Merkels „Neuland“. Wirklich so lächerlich?

Zum Nachdenken.

Am 19.06.2013 sagte unsere Mutti (die gerne auch mal jemand anderen auf uns aufpassen lässt, zum Beispiel die NSA) bei einem Treffen mit dem „Friedensnobelpreisträger i.c.“ (imaginatio causus, für seine warmen Gedanken zu Atomwaffen usw), dass das Internet für uns alle „Neuland“ sei. Die Netzgemeinde (dieses kleine, elitäre Dorf) rollte sich am Boden. Viele von denen, die gelacht haben, setzen voraus, dass in Deutschland alle etwa den gleichen Kenntnisstand haben, wie sie selbst. Aber war die Aussage wirklich so lächerlich? Reicht es, zu wissen, wie man einen Browser startet, um behaupten zu können, man kenne sich mit dem Internet aus?

Zunächst einmal: Wann kann man von „uns allen“ sprechen? Ist das schon hinfällig, wenn eine Minderheit davon ausgenommen ist? Ich denke, da auch die BILD kritiklos dauernd in den Schlagzeilen posaunen darf, was „Deutschland“ macht, bewegt und diskutiert (außer mir noch jemand regelmäßig nicht dabei? Bitte melden…), kann man es durchgehen lassen, wenn dieses „alle“ die Hauptmasse beschreibt. Denn die, die sich darüber amüsiert haben, sind größtenteils Angehörige dieser Minderheit gewesen, die sich den Schuh oft gar nicht anziehen muss. Ich glaube:

Unser‘ Angie hat recht.

Nicht? Dann muss ich mich mal eben da reinsteigern. Moment.

Überlegt einmal: Wer in eurer Umgebung, der dauernd im Netz surft, weiß, was er wirklich tut? Kennt die Schwester, die stundenlang rosa Ponys auf ihrer virtuellen Farm füttert, sich mit dem Zweck von Cookies aus? Der Vater, der seine Angelseiten besucht und im Fußballforum schreibt, mit den Rafinessen von Phishing- Websites? Der Nachbar, der sich regelmäßig Musik im Internet von Filesharing- Seiten zieht, mit der externen Speicherung seiner IP- Adressen? Was gehört alles dazu, um sich im Netz auszukennen? Nur die Kenntnis darüber, wie ich bei eBay einen neuen Badeschwamm kaufe (wenn ich nicht schon darauf hereinfalle, dass die offen angegebenen Versandkosten 89 Eumel betragen)? Ist sich der Feld-, Wald- und Wiesennutzer von Mailadressen im Klaren darüber, dass seine Mails häufig im Hoheitsgebiet fremder Staaten bearbeitet (und ausspioniert) werden?

Negativbeispiele dafür, dass wir kein Volk von Nerds sind, gibt es etwa bei Facebook zu Hauf. Ich denke, wenn 10% der Nutzer zumindest so ungefähr wissen, was sie dort machen, ist das realistisch geschätzt. Denn über das Erstellen eines Accounts und dem Hochladen beziehungsweise Teilen von bekloppten Bildchen à la „Wenn du deine Freunde liebst, teile dies!“ geht das „Wissen“ oft nicht hinaus. Aber reicht das? Nein. Denn dass viele Nutzer sich nicht einmal ansatzweise im Klaren über das Geschäftsmodell und die grundsätzliche Funktionsweise von FB sind, stellen sie regelmäßig unter Beweis. Regen sich auf, wenn mal wieder darauf hingewiesen wird, dass FB die (freiwillig) gegebenen Daten über die Kontakte und „gelikte“ Seiten für Werbezwecke auswertet.  Echauffieren sich, dass das gepostete Bild des Kindes auf einmal mit einem giftigen Kommentar eines Unbekannten versehen wird, der es erstaunlicherweise auch sehen konnte. Das selbst Nutzer keine Ahnung haben, von denen man eigentlich mehr erwartet hätte, weil man sie im „RL“ als durchaus denkende Menschen kennt, wird mir leider regelmäßig vor Augen geführt: Wenn nämlich mal wieder das Posting die Runde macht, in dem sie ihre „Freunde“ dazu auffordern, sämtliche Updates der eigenen Präsenz abzuschalten.

