Ärgerlich: Verletzungsgefahr durch Schlauchtragekörbe. Muss echt nicht sein!

Für Feuerwehrler, die mein Leiden teilen möchten… 😉

STK5Ich muss mich mal wieder ordentlich ausheulen:

Zum schnellen Verlegen von Angriffsleitungen benutzt die Feuerwehr Schlauchtragekörbe. Rechts ist so ein Ding.

Um so ein Schnellfeuermagazin zu bestücken, kann man es oft seitlich aufklappen. Der Schlauch wird dann in Buchten eingelegt, bis der Korb voll ist (meist 3 Schläuche à 15m), dann wird er wieder verschlossen. Und diese Verschlüsse sind bei den bei uns verwendeten Modellen meines Erachtens schlichtweg: Oberkacke!

Autschn...

Autschn…

Beim Einlegen des Schlauches halte ich eine Bucht auf der einen Seite fest, während ich mit der anderen Hand die nächste Schleife zur gegenüberliegenden Korbseite ziehe. Solange der Korb bis zu etwa zwei Dritteln gefüllt ist, gibt es keine Probleme. Aber dann kommt man mit der ziehenden Hand immer wieder sehr dicht an der Verschlussklammer vorbei. Es wird dann sehr eng im Korb, man muss bei jeder neuen Bucht den bereits eingelegten Schlauch wegdrücken. Und die Klammer ist verdammt scharfkantig! Das Drecksding steht frecherweise auch noch nach innen ab!!! Morgens um drei kniet man also nach dem Einsatz müde in der Fahrzeughalle, fummelt den Kunstdarm in seinen Käfig, und – fitzzz! – ist die Pelle an der Hand geschlitzt. Schon so einige Male habe ich mir den Daumenballen auf diese Weise angeratscht.

Handschuhe? Die dicken Lederdinger, die wir hier haben, sind für solche Arbeiten eher ungeeignet: Die Haptik geht größtenteils verloren. Da fummelt man sich beim Schlauch- Origami einen Wolf. Dünnere TH- Handschuhe? Die bekommt hier nicht jeder. Eigentlich nur die Kollegen vom TH- Zug und einige „besondere“ Kollegen (ich habe noch nicht herausgefunden, was dieses „Besondere“ ausmacht. Ich habe es jedoch scheinbar nicht…) . Zudem kann ich mir vorstellen, dass auch diese Handschuhe nach dem vierten oder fünften Hängenbleiben an der Klammer ein Loch bekommen. Also auch ungeeignet. Somit besteht beim Befüllen auf die Art, die ich auch bei den meisten Kollegen sehe, permanent eine Unfallgefahr. Und so eine Schramme kann sehr unangenehm sein, wenn die Wunde nicht ganz sauber ist.

Korrekt am Deckel eingehängte Klammer, Kratzer am Rahmen davor

Korrekt am Deckel eingehängte Klammer, Kratzer am Rahmen davor

Weiterhin kann man auf nebenstehendem Foto an den Kratzern am Rahmen sehen, dass die Form und Lage des Verschlusshakens dazu verführt, ihn intuitiv um die Klappe herum am Korbrahmen festzuklammern. Da Feuerwehrleute ordentlich zupacken, bevor sie aufgeben, wurden durch diesen Befestigungs- Irrtum schon viele der Klamern aufgebogen, so dass sie ihren Zweck überhaupt nicht mehr erfüllen. Sie fallen dann von selbst wieder in den Korb zurück. Die Klammern auf dem Bild habe ich extra für die Fotosession wieder in Form gebogen, da auch diese nicht mehr hielten. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass nach dem nächsten Brandeinsatz wieder ein Kollege beim Zudrücken der Klammer seinen durchtrainierten Körper voll zum Einsatz bringt, so dass der Bügel wieder kaltverformt wird. Ich fürchte, bei dieser Art der Konstruktion ist selbst eine Lasche aus 3mm Edelstahl nicht stabil genug, um nicht von irgendeinem die Sache motiviert angehenden Feuerwehrmann verbogen zu werden, wenn die Klammer mal wieder an der falschen Stelle eingehängt wird. (Wenn die Klammer nicht nachgibt, dann eben der Spannbügel. Feuerwehrleute können das…)

