„Opa ist tot.“

…oder: was sonst noch so zum Rettungsdienst gehört

Der alte Mann hatte schwer Krebs, und die Ärzte wollten der Familie nicht mehr viel versprechen. Trotzdem ging es dem Mann nach der letzten Krankenhausbehandlung wieder etwas besser. Geschwächt, aber mit der Hoffnung auf ein paar ruhige Tage in seiner kleinen Wohnung wurde er entlassen.

Nun kümmerte sich die Tochter um ihn. Sie versorgte ihn mit allem, was er brauchte, und bereitete ihm noch ein wenig Tee, bevor sie es ihrem Vater im Bett bequem machte und in die Küche ging, um zu telefonieren: Die Krankenkasse sollte doch den letzten Pflegestufenantrag endlich bearbeiten, die Kostenübernahme für Pflegemittel musste geklärt werden, das Sanitätsgeschäft wurde beauftragt, ein Sauerstoffgerät zu bestellen, ein Pflegedienst bekam den Auftrag, zwei mal Täglich vorbei zu schauen, und die übrigen Verwandten mussten ja auch informiert werden, dass Vater wieder zu Hause ist. Es gab viel zu besprechen. Ihr sechsjähriger Sohn spielte zwischenzeitlich im Wohnzimmer.

Nach einigen Minuten wollte die Tochter des Herren noch mal nach dem Rechten sehen. Doch sie erschrak: Vater war ganz grau im Gesicht und atmete nicht mehr! Er lag einfach da und blickte mit leeren Augen an die Decke. Sein Leidensweg war vorbei.

2014-04-04 16.20.17Der im ersten Schock angerufene Hausarzt sagte, dass ein Notarzt verständigt werden soll: Vielleicht war ja doch noch nicht alles zu spät? Doch als wir nach ein paar Minuten das Schlafzimmer betraten, ist auch uns auf dem ersten Blick klar, dass es hier nichts mehr zu tun gab. Die Tochter war in Tränen aufgelöst, erzählte uns schluchzend und etwas ungeordnet, was passiert war. Der Enkel war offensichtlich mit der Situation total überfordert: Opa ist tot? Wie soll ich mir das vorstellen? Es muss aber ganz schlimm sein, denn Mutter heult sich die Augen aus dem Kopf… So lief er gerade weinend aus dem Schlafzimmer, als wir die Wohnung betraten, suchte bei der Mutter Schutz, um im nächsten Moment zu versuchen, sie etwas zu trösten. Doch wie, wo er doch nicht einmal versteht, was gerade passiert war? Er flüchtete sich eine Minute später in Abwesenheit. Fummelte unbeteiligt an den Gegenständen auf dem Wohnzimmertisch herum, lief zum Fenster und erzählte, dass er unseren RTW draußen sehen kann, um im nächsten Augenblick wieder mit der Mutter zu weinen. Gefühlschaos.

Unser Notarzt befragt jetzt die Tochter des Verstorbenen nach Vorerkrankungen, Personalien, den letzten Behandlungen. Mein Kollege lässt über die Leitstelle die Polizei informieren: Wenn wir den Verstorbenen und seine Geschichte nicht kennen (was ja meistens der Fall ist), müssen wir die Polizei hinzu ziehen, damit später entschieden wird, ob durch eine Obduktion eine Todesursache ermittelt werden muss oder ob man sich nach der Prüfung der Krankengeschichte mit der wahrscheinlichsten Ursache zufrieden gibt. Das ist hier das normale Vorgehen und hat nichts mit irgendwelchen Vorwürfen oder Verdächtigungen zu tun.

Das Kind dreht auf, läuft hin und her und erzählt alles durcheinander. Zwischendurch immer wieder Fragen zum toten Opa. Doch keiner beachtet ihn: Die Mutter hat den Kopf voll und ringt selbst um Fassung, der Notarzt schreibt seine Papiere und mein noch recht junger Kollege hat sich vorsichtshalber vor die Tür verdrückt: Mit trauernden Verwandten umzugehen muss der ungestüme Notfall-Novize noch lernen. Aber ich habe Zeit, setze mich in einen Sessel. Wir müssen sowieso noch einige Minuten auf die Polizei warten, um ihnen die Einsatzstelle zu übergeben (Rechtlich gesehen muss der Notarzt dafür sorgen, dass der „mögliche Tatort“ bis zur Übernahme durch die Polizei gesichert wird).

