Tour vermasselt…

2014-03-17 14.38.08 (2)Etwa eine Stunde vor Schichtende polierte ich noch am RTW herum: Gummiabrieb der Notarztschuhe auf der Schubladenfront (immer wieder weisen wir die Notärzte darauf hin, auf der Fahrt nicht die Schuhe an der Front abzustellen. Windmühlen und so… ) und Abrieb von Büschen und Gebrauchtwagen an den Spiegelkanten und den Fahrzeugflanken. Von Zeit zu Zeit muss das. Während dessen stand der jüngere Kollege draußen vor der Halle in der Sonne und unterhielt sich Süßholz raspelnd mit einer Krankenschwester, die zum Rauchen vor das Haus gekommen war. Auf den Knien mit dem Putzschwamm ums Auto robbend bekam ich die typischen Smalltalk- Fragen mit: „Hast du jetzt einen Festvertrag? … Auf welcher Station bist du denn? … Da gibts bestimmt immer was zu tun. …“

Ich ärgerte mich doch etwas. Ich Altgedienter mache hier den Putzteufel, und der Jungspunt, der noch von mir lernen soll, macht „Dolce Vita“ im Sonnenschein mit den Karbolmäuschen? Das geht ja wohl nicht. Es galt, ihn mal wieder frei zu bekommen, damit er sich auf seinen Job konzentrieren konnte!

So dachte ich einen Moment nach, wie ich den Gockel schnell und effektiv von dem umworbenen Weibchen loseisen konnte. Und hatte eine passende Idee:

Ich stand auf, kam hinter dem Pflasterlaster hervor und rief ihm zu: „Noch fünf Minuten!“ Er wusste natürlich nicht, worauf ich hinaus wollte: „Ja sicher. Lass dir Zeit.“ Ich widersprach: „Nein, nicht ich. Du hast noch fünf Minuten. Wenn dann das Date nicht steht, bekomme ich meine zehn Euro.“ Sprach es und verschwand in mich hinein grinsend mit dem Schwamm in der Hand wieder hinter dem Liegendtaxi, um auf die Frucht meiner Saat zu warten. Der Kollege brauchte noch einen Moment, bevor er begriff. Die Angegrabene war da etwas schneller in der Denkmurmel: Während er noch versuchte, meine Bemerkung ins Lächerliche zu ziehen („Ja klar… Du erzählst ja einen Mist!“), sah ich „Sie“ mit hochgezogenen Augenbrauen vorbeidampfen. Treffer, Flirt versenkt.

Einen Moment später erschien der gemobbte Kollege bei mir hinter dem Auto: „Blödmann! Was sollte das denn jetzt?“ Ich feixte: „Wie? Die hat doch nicht etwa darauf reagiert?“ „Na klar!“, entgegnete er angefressen, „die hat ihre halb aufgerauchte Kippe weggeworfen und ist wortlos rein gegangen! Den merke ich mir, das bekommst du zurück!“

Mein Ziel war jedenfalls erreicht: Der Kollege hatte den Kopf wieder frei und konnte mir beim Putzen helfen. Wir sind ja schließlich nicht zum Spaß da…  😉

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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17 Antworten zu Tour vermasselt…

  1. Thomas Kuhn schreibt:

    Spielverderber. 😉

  2. Elmauge schreibt:

    Spaßverderber

  3. AH1978 schreibt:

    Das war ja böse! 😉

  4. Tobi-Opi schreibt:

    Wer solche Kollegen hat braucht keine Feinde 🙂

  5. Julia M. schreibt:

    Fies. Aber muss manchmal. 😉 Und elegant gelöst wars auch noch! :mrgreen:

  6. Geheimniskrämer schreibt:

    Bin mal gespannt, wie die “ Retourkutsche“ aussieht. Hoffe, Du schreibst es auch hier…. 😉

  7. Andre schreibt:

    Hätte ich genau so gemacht!

  8. Meyerlein schreibt:

    Mich irritiert eher das der Eimer 4 Jahre gehalten hat… 😉

    • firefox05c schreibt:

      Ist mein privater Eimer, ich brauchte irgendein Symbolfoto. Auf der Wache hätte der natürlich nicht so lange gehalten… 😉

      • Meyerlein schreibt:

        Ich hatte schon die Befürchtung das ihr noch weniger putzt als wir.. 😉

      • firefox05c schreibt:

        Was heißt denn hier „noch weniger“? Ich denke nicht, dass ich wenig putze. Die Streifenentfernung war zusätzlich zur täglichen Desinfektion.

  9. Hesting schreibt:

    Ganz schön fies! Aber irgendwie auch genial.

  10. Chris schreibt:

    Früher gab es was an die Backen vom Zugführer wenn wir uns so etwas erlaubt hätten (Smalltalk machen und den Kollegen arbeiten lassen, vor allem als der jüngere!)
    Ich fürchte er hat die Lektion nicht kapiert sonst wäre die Reaktion wohl anders ausgefallen.
    Mal sehen was er Dir „antun“ wil:-)

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