Problem im Rettungseinsatz: „Such die Antwort!“

DIGITAL CAMERAWir wurden mit dem Notarzt zu einem Mann gerufen, der nicht ansprechbar am Straßenrand liegend aufgefunden wurde. Nachdem wir festgestellt hatten, dass er noch lebte, und er von uns ins Auto verfrachtet wurde, wachte er plötzlich auf. Danach war er in kurzer Zeit recht gut drauf, wenn man das so sagen darf. Einziges Problem, welches wir noch hatten: Angeblich war er stumm!

Er konnte aber schreiben, wenn wir ihn etwas fragten. Jedoch schrieb er die Antworten an uns nicht schön der Reihe nach auf das Blatt, welches er von uns bekam, sondern kritzelte sie irgendwo hin, wo gerade noch Platz war. Das sah am Ende dann ziemlich unübersichtlich aus. So ein „Dokument“ war mir in meinen Dienstjahren noch nicht begegnet, darum möchte ich es euch nicht vorenthalten! Es sah aus wie eine lustige Wandzeitung, die mich zu einem Ratespiel inspirierte: „Wo ist die Antwort?“ 😉

Zunächst das tolle Poster:

2013-09-27 21.23.00

Und nun die Fragen, zu denen ihr die Antworten mal suchen könnt:

-Haben Sie etwas getrunken?

-Ui, das ist aber viel… Trinken Sie immer solche Mengen?

-Was ist das für eine Tasche an Ihrem Gürtel? Da ist doch ein Messer drin!

– Wieso „Polizei“? Ist das Messer verboten? Ich habe sowas immer zum Angeln mit…

(Nachdem er sich mehrfach gegen den Kopf schlug:)

-Was ist mit Ihrem Kopf? Haben Sie Kopfschmerzen?

-Wohnen Sie alleine?

-Ich glaube, Sie spielen uns hier etwas vor…

-Waren Sie schon immer Stumm, oder ist das jetzt neu?

Zu den übrigen Notizen dürft ihr euch selbst etwas ausdenken. 😉

Zum aufklärenden Abschluss: Da der Patient auch in unserem Beisein zwei Mal plötzlich nicht mehr reagierte, das Monitoring währenddessen aber keine Auffälligkeiten zeigte, fuhren wir den Mann in eine Neurologie. Später stellte sich heraus, dass er scheinbar wirklich nur simuliert hatte. Er wurde noch am gleichen Abend wieder entlassen. In den etwa zwei Jahre alten Krankenakten, die aus den Archiven gekramt wurden, stand auch noch nichts davon, dass er stumm war. Schon gar nicht seit bereits 35 Jahren! Da hatte uns also jemand gründlich auf die Schippe genommen…

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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12 Antworten zu Problem im Rettungseinsatz: „Such die Antwort!“

  1. You schreibt:

    U n g l a u b l i c h !!!!!

  2. Uwe schreibt:

    Ich glaube, diesen Patienten hatte ich vor 6 Jahren auch 🙂
    Gleicher Ablauf beim Einsatz, gleiche Diagnostik, ähnliche „Wandzeitung“ !!

  3. DummFrager schreibt:

    Mutismus?

    • firefox05c schreibt:

      Ja. Er litt wohl aber nur unter der temporären Form. 😉

      • KlugAntworter schreibt:

        Das ist nicht so lustig, dass man da einen 😉 machen müsste. Es gibt selektiven Mutismus: http://www.mutismusblog.de/mutismus/

      • firefox05c schreibt:

        Da muss ich dich enttäuschen: Hier lag lediglich ein Simulant in unserem Auto. Seine Aussage, er sei seit 35 Jahren stumm, war nachweislich gelogen.
        Er flachste (schriftlich) mit uns herum, machte Späßchen und war sehr gut drauf – es sei denn in den Momenten, wo er uns eine Bewusstlosigkeit vorgespielt hat.
        Als er später im Krankenhaus sein Feuerzeug nicht fand, hat das dazu gereicht, dass er keine Lust mehr hatte und sich selbst entließ. Von daher trotzdem ein 😉
        Und sich erst als „Dummer Frager“ einzumischen, um sich dann als „Kluger Antworter“ zu profilieren, ist auch nicht die feine Art.

  4. Mercator schreibt:

    Erstaunlich, was manche Zeitgenossen nicht alles tun für ihre 30 Minuten Ruhm. Und immerhin ist er ja jetzt mit seiner Geschichte hier im Blog gelandet und Tausende und Abertausende ziehen sich die Story rein… 😉

  5. A.F. schreibt:

    Ist das wirklich passiert oder hast du dir das nur ausgedacht? Das klingt so unglaublich, dass kann doch nicht wahr sein.

    • firefox05c schreibt:

      Nichts von dem, was ich hier an Geschichten schreibe, habe ich mir ausgedacht. Ich habe es lediglich der Anonymisierung halber verfremdet. Weil es so ungewöhnlich ist, sich in dieser Art mit Patienten zu verständigen, fand ich es wert, es hier fest zu halten. Den Zettel habe ich heute noch.

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