Schon mal geholfen?

Ein Mitmach- Tipp

Wenn man als Ersthelfer zu einem Notfall kommt, ist man manchmal zunächst wie gelähmt. Tausend Eindrücke stürzen auf einen ein. Hat man sich irgendwann gefangen, ist man sich unsicher, was zu tun ist. Kann ich überhaupt helfen? Bin ich qualifiziert genug? Schaffe ich das ohne weitere Helfer? Oder mache ich dabei mehr kaputt, als dass meine Bemühungen helfen? Und wenn ich etwas mache: Was kann ich tun? Wie? Werde ich von anderen Zeugen überhaupt ernst genommen und unterstützt?

Tausend Fragen stürzen auf den Hilfswilligen ein. Dazu kommt der durch Stress entstehende Tunnelblick. Man verliert vielleicht die Übersicht, weiß nicht, was man zuerst tun soll und was unwichtig ist. Immer die Angst im Nacken, den Patienten weiter zu schädigen, etwas falsch zu machen, verklagt zu werden.

Bis man sich überwunden hat und anfängt, zu handeln. Ab diesem Moment funktioniert der Helfende einfach, entscheidet als Laie aus dem Bauch heraus, was meistens richtig ist. Die Fragen verstummen, das Problem wird angepackt, und man ärgert sich über irgendwelche Umstehenden, die den Sprung aus der Untätigkeit noch nicht geschafft haben.

Habt ihr das auch schon mal erlebt? Tante Hilde fällt beim Kaffee mit dem Gesicht in die Torte, und keiner rafft, dass ein Notfall passiert? Ein Mann bricht auf der Straße zusammen, und ihr betreut ihn, bis der Rettungsdienst eintrifft? Es kommt Rauch aus einem Fenster, und ihr ruft die Feuerwehr und klingelt bis zu deren Ankunft schon mal die Leute aus dem Haus?

Dann könnt ihr eure Erlebnisse jetzt mal erzählen. Gerade nach belastenden Einsätzen (und für Ersthelfer sind viele Notfälle, die sie aus den Alltag reißen, auch schon mal eine belastende Erfahrung) tut Erzählen gut. Außerdem kann der Leser lernen, wie es ist, plötzlich in eine solche Situation zu kommen. Was andere für Gedanken dabei hatten, was für wertvolle Maßnahmen selbst ohne Hilfsmittel getroffen werden können, wie man mit dem Erlebten umgeht.

Und dass es einem ein gutes Gefühl gibt, wenn man geholfen hat. Sich eingesetzt hat. Selbst, wenn für den Patienten die Hilfe nicht mehr gereicht hat.

Alle Ersthelfer, die ich bisher gesprochen habe, waren der einhelligen Überzeugung, dass es zwar nicht „schön“ war, sie aber jederzeit wieder helfen würden. Und dass sie an der Situation, einmal in der Rolle zu sein, dass es gerade auf sie ankommt, gewachsen sind.

Schildert eure Erlebnisse, vom verletzten Kind bis zum dicken Herzinfarkt, und schickt sie an Paul, dem Betreiber des Blogs Alltag im Rettungsdienst. Seine Mailadresse hierfür ist alltagimrettungsdienst (at) gmx. de . Keine Angst: Eure Geschichten werden nicht als „Heldenepos“ begriffen, sondern als Erfahrungsbericht!

Er hatte die Idee, diese Geschichten einmal zu sammeln und zu veröffentlichen, damit die Erfahrungen weitergetragen werden. Einige interessante Erlebnisse kann man dort schon finden. Dabei steht nicht die Dramatik im Vordergrund, sondern eure Sicht auf das Geschehene, eure Bedenken, Fragen, Gefühle. Vielleicht auch schon mal die Erkenntnis, was hätte besser laufen können, welche Maßnahmen nicht viel gebracht haben. Und die Absicht, andere zu ermutigen, im Notfall auch einen Schritt nach vorne zu treten. Denn einer muss ja anfangen.

Also: Traut euch!

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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9 Antworten zu Schon mal geholfen?

  1. Conny schreibt:

    Sehr gute Aktion!!
    Hab grad einen Eintrag durchgelesen – Gänsehaut. Endlich mal einer, der hilft.

    Dabei noch eine Frage, die sich mir aufdrängte und schon länger beschäftigt.
    In dem Artikel stand, dass das Portemonnaie des Mannes durchsucht wurde, auf Hinweise nach Vorerkrankungen etc.
    Wo bewahrt man sowas sinnvollerweise auf? Also gut, Geldbeutel – aber da gibts ja auch von ganz klein bis zu riesig groß. Wie kann man euch eure Such-Arbeit erleichtern?
    Also beispielsweise bei Blutern oder sonstwie chronisch Kranken wäre ja ein deutlicher Hinweis schon sehr sinnvoll – aber sowas trägt man ja vermutlich nicht als Kettenanhänger oder Armband durch die Gegend, oder?! Gerade so jüngere Menschen fänden das ja vermutlich uncool und Ältere vergessens vielleicht?!

