So... shiny!

Geil! Das Porsche-Center in Essen! So… shiny!

Ich hätte eigentlich gedacht, dass man bei diesem Preis für ein Ü-Ei (99 ct, das sind etwa 2 Mark in echtem Geld für 20 Gramm Schokolade und einem kleinen Spielzeug für geschätzte 3ct) genug Gewinn macht, um sich das Ding nicht auch noch dermaßen sponsoren zu lassen. Ich finde, wenn man schon die tollen Superflitzer von Porsche per Lizenz beipacken möchte, dann würde ein einfacher Hinweis „Powerd by Porsche“ oder ähnlich doch reichen!

Früher waren in dem Ei Zinnsoldaten und Hündchen. Heute Werbung von Großkonzernen. Schade. Ich finde, das muss nicht sein.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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9 Antworten zu Unboxing Ü-Ei, Sponsored by Automobilhersteller

  1. Conny schreibt:

    Oh-ha, so nen chicen Flitzer hatte ich noch nie in nem Ü-Ei.

    Mal abgesehen von der tatsächlich überflüssigen verdeckten Werbung für Porsche- ich liebe Ü-Eier. Die sind Kult.

    Aber die Schoki muss bei mir immer warten, erst muss ich gucken, was drin ist 😀

    • firefox05c schreibt:

      Bei mir ist es umgekehrt: Die Schoki ist so Schweine- lecker… 😉

      • Conny schreibt:

        Hihi, jaaa, das ist sie wohl, das stimmt.
        Aber die Neugier, die bricht einfach jedes Mal in mir durch. Das kann nicht warten 😀

        (ich glaub, das war schon als Kind so bei mir)

  2. Ralf schreibt:

    Eine weitere tolle „Ausrede“
    Gelbes Dingsbums nehmen ein Paar Latexhandschuhe reinstopfen.
    Kompackt und durch die gelbe Signalfarbe in jeder Tasche schnell zu finden.
    War ein Tip meiner RA.
    Und ich brauch Latexhandschuhe in meiner Einkaufstasche in meinem Rucksack in der Jackentasche in der Hosentasche in der Handtasche …. 😉

    • firefox05c schreibt:

      Ich habe dafür Filmdosen genommen. Aber wer kauft heute noch Rollfilme. Die Döschen sterben aus. (Und in die Packung einer Speicherkarte für die Digitalkamera passen keine Handschuhe…) 😉

  3. BOB schreibt:

    Bis vor ein paar Jahren wurde ich da auch in unregelmaeßigen Abständen an der Kasse beim Einkaufen schwach. Meine Vorliebe bestand in erster Linie aus der Lust am Zusammenbauen der kleinen Spielzeuge. Das wurde aber immer stupider und einfacher, ja groeßtenteils sind jetzt ja, wie bei deinem Porsche, gar keine Einzelteile mehr enthalten.
    Wenn ich da an frueher denke, wo das teilweise sogar ein wenig knifflig war, frage ich mich wo der Grund fuer diese Vereinfachung liegt. Duemmere/umgeduldigere Kinder? Billigere Herstellung? Ich weiß es nicht, kaufe die Eier nun aber auch nicht mehr.

  4. Jan schreibt:

    Das ist eine echt schlaue Marketing-Doppel-Strategie. Für Kinder mag so ein Spielzeug zwar noch nicht eindeutig als Porsche zu erkennen sein, aber es wirkt konditionierend: Das Kind prägt sich die charakteristische Form eines Porsches ein und assoziiert später mit Cabrios eher einen Porsche als andere Marken/Formen. Und für Erwachsene ist dann eher der Text und der Internetauftritt. Das hat sich Ferrero sicherlich gut bezahlen lassen.

  5. Also ich hab als Kind auch mit Porsches & Co gespielt. Trotzdem habe ich dann das Auto gekauft das ich im Jugendalter einfach toll fand. Ich denke also nicht das Kinder wegen eines Porsches im Ü Ei dann auch später einen Porsche wollen. Auch Ihren Eltern können Sie nicht wirklich genug auf der Tasche liegen das die sich einen Porsche kaufen.
    Für die Kinderüberraschung an sich doch schön.
    Problematischer wäre es wenn da ein iPhone oder iPod Spielzeug drin wäre – denke ich. Autos sind doch eher kein Problem.

    • firefox05c schreibt:

      Mich hat es nicht geärgert, dass für die Kinder ein Porsche- Modell drin war, sondern die Aufmachung der Werbung auf dem Beipack- Zettel, die offensichtlich für Erwachsene gedacht war. Wenn ich meinen Kindern Spielzeug kaufe, möchte ich keine Spam für Erwachsene untergeschoben bekommen.
      Vielleicht sehe ich das aber auch etwas enger wie viele andere…

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