Überzeugungsarbeit am Schlauchtragekorb

DIGITAL CAMERAFür Laien der Hinweis vorweg: Forsicht, Vachartikel… 😉

Auf der Seite innenangriff.com wurde ich mit einer einfachen Methode infiziert, wie man das Legen eines kompletten Tragekorb- Inhaltes als Schlauchreserve in zehn Sekunden erledigen kann. Die Methode schimpft der Erfinder „7-2-go“- Methode, und sie ist einfach, schnell und – ganz wichtig – kostenneutral! Klasse Sache, die hier umfassend beschrieben wird:

Im Grunde wird bei allen drei Schläuchen im Korb jeweils nach der Hälfte eine Bucht etwas herausstehen gelassen. Kippt man den Korb an der Einsatzstelle dann aus, kann man diese Schlaufen einfach fassen, zieht sie etwa 7m heraus und hat dann in insgesamt vielleicht 10 Sekunden 45m Schlauch in 6 Buchten liegen. Eine Sache, bei der man sich an den Kopf schlägt und sich denkt: „Wieso bin ich da nicht schon längst selbst drauf gekommen??“ (leider gibt es mittlerweile einen Trittbrettfahrer, der genau dieses behauptet…)

Ich fand diese Idee so überzeugend, dass ich mich in der nächsten Schicht, in der ich im Angriffstrupp eingeteilt war, sofort an einem Tragekorb zu schaffen machte, neugierig beäugt von einem Kollegen:

„Was machst du denn da?“

„Ich fummle hier so Schlaufen raus. Dann kann man ganz fix den gesamten Schlauch in Buchten legen.“

„Wie jetzt? Mit den Zipfeln da?“ Er knüddelte verständnislos die Augenbrauen über der Nase zusammen. Ich sah ein, dass es nicht in zwei Sätzen erledigt war. So vertröstete ich ihn: „Wenn wir das Auto kontrolliert haben, zeige ich es dir mal. Vielleicht können wir es auch mal ausprobieren.“

Nun ist betreffender Kollege – nun, sagen wir mal: Sehr gesprächig. So teilte er unserem Anstaltsleiter sofort bei Gelegenheit mit: „Der Henrik hat da was am Tragekorb gemacht. Der will mir gleich zeigen, was das sollte. Irgendwas mit Schlauchreserve…“ , woraufhin der Wachvorsteher sich an mich wandte, um mich davon in Kenntnis zu setzen, dass ich das gleich der ganzen Wachmannschaft zu zeigen hätte. Na toll: Eben noch selbst am Überlegen, ob die Sache wirklich so toll ist, sollte ich sie jetzt den Kollegen verkaufen…

Die Kollegen waren natürlich besonders unlustig begeistert, als sie hörten, schon wieder etwas neues lernen zu müssen dürfen. „Tragekorb? Ja gut, da sind halt Schläuche drin. Was soll man da groß lernen?“ und „Toll, wollte schon immer mal wissen, wie ich einen Schlauch lang ziehe…“

Unbeirrt davon forderte mich der Herbergsvater dazu auf, die Sache mal vorzuführen. „Woher hast du die Idee eigentlich?“, fragte er.

„Aus dem Internet. Da gibt es so eine Seite von Leuten, die nichts anderes zu tun haben, als sich über sowas Gedanken zu machen.“

„Ach so. Also, du treibst dich ja auf Seiten rum! Auf „geile-schlampen-schlucken.de“ habe ich das nämlich noch nie gesehen… Na, dann mach mal.“

Ich klärte die Kollegen, die unlustig am Auto lehnten, über die Idee und den Einsatzzweck auf, klappte den Korb über dem Schlauchpaket weg und zeigte die Schlaufen: „Wenn ich jetzt hier fasse und sieben Meter rückwärts ziehe, habe ich die ordentlichen Buchten. Ich habe es noch nicht ausprobiert, aber das soll klappen.“ Der Wachführer, der bis eben noch skeptisch war, begann sich mit der Idee anzufreunden: „Hmm… Willst du das mal probieren? Oder meint ihr, das klappt?“ Einer der anderen Kollegen fing sofort mit seiner Arbeitsvermeidungstaktik an: „Nö, brauch er nicht auseinanderziehen. Also, meine Vorstellungskraft reicht dazu. Habe ausreichend Fantasie.“ – Natürlich: Der Korb müsste anschließend ja neu bestückt werden, und womöglich sollte er das noch machen! Aber der Chef war jetzt neugierig geworden: „Zieh mal lang. Ich möchte jetzt auch mal sehen, ob die Kupplungen wirklich liegen bleiben…“ So fasste ich die Schlaufen, ging ein paar Schritte rückwärts und hatte in drei Sekunden 45m Schlauchreserve. Die lästernden Kollegen bekamen Stielaugen, weil es so unproblematisch klappte, der Anstaltsleiter war schwer beeindruckt und fasste sich ans Kinn: Vor seinen Augen spielten sich gerade Situationen ab, bei denen man diesen enormen Zeitvorteil gut hätte nutzen können!

