TÜV. Und keine Ahnung.

Ein Kollege war an einem Wohnmobil interessiert. Weil der Bumscontainer aber nicht ganz billig war, wollte er auf „Nummer Sicher“ gehen, und ihn zunächst für einen technischen Check bei der nächsten TÜV- Niederlassung vorstellen. Nach der Erlaubnis des Händlers schaukelten wir mit dem Traumschiff auf den TÜV- Hof. Und waren zunächst am falschen Filmset.

Nach dem Betreten der Vorhöllehalle fragte mein Kollege also nach einem „Gebrauchtwagen- Check“, wie man ihn aus den einschlägigen Sendungen auf D-Max kennt. Der gemütliche Herr hinter dem Thresen schien aber eine Art „Studentische Hilfskraft“ im 34. Semester eines Philosophie- Studiums zu sein. Ahnung von seinem Job hatte er jedenfalls nicht: „Nein, das würde sich für Sie nicht lohnen“, teilte uns der Herr mit dem riesigen Ohrring mit. „Dann schauen wir nur kurz rum, ‚da ist eine Beule, und da ein Kratzer…‘, aber das können Sie ja auch selbst. Da würde eine normale Hauptuntersuchung schon mehr Sinn machen. Was anderes kann ich Ihnen nicht anbieten.“ OK, meinte mein Kollege, dann bezahlen wir eben eine HU mit ohne Bescheinigung, weil wir natürlich keine Papiere für das mobile Schaukelbett hatten. Danach wüssten wir, ob es versteckte Mängel gibt. „Ja“, meinte Herr Auspuff- Prockler, „dann brauche ich jetzt aber die Papiere.“ Wir versuchten ihm zu erklären, dass wir für diese Probefahrt natürlich nicht alle Papiere vom Händler bekommen hätten, da das Auto schließlich nicht uns gehöre. Er solle auch nur unter das Auto schauen, ob etwa Kugelköpfe ausgeschlagen seien oder die Bremse schon beim Manitou weilte.

Jetzt wurde es seltsam: „Natürlich brauche ich die Papiere. Wie soll ich sonst sehen, ob zum Beispiel die Reifen für das Auto zugelassen sind? Und die Zulassungen für die Anbauteile, und die Gasanlage…“ Wir versuchten es nochmal: „Sie sollen aber doch nur einmal um das Auto laufen und einmal unten durch, um technische Mängel…“ Nein, da war er sich sicher, das geht nicht. Wie wir uns das vorstellen würden. So etwas böten sie nicht an. Und mit den folgenden Aussagen bewies er erneut, dass sein Horizont nicht dafür ausreichte, um zu erfassen, was wir eigentlich wollten: „Das geht nicht ohne Papiere. Zudem kann ich dann auch keine Abgasuntersuchung machen. Und…“ – Achtung, jetzt disqualifizierte er sich völlig: „… eine HU geht sowieso nicht, wenn das Auto nicht zugelassen ist.“

Bitte? Das war ja wohl Kappes: Ein nicht zugelassenes Auto bekommt bei ihm also keine TÜV- Abnahme. Wenn ich ein Auto zulassen möchte, muss ich aber eine gültige TÜV- Bescheinigung vorlegen. Wie soll das jetzt seiner Meinung nach gehen? „Passierschein A38“?

Wir versuchten noch ein drittes Mal, ihn darüber aufzuklären, wie wir uns die Sache vorstellten. Er lehnte sich selbstgefällig und überheblich grinsend zurück: „Wenn Sie das so nicht glauben, müssen Sie eben mal mit dem Chef sprechen.“ Und nach hinten: „Dieter, kommst du mal?“  „Dieter“ kam und hörte sich das Problem kurz an. Ganz kurz. Und sagte dann zum Ohrringträger: „Natürlich. Läuft unter „sonstige Untersuchungen“, kostet 53,80. Mach mal einen Zettel fertig. Und Sie“, sprach er meinen Kumpel an, „fahren schon mal vor Tor 3.“ Der Bürostuhlwarmhaltebeauftragte war verblüfft. Nach ein, zwei mal Stutzen fingerte er ein Formular aus dem Schritt des Schreibtisches. „Öhm… Zulassungsdatum… Fahrzeugtyp… hammwa jetzt ja gar nicht… – Dieter, was trage ich denn dann bei „Kennzeichen“ ein?“ – Er hatte es immer noch nicht begriffen. „Dieter“ seufzte: „X das doch einfach aus. Die wollen doch nachher bloß einen Zettel haben, wo drauf steht, was ich gefunden habe.“ Pragmatismus rulz. So einfach kann das sein.

In der Halle bekamen wir die Untersuchung, die wir haben wollten. Der Roststellenklopfer wies uns auf zwei, drei Kleinigkeiten hin, die zwar noch nicht Prüfungsrelevant waren, aber in ein oder zwei Jahren zum Problem werden könnten, wenn nichts daran getan würde. Er gab uns sogar Tipps, wie den Mängeln beizukommen wäre. Anschließend fertigte er uns einen Ausdruck, auf dem die Fundstellen aufgelistet waren, und verabschiedete uns.

So einfach kann es sein, wenn man an „den Richtigen“ gerät. Leider weiß man erst immer hinterher, ob er es auch war.

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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7 Antworten zu TÜV. Und keine Ahnung.

  1. Fydus schreibt:

    Das ist doch typisch. Da wollen sie sparen und setzten einen hin, der von nichts eine Ahnung hat- aber davon dann allerhand und ganz viel.

  2. Carsten schreibt:

    Aber für den Passierschein A38 braucht man doch das blaue Formular. Oder war es das gelbe?
    Ich lach mich weg 😀

  3. Carsten schreibt:

    Das kann ich mir vorstellen. Meine Freundlichkeit wäre bei so einem Menschen auch in Nanosekunden ausgeschöpft.
    Mein Kommentar war jetzt auch nur auf dein Kommentar mit dem Passierschein bezogen, denn selbiges geisterte mir beim Durchlesen auch im Kopf rum.

  4. Julian schreibt:

    ich würde fast behaupten, dass ihr in frillendorf beim TÜV gewesen seid^^

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