Zu Gast beim SWR

Das Thema: "Feuer, Qualm und Explosionen"

Das Thema: „Feuer, Qualm und Explosionen“

… oder: „Mann, bin ich wichtig!“

Eine interessante Mail bummelte in meinem Postfach herum. Nö, eigentlich war sie sogar aufregend: Eine Redakteurin des „Tigerenten- Club“, den der SWR für die ARD- Gruppe produziert, war auf der Suche nach jemanden, der dem erfahrungsgemäß juvenilen Publikum etwas zum Thema „Feuerwehr“ erzählen wollte. Na, da war sie bei mir ja goldrichtig!

„Wenn Sie Interesse haben, würde ich Sie gerne mal anrufen“, schrieb sie mir. Klar, dass sie die Telefonnummer schneller hatte, als sie sich aus ihrem Mailprogramm ausloggen konnte. Schließlich habe ich noch Vertrauen in das von mir bezahlte Kinderfernsehen, da brauchte ich nicht lange zu überlegen, ob man dort mal gefahrlos in die Kamera strahlen kann. Zudem geht es um Arbeit mit und für Kinder. Kann ich. 🙂

So rief sie mich an, als ich mit meiner Frau im Einkaufszentrum bei einem Kaffee die Zeit verbummelte. „Wir hatten uns vorgestellt, eine Sendung mit dem Titel „Feuer, Qualm und Explosionen – die Welt der Feuerwehr“ zu machen.“ So begann das „Sondierungsgespräch“ mit einer Dauer von etwa einer dreiviertel Stunde, in dem sie mir ihre Vorstellungen und Ideenansätze erzählte und mich immer wieder zwischendurch fragte, ob das für mich in Ordnung sei: „Unsere Gäste kommen manchmal über die Rutsche herein. Wäre Ihnen das zu albern? – Und im Außengelände könnten wir eine kleine Löschübung arrangieren, zu der Sie kommentieren könnten. Ist das für Sie nicht zu viel, falls wir das an einem zweiten Termin drehen müssten? –  Vielleicht machen wir zum Ende der Sendung so eine Art Hindernis- Parcours, um zu zeigen, dass man bei der Feuerwehr fit sein muss. Oder würden Sie so etwas nicht mitmachen? – Ach, und wir haben im Kinderfernsehen ein recht enges Budget, da können wir nicht so viel zahlen. Neben Fahrt und Hotel nur etwa (put „Minijob-Entgelt“ here…) Euro. Machen Sie es trotzdem?“ – Natürlich! Was für eine Frage…

Mir kam es bei ihrer Zurückhaltung so vor, als würden sie von jedem zweiten Gast zu hören bekommen: „Nö, das ist mir zu kindisch, da suchen Sie sich mal schön einen anderen…“. Aber womit rechnen die Leute, wenn etwas für die Zielgruppe der 6- bis 10- Jährigen gedreht wird? Wenn schon in den großen Abendshows internationale Filmstars dazu genötigt werden, alberne Blümchenhüte zu tragen oder sich mit Sahne einschmieren zu lassen, kann man in einer Kindersendung ruhig mal eine Rutsche besteigen. Da hatten die Vorschläge der Redakteurin direkt seriöses Niveau. Es war Kinderprogramm, und ich musste kein Kostüm anziehen, da ging das in Ordnung. Sie freute sich. Und ich machte vor Aufregung fast ein Pfützchen.

In den weiteren Mails ging es dann schon konkreter zur Sache, da ich in der Vorbereitung auch beratend meinen Senf zu dem zu vermittelnden Wissen geben durfte. Ich kam mir schon ziemlich wichtig vor… 😉