„Diese Sache kann man auch auf Treppen machen. Der große Vorteil: Die Kupplungen liegen vor der Wohnungs- oder Kellertür und verhaken sich nicht am Geländer, wenn man vorgeht“, schwärmte ich ihm vor. Ich war jetzt selbst restlos von der Methode überzeugt!

Der Wachführer war scheinbar auch begeistert: „Ich bin ja auch Trainer in der BSA. Wir werden das mal ausprobieren, und wenn es sich bewährt, werde ich mal vorschlagen, das bei der Ausbildung ins Schlauchmanagement einfließen zu lassen.“

Na, das war mal ein voller Erfolg! Jetzt bin ich gespannt, wann ich diese Taktik mal im Einsatz anwenden kann. Und auf die blöden Gesichter der Kollegen, die das dann zum ersten Mal sehen…

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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13 Antworten zu Überzeugungsarbeit am Schlauchtragekorb

  1. Patrick schreibt:

    Als DER der nichts anderes zu tun hat, als sich über sowas Gedanken zu machen, möchte ich mich bei Dir bedanken! TOLLER ARTIKEL, gefällt mir sehr gut!
    Habe ihn mit Spaß und einem breiten Grinsen gelesen, weil diese Situation mit dem Vorstellen von „neuen Dingen“ (fast) immer genau SO ablaufen, egal ob BF oder FF!

    Gruß & Dank
    Pat von innenangriff.com

  2. Philipp schreibt:

    Es geht doch eigentlich noch leichter. Stichwort: Schlauchpaket.
    Was ihr braucht: 3x15m C oder 1x15m +1x30m C, ein Hohlstrahlrohr, 2 große Klettbänder und 2 2 Klemmgurte mit Griff (wie auch immer die richtig heißen).

    Dann das Strahlrohr angekuppelt und auf einer Länge von ca. 1,2 m gerade hingelegt, dann den Schlauch spiralförmig drum legen. Geht am besten mit einem 1-fach gerollten Schlauch.
    Wenn das ganze fertig ist, die Klettbänder rechts und links drum machen (Stahlrohr mit ins Klettband einbinden) und in der Mitte den Gurt mit Griff anbringen.
    Den 15m C-Schlauch doppelt gerollt mit dem letzten Klemmgurt versehen.

    Geht im Einsatz schneller als deine Methode 😉
    Einfach den einzelnen Schlauch am Verteiler anschließen, loses Ende bis vor die Wohnungstür, Schlauchpaket ablegen, ankuppeln, Bänder ab, rund machen und Druck drauf.

    Sieht dann so aus: http://vimeo.com/5023430
    Und passt alles in ein Fach für liegende STKs.

    • firefox05c schreibt:

      Das Schlauchpaket haben wir mit einem C für den Innenangriff bei Zimmerbränden. Dafür reichen 15m als Reserve. Wenn man allerdings z.B. vor einem Keller eines großen Hauses steht, weiß man nicht genau, wie weit man bis zum Feuer durch den Rauch muss. Dann ist diese Methode nicht schlecht. Ein Paket aus 3 C-Schläuchen finde ich etwas unhandlich, wenn man damit in den vierten Stock muss oder in weitläufigen Heimen lange Wege hat.

      • Philipp schreibt:

        3 Schläuche im Paket ist nicht sinnvoll. Aber du kannst dir das Paket hinten quer über die Flasche hängen und hast dann beide Hände frei für 2 STK oder andere Sachen.

      • firefox05c schreibt:

        Früher wurden hier auch schon mal Leinenbeutel oder Fluchthaubenbehälter über die Flasche gehängt. Ich hänge mir prinzipiell nichts mehr über die Flasche, seit in Köln ein Kamerad deswegen gestorben ist. Nicht auf dem hin- und nicht auf dem Rückweg.
        Wir tragen unser Paket über der Schulter, dort kann es ohne Hilfe abgeworfen und verwendet werden. Ist zwar etwas umständlicher, da man einen Arm nur eingeschränkt benutzen kann, aber es geht: einer trägt einen STK, der andere STK und Axt.

