Im Zick-zack über die Ruhr

Der Kollege erzählte meiner Frau, die gerade bei uns auf der Wache vorbei schaute, und mir wie ein Wasserfall von seinem Boot. Er besitzt einen Verdränger (die langsamen mit dem dicken Rumpf) irgendwo in den Niederlanden. Schick zum mehrtägigen Schippern auf der Seenplatte. Irgendwann kam er auch darauf zu sprechen, dass er beim Discounter ein aufblasbares Kanu gekauft hat. „Für ’nen Fuffi. Das macht voll Spaß!“ Ich ließ mich leichtsinnigerweise auf das Thema ein – was mich noch eine ganze Stange Geld kosten sollte…

„Kanu sind wir, damals mit der alten Wachmannschaft, auch schon mal gefahren“, erinnerte ich mich. „So eine Tagestour auf der Niers. War schön. Und auf der Ruhr waren wir auch schon mal unterwegs. Ist nur mit dem hin- und hergefahre immer so eine Sache.“ Er hakte sofort nach: „Das entfällt mit den Gummibooten ja. Da braucht man keine Anhänger für, man schmeißt die Dinger in den Kofferraum, fährt zum Startpunkt und lässt sich später am Ziel wieder abholen. Vielleicht könntest du mich und meinen Schatz ja mal nach so einer Tour auch mal abholen. Oder noch besser: Kauft euch doch auch so ein Boot! An Start und Ziel je ein Auto abgestellt, und los!“ Mein Schatz war sofort begeistert: „Oh ja, ich will auch mal Bötchen fahren! Das macht bestimmt irre Spaß, und sooo teuer ist das Boot ja nicht.“ Der Kollege setzte noch eins drauf und wurde konkreter: „Klar, das wär’s doch! Deine Frau und mein Klaus fahren dann in einem Boot und werden die ganze Zeit nur schnattern! Die verstehen sich bestimmt prächtig! Der Klaus erzählt nämlich noch mehr als ich.“ Das hielt ich für unwahrscheinlich, da auch der mir noch unbekannte Klaus beim Sprechen schließlich irgendwann Luft holen musste (was mein Kollege offensichtlich mit Zirkuläratmung perfektioniert hatte, denn er holt scheinbar nie Luft beim Erzählen…), aber ich nahm es mal so hin.

Die Saat war ausgebracht. Und fiel in meinem Hirn auf fruchtbare Fantasie. Abends saß ich am Laptop und machte mich über Luftschiffe kundig. Am nächsten Tag – mittlerweile hatte ich Dienstschluss – konnte ich es nicht mehr aushalten: „Lass uns losfahren, mal sehen, wo man so ein Boot bekommt.“ – „Bestell doch eines im Internet.“ Aber ich wollte es nicht nur anfassen, bevor ich mich dafür entschied, sondern es auch gleich mitnehmen. Sofort. Luftblase to go.

8 Kilo Wasserspaß

8 Kilo Wasserspaß

In einem Draußen- Laden (auf Neudeutsch „Outdoor- Shop“) wurden wir fündig: Von 160 auf 99 Flocken heruntergesetzt, lag es im Regal. 165kg Zuladung, Gepäcknetz, Boston- Ventile, Lenzöffnung. Noch schnell ein paar Paddel dazu gekauft (erst mal die für fast umsonst. Falls es keinen Spaß macht, hat man nicht so viel ausgegeben): Schon waren wir Besitzer einer 2- Personen- Puste- Arche.

Zu Hause blies ich das Ding erst einmal auf, um zu testen, ob es dicht war. Dabei musste ich immer auf die neugierige Katze achten, die schließlich gerne mal auf so unbekannte Gegenstände springt und sich womöglich genüsslich streckt, wenn es weich ist. Die Folge wären acht feine Löchlein an Bord, die eventuell für Probleme sorgen könnten, wenn man mitten auf dem See die Titanic nachpumpen muss. Muss man nicht haben. Anschließend kam das Monster von 3,20m für zwei Stunden auf den Balkon, um möglichen Luftverlust zu entdecken. Gab es aber nicht: Glück gehabt, ich konnte dem Wasserballon scheinbar unser Leben anvertrauen. Also rollte ich es wieder ein und verstaute es in der erstbesten Tasche, die ich fand. (Protest vom Schatz: „Ey! Das war ja wohl meine Sauna- Tasche!“ Meine Antwort: „Ach, Liebes, für ein lecker Schnitzel muss auch mal ein Schwein sterben…“)