Irgendwann schickte der SWR mir das Drehbuch für die Sendung. Nach dem üblichen System wechselten sich Spiele für die Kinder und Interviewrunden ab. Da für die kurzen Teile mit mir naturgemäß nur begrenzt Zeit zur Verfügung stand und wir vorher eine Menge zu vermittelnden Stoff ausbaldovert hatten, waren die Fragen, das Gerüst meiner Antworten  und die eingeplante Zeit hierfür schon bequem vorbereitet. So ein Frageblock dauerte nur etwa 2’30min. Für jemanden wie mich, der gerne ausladend erzählt und zum Thema „Kerzen aufstellen“ erst mal bei der Waltranproduktion für Öllampen im 19. Jahrhundert anfängt, um nach dem Erörtern der Explosionsschutzhaube der Grubenlampen bei der Kerzenphilosophie von IKEA zu landen, recht knapp! Ich konnte froh sein, wenn ich die angedachten Antworten mit den Stichpunkten für die nächste Frage in aller Kürze hinbekam, ohne in „Wetten, dass…“- Manier den Rahmen der Sendung völlig zu sprengen. Eine Drehbuchstelle war aber noch nicht ausgearbeitet: Das Erklären der Schutzkleidung. Hier (und bei der Gestellung des Rauchhauses) sollte mich die Feuerwehr Göppingen mit zwei Kollegen unterstützen, die auch die blauen Klamotten zum Erklären schicken würde. Ich dachte mir also aus, was ich dazu so erzählen könnte, schrieb es auf und las es, mit dem Blick auf die Küchenuhr, laut vor, um die benötigte Zeit zu nehmen. Der Frageblock ließ mir nur etwa eine Minute hierfür. Klappte!

Bis auf ein oder zwei kleine inhaltliche Änderungen nahm ich das Drehbuch an. Ein paar Tage später lagen auch die Bahnfahrkarten und die Hotelreservierung in meinem virtuellen Kasten. Läuft. 🙂

Die geplante Löschübung sollte dann aus terminlichen Gründen leider ohne mich stattfinden.  Schade, denn hierfür wäre ich womöglich sogar so bekloppt gewesen, auf eigene Kosten durch halb Deutschland zu reisen. Und die Sache mit dem Parcours hat wohl zeitlich nicht mehr in die Sendung gepasst.

Bevor es los ging, wollte ich mir jedoch noch mal Rückendeckung bezüglich der Dienstkleidung bei unserem zuständigen Pressewart holen. So rief ich ihn an und fragte, ob es in Ordnung sei, wenn ich statt eines Poloshirts der Stadtfeuerwehr ein T-Shirt mit dem Stadtnamen auf dem Rücken tragen würde. Schließlich war er es, der mir einmal gesagt hatte: „Kein Problem, wenn Sie eines unserer Dienstshirts tragen, so lange Sie nicht als offizieller Sprecher unserer Feuerwehr auftreten.“ Doch nachdem ich ihm erklärt hatte, was geplant war, winkte er ab: „Neenee, Herr Firefox, da tragen Sie mal besser ein neutrales Shirt. – Ach, und wenn Sie wissen, wann das gesendet wird, schicken Sie mir bitte eine Mail oder rufen noch mal an.“ Ja, danke auch. Wenn „meine“ BF nicht im Kinderfernsehen auftauchen möchte beziehungsweise Angst davor hat, dass nur Blödsinn herauskommt, dann eben nicht.  Muss ja auch nicht. Beim WDR war ich schließlich auch in der Uniform „meiner“ FF, weil ich mit solchen Unpässlichkeiten bei der BF schon gerechnet hatte. Wobei ich denke, dass die eine oder andere der zahlreichen, dramatisch zurechtgeschnittenen  Reportagen, die bei uns von den „Privaten“ gedreht  wurden, garantiert hier und da rufschädigender war, als mein Ansinnen, Kindern das Verhalten von Brandrauch zu erklären. Manchmal glaube ich, Pressewarte sind auch Verschleierungstechniker. Aber das ist ein anderes Thema.

Weil die Feuerwehr nicht namentlich genannt werden wollte, stufte ich den Wunsch des Pressemenschen, die Sendung zu sehen, als sein privates Anliegen ein. Ich vertraute voll darauf, dass er auch bestimmt selbst in der Lage sein würde, sich die Sendezeiten aus der Programmzeitschrift zu besorgen. Schmollen kann ich. Mit SOOOO einem Schüppchen. Gerne hätte ich für die Brandschutzaufklärung unserer BF Werbung gemacht, denn Lobbyarbeit kann man nicht genug machen.