    Liebe Grüße,
    Conny

    • firefox05c schreibt:

      Auf der Suche nach der Krankenkassenkarte (die die für uns relevanten Personalien enthält), Hinweisen auf Vorerkrankungen oder Medikamenten suchen wir die Standardorte für Geldbörsen ab: Bei Männern die Hosentaschen und die Innentaschen der Jacke, bei Frauen die Handtasche. Es klingt unglaublich, aber auch im zweiten Fall werden wir oft recht Zeitnah fündig. 😉
      Daher ist es sinnvoll, Hinweise wie Medikamentenplan, Marcumar-, Schrittmacher- oder Organspendeausweis zusammen mit der Krankenkassenkarte in der Geldbörse aufzubewahren. Somit fällt uns das Wichtigste sofort zusammen in die Hände.
      Solche Informationen z.B. im Smartphone oder einen USB- Chip zu speichern, hat leider wenig Sinn: Die Bedienung der Handys ist zu verschieden und zu Zeitaufwändig, um spontan die Informationen zu finden – wenn man denn überhaupt die Sperre überwunden hat. Ein USB- Stick könnte zwar auch sämtliche Daten in einem einfachen Format bereit stellen, aber der Rettungsdienst hat selten die Möglichkeit, solche Daten auszulesen, und im Krankenhaus wird man sich hüten, einen Stick mit unbekannten Daten mit dem Krankenhausserver zu verbinden. Zumal viele Firmen (wahrscheinlich auch Krankenhäuser) zur Sicherung die USB- Anschlüsse abschalten, um keine Malware einzuschleppen.
      In der Geldbörse erkennen wir hingegen mit geübten Blick die Kassenkarte zwischen den Bank- und Kundenkarten und finden dabei dann auch andere Hinweise. 😉
      Die von dir angesprochenen Schmuckstücke zur Aufbewahrung von wichtigen Daten kenne ich auch. Meine Mutter kaufte sich mal so eine Brosche. Die liegt jetzt fein in der Schüssel im Küchenregal…

    • In der güldenen Zukunft werden solche Sachen ja alle auf der „Gesundheitskarte“ vermerkt sein. Die steckt man nur ins Gerät und alle relevanten Infos werden ausgespuckt. Schätzungsweise 2037 oder so!? ;?
      Für den Rettungsdienst sind viele Sachen, die auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen ohnehin erstmal irrelevant. Er ergibt Sinn, den Marcumar-Ausweis bei der Krankenkassenkarte zu haben, ggf. noch eine Medikamenten-Liste. Für mehr interessiert sich der Rettungsdienst ohnehin nicht und Sachen wir Schrittmacherausweis oder Organspendeausweis o.ä. werden erst im Krankenhaus benötigt.

      • firefox05c schreibt:

        Nun gut, bei einem Herz- Notfall würde mich schon interessieren, ob das eingebaute Ding wirklich nur ein Schrittmacher ist oder es sich um einen mit Defi- Funktion handelt. Kann mir vorstellen, dass es beim Reanimieren stören würde. 😉
        Oder merkt der Masseur von einem auslösenden, implantierten Defi nichts? Dem Kunden tut es ja ziemlich weh…

    • Am allersinnvollsten ist es, bei der Krankenkassenkarte die Kontaktinfos einer Person aufzubewahren, die alle fürs Krankenhaus notwendigen Unterlagen (Medi-Liste, Arztbriefe, div. Ausweise, Pat.verfügung…) beibringen kann, weil sie weiß, wo sie sich befinden und zugriff auf diese hat und ggf. auch weitere Auskünfte zu der betroffenen Person geben kann.

  2. Patricia schreibt:

    Hallo Firefox,
    guckt ihr im Geldbeutel auch nach wenn man z.b. einen Blutspendeausweis hat? Ich habe einen drin und da steckt mein Organspendeausweis drin sowie Klebezettel wer zu benachrichtigen ist. (Die aus Niedersachsen, riesengroß (Format des alten Personalsausweises) und knallgelb) Hilft euch sowas überhaupt? Oder ist das eh egal?
    Grüße
    Patricia

    • firefox05c schreibt:

      Zunächst einmal suchen wir nach der Versichertenkarte, da dort die Daten zur Identifizierung stehen: Name, Adresse, Geburtsdatum. Wenn wir diese nicht schnell genug finden,nehmen wir auch andere Dokumente, vorzugsweise den Personalausweis.Danach erst nutzen wir andere Dokumente, möglichst mit Lichtbild, da wir in einer Geldbörse auch schon mal fremde Personalien gefunden haben.
      Wenn im Blutspenderausweis die Adresse und das Geburtsdatum stehen, können wir das natürlich auch nutzen.
      Haben wir aber die Versichertenkarte schnell gefunden, drehen wir nicht unbedingt die ganze Geldbörse auf Links, da wir ja haben, was wir brauchen. Immerhin ist das Durchsuchen der persönlichen Gegenstände durch uns eine ziemliche… sagen wir mal wohlwollend: Rechtliche Grauzone und sollte auf das absolut notwendigste beschränkt werden.
      Alles Weitere ist Sache der Polizei.

  3. @firefox
    Das Auslösen eines ICD merkst Du nur am „Zucken“ des Patienten unter Deinen Händen, Du bekommst keinen Stromschlag. Neuere Forschungsergebnisse zeigen auch, dass bei einer externen Defibrilliation der Reanimierende vermutlich keinen Schaden nimmt, vor allem da man ja Handschuhe trägt. Ich wage mal zu sagen, in 10 Jahren reanimieren wir durch und es wird unter Herzdruckmassage defibrilliert. Dann gibt es nur noch eine Pause von ein paar Sekunden zur Rhythmusanalyse. In der Klinik ist es mir schon oft passiert, dass ich das Bett oder den Patienten noch berührt habe, während defibrilliert wurde. Germekt habe ich nichts.
    Das Problem beim SM bzw. ICD-Ausweisen ist ja, dass diese aus einem gefalteten DIN A 4-Zettel bestehen. Für viele Geldbörsen also zu groß. 😉

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