Am nächsten Tag: Sonne, Windstille, ab ans Wasser! Das Kanu war schnell aufgepumpt, wir paddelten los. Die neue Bootstasche wurde mit Schuhen und Luftpumpe gefüllt und vorne unter dem Gepäcknetz verstaut. Das Boot schien allerdings besoffen zu sein: Mal links herum, dann rechts herum, ein Stück weit rückwärts… nach einer Fahrstrecke von 500 Metern waren wir etwa 200 Meter Flussabwärts gekommen. Bald kam ich drauf: Wir paddelten zu schnell. Zu schnell für eine Gummiwurst ohne Kiel. Dadurch schlingerte das Boot überall hin. Nur nicht in unsere beabsichtigte Richtung. (Wer schon mal versucht hat, ohne Erektion auf einer Luftmatratze einen See zu überqueren, weiß, wovon ich spreche. Alle anderen: Kopfkino aus…) Langsamer gepaddelt, dann klappte es einigermaßen. Nun ja, meine Frau hatte auch noch keinerlei Erfahrung mit Ruderbooten oder Kanus, da muss man ihr erst einmal vermitteln, wie enorm wichtig ein gleichmäßiges Arbeiten im Boot ist- und auf welcher Seite man paddeln muss, wenn man z.B. nach links will!

Die nächsten zweieinhalb Stunden verliefen problemlos und zu meinem Erstaunen sogar ohne Kentern. Diese umfriedeten Luftmatratzen sind wirklich enorm stabil auf dem Wassser! Unter den Neidbekundungen der unteren Bevölkerungsschicht, die sich am Rande einer duftenden Hundewiese am Ufer bei ein oder zwanzig Granaten Schädelbräu den Abend verlustigte („Ey, kumma! Die ham nen Boot! Datt iss ja klasse. Könnt ich getz auch so ham…“), entstiegen wir am Ziel den Fluten. Boot eingerollt, in die Tasche gequetscht, ab ins Nest.

Zu Hause ließ ich den Tag noch einmal Revue passieren, während ich meine schmerzenden Beine hochlegte. Das schlechte Steuern, sobald man Schrittgeschwindigkeit erreicht, nervt doch etwas. Konnte man da nichts machen? Einen Kiel ankleben, vielleicht?

Ein Kollege machte mich darauf aufmerksam, dass es entsprechende Nachrüst- Finnen im Zubehör gab. Internet sagte aber, dass die Klamotte 60 Euro (!!!) kosten sollte! Da hätte ich mir ja gleich ein Profiboot kaufen können… Aber was mir die Bilder auch verrieten: Das kann man bestimmt auch selbst klöppeln!

Material: 17,50. Eines der Gepäckbänder ist noch übrig, das Reststück der Platte reichte für eine Ersatzfinne

Material: 17,50. Eines der Gepäckbänder ist noch übrig, das Reststück der Platte reichte für eine Ersatzfinne

Nächster Tag: Ab in den Männerhort Baumarkt. Fix Material zusammengesucht: Eine Kunststoffplatte 50×25, vier Winkel, sechs Schlossschrauben, eine Kunststoff- Viertelstableiste und ein Gepäck- Spanngurt. Zurück nach Hause.

Dort blies ich zunächst den Boden meines Dampfers auf und nahm Maß, wie breit die Halteplatte sein musste. Rechteckig abgeschnitten, Kanten abgerundet: Passt. Nachdem ich beim Schneiden mit dem Teppichmesser erstaunlich gut durch die Platte kam, sah ich mir das Material mal genauer an: Ich hatte in meiner Aktionswut gar kein Plastik gekauft, sondern eine Hartschaumplatte… Nun gut, sie ließ sich sehr gut verarbeiten, und sollte ich damit mal irgendwo aufsetzen, ist für das Boot das Verletzungsrisiko geringer, als wenn hartes Plastik abbricht. Ob sie auch den enormen Kräften standhält, die sich entwickeln, wenn meine muskulösen Oberarme das Stechpaddel nur so durchs Wasser fliegen lassen, wird sich zeigen. 😉

Schlitze links und rechts für den Gurt. Oben die beiden Leisten dienen der Führung der Platte und werden seitlich angeschraubt

Schlitze links und rechts für den Gurt. Oben die beiden Leisten dienen der Führung der Platte und werden seitlich angeschraubt

Anschließend habe ich noch links und rechts einen Schlitz für den Gurt hineingeschnitten und zwei an den Enden abgerundete Stücke der Viertelstableiste so angeschraubt, dass sie in den Rinnen zwischen den Luftwülsten „einrasten“ und die Platte somit gegen Verdrehen und Verrutschen sichern.