Es geht los!

Es geht los!

Vor dem Drehtermin beschaffte ich mir also noch ein Shirt mit der einfachen Aufschrift „Feuerwehr“ und stand am Tag vor dem Drehtermin mit gepacktem Täschchen am Bahnsteig, bis der „Zug in den Süden“ einfuhr. Aufgeregt. Mit meinen ICE- Karten und der Hotelreservierung in der Hand. Und natürlich – wie es sich für lange Zugfahrten und Schulausflüge gehört – einer Packung Butterkekse im Gepäck. Ihr kennt das.

Auf der Hinreise lief alles wie geplant. Abgesehen davon, dass ich über etwa 100 km neben einem Herren saß, der wie eine Kompostanlage aus dem Hals duftete. Auf der anderen Seite des Ganges telefonierte ein Mann in einem etwas überheblichen Tonfall mit jemandem, dem er Anweisungen zur Patientenversorgung gab. Danach telefonierte er erneut und besprach scheinbar eine chirurgische Fortbildung. Offensichtlich ein Arzt, dachte ich.

Nur ein kurzer außerplanmäßiger Aufenthalt in irgendeinem kleinen Dorf sorgte später für zwei Minuten Verspätung, weil es im Zug einen medizinischen Notfall gab: Der Zugbegleiter, der gerade durch den Wagon lief, wurde angerufen. Ich hörte nur, wie er  „Oh je… Wie schlimm ist es?“ fragte und dann, weiter telefonierend, umkehrte. Klang nicht gut. Nach etwa zwei Minuten wurden wir mit einer Durchsage beschallt, die die Fahrgäste darüber aufklärte, dass am nächsten Bahnhof ein Notarzt zu uns stoßen würde. Da es bei dem wichtigen Telefonierer gegenüber im Gang keine Reaktion darauf gab, ging ich selbst nach vorne und bot dem Zugbegleiter meine Hilfe an. „Danke, dass Sie fragen“, entgegnete er ernst, „aber der Notfall ist leider in der anderen Zughälfte. Da kommen wir jetzt nicht hin.“ – War nichts zu machen. Mit dem Notfallkoffer außen am Zug entlang zu klettern war vielleicht etwas für Bruce Willis oder Mel Gibson (der ja schon die Schuld an meinem aufgeschlitzten Finger trug!), aber nicht für einen kleinen Beamten im mittleren technischen Dienst, Gruppe A8.

Als ich mich wieder an meinen Platz setzte, hörte ich, wie auf der anderen Seite des Ganges der vermutlich Gelehrte etwas gelangweilt telefonierte: „Nö, du… wir kommen jetzt etwas später an… ja… ach, da ist wohl irgendwer ein bisschen krank…“ Ich stellte mir vor, wie vorne im Gang eine Servicekraft auf einem alten Mann herumdrückte, während sich vielleicht ein genauso interessierter Fahrgast darüber beschwerte, dass er nicht daran vorbei kam, um sich einen Kaffee zu holen. Mit zusammengekniffenen Lippen starrte ich aus dem Fenster. Arroganter Fatzke. Auch ohne irgendwelches Material, selbst nur in Unterhosen hätte er wahrscheinlich besser helfen können als irgend ein Ersthelfer, der vielleicht vor Jahren seinen letzten EH- Kurs hatte. Aber er hatte eben Feierabend. Dann meldet man sich nicht, wenn Hilfe gebraucht wird. Wattwillzemachn.