Um diesen Blödsinn, bei mimikama regelmäßig erklärt, geht es.

Wortlaut in etwa: „Neuerdings (sic! War es bei entsprechenden Profileinstellungen jemals anders?) kann man bei FB meine Bilder überall sehen. Bitte schaltet in eurem Freundschaftsprofil meine Updates ab, damit ihr nichts mehr von mir seht!“ Das steht natürlich nicht so direkt in dem Posting, aber die Beschreibung, was „alle Freunde! Dringend!“ tun sollen, führt genau dazu. Und regelmäßig scheinen genauso versierte Facebook- Profis, die nach eigener Einschätzung „alte Hasen“ sind, darauf hereinzufallen, kommentieren stolz mit „Done! 🙂 „, um damit zu beweisen, dass sie auch nichts verstanden haben von dem, was sie dort tun. Und die lachen über jemanden, der sagt, das alles sei für viele „Neuland“?

Noch so’n Quatsch, der dokumentiert, dass sich das Volk hervorragend auskennt.

Auch das Posting mit dem Widerspruch gegen FB’s AGB zeigt deutlich, dass die Weiterverbreiter NICHTS verstanden haben:

a) steht in den AGB ausdrücklich, dass man diese akzeptiert, sobald man einen Account nutzt. Anders geht es ja gar nicht.

b)muss ich natürlich FB das Recht einräumen, mein Foto im Internet (je nach Einstellungen zumindest einem begrenzten Personenkreis) zeigen zu dürfen, denn wozu sollte ich das Zeug sonst hochladen?

c) verstehe ich die Logik sowieso nicht so ganz: Ich verschicke also zum Beispiel eine Postkarte an meine Tante, auf der steht, dass ich die kürzliche Anhebung des Postportos nicht „mitmachen“ möchte, und bin damit raus aus der Nummer? Wie bescheuert ist das denn? Sollte ich nicht besser versuchen, dieses (an sich schon blödsinnige) Anliegen der Postdirektion direkt zu schicken, damit es wenigstens die richtigen erreicht? Da würde im „RL“ keiner auf die Idee kommen, dass es einen Erfolg hätte. Aber genau das wird im Internet, in dem sich alle ja hervorragend auskennen, von Tausenden gemacht, mit der inbrünstigen Überzeugung, das einzig Richtige zu tun. Weist man sie auf diesen Dünnpfiff hin, wird man auch noch beleidigt und beschimpft.

Und woher kommen immer wieder diese „völlig unberechtigten“ Abmahnungen? Wo wir doch so gut Bescheid wissen?

Viele teilen auch bedenkenlos irgendwelche Artikel, die sie online finden. Diese werden dann von FB oft mit einem Bild angezeigt, welches im Artikel vorkommt, von dem man aber für Gewöhnlich nicht weiß, wer eigentlich die Verwertungsrechte hat.  Oder einen Cartoon gleich in voller Größe. Und damit haben die FB- Nutzer womöglich schon einen Rechtsbruch begangen, der von den „bösen Abzockern“, nämlich den Rechteinhabern des Bildes, zumindest bei Gewerbetreibenden geahndet werden kann. Zack: Schon hat der FB- Hans das Bild „geklaut“. Aber wer von denen, die sich über Merkels Spruch amüsieren, hat jemals beim Teilen eines Artikels darauf geachtet, ob er das automatische Miniaturbild mit nur einem Klick auf das Optionsfeld entfernen sollte oder nicht? Ist es überhaupt schon einmal jemandem aufgefallen, dass das geht? Stehen Facebook- User über den Verwertungsrechten? Auch hier gab es bereits Abmahnungen, die die Betroffenen scheinbar völlig unvorbereitet getroffen haben. Dass jemand von seinen Zeichnungen leben muss und daher natürlich nicht möchte, dass jeder die Bilder umsonst sehen und verbreiten kann, wird dann nach einer Abmahnung im losbrechenden Shitstorm als „reine Abzocke“ und „leider durch den Missbrauch vom fehlerhaften Gesetz gedeckt“ bezeichnet. Die Kritiker verstehen nicht, warum empörenderweise nicht alles im Netz, dem man irgendwie habhaft werden kann, für Umme ist. Obwohl sie sich doch auskennen…