Was soll man also mit einem Verschluss, der eine Unfallgefahr darstellt und nach einigen malen Gebrauch seine Funktion nicht mehr erfüllt? Nicht nur einmal habe ich gesehen (und mir selbst ist es auch schon passiert), dass der Korb aus dem Fahrzeug gezogen wird und auf dem Weg zum Einsatzziel aufklappt, um seinen gesamten Inhalt dem Angriffstrupp vor die Füße zu kotzen!

Die Folge: So ein Korb wird zusätzlich mit Klettbändern zugerödelt. Watt! Ein! Kappes!

Für schnelle Schlauchreserve vorbereitet

Für schnelle Schlauchreserve vorbereitet

Es gibt auch Körbe, die nicht aufgeklappt werden können. Diese haben zwar keine gefährlichen Klammern – sind aber auch ungeeignet für das von mir bejubelte „Seven-2-Go“  – System, welches nur mit Körben mit einem Deckel funktioniert.

Also: Kann man diese Hautschlitzer nicht einfach demontieren bzw. Körbe beschaffen, die von vornherein nur mit anderen Systemen (oft fest angebrachte Klettbänder) verschlossen werden? Hallo, lieber Hersteller:

WELCHEN SINN HABEN DIESE BEKNACKTEN DINGER, DIE SOWIESO NICHT FUNKTIONIEREN UND MIR REGELMÄSSIG DIE ARBEIT SABOTIEREN???

Diese Kack- Haken funktionieren vielleicht beim Vertreter im Büro, bei einem Tässchen Kaffee, wenn man mit Uhrmacher- Fingerchen daran herumspielt und der Korb fabrikneu ist. Für die Praxis sollte man aber noch ein Pflaster- Abo und Klettband dazulegen. Und eine Zange, um die Dreckskrampen bei nächster Gelegenheit, wenn der Daumenballen morgens um drei mal wieder blutet, unter lautem Gefluche und zur Belustigung der Kollegen vom Korb zu reißen.

Die Zange sende ich danach dann auch gerne wieder zurück.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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10 Antworten zu Ärgerlich: Verletzungsgefahr durch Schlauchtragekörbe. Muss echt nicht sein!

  1. Stefan schreibt:

    Deshalb habe ich zusätzlich meist ein paar günstige Montagehandschuhe in der Hosentasche. Dank Gummierung hat man bei vielen Arbeiten nen besseren Grip, einen Schutz der Hände und die Dinger kosten auch nicht die Welt. Die gibts teilweise schon für 2,20 EUR das Paar im 5er Pack bei nem bekannten Internet-Buchhändler 😉 .

    • firefox05c schreibt:

      Ich finde, mein Arbeitgeber sollte für ein sicheres Arbeitsumfeld sorgen. Dazu zählt auch das Vermeiden von Unfallgefahren. Solche Körbe dürften überhaupt nicht beschafft werden. Ich frage mich, wie die die Zulassung bekommen haben.
      Naja, und die schicken TH- Handschuhe gibt es leider nur für andere…
      Von den billigen, „normalen“ Arbeitshandschuhen halte ich im Feuerwehrdienst nichts. Die werden dann nämlich auch im Einsatz benutzt, wenn man sie schon mal in der Tasche hat. Sehe ich leider oft genug, dass Handschuhe z.B. mit den Schutzstufen 2-2-1-2 getragen werden, wenn man eine TH- Einsatzstelle hat.

      • Stefan schreibt:

        hmm, ich bin ja „nur“ in der FF. Bei uns wurden die TH-Handschuhe vom Förderverein beschafft und damit hat die auch jeder. Die billigen Arbeitshandschuhe nutzen einzelne Kameraden hauptsächlich für Gerätewart-Aufgaben oder solchen Tätigkeiten, für die man normalerweise keine Handschuhe anzieht – wie Schlauchkorb einräumen.