2013-09-19 19.09.42Göppingen war erreicht. Ein beschauliches Städtchen. Es erinnerte mich sehr an meine alte Heimat, die zwar nicht direkt der A… der Welt lag, aber vom Hügel neben dem Dorf konnte man ihn ganz gut sehen. Ein Taxi brachte mich zum Hotel mit sehr gediegener Einrichtung im Stil der Dreißiger und mit mindestens zwanzig Zentimeter hohem Teppich im Flur. Keine billige Notunterkunft, dachte ich mir, und kam mir schon wieder etwas wichtig vor, als ich an der Rezeption mit den Worten eincheckte: „Firefox. Henrik Firefox. Der Sender hat für mich reserviert. *schnüff*“  🙂

Nachdem ich im Zimmer alles ausreichend bewundert und die Begrüßungskekse von den Kopfkissen des Doppelbettes geäst hatte, machte ich mich auf die Suche nach weiterem Essbaren. Das hoteleigene Restaurant war mir etwas zu teuer, also: Streichelhandy raus, Tante Google fragen, was man hier so isst. Sie lotste mich auch zielstrebig zur nächsten Futterschmiede, die scheinbar alles konnte: Pizza, Gyros, Hamburger, Geschnetzeltes, Schuhe reparieren und Hosen kürzen. Oder so. Vielleicht auch noch Autos reparieren. Erfahrungsgemäß können diese omnipotenten Universal- Lebensmittelmonteure zwar alles ein bisschen, aber selten irgendetwas richtig gut zubereiten. Und selbst wenn, dann war sein Spezialgericht bestimmt gerade das Gyros, wenn ich Pizza bestellte. Lieber nicht, ich musste morgen fit sein …

In der nächsten Pizzeria waren zwei Tische von Gästen okkupiert. Diese machten auch den Eindruck, ortsansässig zu sein. Dann sollte der Schuppen wohl nicht so schlecht sein, dachte ich, und wurde später auch nicht enttäuscht. Mal so als Tipp: Wenn ihr irgendwo fremd seid, schaut, wo die örtlichen Behörden essen. Steht vor einer Imbißbude ein Streifenwagen, ein RTW oder ein Müllwagen, kann das Essen dort nicht so schlecht sein: Diese Berufsgruppen speisen im betreffenden Viertel öfters „auswärts“ und haben entsprechende Erfahrungen.

Abends im Bett las ich mir noch mal das Drehbuch durch, bevor ich das Licht ausknipste und an die Decke starrte. Ich war etwas aufgeregt, muss ich zugeben. 😉

Am nächsten Morgen packte ich nach dem Restaurieren und dem Frühstück meine Tasche und wartete auf den Fahrer des Senders, der mich abholen sollte. Dann fuhr ein Auto des SWR vor: „Morgen. Sie sollen bestimmt mich abholen“, begrüßte ich den Fahrer. Er hieß Rüdiger, plauderte sehr gerne und war mit mir sofort auf „Du“. Nach einigen informativen Minuten, in denen ich alles Wissenswerte über den Stuttgarter Verkehr, Umleitungen und Baustellen sowie den Parkproblemen mit dem Ü- Wagen, den er ebenfalls für den Sender fuhr, gehört hatte, kamen wir am Sender an. Dort wurde ich gleich in Empfang genommen und – haltet euch fest – zu MEINER EIGENEN GARDEROBE!!! geführt. Mann, war ich wichtig!!

Leicht bearbeitet, aber weitgehend authentisch: MEINE!!! Garderobe. :)

Leicht bearbeitet, aber weitgehend authentisch: MEINE!!! Garderobe. 🙂

Das ganze Studio war kindgerecht bunt bis zum Anschlag, die Möbel unkaputtbar und Türen zum Zuschlagen gab es nicht. In MEINER!! Garderobe stand ein Korb mit Süßigkeiten und Obst auf dem Tisch, sogar eine eigene Minibar schmückte eine Ecke des Raumes! Ich traute mich aber nicht, viel zu trinken, da es während der Aufzeichnung bestimmt nicht gut ankam, wenn ich ständig rülpsen müsste. Das weiß selbst ich als Studio- Noob. 🙂

