Mal kurz notiert zum Volkstrauertag:

Jetzt stehen sie wieder an den Soldatenfriedhöfen und Ehrenmalen, die Redner verschiedener Vereine und Institutionen, erinnern in Reden, Gleichnissen und mit dem Vorlesen von Dokumenten wie Feldpostbriefen an die Zeit des Krieges und des Nationalsozialismus. Und wie jedes Jahr werden wieder viele stöhnen, dass das alles ja „sowas von Gestern“ sei, dass langsam „mal gut sein sollte“ und uns so etwas sowieso nie wieder passieren könne. – Kann es nicht?

Passend zu diesem Thema gab es kürzlich einen Skandal: Eine KiTa, so konnte man in sämtlichen Blättern lesen, hatte aus „politisch- religiösen Gründen“ das Martinsfest in „Sonne-Mond-und-Sterne- Fest“ umbenannt! Bis in die höchsten Politikerkreise und den wichtigsten Vertretern der Muslime wurde das Thema hochgekocht, ein wahrer Medien- Shitstorm brach über die KiTa herein, bis hin zur Gewaltandrohung gingen die Protestäußerungen, so dass der Umzug unter Polizeischutz stattfinden musste! Auch ich habe mich über diese „Gutmenschen- Wirrköpfe“ aufgeregt (bin im Vertrauen auf unser System aber davon ausgegangen, dass so ein Blödsinn nicht um sich greifen werde).

– Und warum? Scheinbar wegen „nichts“. Luft. Sensationsgier.

Denn, wie man bei den Jungs von BildBlog nachlesen konnte (denen ich eher vertraue als den großen Boulevardblättern, denen es ausschließlich um Auflagenstärke geht), basiert dieser riesige Medienhype und der Aufschrei in der Bevölkerung nur: Auf die einzelne, anonyme Aussage einer Mutter! Zumindest müssen wir glauben, dass es diese „Mutter“ gibt, denn sie bleibt ja anonym…

Sämtliche Gegendarstellungen wurden überhört, ignoriert oder als „blöde Ausreden“ abgetan, damit alle ihre Sensation weiter pflegen können, die selbst nach zwei Wochen immer noch durchs Netz geistert und den Rechtspopulisten reichlich Wind in die Segel bläst. Und alle machen mit.

Aber genau das erschreckt mich. Nicht die scheinbare Falschmeldung der Leitmedien, sondern, dass alle mitmachen, ohne wirklich zu hinterfragen, worum es geht! Gibt es diese „Mutter“ überhaupt? Was hat sie genau gesagt? Was sagen die Verantwortlichen in ihren Stellungnahmen, die immer nur in Halbsätzen zitiert werden, um sie sofort als unglaubwürdig hinzustellen? Und warum glauben wir überhaupt irgendeiner anonymen Person mehr, als jemanden, der sich auch zu seinen Aussagen bekennt? Vielleicht, weil das „allgemeine Feindbild“ stimmt und es uns so schön in den Kram passt?

Wenn es denn wirklich alles nur auf dieser angeblichen Angabe einer angeblichen Person basiert, zeigt das, wie schnell sich durch eine Handvoll Leitmedien Meinung machen lässt. Vielleicht hat es diese Aussage gar nicht gegeben? So wie damals den polnischen Überfall auf die deutsche Radiostation?

Kann es uns wirklich nicht mehr passieren, was damals passiert ist?

Ich sage: Durch ein paar Falschmeldungen, durch die ein Feindbild aufgebaut wird, lässt sich auch das deutsche Volk trotz seiner Vergangenheit innerhalb eines Jahres wieder radikalisieren. BILD macht Meinung. Es braucht nur genügend Politikverdrossenheit und wirtschaftliche Mißstände. Und Medienpropaganda.

Das Grundgesetz spricht dagegen? Gesetze können geändert und mißachtet werden. Passiert auch jetzt schon (Stichwort: VDS und Terrorbekämpfung) Das Volk wird „damals“ nicht vergessen? „Das Volk“ zieht sich jeden Tag ihre großformatige Meinungsbravo rein. Wir werden dafür zu häufig an die Kriegsgrauen erinnert? Das Gedenken an die Gefallenen wurde damals fix zur „Heldenverehrung“. Nur ein kleiner Schritt, der sich durch den Austausch von ein paar Vokabeln in den üblichen Reden vollziehen lässt.