Eine Pappschablone, damit man nicht die Platte verschneidet

Eine Pappschablone, damit man nicht die Platte verschneidet

Die Finne – nach den Bildern im Internet geformt – schnitt ich aus dem Rest der Platte und schraubte sie mit den Winkeln auf das Trägerbrett. Aus dem Rest fertigte ich mir noch eine Ersatzfinne.

Das Probe- Anschnallen hat schon ganz gut ausgesehen. In den nächsten Tagen werde ich mit der Wurst mal aufs Wasser, um die Finne auszuprobieren. Und dann werden wir sehen, ob man mit der Prothese etwas schneller und sicherer fahren kann! Aber ich denke, damit Mausi Wasserski fahren kann, brauche ich dann aber noch bessere Paddel…

Update: Wir waren mit unserem Luftschiff nochmals im Revierstrom unterwegs. Mit umgeschnalltem Gummiboot- Dildo. Und was soll ich sagen: Das Ding funktioniert! Die Spurtreue ist erheblich verbessert, man kann fast ohne Probleme geradeaus fahren. Nur beim ein- und aussetzen des Baggerloch- Ballons muss man aufpassen, dass man die Finne nicht beschädigt. Unter die Schnalle haben wir sicherheitshalber noch ein Taschentuch geklemmt.

Fazit: Klare Bauempfehlung! 🙂

2013-07-29 13.20.31

Erinnert mich irgendwie an die Dildoschlüpper für Damen…

Die Oberseite: Seitlich die Schienen, die Schlossschrauben ordentlich versenkt

Die Oberseite: Seitlich die Schienen, die Schlossschrauben ordentlich versenkt

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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10 Antworten zu Im Zick-zack über die Ruhr

  1. Ulrich Wolf schreibt:

    Saugute Idee! Möglicherweise aber etwas klein für das Schiff… 🙂

    • firefox05c schreibt:

      Die serienmäßigen oder nachrüstbaren Finnen für solche Boote sind alle nicht größer. Von Metzler gibt es einen aufklebbaren Kiel mit gerade einmal 3,5cm Höhe. Muss also wohl doch was bringen. Ich werde es ja sehen. 😉

  2. jezabelbotanica schreibt:

    Über die Ruhr wollte ich auch mal mit dem Boot 🙂 Heute noch mit Kasimir darüber gesprochen. Lohnt es sich?

    • firefox05c schreibt:

      Die Ruhr an Bochum und Essen vorbei bis zum Mülheimer Wasserbahnhof ist wunderbar natürlich, ruhig dahinfließend und mit so einigen Möglichkeiten am Ufer, für einen Kaffee anzulanden. Weiter aufwärts kommt der Kemnader See, bei dem ich allerdings noch nicht war. (demnächst vielleicht, wo ich jetzt doch so einen schönen Kutter besitze?) 😉

  3. Micha I schreibt:

    armes Mausi……

  4. Judi schreibt:

    Wir sind als ich noch in Essen wohnte mal mit nem „echten“ Kanu, sechs Anfängern und einem kundigen Steuermann (der am Ende das Tages reif fürs Sanatorium war) von Steele nach weißnichtmehrwo geschippert. Das war sooooo schön, ich beneide Euch glühend um Euer knallgelbes Gummiboot. Und um die Ruhr, die ich mittlerweile gegen die Alpen getauscht habe…

    Damals hatten wir noch einen Könner dabei, der im Einer nebenher fuhr und Bilder von uns hochmotivierten (und selbstverständlich mit viel Naturtalent gesegneten) Anfängerleins machte. Es gibt eins, wo tatsächlich sechs Paddel zu sehen sind, die alle in einer unterschiedlichen „Arbeitsphase“ sind 😀
    Es gibt aber auch eins, wo alle synchron sind, was uns zu der Aussage verleitete, daß wir auf Bild 1 nur schlecht getroffen waren 😎

    Viel Spaß bei weiteren Testfahrten!

  5. Judi schreibt:

    Dieses Bild hier triffts ganz gut 😎

  6. Paddelnd schreibt:

    Super Idee, der Nachrüstkiel. Wir haben ein Faltkanu, das fährt und faltet sich sehr gut, liegt aber preislich deutlich über einem zum Aufblasen. Die Anschaffung lohnt sich nur, wenn man es öfter benutzt… hm, wir müssten es mal wieder aus der Garage holen. 😉

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