Die Redakteurin kam nach einiger Zeit zu mir in MEINE!!! Garderobe und ging mit mir noch mal das Drehbuch durch. Sie erzählte mir auch, dass ich in der Sendung zur Demonstration ein Stück Stoff anzünden sollte, während ich die Schutzkleidung der Feuerwehr erkläre. Sie war sehr erstaunt, als ich ihr erzählte, dass ich für die Beschreibung schon etwa eine Minute, eher 1’10 brauchen würde, und ich unsicher wäre, ob die Gesamtzeit des Blocks mit 2’30 eingehalten werden könnte, wenn diese Demonstration noch zusätzlich eingefügt würde. Sie schaute mich verdutzt an: „Hast du das mit der Stoppuhr gemessen?“ – „Ja sicher. Ich muss doch im Zeitplan bleiben.“ Sie fing breit an zu grinsen: „Dass Ihr Feuerwehrleute immer so genau seid…“ Nun ja, was soll ich sagen… 😉

Als sie sich zur Regiebesprechung verabschiedete, betrat einer der beiden Kollegen der Feuerwehr Göppingen, die mich im Studio unterstützen sollten, MEINE!!! Garderobe mit einer Lokalreporterin im Schlepp. Sie wollte einen Bericht über eine der Schulklassen schreiben, die heute um den Sieg spielen würden, und fragte uns ganz locker nach dem Alltag bei der Feuerwehr. Wie das denn so im Einsatz wäre, wie man das so verarbeitet und so weiter. Der Göppinger Kollege und ich plauderten also etwas aus dem Nähkästchen und entdeckten viele Parallelen. Es kamen Fragen nach Einzelheiten in der jeweils anderen Wehr auf: „Wie macht ihr das denn so? – Gibt es bei euch auch Nachbesprechungen?“ – „Wie geht ihr mit belastenden Einsätzen um?“ – „Findest du „Person vor Zug“ auch so scheiße?“ Dabei kam scheinbar eine sehr vertraute Atmosphäre auf, denn plötzlich fragte die erstaunte Schriftgelehrte: „Sagt mal, von wo kennt ihr euch eigentlich? Kennt ihr euch schon lange?“ Wir blickten zur Uhr in MEINER!!! Garderobe: „Hmm… so etwa eine viertel Stunde.“ Sie hakte nach: „Aber ihr unterhaltet euch, als wenn ihr euch schon oft begegnet seid.“ Wir erklärten ihr, dass Feuerwehrleute, selbst, wenn sie sich nicht kennen, trotzdem wissen, dass das Gegenüber in Einsätzen die gleichen Emotionen erlebt hat. Dadurch kommen eben Gespräche zustande, die schnell sehr vertraulich werden können. Das beeindruckte sie ziemlich. Im späteren Artikel fand das jedoch keinen Niederschlag.

Die Generalprobe begann, in der – bis auf die späteren Quizfragen- alles einmal so durchgespielt wird, wie es später „fertig“ aufgezeichnet werden soll. Natürlich mit Kameras, damit auch die Regie proben kann, wann welche Kamera geschaltet wird und wie das Licht fällt. Kleinigkeiten wurden sofort korrigiert: Zwei falsch verteilte Ansteckmikrofone wurden getauscht, die Wurfwand funktionierte nicht, wie sie sollte, ich stand einmal außerhalb der Markierung, mit der der für die Kameras sichtbare Bereich abgegrenzt war. Und ich demolierte das Rauchhaus der Feuerwehr Göppingen: Der Kollege gab ordentlich Dampf in das Haus, ich erklärte: „Man sieht, wie der Rauch sich nach oben ausbreitet. Und wenn jetzt hier eine Tür geöffnet wird…“ Ich zog an einer der kleinen Stangen, die zum Bewegen der Türen an diesen befestigt waren: „Plöpp!“ – hatte ich eine „Tür am Stiel“. Ausgerissen. Mist. Die Türen gingen nämlich vorher nur nach innen auf… „Tja…“, meinte der Göppinger Feuerlöscher grinsend, „Feuerwehrleute bekommen eben alles kaputt.“ Feixend bauten wir die Tür nach der Probe wieder ein. Zur Aufzeichnung wusste ich dann, wie sie auf ging. 😉

Während der Teile, in denen ich nicht gebraucht wurde, saß ich auf der Bühnentreppe und unterhielt mich leise mit der Redakteurin und den Kollegen aus Göppingen. War im Grunde noch alles recht flauschig.