Der Hosenpuper fragt, was mit Opa ist. Die Mutter sagt nur kurz angebunden: „Der ist von uns gegangen. Der ist jetzt bei Onkel Jörg.“ Der Junge hakt nach: „Wie? Ist der nicht mehr im Schlafzimmer?“ Seine Mutter ist genervt, verdreht die Augen. Erst der Streß mit der Kasse und dem Sanitätsgeschäft, gerade hatte sie ihrer Schwester noch am Telefon erklärt, dass mit ihrem Vater alles in Ordnung sei, jetzt muss sie dem Arzt Fragen zu seinem Leidensweg beantworten. Die Birne schwirrt wie ein umgetretener Bienenkorb. Und nun quatscht der Enkel so einen Blödsinn…

Ich beschließe, für sie einzuspringen: „Dein Opa liegt noch drüben im Bett, genau so, wie eben auch. Aber er lebt jetzt nicht mehr.“ Er wusste jedoch nicht, wie er sich das vorzustellen hatte: „Löst sich dann so eine weiße Figur aus seinem Körper und fliegt dann in den Himmel? Das habe ich mal in einem Film gesehen.“ Ich muss jetzt behutsam vorgehen. Immerhin weiß ich nicht, welches Weltbild seine Mutter dem Knirps mitgeben möchte: Das klassische, christliche Bild vom „ewigen Leben“ in Gottes Himmelreich? Oder die biologische „Paradies ist Blödsinn“- Realität, dass Opa jetzt zu Kompost wird? Vielleicht irgendwas dazwischen? Waren sie überhaupt Christen? Oder erzähle ich gleich womöglich etwas, was der Mutter überhaupt nicht in ihre Religion passt? Da musste ich mich jetzt irgendwie durchwursteln, immer ein Blick auf den Kleinen gerichtet, ob ich ihn nicht überfordere, und einen auf die Mutter, ob sie mit meiner „Lösung“ einverstanden ist – oder mich plötzlich entnervt anranzt, dass ich gefälligst nicht so einen Bullshit verbreiten soll.

„Das musst du dir so vorstellen: Drüben im Schlafzimmer liegt jetzt nur noch der Körper deines Opas. Aber das, was ihn besonders gemacht hat, sein Charakter, sein Wesen, das ist jetzt weg. Sehen kann man das aber nicht so, wie es in den Filmen gezeigt wird. Da fliegt keine weiße Wolke weg.“ So. Die biblisch- christliche Klamotte hatte ich geschickt umschifft. Aber der Junge lässt nicht locker. Mit der Zeitung auf dem Tisch spielend fragt er weiter, schaut mich aus Unsicherheit aber nicht dabei an: „Wie? Weg? – Wohin denn?“ Mist. Jetzt muss ich mich entscheiden. Sekt oder Selters. Paradies oder Kompost. Ich entscheide mich fürs Paradies, was ja wesentlich appetitlicher ist: „Nun, das, was deinen Opa ausgemacht hat, das nennt man die Seele. Und die ist jetzt in den Himmel geflogen … “ – Blick zur Mutter, ob sie gleich ausrastet – „… und ist jetzt dort, wo auch schon die Seele von deinem Onkel … äh … Jörg ist. Da sind die jetzt zusammen.“ Er vergewissert sich: „Also, beim lieben Gott?“

Selbigem sei Dank, man hatte sich in der Familie wohl auf die illustre katholische Vorstellung geeinigt! Der Kleine kennt „den lieben Gott“, die Mutter wirft nicht erbost mit Einrichtungsgegenständen nach mir. Zudem bleibt die von mir gefürchtete Frage aus, wie es denn so rein physikalisch möglich sei, durch die Decke und die darüber liegenden Schlafzimmer zu fliegen, um in den Himmel zu kommen, ohne, dass die Nachbarn sich beschwerten. Das Haus hatte immerhin sechs bewohnte Stockwerke… „Ja, beim lieben Gott. Das ist wie ein anderes Land, zu dem du leider nicht hin kannst. (schade, dass es die DDR nicht mehr gibt. Es wäre so ein treffender Vergleich gewesen…) Aber dein Opa ist jetzt dort. Also, die Seele. Den Körper braucht er da nicht mehr. Darum ist der noch hier.“

Die Mutter wirft mir kurz einen Blick zu, den ich nicht genau deuten kann: Sehe ich dort Dankbarkeit oder Verwunderung? Ich kann nicht lange darüber nachdenken, denn schon kommt die nächste Frage. Der Sechsjährige hat aufgeschnappt, wie seine Mutter erwähnte, dass ihr Vater sich immer gewünscht habe, zu Hause zu sterben.