Wenn die Schlagzeile passt, rennen viele – ZU viele – gerne hinter der Propaganda her. Muss man Straftäter nicht härter bestrafen? Soll man sich gefallen lassen, dass sich Menschen, ohne Gegenleistungen zu bringen, auf unsere Kosten als „Sozialschmarotzer“ ausruhen? Müssen wir nicht mehr Geld für Bildung ausgeben, was gegen die Arbeitslosigkeit tun? Armut bekämpfen? Die Wirtschaft wieder ankurbeln? Ist das alles schlecht?- Nein.

Muss man deswegen zwangsläufig die Rechten wählen, die ja genau das alles im Parteiprogramm haben? – Nein.

Denn auch schon die NSDAP hat all das im Programm gehabt. Und was mit Wahlversprechen regelmäßig passiert, wissen wir. Die größten Menschenverächter und Straftäter kamen an die Macht, alle andersdenkenden wurden (ohne Gegenleistung…) ausgeplündert, kriminalisiert und vertrieben oder vernichtet, die „Bildung“ erstreckte sich irgendwann nur noch auf politische Gleichschaltung, Wehrsport und Sammeln fürs Winterhilfswerk und die Wirtschaft wurde „auf Pump“ zur Rüstungsindustrie umgebaut.

Und darum glaube ich fest daran, dass solche Gedenkveranstaltungen wie am Volkstrauertag eben NICHT „von gestern“ sind, sondern „für morgen“.

Was nämlich viele Kritiker  gerne vergessen: Die NSDAP wurde damals zunächst demokratisch gewählt , der Boden durch willfährige Medien bereitet …

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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17 Antworten zu Mal kurz notiert zum Volkstrauertag:

  1. BRC_MEDIC schreibt:

    Ich glaube dem gibt nichts hinzuzufuegen als „komplette Zustimmung“.

    Oder wie man hier[TM] sagt:

    „When you go home, tell them about us: We gave our today for your tomorrow!“

  2. gnaddrig schreibt:

    Bravo! Ich glaube, nur wenn man sich erinnert, wenn möglichst viele Leute wissen, was damals geschah, haben wir einen allgemeinen Anreiz, es nicht wieder so weit kommen zu lassen. Wenn die Mehrheit keine Ahnung mehr hat, wie es damals zuging, wie es dazu kam und was die Folgen waren, sehen sie kaum ein, weshalb sie sich vor einer Wiederholung vorsehen sollen. Also ist Erinnern angesagt.

    • firefox05c schreibt:

      Das Problem, welches ich sehe, ist, dass zu wenig auf die Gegenwart projiziert wird. Viele sind der Meinung, dass das zwar „alles ganz schlimm“ war, aber mit uns heute nichts zu tun hat. Wie schnell aber die nationalen Emotionen völlig unkritisch hochkochen, konnte man bei der KiTa- Geschichte oder auch vorher schon bei der „Kreuzberg verbietet Weihnachten“- Sache sehen.

      • gnaddrig schreibt:

        Stimmt schon, die öffentliche Stimmung kocht schnell hoch, und bestimmte Teile der Presse kippen fleißig Öl ins Feuer und sorgen zuverlässig für einen gewissen Grundumsatz an nationaler Empörung. Da wird die böse alte Volksseele wieder gepäppelt.

        Und Du hast recht, die Parallelen zu früher gehören deutlich aufgezeigt. Ich würde mir gelegentlich mehr „Wehret den Anfängen“ wünschen. In gewissen Kreisen geht es in Sachen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit (um nicht zu sagen Herrenmenschenwahn) schon wieder ziemlich rund, und die Hemmungen, entsprechende Ansichten öffentlich zu äußern, sinken. Keine schönen Aussichten, das…

      • firefox05c schreibt:

        Momentan ist die wirtschaftliche Not aber noch nicht so groß wie damals, als es umgeschlagen ist.