So nebenbei: Der Frosch ist eigentlich eine Fröschin, der Löwe sieht ohne Plüschkopf genauso wie mit aus (der Kopf ist nur etwas kleiner), der Sender hatte für meinen Brandversuch kein ordentlich funktionierendes Feuerzeug und der Gesang der Kinder ist manchmal grauselig.

Mit Minibar.

Mit Minibar.

Zwischen Probe und Aufzeichnung gab es noch eine Regiebesprechung, während der wir in MEINER!! Garderobe warten sollten. Dort fand ich einen Haufen belegter Brötchen vor, die die Kollegen aus Göppingen und die von mir eingeladene, sehr hungrige Lokalreporterin wegknabberten. Beim Versuch, seine Colaflasche aus der Minibar an der Tischkante zu öffnen, weil kein Flaschenöffner bereit lag, verpasste der Göppinger Grisu mit dem Kronkorken der Tischkante ein schickes Zahnmuster. Dieses mal war es nicht ich, der etwas demolierte. So.

Vor der Aufzeichnung gab mir die Redakteurin noch den Tipp, doch ruhig etwas freier zu sprechen. Ich würde mich doch sehr an die Formulierungen aus dem Drehbuch halten. Na toll! Ich soll alle Stichpunkte in den Antworten haben, aber beim freien reden nicht zu lang werden. Ich. Klar. Mal kurz nach oben gescrollt, wie ausschweifend ich bisher schon geschrieben habe, und ihr wisst, was passiert, wenn ich frei reden darf.

Die Aufzeichnung verlief fast reibungslos, nur ein mal musste ein Schnitt wiederholt werden. Das lag aber nicht an meiner Aufregung: Der Moderator Lukas hatte sich verhaspelt. Ach, und die Kinder wurden von Lukas mit der knallharten Realität des Fernsehens konfrontiert: „…Und  die Muschda war zu Besuch bei der Feuerwehr! Das war bestimmt spannend. Da schauen wir jetzt mal den Film an!“ Kameralicht aus, Lukas schlendert gelangweilt im Halbkreis und verkündet dann breit grinsend in die gespannte Stille hinein: „So, Kinder, das müsst ihr jetzt lernen: Beim Fernsehen ist alles Beschiss. Der Film wird erst nächste Woche gedreht! – Aber wenn ihr zu Hause seid, erzählt ihr natürlich, dass das alles schon fertig war…“ Gelächter, Kameralicht an: „Mann, Muschda, das war ja total aufregend, nicht?“ Fernsehen halt. Gut, wenn zumindest diese Kinder jetzt wissen, dass nicht alles echt ist, was man so sieht. 😉

Da isse! Die ORIGINAL!!! Tigerente!

Da isse! Die ORIGINAL!!! Tigerente!

Im Finale wurde mir noch die ORIGINAL!! Tigerente überreicht. Hätte nicht gedacht, dass mich so ein schlichtes Holzspielzeug so stolz machen könnte.

Nach der Aufzeichnung ging alles recht schnell: Rüdiger wartete vor dem Studio schon mit dem SWR- Wagen und brachte mich sofort zum Bahnhof, damit ich meinen Zug noch bekam. Dieser ließ dann aber etwas auf sich warten. Aufgrund weiterer Verspätungen blieben von meinen zwei mal zwanzig Minuten Umsteigezeit nur noch Turnschuh- Anschlüsse. Und die Sache mit der Platzreservierung klappte auch nicht mehr so ganz: Mein Wagon war weg. Die Reservierungen wurden in einen anderen verlegt. Wurde am Bahnhof natürlich auch angezeigt, aber bei einer Laufschrift im Tempo einer tektonischen Verschiebung hatte ich leider keine Zeit, diese zu lesen, ohne den Zug zu verpassen. So erfuhr ich erst nach 15 Minuten Fahrt in der „Holzklasse“ von einem Fahrgast, wo mein vorbestellter Platz sein könnte. Ich blieb dann trotzdem, wo ich war.