Einige werden jetzt stöhnen: „Na, da übertreibt er aber etwas…“

Es ist schon passiert, das abgemahnt wurde. Gepostete Cartoons und Fotos unterliegen natürlich einem Verwertungsrecht, eine Abmahnung kann also auch privaten Nutzern bevorstehen. Auch Privatpersonen stehen nicht über dem Recht. Selbst ein möglicherweise von anderen auf die eigene Pinnwand gepostetes Bild  liegt im Verantwortungsbereich des Nutzers und kann für Probleme sorgen, wenn man zu blauäugig an die Sache geht. Es interessiert nur leider keinen, bis der böse Brief im Kasten liegt – mit der analogen Post, völlig ohne Internet.

Das große Problem im Kopf vieler Nutzer ist, dass sie scheinbar glauben: Wenn der Computer im eigenen Wohnzimmer steht, findet das Internet auch nur dort statt. Man fühlt sich viel zu sicher, gibt viel zu viel von sich preis und fällt auf die bescheuertsten Maschen herein. Der Grundsatz, dass man im Internet nichts öffentlich preisgeben sollte, was man nicht auch irgendeinem Fremden auf der Straße erzählen würde, wird nicht beachtet. Warum sollte man im eigenen Wohnzimmer auch vorsichtig sein?

Zum Beispiel Autoportale sind ebenfalls ein Quell‘ von Zeugnissen des unendlichen Wissensreichtums versierter Internet- Nutzer: Man stelle sich vor, es klingelt jemand an der Tür, sein Gesicht mit einer Kapuze verborgen, und macht folgendes Angebot:

„Ich bin Autohändler, irgendwo hier im Ruhrgebiet, tut nicht zur Sache. Ich werde meine Autos nicht richtig los und habe einen Mercedes, nagelneu, der kostet nach Liste 25000 Flocken. Gibst du mir jetzt sofort 3000 Euro, hole ich ihn vom Platz und gebe ich ihn dir in einer halben Stunde für die Hälfte! – Darfst aber nicht mitkommen, wenn ich dein Geld habe und ihn hole…“ Der Typ könnte doch nicht einmal „Ey, echt jetzt, glaube mir!“ sagen, da hätte er die Tür schon wieder luftdicht vor der Nase verschlossen!

Und wie läuft die gleiche Situation im Internet ab?

Ein Wagen, der in England steht, wird für den halben Neupreis angeboten. Alter!!! Der HALBE Neupreis!!! Selbst mit der Überführung ist der noch ein super- Schnäppchen! Dieses Versprechen alleine reicht schon aus, dass genug Leute zur Bank rennen, um schon mal vorab ein paar Tausender ohne Rückbuchungsmöglichkeit auf ein Konto zu überweisen, dass manchmal nicht einmal in England geführt wird. Um so enttäuschter sind die Vollpfosten Betrogenen, wenn das Auto nicht am nächsten Tag im Briefkasten liegt. Oder zumindest eine Kopie vom Kassenbon. Oder so… Aber wir kennen uns ja alle im Internet aus und fallen auf Betrügereien nicht herein.

Die gleiche Masche trifft viele Leichtgläubige, die Kaution und die erste Monatsmiete ins Ausland überweisen für eine super- günstige Wohnung in Top-Lage, zum Beispiel im Stadtkern von München. Weil jemand, der so günstig Wohnraum anbietet, ihn nicht los wird und in ganz Deutschland inserieren muss. „Aber der Wohnungsbesitzer hat ja versprochen, dass er mir die Schlüssel gibt, wenn ich nächste Woche nach München reise. Die Fahrkarte habe ich dann auch gleich gebucht…“

Ihr meint, so bescheuert könnte keiner sein? Dann würden solche Betrügereien nicht regelmäßig durch die Medien geistern.

Die „Nigeria- Connection“ (von denen bestimmt schon fast alle irgendwann eine verzweifelte Mail bekommen haben), die regelmäßig Erben oder Geldwäscher für die Millionen sucht, die irgendein Verstorbener ohne Erben hinterlassen hat, haben ebenso seit Jahren ihr Auskommen wie die Betreiber von Abofallen, die einem für günstige monatliche Gebühren von 98,- die Lebenserwartung ausrechnen. Einmalig, versteht sich. Passiert aber keinem, weil wir uns ja auskennen.