  3. Dom schreibt:

    Und da erinnerst du mich an eines der eindruckvollsten Bücher – passenderweise auch verfilmt:

    „Die Welle“ von Morthon Rhue.

    die Geschichte zeigt eindrucksvoll, wie leicht wir auch heute noch zu beeinflussen sind. Absolut lesenswert oder für die die es mit dem Lesen nicht so unbedingt haben: Der Film ist genauso sehenswert.

    • firefox05c schreibt:

      Ich habe auch nur den Film gesehen. Sehr eindrucksvoll. Zudem: In ihm wird kein Fantasie- Experiment durchgeführt, sondern ähnliche Experimente wurden immer wieder mal gemacht. Mit immer den gleichen Ergebnissen: Alle ziehen mit und steigern sich gegenseitig in den Wahn.

  4. daslandei schreibt:

    Hat dies auf das landei rebloggt und kommentierte:
    Ich habe am Sonntag auch an einem solchen Denkmal gestanden und mir genau darüber Gedanken gemacht.
    Danke für diesen Beitrag.

  5. UW schreibt:

    Gut geschrieben. Aber gerade wegen dem unüberlegtem Gehorsam marschiere ich nicht am Volkstrauertag auf den Friedhof. Und schon gar nicht in Uniform. Weil es alle tun? Weil es Tradition ist? Weil es sich so gehört? Weil man Feuerwehrmann und damit Uniformträger ist? Besonders nachdenklich macht mich das Aufmarschieren von Rot-Kreuz-Einheiten in Uniform an dem Tag am Kriegerdenkmal… Diese Leute sollten mal über ihre eigenen Grundsätze nachdenken.
    Wir müssen nicht nur an dem Tag, sondern das ganze Jahr über wachsam sein, wenn es wieder heißt: „Ich habe ja nichts gegen…,ABER….“ Genau dann werde ich sehr hellhörig! Es gibt erschreckend viel versteckter Hass, Feindlichkeiten gegen die verscheidensten Gruppen, Religionen, Nationalitäten, etc. mitten unter uns.

    • firefox05c schreibt:

      Mit der Uniform zeige ich, dass ich mir auch der Verantwortung meiner Organisation bewusst bin. Auch bei der Feuerwehr gab es linientreue Nazis, von denen man sich damit offen distanzieren kann. (Ich nutze die Gelegenheit auch gerne mal, um den einen oder anderen unverbesserlich gestrigen mal wieder bloßzustellen, wenn sie versuchen, ihr Halbwissen und die Geschichtsverzerrungen zum Thema „Heldengedenktag“ usw. auszutröten. Damit zeige ich gleich vor dem ganzen Löschzug, was ich davon halte. 😉 )
      Zudem gehe ich nicht hin, „weil man das so tut“, sondern, weil es ein Tag ist, an dem man gemeinsam mit vielen anderen ein Zeichen setzen kann. Und Gemeinsamkeit erfordert Absprache. In sofern finde ich nicht, dass es „unüberlegter Gehorsam“ ist. Mir befielt es schließlich keiner.
      Was du mit den „Grundsätzen des DRK“ meinst, weiß ich nicht genau. Aber an den Denkmälern wird in den Reden an ALLE Kriegsopfer erinnert, nicht nur an die Soldaten oder die vom Regime ermordeten, sondern auch an Zivilisten und Helfer. Auch vom Roten Kreuz soll der eine oder andere gestorben sein.
      Ich laufe nicht unüberlegt mit, sondern finde es bewusst wichtig. Das ginge auch in Zivil. 😉 Wer von den Beteiligten übrigens nicht weiß, warum er mitläuft, sollte sich bei Tante Google vielleicht sowieso vorher erst einmal informieren. „Einfach so dabeisein“ ist hier in der Tat nicht angebracht.
      Natürlich muss man auch an allen anderen Tagen seine Meinung vertreten. Aber nicht im stillen Kämmerlein kann man ein deutliches Zeichen setzen, sondern nur mit der Masse. Wie demonstrierst du es für die Öffentlichkeit, die dich nicht direkt fragt? Gehst du auf Demos?
      In einigen Städten im Osten hat man mehr und mehr folgendes Problem: Die Bevölkerung schweigt, hält sich heraus, wenn die Rechten in den Straßen ihre rot-weißen Flaggen schwenken. Tür zu, und gut. Geht sie nichts an. Stiller Konsenz. Welche Meinung sie haben, erfährt keiner, da sie – wenn überhaupt- nur im kleinen Kreis geäußert wird. Das Feld wird dann angereisten Leuten der Antifa überlassen, das muss reichen.
      Der Volkstrauertag ist für mich eine Möglichkeit, meine Einstellung gemeinsam mit anderen, ganz gewöhnlichen Leuten zu zeigen, ohne Angst vor irgendwelchen Ausschreitungen haben zu müssen, wie bei einigen Demos der Antifa. Auch, wenn sie von links kommt, ist Gewalt nämlich keine Lösung.

