Eine neue Lumperkiste!

Die alte Matratze hatte schon Kuhlen, in denen die Katze sich verstecken konnte, wenn sie mal böse war. Das war natürlich schön für die Katze, aber schlecht für den Rücken meines Schatzis. „Ich komme ja morgens kaum noch hoch“, beschwerte sie sich des öfteren. „Da brauchen wir mal eine neue Matratze. Aber eine vernünftige! Mit vernünftigen Geschlechtskrankheiten drunter! (Sie meinte Lattenrost…) Und wo wir schon mal dabei sind: Das Bettgestell hat wohl zum Mauerfall seine besten Zeiten gehabt.“ Naja, sie hatte ja recht: Die knarzenden Latten waren auch schon mal in einem besseren Zustand. Also war der Entschluss gefasst: Ein neues Bett musste her.

Wir zogen durch die Möbelbuden, die von der Preisgestaltung her in Frage kamen. Verschiedene Modelle wurden bestaunt oder belächelt und wir lagen minutenlang zusammen auf den ausgestellten Matratzen und schauten uns prüfend an. War das das richtige Lager? Oder doch lieber die Matratze mit der „Sommer-Winter-Seite“? Man hat es beim Matratzenkauf nun nicht gerade leicht. „Die“ omnipotente Matratze gibt es nicht. Ob Federkern, Kaltschaum, Viscoschaum oder Haferstroh muss jeder für sich entscheiden, und überteuert sind die meisten Schlafmatten sowieso. Ich denke, wenn ein fertig gefräster und bezogener Kaltschaum- Spritzling aus zwei oder drei verklebten Teilen (und mehr ist so eine Matratze ja meist nicht) in der Herstellung 30 Eumel kostet, ist sie bezahlt. Der Rest ist Gewinn. Was ein weiteres Problem aufwirft: Es gibt sowohl billige Matratzen, die für den einen oder anderen Rücken super sind, und 500- Euro- Klötze, die man wegen der Schadstoffe nicht einmal verbrennen kann…

Wie auch immer: Wir hatten uns nach einiger Zeit und viel Proberäkeln auf den Ausstellungsstücken für ein Bettgestell mit drei Unterschubkästen sowie für zwei bezogene Liegeschwämme mittlerer Preisklasse entschieden. Die Lieferung dauerte allerdings drei Wochen.

Nachdem alle Teile im Laden angekommen waren, liehen wir uns einen Transporter (den Mausi mit meinen guten Ratschlägen fahren durfte) und schleppten die Pakete in unser Wohnklo. Der Lieferservice sollte nämlich 110 Tacken kosten, da haben wir das Liegemöbel lieber selbst abgeholt.

Nachdem wir die Pakete sortiert und die Bauanleitung gefunden hatten, musste ich lernen, dass Menschen, die IKEA- Anleitungen schon kompliziert finden, bestimmt noch keine anderen Baupläne in der Hand hatten. Scheinbar setzte die Anleitung für unser Bett voraus, dass der Leser den ganzen Tag nichts anderes machte als Möbel aufbauen: „Mod 140cm – Mod 180cm – KT mit ZL – KT mit KB …“ Nach etwa zehn Minuten genauen Studiums kam ich drauf: Diese Anleitung war wohl für gleich mehrere Ausführungen zusammengefasst worden. Und welches Bild passte jetzt für unser Bett?

„Ich glaube, wir haben dieses Modell. Das auf Bild drei“, grübelte ich laut, während ich versuchte, einige der Bauteile zu identifizieren. „Da sind diese zwei Latten am Kopfteil, die da drüben im Paket liegen. Heißt hier übrigens ‚KT‘. Und diese drei Halter aus dem Karton sind hier auch abgebildet. Aha… soso…“ Mausi saß skeptisch daneben. „Vielleicht hätten wir einen bestellen sollen, der es aufbaut?“ – „Ach, Mumpitz“, meinte ich, „die paar Bretter werden wir doch wohl noch zusammengetackert bekommen! Ich bin schließlich Feuerwehrmann. Ist doch bloß ein Bett, kein Raumschiff. Also, hier muss dann diese Schraube… Da sind Löcher vorgebohrt… und da dann die Schlossschrauben durch… – Hier steht, dass ich die vorgebohrten Löcher da komplett durchbohren muss. Gib mal den Akkuschrauber.“ Gesagt, getan: 6 Löcher wurden durch das ‚KT‘ gebohrt und die Schrauben dafür zusammengesucht. Während ich die ersten Schlossschrauben montierte, suchte mein Schatz die restlichen zusammen. „Äh… du, das sind glaube ich nicht genug von diesen Schrauben…“ Kurz nachgesucht, die anderen Schraubentütchen kontrolliert: Ohne Ergebnis. Die Zeichnungen noch einmal angesehen, und mir fiel es wie Schuppen von  den Haaren: „Tja… hier auf der Rückseite der Anleitung ist noch ein fünftes Modell… 180cm, zwei Zierleisten… ich glaube, das ist unseres, nicht das von Bild drei…“ Und siehe da: Die dort angegebenen Schrauben waren in ausreichender Anzahl vorhanden und wurden nicht komplett durch das Kopfteil gesteckt, sondern nur von hinten eingeschraubt. Falsche Löcher ins nagelneue Bett gebohrt: Check…