„Warum wollte Opa denn sterben?“, fragt er etwas entsetzt. Die Mutter seufzt genervt. Es ist alles ein wenig viel. „Nein, der WOLLTE nicht sterben“, springe ich wieder ein, „aber wenn man alt und sehr krank ist, muss jeder irgendwann mal sterben. Jetzt darfst du aber keine Angst haben, dass jeder, der Krank ist, auch gleich stirbt. Also, wenn du eine Erkältung hast, zählt das nicht. Das mit dem Sterben ist fast nur bei sehr alten Leuten so. Und dein Opa wusste das auch. Da fand er es natürlich viel schöner, wenn es mal so weit ist, hier zu Hause zu sterben, als in einem Krankenhaus. Dort piepsen dann irgendwelche Geräte, und vielleicht ist dann keiner da, den er kennt und der ihn tröstet. Alles ganz steril und gar nicht gemütlich. Hier war deine Mutter für ihn da. Und du. Das war bestimmt viel beruhigender für ihn. Also, er WOLLTE nicht, aber wenn, dann lieber zu Hause.“ Rotznase scheint es zu verstehen. Gleichzeitig hoffe ich, ihm auch klar gemacht zu haben, dass man nicht an einer einfachen Erkrankung stirbt, oder weil man in seinen Augen alt ist. Das ist seine Mutter nämlich womöglich auch. Nun, es wird sich bei ihrem nächsten grippalen Infekt herausstellen, ob ich in den Sohn den Samen der Panik gepflanzt habe. Ich mache das ja auch nicht jeden Tag.

Der Zwerg scheint aber noch nicht so ganz zufrieden. Und wo er schon mal einen da hat, den man löchern kann, fragt er weiter : „Was passiert denn jetzt mit Opas Körper? Bleibt der da liegen?“ Also doch die Sache mit dem Kompost… zumindest unterscheidet er schon mal zwischen Körper und Seele.  Auch was wert.

„Den holt später, wenn die Polizei gesehen hat, dass hier alles in Ordnung ist, ein Bestatter ab.“ Der hinterbliebene Enkel möchte jetzt der Mutter wohl ein Bild zeigen, welches ihm in der Zeitung vor sich aufgefallen ist. Doch sie fordert ihn auf: „Jetzt hör‘ dem Mann doch bitte noch zu!“ – Der Ritterschlag! Ich habe also den richtigen Weg eingeschlagen, und sie ist dankbar darüber, dass ich ihr all diese unangenehmen Antworten abnehme! Ich bin erleichtert, vertraute sie mir doch irgendwie ihren Sohn an.

Dieser ist jetzt wieder bei der Sache: „Und was macht der dann mit Opa?“ – „Der wird dort gewaschen und hübsch gemacht.“ – „Aber Opa ist doch nicht schmutzig?“ , empört er sich. Mist. Falle. Ich muss es näher ausführen: „Nein, nicht unbedingt schmutzig. Aber die Haare liegen nicht so schön. Und dann wird er noch etwas geschminkt, damit man ihn vielleicht noch mal anschauen kann.“ Der Knirps schaut mich erstaunt an: „Er wird geschminkt? So bunt wie bei „Supermodel“ ???“ Ich versichere ihm, dass Opa nicht wie eine Bordsteinschwalbe angemalt wird. Jedenfalls mit anderen Worten. „Aber sieh mal, die Haut von deinem Opa sieht jetzt, wo er tot ist, nicht mehr so gut aus. Ganz grau, und auch dunkel verfärbt. Das ist nicht so schön, wenn man sich an ihn erinnern möchte. Also wird die Haut etwas geschminkt, damit sie natürlich aussieht. Und dann wird er gekämmt und bekommt ein schickes Hemd an. Dann wird der Körper in einen Sarg gelegt, vielleicht möchten ihn deine Verwandten noch mal anschauen, und dann wird er auf dem Friedhof beerdigt. Ist ja bloß der Körper. Die Seele ist jetzt bei der von deiner Oma und deinem Onkel. Beim lieben Gott.“