  2. HiPe schreibt:

    Solche Metallverschlüsse kenne ich an unseren STK nicht. Weder bei den alten noch bei neueren Modellen. Im Zweifelsfall mal die Dinger mit einem 2. Klett nachrüsten und die Verschlüsse wegflexen lassen. Sollte eine gute Gerätewerkstatt beherrschen (wenn sie denn dazu motiviert wird). Im Zweifelsfall nach dem nächsten Schnitt den Korb der Sicherheitsfachkraft vorführen.
    Was mir bei unseren „neuen“ Körben mit Klettverschluss auffällt ist, dass der edle Hersteller (Skylotec) zwar besonders dicke Alustreben verwendet, damit sich der Korb nicht bei der ersten Feindberührung verformt und die Kupplungen hängen bleiben, aber an den Klettbändern keine praktische Grifflasche oder in billig eine Niete am Ende anbringt, so dass man zum Öffnen immer die Handschuhe ausziehen und den Anfang suchen muss. Auch Ärgerlich.

    • firefox05c schreibt:

      Irgendwas ist immer… *seufz*
      Aber die Haken einfach wegflexen wird womöglich Ärger nach sich ziehen: a) mache ich dann ja das teure Gerät kaputt!
      b) wenn man die Dinger wegflext, verändert man ja das Gerät. Und – uiuiuiui! Geräte verändern lässt ja die Zulassung erlöschen! (Also, die Zulassung, die diese Fleischhaken abgenickt und für gut befunden hat…) – Das darf man aus versicherungstechnischen Gründen ja gar nicht! Will sagen, ich handle mir dabei womöglich noch einen spontanen Termin beim Abteilungsleiter der Gerätetechnik ein.
      Alles Mist…

  3. An-Kas schreibt:

    Du hast es ja schon gesagt, dass Dein Arbeitgeber dafür zuständig ist, für ein sicheres Arbeitsumfeld zu sorgen!
    Wenn ich sowas hören würde, käme das direkt auf die lange „ToDo-Liste“ mit den Dingen, die zu besprechen sind…
    Also Unterstützung vom PR holen, mal mit den Kollegen besprechen und dann einen konstruktiven Vorschlag machen (lassen)!
    Manchmal hilft’s! 🙂
    Viele Grüße,
    Anke

  4. BastelWastel schreibt:

    Hi, gäbe es vielleicht die Möglichkeit, einen Abdeck-Bügel oder -Klammer o.ä. so vor der scharfkantigen Klammer zu platzieren, dass diese den Befüllvorgang nicht stört und Dich auch nicht verletzen kann? Nach erfolgter Befüllung wird diese Hilfsklammer dann wieder entfernt und der Korb ist im Originalzustand.

    • firefox05c schreibt:

      Vielleicht könnte man sich so einen Bügel basteln. Die optimale Lösung (und nach UVV der erste Weg) wäre aber, solche Unfallquellen von vornherein auszuschließen. Ich denke, als „Sicherheitsbeauftragter“ unserer Wache werde ich mal überlegen, wie ich der Geräteabteilung einen Verbesserungsvorschlag unterschieben kann. 😉

      • BastelWastel schreibt:

        Hey, mach mit Klettband/Tape ein altes (aufgeschnittenes und somit nur halb so dickes?) Schlauchstück davor fest. Da die Klammern nicht ganz am Rand sitzen, sondern eher mittig, solltest Du das Schlauchstück links und rechts ankleben oder sonst irgendwie befestigen können.
        Resulat: Nur zum Setzen/Lösen der Klammern musst Du zwischen das angeklettete/angeklebte Schlauchstück und die Korbwand fassen, zum Schlauch-Einlegen dagegen nur zwischen Schlauch und schützendes Schlauchstück.

      • firefox05c schreibt:

        Am Besten, ich klopp‘ die Dinger einfach weg und nehme nur noch Klettbänder. Wie bei anderen Firmen auch.

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