Das hört sich für mich in etwa so an, als wenn mich jemand, der schon seit Jahren Auto fährt, fragt, ob man den Blinker wirklich braucht und ob an dem Gerücht etwas dran ist, dass man einen Führerschein für „dieses Auto- Dings“ braucht.

Gesunde Skepsis? Versagt im Netz.

Menschen finden nichts dabei, TAN- Nummern in Serie auf Phishing- Seiten einzugeben, klicken bedenkenlos auf „Gewinnspiele“, bei denen z.B. 500 Streichelhandys verschenkt werden, weil sie angeblich falsch verpackt wurden (und sind später plötzlich „Fan“ von dubiosen Pornoseiten), kopieren und verbreiten geschützte Bilder, regen sich bei Abmahnungen über die „Abzocke“ auf, wundern sich über personalisierte Werbung und woher bestimmte Spam kommt, Uswuswus… Die Liste der Vorgänge, die absolute Unwissenheit belegen, ist fast unendlich. Und immer ist „dieses böse Internet“ schuld. Nie der Nutzer. Das kann man in den anderen Medien wie TV regelmäßig in ganzen Diskussionssendungen, in denen sich die Talkgäste genauso routiniert im Internet bewegen wie ein Wurm auf einem Pflasterstein, „Zensur!“, „Sperren!“ und „Denkt doch an die Kinder!“ schreien, sehen.  Klar: Wenn ich mich an einer belebten Hauptstraße als Fußgänger plötzlich nach links wende und auf die Straße laufe, ohne zu gucken, ist ja auch der LKW- Fahrer schuld, der mir sein Reifenprofil auf den Rücken zeichnet. Die Fahrbahnen müssen weg, sind Teufelszeug.

„Für die kommende Generation wird das Internet alltäglich sein.“

Sicher. Leider meinen viele Eltern, es würde zum Umgang mit dem Internet reichen, wenn sie ihren Kindern einen PC neben den Legokasten stellen und ihnen zeigen, wo die Icons von Browser und Facebook sind. Sie wundern sich dann, wenn die Kinder irgendwann beiläufig erzählen, dass sie einen Freund im Netz fanden, dem sie ein Foto geschickt haben. Das vom letzten Samstag, im Bademantel… Oder völlig unkritisch die Ansichten politisch- extremistischer Seiten übernehmen, weil sie das, was im Netz steht, genauso einstufen wie das, was in der Tageszeitung gedruckt ist. Oder verrohen, weil sie sich bei Youtube bis spät in die Nacht Videos reinziehen, in denen in Afrika Kartoffeldiebe bei lebendigem Leib verbrannt werden. Aufklärung darüber, wo Kritik angebracht ist und wo Fallen lauern? Die Kenntnis haben die Eltern oft selbst nicht. Schreien lieber nach Zensur im Netz. Weil: „Das Internet ist böse!“

Diese „Kritiker“ haben nicht einmal verstanden, dass das Netz nur ein Medium ist wie Papier. Das Papier wollte jedoch noch niemand verbieten, obwohl auf ihm „Mein Kampf“, „Hacker’s Blackbook“ oder „BILD“ gedruckt wurden. Denn es wurde ja auch die Bibel darauf gedruckt. Und genauso, wie auf dem unschuldigen Papier, findet man diese auch im „bösen“ Netz. Wobei Teile des AT durchaus die Moral der Kinder verderben könnten, sowohl in der virtuellen- , als auch der Printausgabe. 😉

Kommt einer mit der Idee, das Internet als Schulfach einzuführen, wird es lachend abgelehnt. Fragt man aber nach, kommt man schnell dahinter, dass sich die lachenden „Fachleute“ darunter so etwas wie einen Senioren- Computerkurs in der VHS vorstellen. Denn sie kennen sich ja aus mit diesem Internet und wissen, dass man zum Surfen nur das Wissen über die Mausfunktionen braucht…

Im Nachhinein wäre ich über so ein Unterrichtsfach froh gewesen, denn auch ich zahlte mein Lehrgeld für wichtige Erkenntnisse mit „diesem Internet“, was bei fachkundiger Unterweisung wahrscheinlich völlig unnötig gewesen wäre.