    • Lars schreibt:

      die Mischung (aus beidem) macht´s…

      das Schlauchpaket ist als Ergänzung zum Schlauchtragekorb zu sehen. So wird´s ja z.B. auch von innenangriff.com vorgestellt. Mit dem Schlauchtragekorb kann man halt drei Schläuche (unfallfrei und feuerwehrsicher) aus dem Korb herauslaufend bis zur Rauchgrenze verlegen. Ab da geht´s dann mit dem Schlauchpaket weiter, das hat gewisse Vorteile und u.a. eben den sich daraus ergebenen „Coil“, den man auch mal eben eine Treppe hochrollen kann.

      Nun gibt es vom Schlauchpaket und von der Schlauchtragekörben zig verschiedene Versionen. Steig da noch mal einer durch… Und jeder hält seine Version für die tollste…

      Nichts desto trotz: 08/15-Schlauchtragekorb und 08/15-Schlauchpaket ergänzen sich schon ganz gut gegenseitig.

      • firefox05c schreibt:

        Das ist ja das Schöne an der Methode, den Korb zu packen: Du kannst ihn genauso wie bisher benutzen. Keine zusätzlichen Um- oder Anbauten, kein Umdenken in der Taktik „STK + Schlauchpaket“, die hier bei uns auch so gelehrt wird. Nichts ändert sich: Du lässt den Schlauch beim Vorgehen aus den Korb laufen, kuppelst vor der Brandbude das Paket an und lässt Wasser geben, wie gehabt. Dafür sollst du die Schlaufen auch nicht benutzen.
        Nur dann, wenn du eine verlängerte Reserve brauchst (weitläufige Kellergeschosse), bei der dein Schlauchpaket nicht mehr reicht, musst du nicht mehr im Zickzack hin- und herlaufen oder die Därme wild durcheinander vor den Kasten kippen! Dann bist du mit der einfachen Maßnahme, vorher drei Buchten 20cm länger in den Korb gelegt zu haben, ganz weit vorne.
        Probier es mal aus!

      • firefox05c schreibt:

        Ach: Und die Maßnahme ist so unauffällig, dass es meinen Kollegen der anderen beiden Schichten nicht einmal aufgefallen ist! 😉

  3. blaulichtengel schreibt:

    Hey, fast den gleichen Trick haben wir bei unserer letzten Atemschutzübung gelernt. Ich finde es echt super, dass man so weniger Arbeit hat und die Zeitersparnis ist auch ganz gut!

  4. gnaddrig schreibt:

    Sachen, die mit minimalem Mehraufwand einen beträchtlichen (wenigstens potenziellen) Nutzen ermöglichen, finde ich genial. Die einfachsten Ideen sind oft die besten. Und bei Feuer zählen Sekunden (ich spreche da aus Erfahrung, habe mal in einem Fachwerkhaus in einer dicht bebauten Fachwerkaltstatt gewohnt).

    • gnaddrig schreibt:

      Hm, das klingt so, als wollte ich als Laie gestandenen Feuerwehrleuten was darüber erzählen, dass es auf Sekunden ankommt. War aber anders gemeint: Ich hatte halt mehrmals Gelegenheit zu sehen, wie schnell sich so ein Feuer in Häusern aus Holz und Stroh ausbreitet, und da leuchtet es mir unmittelbar ein, dass auch 10 oder 15 Sekunden Zeitersparnis einen großen Unterschied machen können. Von daher finde ich „7-2-go“ genial 🙂

  5. florianessen112 schreibt:

    Hat Herr B***n wirklich diese Adresse erwähnt? 😀 Ich hoffe du verstehst mich trotz Sternchen. 😀

    • firefox05c schreibt:

      Mit „Wachvorsteher“ oder „Anstaltsleiter“ meine ich nicht den Amtsleiter. Ich glaube, der hat auch etwas anderes zu tun, als mit uns irgendwelche Schläuche in der Fahrzeughalle auseinander zu fleddern. 😉 Gemeint war der Wachführer.
      Die von ihm genannte „Website“ war
      a) ein Fake, um belustigend herauszustellen, dass sich andere bestimmt nicht auch noch in der Freizeit auf Fachseiten herumtreiben (frei nach dem Lied „Internet is for porn“… 😉 )
      und b) aufgrund womöglich verletzter Befindlichkeiten bestimmter Frauengruppen zusätzlich noch einmal von mir geändert worden. Warum auch nicht, die andere „Adresse“ gibt es nämlich auch nicht. 😉

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