„Naja, ist nicht so schlimm“, beruhigte ich meine Frau, die mit knüddeligen Augenbrauen zwischen den falschen Löchern und mir hin und her schaute. „Da kommen einfach ein paar braune Stopfen auf die Löcher, das siehst du später gar nicht. Wahrscheinlich verschwinden sie später hinter der Matratze…“

Der Rest ging dann eigentlich ganz gut, nachdem ich mich erst einmal auf das richtige Modell in der Anleitung eingeschossen hatte. Mal abgesehen von der Tatsache, dass ich in den ersten Schubkasten den Boden verkehrt herum eingebaut hatte. Und eine Schiene für die Kästen falsch angeschraubt hatte. Und das richtige Maß für die Montage des Brettes nicht einordnen konnte, auf dem die Schubkästen laufen sollten: Dort stand einfach nur ’45mm‘ an der Vorderkante des Brettes. Was meinten die damit? Sollen die Schienen 45mm zurückgesetzt aufgeschraubt werden? Oder das Brett 45mm versetzt in das Gestell montiert werden? Und wenn ja: 45mm vom Fußbrett aus gemessen, oder vom Kopfteil, das 2cm breiter ist? Oder soll ich mit Kaliber 45 auf das Brett schießen? Muss ich jetzt erst zwei Semester Möbelphilosophie studieren? Fragen über Fragen…

Wir werkelten so den Nachmittag vor uns hin, bis wir alles zusammengeschraubt hatten, was nach Bett aussah, und hatten nun ein schönes Seniorenlager mit einer Höhe von 60cm im Schlafzimmer stehen. Fertig!

Dachte ich zumindest.

Zwei Tage später wollte ich nämlich mein Schatzi für eine Kuschelattacke überfallen. Wir setzten uns mit etwas Schwung aufs Fußende des Bettes: „RUMMS!“ Die Matratze war 20cm tiefergelegt…

„Was war das denn jetzt?“, fragte sie mich entsetzt. Wir standen auf und ich schaute unter die Matratze: „Das Brett, auf dem die Lattenroste liegen, ist durchgebrochen…“, stellte ich fest. Mausi fuhr von 0 auf 100: „Das darf doch nicht wahr sein! Da kauft man für teuer Geld ein Bett, und dann sowas? – Da rufe ich jetzt an. SO! JA! NICHT! Da sollen die uns mal schön eine neue Latte besorgen!“ Ich bremste sie sofort wieder ein: „Jetzt warte doch erst mal ab! Wie stellst du dir das vor, sollen die uns heute Abend noch eine Latte bringen? Das dauert bestimmt eine Woche. Und im Übrigen: Ich glaube, das ist nicht unbedingt ein Garantiefall…“ Bei genauerem Hinsehen entdeckte ich nämlich die Ursache für den Crash: Mittig unter die Auflagelatte für die Roste sollte eine Stütze geschraubt werden. Und diese hatte ich natürlich noch vor dem Einlegen der Lattenroste nach Augenmaß druntergepfriemelt. Dabei hatte ich mich etwa um etwa 20cm verschätzt, so dass die Roste nicht genau unterbaut waren und auf der quasi freischwebenden Latte ruhten. Die Latte indeß war aus zwei Stücken zusammengeleimt worden, und an der Nahtstelle hielt die Latte dem Druck nicht mehr stand, als wir unsere beiden Hinterteile auf eine Matratze schwangen…

Oben: Originallatte mit provisorischer Reparatur, ziemlich mittig aus zwei Stücken zusammengeleimt. Hat nicht gehalten. Unten: Doppelt so starke Ersatzlatte

Oben: Originallatte mit provisorischer Reparatur, ziemlich mittig aus zwei Stücken zusammengeleimt. Hat nicht gehalten. Unten: Doppelt so starke, später eingesetzte Ersatzlatte

Ich zog also Mausi das Handy aus der Hand, mit dem sie schon die Nummer der Möbelbude gewählt hatte, und reparierte mit einem Holzklotz und zwei Schrauben die Latte selbst. Zumindest provisorisch. Toll. Nach drei Tagen Betrieb schon falsche Löcher und die erste Reparatur.

Manchmal komme ich mir vor, als wäre ich zwar zu allem fähig, aber zu nichts zu gebrauchen…

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6 Antworten zu Eine neue Lumperkiste!

  1. almandor schreibt:

    Hihi, danke, das habe ich gebraucht. Hab mir vor circa drei Wochen auch ein neues Bett gekauft, aber mit Liefer- und Aufbauservice. Ich kenne meine zwei Linken Hände.