Nach etwas Überlegen bin ich  jedenfalls zu dem Schluss gekommen: „Datt Angela“ hatte recht. So leid es mir tut: Für den Großteil der Bevölkerung ist das Internet ein unbekanntes Wesen, dass sie zu kennen glauben, nur, weil sie von ihm noch nicht gebissen wurden.

Ich würde mich selbst jedenfalls eher im Platon’schen Zitat wiederfinden: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“

Hier noch für die, die nicht sicher sind, ob sie sich wirklich mit dem Internet auskennen, ein paar Tipps – damit sie nicht mich mit meinem Halbwissen fragen müssen. 😉

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13 Antworten zu Merkels „Neuland“. Wirklich so lächerlich?

  1. BRC_MEDIC schreibt:

    Im Grunde hast Du recht. Ich sehe es in meiner Umgebung zu Hauf. Nur, es ist nicht NEULAND, es ist Komplex-Land. Die Leute begreifen nicht (sic! wie mein Mathedozent zu sagen pflegte bei abstrakten Gebilden,) WIE es funktioniert und WAS moeglich ist. Wie oft bekomme ich zu hoeren „Echt???“, wenn ich denen sage, das Emails offen gelesen werden koennen und das auch passiert.

    Ich denke es geht darum die Allgemeinheit zu sensibilisieren wenn es um Privatsphaere geht. Ok, ich gebe zu, ich bin ein Nerd und habe gesunde Paranoia. Aber die Blauaegigkeit und Ignoranz, wenn es um Datenshutz und Privatsphaere geht, ist doch schon lustig.

    Da wird man angeblafft, wenn man aus Versehen mal auf den Bildschirm schaut, wo die Kontakte oder Termine drauf sind, aber die gleiche Person laedt das froehlich in „die Cloud“. Facepalm. Sag der Person mal, das da Leute sind die sich das in aller Ruhe zur Brust nehmen koennen – was ist die Antwort? „Datt machen die schon nicht …“

    So lange sich das nicht aendert, ist fuer viele das Internet #NEULAND.

    • firefox05c schreibt:

      (Ich habe vor der Klammer mal ein „nicht“ eingefügt, ich denke, so hattest Du das gemeint.)
      Genau das meine ich: Einerseits regen sich Menschen auf, dass es im Netz Fallen gibt, machen sich aber andererseits keine Gedanken darüber, was denn der „Anbieter“ davon hat, zum Beispiel
      – eine große Menge Smartphones einfach zu verschenken,
      – irgendwelche „kostenlosen“, aber aufwändige Dienstleistungen anzubieten, die bei allen anderen Anbietern Gebühren kosten,
      – Kreditkartennummern für eine einfache „Authentifizierung von Accounts“ abzufordern,
      – 6 TAN- Nummern in Serie für eine einfache Buchung zu verlangen.
      Aber an der Supermarktkasse machen die gleichen Leute einen Aufriss, wenn anonym nach der Postleitzahl gefragt wird, weil die Ladenkette erfahren möchte, wo sich noch ein neuer Markt lohnen würde…
      Was das Internet im Vergleich zum RL angeht, sind viele einfach schitzophren.

    • Scully schreibt:

      „So lange sich das nicht ändert […]“ Und genau das ist das Problem: Wird es nicht. Denn die Menschen sind nicht gezwungen, sich damit auseinanderzusetzten. Viel mehr als Mails versenden, Surfen und ein wenig Bildchen A nach B schieben wollen die meisten ja nicht. – Muss man ja auch nicht, verstehe ich irgendwo. Aber wengistens begreifen, was man da tut, wäre doch schon mal ein Anfang. Aber alles darüber hinaus, wird als unnütz, langweilig und überflüssig empfunden.