Tja, und jetzt warte ich gespannt, was aus dem Besuch beim TEC geworden ist. Und auf die Angebote aus Hollywood. 😉

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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22 Antworten zu Zu Gast beim SWR

  1. schulsanitaeterin schreibt:

    Mensch, immer alles kaputt machen ;). (Fast wie ich…)
    Klingt nach einem tollen Tag und bei Lesen musste man immer wieder schmunzeln ^^. Bin schon gespannt das dann im Fernseher zu sehen :D.

  2. Daniel Eschenlohr schreibt:

    Viel glück mit Hollywood 😉

  3. bikibike schreibt:

    Danke für’s Erzählen! War sehr nett mit zu erleben.

    Mach doch mal eine Geschichte um die IKEA-Kerzen-Philosophie!

    • firefox05c schreibt:

      Verkaufsanalysen sind nicht mein Thema, da fehlen mir die Fakten. Aber ich habe den Verdacht, dass dieses ganze Möbel- Gedöhns nur dazu dient, den Umsatz der Kerzen zu steigern: Weil man nichts bei den Möbeln findet, greift man frustriert zu Grünpflanzen und Kerzen… 😉

  4. Fydus schreibt:

    Der Bericht war wieder klasse. Und die Trailer bzw. Videos im Internat dazu sind auch klasse. Da machst Du eine sehr gute Figur. Herzlichen Glückwunsch zu Deinem Auftritt.

    • firefox05c schreibt:

      Habe in gerade gesehen. Oh Mann, die Nervosität! „ganz viel sicherer…“ (vielleicht sechs oder sieben sicherer?… -.- ) – Ich muss noch viel lernen, sonst wird das nichts mit Hollywood. 😉

  5. Andi schreibt:

    Wie immer sehr unterhaltsam geschrieben,
    musste gleich erstmal das Video anschauen 😉

  6. machermama schreibt:

    Das ja mal klasse!
    Informierst du uns rechtzeitig über den Sendetermin?

  7. Clemens schreibt:

    Hallo Firefox,
    danke für den ausführlichen Bericht, hört sich nach einem tollen Erlebnis an 🙂
    Die Garderobe ist herzallerliebst – und du hast recht, ich glaube so eine Original-Tigerente ist wirklich eine tolle Auszeichnung. Zumindest, wenn man mit Janosch was anfangen kann.
    Einen schönen Abend dir und allen die das lesen!

  8. blaulichtengel schreibt:

    Wow, klasse Artikel und natürlich muss ich mir jetzt mal wieder den Tigerenten Club ansehen!

  9. daslandei schreibt:

    Klingt zumindest nach viel Spaß. Man kommt ja nicht alle Tage „im Feanseeeeehn“ 😉 Und ein bißchen Lampenfieber gehört dazu. Aber dieser Frosch, der hätte mich glaub ich abgelenkt…

    • firefox05c schreibt:

      Ich wurd vor dem Dreh gefragt, ob es mich zu sehr ablenken würde, wenn der „Günter“ dort mal über die Schulter schaut. War also in Ordnung. 🙂

  10. daslandei schreibt:

    Ach so – und ich bin ein bißchen neidisch wegen der Original Tigerente! 😉 Ich, als alter Janosch Fan…

  11. ruby schreibt:

    Hm heute ist spät da muss ich morgen mal das Internet durchsuchen. Ich werde dann natürlich für alle interessierten einen Link Posten wenn ich fündig werde.

  12. Mr. Gaunt schreibt:

    Tolle Sache! 🙂

  13. Hesting schreibt:

    Der Bericht ist viel schöner als die Sendung, aber Dein Beitrag dort war gut.

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