  2. Conny schreibt:

    Groß-ar-tig 😀

    Ich kenn sowas und musste so lachen 😀
    Zum Glück wars bei meinem Bettaufbau vergleichsweise einfach, bloß das Zusammensetzen des Lattenrosts hat mich an den Rand des Wahnsinns getrieben, denn SO wie es in der Aufbauanleitung beschrieben war, KONNTE es nicht funktionieren (die Gummi-Pnöppel, wo die Latten rein sollten, wären sonst gerissen oder ich hätte sie abgerissen… *toll*)

    Aber nachdem ich nun seit Jahren schon zigfach Möbel aufgebaut habe, kann ich echt sagen: die Aufbauanleitungen vom Möbelschweden sind super!! Vor allem im Vergleich mit denen anderer Möbelhäuser 😉

    Ich baue aber in der Regel ganz gern ohne Anleitung auf – Sortieren, nach Logik vorgehen. nur kurz abgleichen mit der Anleitung, passt 😉 Ist meist besser als sich über die kleinen Zeichnungen mit der aufgedruckten Lupe aufzuregen *grinst*

    Und ähm ja, da wo kein Loch vorgebohrt, da auch kein Loch rein machen 😉 Hab das schon hinter mir *lacht* Das muss aber doch hier, wo ist die Bohrmaschine… ups. war doch andersrum, das Brett… Ist SO ärgerlich!! Aber ich glaub, ein jeder Heimwerker muss die Erfahrung mal gemacht haben.

    Grinsen musste ich bei dem drangefrickelten Stütz-Dingen… kenn ich auch. Wenn auch nicht beim Bett, sondern bei der Küche und bei nem Schrank. Da wars dann zum Glück jeweils unschädlich (seit Jahren) und der tollen Idee von Ikea so angedeutete Kuhlen ins Holz zu hämmern, weil man da irgendwie Schrauben reindrehen soll. Wie ich das hasse!!! Das klappt nie – in Ermangelung eines richtig guten Akkuschraubers schraube ich nämlich von Hand 😉 Gibt gute Mukkies, dauert aber. Und klappt… hmmmm schwierig bei solchen quasi-vorbebohrte Löchern in Andeutungs-Optik.

    Ich hoffe, ihr habt den Sturz schadlos überstanden und ruht jetzt im schönen neuen Bett 😉

    Wie immer: großartig geschrieben, danke fürs Grinsenlassen. Ich glaub, es fühlen ganz, ganz viele mit dir mit 😀 Das kennt JEDER!!!

    Conny

    • firefox05c schreibt:

      Zu meiner Verteidigung: Bei den vorgebohrten Löchern, die endgültig durchgebohrt werden sollten (im Falle, dass wir Modell 3 gehabt hätten, natürlich…) war tatsächlich eine Bohrmaschine abgebildet. War nur eben nicht unser Modell… 😉

      • Conny schreibt:

        Uh, das ist dann natürlich sehr bitter.

        Aber ich meinte das auch gar nicht so… „Hihi, du bohrst Löcher, wo keine hingehören!“ Sorry, falls das falsch rübergekommen ist.
        Ich hab mich bloß vor meinem geistigen Auge nochmal ein Möbel aufbauen sehen, wo „ganz klar und eindeutig“ Löcher genau da rein mussten… ähm, nicht! 😉
        Danach hatte ich mir dann selbst vorzeitiges Bohrverbot erteilt 😉

        In diesem Sinne – guuute Nacht *gähnt*

        Conny

  3. DontSwitch schreibt:

    Ich weiß, bei so alten Posts braucht man sich über Leichenstarre oder -flecken gar keine Gedanken mehr machen, die sind schon kompostiert – aber ich betreibe trotzdem mal Leichenschändung, das hilft vielleicht auch fürs nächste Mal:
    Eine verständliche Aufbau- oder Bedienungsanleitung ist vom Händler mit dem Produkt zu liefern, ansonsten stellt dies einen Sachmangel nach § 434 Abs. 2 BGB dar.
    Somit stehen einem hier alle Rechte nach § 437 BGB zu.

    Möglichkeit wäre z. B.:
    * Mangel melden und Frist setzen (i. d. R. 14 Tage, bei Möbeln ist evtl. etwas mehr notwendig)
    * Innerhalb dieser Frist hat der Händler dann die Möglichkeit zweimal nachzubessern (z. B. Monteur vorbeischicken, funktionierenden Ersatz liefern usw.)
    * Klappt das nicht: Vom Kaufvertrag zurücktreten, Ware zurückgeben, alle Fahrkosten usw. erstatten lassen

    Dann ist man das wegen der unverständlichen Anleitung kaputtgeschraubte Bett wenigstens wieder los. Falls man in dem Laden nochmal einkaufen will sollte man auf seine Rechte allerdings besser verzichten (keine Frist setzen, Fahrtkosten nicht verlangen), der Einzelhandel kennt die Rechtslage überwiegend nicht (oder will sie nicht kennen) und reagiert somit etwas eingeschnappt. Beim Onlinehandel ist das kein Problem.

    Wundere mich sowieso immer, warum die meisten Leute mangelhafte Sachen auf eigene Kosten in den Laden zurückbringen (Zeit, Sprit usw.) – bei Onlinehändlern besteht aber jeder darauf die paar Euro fürs Paket nicht zu zahlen. IMHO wird der Einzelhandel hier vom Verbraucher schon sehr bevorzugt behandelt.

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