      Passwörter, die nicht aus einem Wort und (das ist fast schon die Pro-Version:) dem Geburtsjahr bestehen? Die ich nicht auf PostIt schreibe und an den Monitor hefte oder in einer (natürlich unverschlüsselten) Textdatei auf dem Desktop liegen habe? MAC-Filter beim Router und dann jedes einzelne Gerät wieder freischalten, womöglich noch mit DECT-Methode einwählen? Mit PGP-Key verschlüsselte Emails und jedes Mal, bevor man mit jemandem schreibt die Keys austauschen (EIN MAL!!!)? Nö, zu umständlich. Sicherheit geht in der IT (fast, bis auf wenige mir bekannte Ausnahme) immer mit Abstrichen in der Bequemlichkeitsnote einher und so wird es bleiben, wie es jetzt ist: Trojaner, VIren und Würmer schaffen zusammen nicht, was EIFOK, PICNIC und BDU (und der restliche Bund der OSI-Layer-8-Liga) schon seit Anbeginn der AOL-Männchen-Ara leisten.

      Dass aber auch Politiker meinen, sich damit rausreden zu müssen, wo es z.B. Datenschutzbeauftragte auf Bundesebene gibt, und mir erklären wollen, sie fänden niemanden, der das ihnen oder den Fragenden mal erklären kann, hat mich auch zum Lachen gebracht. – Die Alternative wäre Heulen gewesen.
      Internet gibt es eben nicht erst seit gestern und dass sich ein Großteil der Menschheit weigert, dieses „Neuland“ zu betreten – so dass es 2100 noch für diese Fremde sein wird – wird man mit keiner Sicherheitsrichtlinie der Welt verhindern können, die nicht in Abschottung oder massive Zensur einherginge und da auch ich so etwas nicht befürworte, wird man mit manchen Lecks leben und sich den Mund fusselig reden müssen, ja. Aber zumindest von hochbezahlten Entscheidungsträgern erwarte ich, dass sie sich über die Themen, zu denen sie sich (teils sehr medienwirksam) äußern (z.B. Netzneutralität, Datenschutzgesetz, Netz-Spionage u.ä.) informieren und wissen, worüber sie diskutieren und – im Zweifelsfall – Entscheidungen treffen, die ein ganzes Land betreffen. Dass das eine sehr hohe Erwartung ist, ist mir aber auch bewusst … Daher (womöglich) der Spott. Irgendwie muss man sich damit ja arangieren.

  2. Martin schreibt:

    Recht hast du !!! Man sollte Heute im Netz höllisch aufpassen und sich 100 % im Klaren darüber sein was man so alles anklickt. Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Wem es zuviel ist sich die AGB´s anzusehen ist meiner Meinung nach selber schuld.

    Gruß Martin

    • firefox05c schreibt:

      Man muss sich nicht unbedingt zu 100% auskennen. Oft reicht ja die Erkenntnis, nicht alles ohne eine gesunde Skepsis zu akzeptieren: „Umsonst- Angebote“ einfach anzuklicken, sich plötzlich mehrfach in eine Seite einloggen zu müssen (Phishing) oder beim Posten von Fremdinhalten einfach Verwertungsrechte zu missachten. Gemailte „Rechnungen“ im .zip- Format ohne Bedenken öffnen, seltsamen Links bei FB folgen und so weiter. Alles das wird leider ständig getan…

  3. Armin schreibt:

    Ich glaube, das Problem ist nicht das Medium Internet, das Problem ist die grundsätzliche Naivität. Schliesslich funktioniert der Enkeltrick trotz umfangreicher Aufklärung immer wieder.
    Die Problematik beim Internet ist die Einfachheit, für ein paar Dollar, kauft man sich Millionen Emailadressen, um dann eine Massenmail rauszuschicken, die übrigens extra so schlecht geschrieben sind, damit nur besonders naive Menschen darauf reinfallen, weil man so weniger Aufwand hat.
    Das ganze auf dem Postweg ist einiges teurer und aufwändiger, funktioniert aber mindestens genau so gut. (Z.B. Kaffeefahrten, „sie haben ein Zeitschriftenabo gewonnen“, …)

    Manchmal frage ich mich, wie gewisse Menschen unbehelligt durch den Alltag kommen, wenn sie alles glauben und jedem vertrauen.
    Die Datenschutzproblematik wird durch Aufklärung wohl gemindert, aber Betrügereien werden immer funktionieren.

    • firefox05c schreibt:

      Genau diese gesunde Kritik, die viele zwar im RL haben, im Internet aber nicht, gehört m.E. zur Kenntnis, die man übers Netz haben sollte. Bei Merkels Ausspruch ging es meines Wissens um die zu treffenden Maßnahmen im rechtlichen Bereich, um u.a. den Datenschutz zu verbessern und auch Betrügern das Leben etwas schwerer zu machen.