Opa ist jetzt durch, die Frage nach dem Kompost kam nicht. „War Gott auch mal auf der Erde, bevor er in den Himmel ging?“ Jetzt wird es wohl theologisch …  „Nö. Der hat doch das alles hier gemacht. Und auch Adam und Eva, was ja die ersten Menschen hier auf der Erde waren. Die kennst du doch?“ So stellt er noch einige Fragen, um zu verstehen, wie denn jetzt die Sache mit den in der früheren (biblischen) Erdgeschichte Verstorbenen so sei, und an und für sich habe ich den Eindruck, ihm den Tod zunächst so ausreichend erklärt zu haben, dass er seine trauernde Mutter, die tausend Sachen um die Ohren hatte (und sich Vorwürfe machte, dass sie im entscheidenden Moment nicht bei Opa war) erst einmal in Ruhe lassen würde, bis sie sich gefangen hatte. Einige Momente später kommt die Streife, die uns in der Wohnung auslöst, und wir rücken wieder ab.

„Rettung“ hört meiner Meinung nach nicht beim Anschließen eines EKG-Kabels auf. Man darf nie den Menschen vergessen.

 

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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24 Antworten zu „Opa ist tot.“

  1. nessi6688 schreibt:

    Du hast das großartig gemacht. Meinen Respekt!
    Ich war diese Woche zum Erste Hilfe-Kurs, gegeben von einem Rettungsdienstler. Auch er hatte solch eine Geschichte zu erzählen. Das berührt und macht dem Fachfremden die menschliche Dimension deutlich – es ist eben mehr als nur ein Job. Danke, dass ihr ihn macht.

    • firefox05c schreibt:

      Ich hoffe sehr, dass ich das „großartig gemacht“ habe. Nicht, dass er jetzt ständig Angst hat, dass alle plötzlich sterben.

      • nessi6688 schreibt:

        Das denke ich schon, dass das geklappt hat.
        Und wenn Ruhe einkehrt, kann und muss seine Mutter ja auch mit ihm sprechen.

      • Micha I schreibt:

        Es war sehr wichtig für den Enkel, das du dich ihm angenommen hast in dem ganzen (für ihn) Tohubawohu. Du hast es echt gut erklärt. Kann auch nicht jeder.
        Ich meine, der bekommt alles mit und er versteht überhaupt nicht, warum plötzlich alles durcheinander ist (also für ihn)

      • firefox05c schreibt:

        Ich glaube, dass ein Kind etwas nicht versteht, ist an sich noch nicht schlimm. Das passiert ihm ständig. Aber wenn es als einzigen Fakt nur aufnimmt, dass die Sache, die es nicht versteht, ganz schlimm sein muß, weil Mutti total fertig ist, wird es vielleicht für das ganze Leben prägen. Man kennt das von der in unseren Breiten unbegründeten Spinnenphobie.

  2. Mr. Gaunt schreibt:

    Denke auch, dass Du die Situation sehr gut gemeistert hast. Und selbst wenn er beim nächsten Schnupfen von Mama Angst hat, dann wird er auch lernen, dass das vorbei geht.
    Es ist zwar schwer, ohne die genaue Krankengeschichte ein Urteil zu fällen, aber der Rat des Hausarztes war vielleicht nicht ganz optimal. Für den panischen Jungen schon, aber man trifft ja nicht immer auf einen sensiblen firefox05c im Rettungsdienst. Offenbar hat Opa sein Ende auf die gewünschte Weise ereilt, und das ohne grosse Schmerzen. Eigentlich sehr schön bei der Erkrankung. Da hätte es der Aufregung mit Rettungsdienst und Polizei nicht gebraucht.

    • firefox05c schreibt:

      Es ist für den Hausarzt je nach Aussage der Tochter sehr schwer, am Telefon zu „bestimmen“, dass der Mann wirklich gestorben ist bzw. unabwendbar stirbt. Immerhin hatte die Tochter auch uns gegenüber immer betont, wie gut es ihm nach der Entlassung wieder ging und dass er „gerade eben“ noch geatmet hätte. Bei näherem Nachforschen war dieses „gerade eben“ bei unserem Eintreffen schon etwa 20 Minuten her. Der Hausarzt hatte am Telefon nicht wirklich eine sichere Wahl. Eine Patientenverfügung gab es übrigens nicht.Ich denke, da ist es verständlich, dass er sofort einen Arzt vor Ort haben möchte, um sich abzusichern.

  3. dadreloaded schreibt:

    Wie Du diesen Einsatz gemeistert hast finde ich gut. Ein wenig unpassend finde ich aber teilweise die Ausdrucksweise wenn es um das Kind geht. Ich persönlich finde „Rotznase“ nicht soooo toll als Bezeichnung für ein Kind, welches sich nun grade mal so gar nicht daneben benimmt und in einer psychischen Ausnahmesituation steckt. Aber ich bin mir sicher, dass Du sauber zwischen Deinem Stil hier im Blog und deiner Arbeit trenne kannst.

