Das pöhse, PÖHSE! Facebook!!

…oder: Wie man Leute wachrüttelt:

Ich teilte bei FB den Inhalt einer sehr empfehlenswerten Seite: Auf „Zuerst denken, dann klicken“ werden die täglichen Fallen, Fakes und Fehler bei FB gesammelt, bewertet und gepostet. Dieses mal war es der gute Rat, Fotos seiner Kinder nur mit viel Bedacht ins pöhse! Internet einzustellen, da unter Umständen ein solches Foto des Kleinen am Strand später mal missbraucht werden könnte. Nicht nur Pädophile werden damit u.U. bedient, sondern auch spätere Mitschüler. Die Folgen eines drei Jahre alten Fotos für einen Zweitklässler, dessen Puller jetzt die gesamte Klasse bestaunen darf, kann sich dann jeder ausmalen, wie er möchte. Kinder sind grausam.

Anschließend las ich mir die Kommentare hierzu durch. Jaja, jeder ist selbst verantwortlich… FB ist pöhse!… man kann doch alles bei der Privatsphäre einstellen… Halt, was war das? Da schrieb eine Mutter, die als Avatar das Bild ihres etwa vier Jahre alten Sohnes führte, sie könne überhaupt nicht verstehen, was das Aufhebens sollte. NATÜRLICH könnten Eltern unbegrenzt ihre Kinder im Netz prostituieren, ohne sie zu fragen! Was soll da passieren? Da beharrte sie auch nach verschiedenen Antworten mit Beispielen drauf. Nun gut, dann werde ich die Dame mal vom Gegenteil überzeugen, dachte ich mir. Dass man nämlich keine Kontrolle über öffentlich gepostete Fotos hat. Mein Nacken war nämlich schon ganz steif, weil wieder mal der Schalk draufsaß. Der ist nämlich auch schon mal pöhse! .

Ich durchstöberte also das öffentliche Profil der Frau. Und fand unter verschiedenen Kinderfotos ein Foto, auf dem sie mit ihrem lachenden Sohn kuschelte. Völlig bekleidet. Völlig unverfänglich. Dieses kopierte ich mir auf den Rechner (ich habe es damit noch nicht geklaut, da ich es noch nirgendwo anders öffentlich verwendet hatte) und öffnete es mit einem Bearbeitungsprogramm. Schnell rechteckig den kleinen Teil mit dem Kinderkopf ausgeschnitten und kopiert, das Bild damit schon mal auf ca. 20% reduziert. War einfach.

Ich öffnete ein anderes Foto, auf dem ein ordentlich gemachtes Bett mit Schlumpfenbettwäsche zu sehen war (fragt nicht, wo ich das Foto gemacht habe. Ihr würdet euch totlachen!) und kopierte mitten darauf den rechteckigen Ausschnitt des Kinderkopfes, so dass das Bettenfoto quasi den dicken Rahmen darstellte. Somit war ich künstlerisch tätig geworden, hatte also womöglich durch die Sinnentstellung ebenfalls gewisse Verwertungsrechte an dem Bild. Man muss nur §24 des Urheberrechts bemühen, den Künstler raushängen lassen und die Sache richtig auslegen. Ach, und im Bedarfsfall natürlich einen Anwalt mit der Regelung beauftragen. Oder so. Vielleicht klappt es ja…  😉

Dieses gerahmte Bild postete ich als Antwort unter ihrem Kommentar, mit der in Anführungsstrichen gesetzten pöhsen! Aussage, dass ich es in einer fiktiven Gruppe posten würde, weil der Fratz so süß sei. Ich ergänzte den Kommentar mit dem Satz ohne Anführungszeichen, dass es natürlich nicht ernst gemeint ist und ihr nur zeigen sollte, was womöglich mit solchen Fotos angestellt werden könnte. Im pöhsen! Internet.

Und die Bombe traf. Genau! Ins! Ziel!

Die total entrüstete Mutter, die eben noch vehement das völlig freie Posten aller möglichen Kinderfotos verteidigt hatte, schrieb mir etwa sechs Minuten später eine Drohnachricht: Ich solle SOFORT das Foto löschen! Im Übrigen habe sie mich beim pöhsen! FB gemeldet. Auch meine IP werde jetzt ermittelt, und eine Anzeige bei der Polizei läge bereits vor. Alle Achtung, das alles in sechs Minuten. Die Zeit brauchen andere, um nach der FB- Benachrichtigung meinen Post aufzurufen, den „Melden!“- Button zu finden und in das aufpoppende Kontaktfenster obige Nachricht einzutippen. Die Mutti ist echt fix.