  4. ml704 schreibt:

    Hmm…das Problem ist nicht das Internet alleine, das Problem ist vielmehr, dass auch im Jahre 18 nach Windows 95 kaum jemand, der vor einem PC sitzt in der Lage ist, einfachste Vorgänge selbst zu erledigen (Standarddrucker ändern, im Windows Explorer Dateien von A nach B kopieren…“wie bekomme ich denn die Bilder im Computer?“… oder das Kennwort des Benutzers ändern, bzw. seinen eigenen Anmeldenamen kennen).

    Für jedes nicht ausschliesslich mit Muskelkraft betriebene Fortbewegungsmittel benötigt man einen Führerschein (dessen Besitz anscheinend neuerdings im GG verankert ist), aber PCs oder noch besser Laptops mit WLAN darf jeder kaufen. Wichtig ist auch dass man immer schön mit dem, am besten einzigen Adminkonto der Installation, arbeitet und surft. Wenn irgendwann der böse Bundestrojaner auf dem Rechner ist und der Webbrowser zu über der Hälfte aus Toolbars besteht, ist das Geschrei groß und man weiß ja üüüüberhaupt nicht wo das herkommt, man hat ja gar nix gemacht.

    Und erst Recht das böse NoScript Addon für den Firefox, das ist ja voll unpraktisch wenn man seine besuchten Webseiten immer noch einmal nachjustieren muss. Ok, sichert meinen Arbeitsplatz, aber irgendwie hab ich da immer auch Bedburg-Hau als Option im Hinterkopf… 😉

    • firefox05c schreibt:

      Auf die Bedienung der Grundfunktionen eines Computers wollte ich jetzt nicht auch noch eingehen. Da kenne ich auch so einige Anekdoten, das hätte den Rahmen des Artikels aber gesprengt. Recht hast du trotzdem.

  5. Patricia schreibt:

    Ein sehr sinnvoller und nützlicher Artikel. Ich habe mir gestattet den Link dazu mal an genau diese Leute zu verteilen, die diesen Artikel wirklich bräuchten. Natürlich ohne „Vorschaufoto“ und mit korrekter Quellenangabe.
    Vieles was in dem Artikel angesprochen wurde sollte selbstverständlich sein, ist es aber nicht. Und jeder hat einen im Bekanntenkreis bei dem man diese Liste Punkt für Punkt abhaken könnte.
    Vielen Dank dafür.

    • firefox05c schreibt:

      Danke für das weiterverbreiten. Vielleicht nimmt sich der eine oder andere etwas davon an, dann wäre die Welt ein Stückchen besser. 😉 (Und über die Werbung freue ich mich natürlich auch!)

  6. ghost4writing schreibt:

    DANKE für diesen Beitrag!! Er spricht mir aus der Seele.

  7. Hartmut Semken schreibt:

    Merci,

    das stimmt schon ein Stück weit.
    Aaaaber.

    Das Problem mit einem Kursus oder Schulfach ist, dass man hier auf ein schnell bewegliches Ziel schiessen müsste.
    Allein was sich die Pixelschubser (HTML-CSS-Frontender) und Tabellengärtner (Datenbank-Backender) ständig neues ausdenken, also alleine im eb, ist schon massiv.

    Dieses ganze Datenfernübertragungs- und Internet-Gedöns mache ich jetzt nebenbei schon eine Weile (seit 1984), streckenweise auch beruflich (NOC-Bewohner, Qualitätssicherung bei einem Hersteller von Mobil-Daten-Funkanlagen) und auch Software gehört zu meinem Beruf (habe schon Linuix-Kernel kompiliert, als die Versionsnummern noch mit 0. anfingen).

    Und mir als „Profi“ fällt das Ohnmachtsgefühl schon gar nicht mehr auf – weil es so selbstverständlich immer da ist wie die Atemluft oder die olle Gravitation: ich habe meine persönliche IT nicht unter Kontrolle.