  6. Chris schreibt:

    Gewalt ist nie eine Lösung, wie wahr.
    Doch hat mal jemand daran gedacht was mit dieser Bananenrepublik passiert falls die große Koaliton denn kommt? An dem Tag wo unser Bundespräsident die Unterschrift dazu leistet haben wir eine Diktatur! Die Oppostion hat nicht einmal genug Macht um einen Untersuchungsausschuß einzuberufen! Sprich, Schwarz- Rot können machen was sie wollen. Und ich weiß nicht was dann in Deutschland alles möglich ist. Bei unseren Nachbarn den Franzosen brannten in der Bretagne schon die Barikaden (natürlich verschwiegen von unseren ach so freien Medien).

    • firefox05c schreibt:

      Öhm… in einer Diktatur liegt die Macht in den Händen einer Person. Das finde ich jetzt etwas übertrieben. Der Bundestag oder Bundesrat werden deswegen nicht aufgelöst.

      • Chris schreibt:

        Ich traue dieser Mischpoke alles zu aber nichts gutes! Noch ist die neue Regierung ja nicht im Amt, warten wir es also ab.

    • Wolfram schreibt:

      Ähem. Was in der Bretagne vor sich gegangen ist, ist purer Landfriedensbruch – und wenn wir schon historische Vorbilder bemühen, dann sind die Rotmützen wohl eher mit den SA-Trupps zu vergleichen, die sich die Herrschaft der Straße erkämpft haben, lange bevor die Wahlergebnisse zugunsten der NSDAP ausschlugen…
      in der Bretagne haben sie nicht mal kapiert, daß es die lokale Wirtschaft stärkt, wenn Waren von sonstwoher für ihren Transport auch besteuert werden.

      Gruß aus Frankreich…

  7. Thomas Kuhn schreibt:

    Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie schnell solche Diskussionen in Plattheiten abgleiten. Wie schnell von „Diktaturen“ die Rede ist, oder den schweigsamen “ angeblich ach so freien Medien“.
    Keine Ahnung woher so eine Aussage stammt. Sie mag geeignet sein, „Meinung zu machen“, aber (auch) sie ist schlicht falsch. Nur mal exemplarisch: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/bretagne-wutausbruch-gegen-paris-12651307-b1.html oder http://www.deutschlandfunk.de/autoritaetsverlust-und-brennende-barrikaden.795.de.html?dram:article_id=267986
    Aber wer ein fest gefasstes Vorurteil hat, hat es leicht, denn er braucht sich mit Fakten nicht herum zu schlagen.
    P.S. Ich gehe übrigens auch regelmäßig (in FW-Uniform) zu den Gedenkveranstaltungen – zum einen, weil ich bisher jedes Mal uneingeschränkt hinter den Mahnungen der Redner stehen konnte, zum anderen weil ich es wichtig finde, dass auch Organe des Staates sichtbar dafür stehen, dass sich die Gräuel der Vergangenheit (möglichst) in der Zukunft nicht wiederholen dürfen.

  8. Chaosschatzi schreibt:

    Das tragische daran ist, dass zwar jeder weiß, wie furchtbar schlimm es war, als Hitler dann an der Macht war und wie viele Juden zu leiden hatten und Menschen in WK II ums leben gekommen sind..

    ABER wie es denn dazu kam, und dass die NSDAP zum ersten mal DEMOKRATISCH gewählt wurde wissen die wenigsten. Ebenso ist den wenigsten bewusst, wie leicht eine solche Stimmung mit so viel latentem Hass mal wieder umschlagen könnte -.-

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