Natürlich antwortete ich der Dame in meiner geschätzten Sachlichkeit. Vorher wollte ich schon mal das betreffende Foto löschen. Aber – oh welch Katastrophe: Die besorgte Mutter hatte bereits ihren Kommentar mitsamt aller Antworten selbst gelöscht! In sechs Minuten… Huch, auf ein mal schien sie es begriffen zu haben? Dabei hatte ich ihr nur ein Foto geschickt, dass sie selbst öffentlich gestellt hat. Sowas… Und falls sie keinen Screenshot gemacht hatte, kann sie nicht einmal mehr ihren Freundinnen zeigen, wie pöhse! das Internet doch ist. Die Beweise für eine Verfolgung (sofern sie möglich ist) hatte sie leider selbst vernichtet. So viel zu ihrem synaptischen Netzwerk.

Ich teilte ihr mit, dass sie sich nun beruhigen könne, weil mit dem Löschen des Kommis eben auch alle Antworten nicht mehr sichtbar seien. Ihre besorgt- entrüstete Antwort: Ich solle das Foto SOFORT auch von meinem Rechner löschen!!! Weil sonst Haue!

Aber ich hatte keine Lust, dem nachzukommen: das Löschen war nämlich schon kurz nach dem Hochladen des Horror-Schocker-Missbrauchs-Foto-Verbrechens geschehen, und ich wollte es zum erneuten Löschen nicht erst wieder herstellen. Was sollte ich auch noch mit dem Foto, es hatte seinen Zweck längst erfüllt: Mami war wach geworden.

Die Dame verabschiedete sich aus der FB- Diskussion mit dem bissigen Kommentar, eine Anzeige gegen mich würde laufen, verbunden mit der Drohung, es „beim Nächsten“ genauso zu machen. Auf meine Nachfrage, was mein Vergehen sei, meinte sie nur „Verletzung geistigen Eigentums“. Ich sparte mir dann weitere Kommentare bezüglich der Qualität des Geistes, den sie ihr Eigentum nannte, und bat sie nur kurz, mich auf dem Laufenden zu halten. Später fand ich nicht einmal mehr diese Anzeigen- Drohung wieder.

Ich grüble jetzt, was wohl so schlimm daran war, dass ihr Kind nicht nur in ihrem Avatar, sondern auch in einer der Antworten an sie zu sehen war. Hatte sie womöglich beim Posten der Fotos vergessen, dass das Internet nicht nur in ihrem Wohnzimmer stattfindet? Letztendlich dauerte es noch den ganzen nächsten Tag, bis sie sich von anderen Usern hat erklären lassen, dass Avatar- und Accountfotos immer öffentlich zu sehen sind. Ich folgte ihrem erstaunten Lernprozess im weiteren Verlauf aus dem Hintergrund, aber nicht weniger amüsiert.

Jetzt hat sie eine Katze im Bild. Und einen See als Titelfoto. Aha, sie lernt halt doch noch dazu. Das hat ja auch ganz schön gedauert! Meine mentale Brechstange ist schon völlig verbogen…

Aber ich konnte den Abend zufrieden in dem sicheren Gefühl einschlafen, die Welt wieder ein wenig besser gemacht zu haben. 😉

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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9 Antworten zu Das pöhse, PÖHSE! Facebook!!

  1. Christian (@lelei) schreibt:

    Natürlich sollte man immer nur mit bedacht private Sachen öffentlich teilen. Dazu gehören sicher auch Kinderfotos, welche peinlich werden können.

    Aber ist es nicht auch Sinn von sozialen Netzen gewesen, dass man private Informationen/Bildern mit anderen Personen teilt? Heute werden bei Facebook Bilder mit Text von Tweets geteilt, lustige Katzenvideos und Spielehighscores – geteilt und geliked im Namen von „Wayne Interessierts“. Da sind mir Leute bei Facebook mit realen Namen lieber, die private Dinge posten und das ganze als soziales Netz benutzen – sie sollten nur ihre Privatsphäreneinstellung anpassen und es nur für die Kontakte (und ggf deren Kontakte) freigeben.

    • firefox05c schreibt:

      Genau ging es in der Diskussion ja: Dass irgendwas gedankenlos völlig öffentlich gepostet wird, ohne auf die möglichen Empfänger zu achten. In dem betreffenden Text wurde empfohlen, die Privatsphäre- Einstellungen anzupassen und z.B. auch die „Gruppen“- Funktion zum filtern zu benutzen. Besagte Dame hielt das alles für Mumpitz und übertrieben. Bis ich ihr als völlig fremder ihren Sohnemann schickte…
      Später las ich, wie sie sich von anderen detailliert erklären ließ, wie man seinen Account schützt. Therapie erfolgreich.

  2. Julia M. schreibt:

    HAHAHAHAHAHA!

    Gut gemacht. 😀

    Ich finde es offengestanden WAHNSINNIG, was manche Leute im Internet von sich preisgeben. BESONDERS auf Facebook.

    Und was die Kinderfotos betrifft – danke, dass du das gepostet hast. Ich lese eine Menge Blogs (momentan viele übers Stricken/Handarbeiten), und da sind bei einigen besonders viele Kinderfotos drauf.