    Beim Apple ][ war das noch ganz anders, da verstand ich die Hardware und das „Betriebssystem“ noch ziemlich komplett. Selbst Atari-TOS war kein buch mit sieben Siegeln mehr (spätestens nachdem Kramer/Riebl/Hübner es dekompiliert hatten).
    Aber das MacOS X-Update neulich waren 5,6 GB.
    Giga-Byte. Code! (nich bloss bunte Bilder/Texturen/Szenenmodelle…)

    Unser Firewaller in der Firma verdreht häufig die Augen, wenn er mich sehen muss: ich habe mich bisher noch durch alles getunnelt, was er mir in den Weg stellt (fühle da eine gewisse Verbundenheit zu Euch Löschern – in meinem Fach krich ich ooch allet kaputt, wa? 🙂

    Ich mache mir schon lange Gedanken, wo das Kernproblem liegen könnte.
    Und es ist wie immer: nicht alles so einfach.

    Ein Teil des Problems ist das, was ich VHS-Effekt nenne.
    Da stehen im Laden drei Videorekorder nebeneinander, VHS, Betamax, Video2000.
    2000, 2500 und 3000 Mark.
    Die Fachzeitschriften sind sich einig: V2k ist das überlegene System. Deshalb kaufen alle VHS und die, die sich besonders fühlen wollen kaufen Betamax.

    „Qualität“ ist einfach nicht mehr erfahrbar.
    Das „eh alles eine Sosse“ und „hoher Preis garantiert auch keine Qualität – also kannste gleich billich koofn“ wird häufig vorausgesetzt.
    Und leider genau dadurch wahr: wenn der Qualitätshersteller durch leicht schwächelnden Absatz ins Kriseln kommt, dann hat der Controller-Milchbubi-MbA immer die passende Lösung: die Kosten müssen runter.

    Aber ich schweife ab.

    Ein Kardinalhämatom ist die Tatsache, dass Computerprogramme als Werke iSd Urheberrechtes eingestuft werden.
    Und nicht als Maschinen.

    Daher greifen die Mechanismen für Werke.
    Bei Musik kann man es schön demonstrieren: „Wie misst man die korrekte Funktion von Beethovens dritter Symphonie?“.
    Antwort: gar nicht: was nicht da ist, kann nicht gemessen werden.
    Wie die Feuchte eines Lichtstrahls eben nicht messbar ist.

    Korrekte Funktion von WordStar kann man dagegen messen.
    WordStar ist mein Standardbeispiel, weil es „reines“ Programm ist: es hat kein User Interface (sondern dieses stellt der User selber her), aber hat Funktion.
    Verifizierbare oder falsifizierbare Funktion.

    Wäre diese Eigenschaft, dass Programme Maschinen sind, im juristisch-rechtlichen Kontext verstanden (vom Gesetzgeber gar nicht zu reden), dann hätten wir flugs die Äquivalente zu Gewährleistung und Produkthaftung.
    „Neiiiin! Geht gaaa nich“ höre ich da ausgerechnet immer Leute „vom Fach“ aufschreien, Gewährleistung – ja Qualität, wenn man genau hinsieht – für Software ginge nicht.

    Jeder Importeur eines Toasters für 20 Euro muss für Konstruktionsfehler geradestehen: wenn bei der Brandursachenermittlung rauskommt, dass der Toaster nach verrichtetem Dienst nicht unbeaufsichtigt länger als 2 Stunden an der Steckdose angeschlossen sein darf, weil er dann ie Bude in Brand setzt, dann hat der Importeur (oder Hersteller, falls es den in Europa noch geben sollte) echt ein Problem.

    Da geht das offenbar.
    Auch für komplexere Maschinen geht das anscheinend: neulich musste mein Mopped in die Werkstatt, um einen „Gittereinsatz“ in den Behälter für die Bremsflüssigkeit zu bekommen, weil sonst eine Millionenchance auf Versagen der Vorderradbremse bestünde…

    Nur für Software geht das angeblich nicht.

    Aber ich bin sonst sehr bei Dir: der Umgang mit IT ist erschreckend sorglos und man kann sich da den Mund fusselig reden – grad die Jungling-Rasselbande interessiert das offenbar weniger als ein verlorener Twitter-Follower.

    Erinnert ein wenig daran, wie die Pioniere der Kernspaltung mit Uran&Co hantiert haben 🙂

    hase

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