    Ich finde das extrem bedenklich. Denn WEISS ich, wer sich diese Bilder alles anguckt? Ich meine, herzlichen Glückwunsch, dass das Baby jetzt da ist, aber ich finde es ethisch nicht vertretbar, dass das Leben eines Menschen von Beginn an im Internet veröffentlicht wird; die Kinder WOLLEN vielleicht gar nicht, dass sich später gesamte Biographien im Netz befinden?!?

    Außerdem wundere ich mich zunehmend über die Schizophrenie, die bei manchen Eltern im Umgang mit dem Internet herrscht: Auf der einen Seite wird da ständig über den „Schutz“ der Kinder gelabert (siehe diesen Spot, der gerne mal vor der Tagesschau läuft), und Bedenken geäußert, weil der 14-/15-Jährige vielleicht DOCH schonmal auf youporn ….? (huch!) Und auf der anderen Seite wird jeder Familienausflug Photostoryartig ins Netz gestellt.

    Insofern: DANKE! Und: Coole Aktion – ich hätte irgendwann entnervt aufgegeben. 😉

  3. NK schreibt:

    Das Kind hat allerdings das „Recht am eigenen Bild“, was es ihm bzw. vermutlich den Sorgeberechtigten erlaubt, allein darüber zu entscheiden, wo und wie das Foto verwendet wird. Also Vorsicht mit solchen Aktionen 😉

    • firefox05c schreibt:

      Die Rechte liegen bei der Mutter, das ist mir schon klar. Im Artikel ging es um gedankenloses, öffentliches Teilen von Kinderfotos, was diesen in Zukunft einmal nicht recht sein (oder sogar ihnen schaden) könnte. Das wollte sie nicht einsehen. Bis sie erkennen musste, dass man ja tatsächlich auch als ein ihr völlig Unbekannter öffentlich gepostete Bilder sehen kann. Wer hätte das gedacht… (so ziemlich jeder denkende Mensch, SIE war davon aber völlig überrascht). Mittlerweile ziert eine Katze (und nicht mehr ihr Kind, welches das nicht entscheiden kann) ihr Avatar, das Titelbild ist eine Landschaft, und die Familienbilder sind nicht mehr öffentlich sichtbar. Ziel erreicht.

  4. Lars schreibt:

    das mit dem phösen facebook kann dann aber auch mal so ausgehen…:

    das 6.Bild auf der Seite http://www.mimikama.at/allgemein/das-geschft-mit-dem-helfersyndrom-der-facebooknutzer war der Ursprung und so ging´s aus..

    *Gefällt mir* 🙂

    • firefox05c schreibt:

      Leider geht es viel zu selten so aus. Für Gewöhnlich finden sich hunderttausende debiler Nutzer, die einen nervösen Zeigefinger haben und jeden noch so unglaubwürdigen Scheiß gedankenlos liken und teilen – und sich auch noch „wohltätig“ dabei vorkommen.
      OK, ich muss mich da mal eben reinsteigern. Was jetzt kommt, betrifft nicht dich:
      Tierquäler, die schon seit Jahren verurteilt sind, ominöse weiße Bullis und bunte Wäschekörbe schüren die Angst und das Entsetzen leichtgläubiger Idioten. Macht man diese Teiler auf den einen oder anderen Blödsinn aufmerksam, muss man sich dafür auch noch entschuldigen! Einsicht? No way, man… das kotzt mich dermaßen an, dass ich sogar schon Familienmitglieder aus der Freundesliste geschmissen habe. Der Sinn vieler dieser Aktionen ist mir zudem völlig unverständlich. „Ich fliege demnächst nach Rumänien, könnte einen Hund mit zurück bringen.“ Was soll das, so einen Mist zu teilen? Wenn der Reisende wirklich Reisepate werden will, soll er doch mal beim Tierschutzverein nachfragen! Auch Personensuchmeldungen aus Brasilien und Tierquälereien in Kasachstan machen unheimlich Sinn, hier geteilt zu werden. Ich habe manchmal den Eindruck, dass es nur ein Motiv gibt, die teilweise echt ekelerregenden Bilder und Meldungen zu verbreiten: Die pure Lust am Elend anderer! Instinktgesteuerter kann man als „Krone der Evolution“ kaum noch handeln. Wenn dann noch die oben erwähnten „Spendensammlungen für Likes“ über mein Display flimmern, zweifle ich daran, dass überhaupt irgendjemand der Teiler das Internet verstanden hat. Dermaßen hirnlos kann man eigentlich nicht sein, denke ich dann. Hat schon mal einer im „RL“ probiert, sich auf die Straße zu stellen, einen Block unter dem Arm und Leute ansprechend: „Wenn Sie ein Herz auf das Blatt malen, spendet irgendwer 10 Euro an eine Seehundstation. Wer das macht, weiß ich nicht, warum, auch nicht, woher er so viel Kohle hat, keine Ahnung, aber mein Schwager meint, dass das irgend jemand tut.“
      Bei FB finden sich hunderttausende Herzchenmaler…

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