    • firefox05c schreibt:

      Ich finde, der Begriff „Rotznase“ beschreibt in erster Linie ein pädiatrisches Phänomen: Wen die Nase läuft, vergessen viele Kinder, sie zu putzen –> Kerzen unter der Nase –> Rotznase. Etwas anders (und in meinen Augen eher negativ behaftet) sind „Rotzlöffel“ oder nur „Rotzigen“ (Wobei ich wiederum den zweiten Begriff hier im Pott auch schon oft wertfrei gehört habe). Aber Kommunikation ist auch immer ein Sender- Empfänger- Problem. 😉

      • dadreloaded schreibt:

        Das ging natürlich nicht aus Deinem Post hervor, dass der Junge eine laufende Nase hatte. Aber Du schreibst „Rotznase scheint es zu verstehen.“ Er hat also keine Rotznase sondern Du hälst ihn für eine. Oder hast Du Dich nur mit seiner Nase unterhalten? Ich finde es immer noch unangemessen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich ein paar Kinder habe und es gar nicht mag wenn man Kinder so nennt. Egal ob ihre Nase läuft oder nicht. 😉

  4. Eike schreibt:

    Klasse! Sehr viel Empathie und Respekt! Ich – selbst Vater – grinse über die frechen Bemerkungen des Kindes und sehe darin durchaus eine augenzwinkernde Sympathie. Die Kernaussage allerdings, das Rettung weit mehr ist als der Einsatz technischer Hilfsmittel, ist bedeutend. Sei es die Frau, mit der ihre selbstgemalten Bilder aus der Brandwohnung geholt werden, oder der Unfallgegner, bei dem der RTW schützend zwischen ihm und einem Unfallopfer stehen bleibt. Rettung hat immer eine psychische Komponente. (Anm.: editiert)

  5. Thomas Kuhn schreibt:

    Hut ab! Genau das ist Rettung eben AUCH: Da sein, auch da wo Intubationsbesteck, Infusion, Schere, Spreizer oder Strahlrohr gerade nicht im Einsatz sind. Ich glaube, unter den gegebenen Umständen hast Du dem Knaben die Situation so erträglich (und verständlich) wie möglich gemacht.

  6. A.F. schreibt:

    Leute wie dich braucht es irgendwie mehr beim Rettungsdienst. Ich kenne da aus der Verwandtschaft ganz andere Stories von nicht so einfühlsamen bis genervt auftretenden Sannis und RAs. Mach bitte weiter so, auch wenn ich weiß das ihr dafür (leider) nicht immer die Zeit habt.

    • firefox05c schreibt:

      Es kommt immer auch auf den Einsatz an: Werde ich nachts um drei gerufen, weil jemand vorgestern gestürzt ist und jetzt bei einer Kanne Bier feststellt, dass er mit der schmerzenden Schulter nicht schlafen kann, verliere ich auch schon mal die Haltung. Aber wenn es nötig ist, sollte sich natürlich auch bei meinen Kollegen das Gespräch nicht nur auf das Medizinische beschränken.

      • A.F. schreibt:

        Bei solchen Sachen seh ich ja auch ein, dass der Sanni leicht genervt bis richtig wütend ist. Mir ging es aber auch eher um Todessachen. Als mein Stiefonkel vor nicht allzu langer Zeit starb, traf meine Tante auf einen nicht so netten Notarzt, bei dem fragte man sich ob es sich nicht um den Tierarzt handelt. Zumindest was das verhalten betrifft. So wenig Einfühlungsvermögen hätte meine Cousine da nie erwartet, auch wenn die in Berlin/Brandenburg eher direkter sind.

  7. Michi schreibt:

    Hast du klasse gemacht 🙂

  8. Armin schreibt:

    Das erinnert mich an meinen Bruder, der nach dem Tod eines in der Nähe wohnenden Rentners die Erklärung bekam, dass man, wenn man alt wird einmal stirbt.
    Kurz darauf in der Dorfmetzgerei: „Mama! Ist das ein alter Mann?“
    Mama (peinlich berührt): „Ja , das ist ein alter Mann.“
    Junge: „Na dann muss der ja wohl bald sterben, oder?“

    • firefox05c schreibt:

      Ich hoffe, dass meine Relativierungen dazu ausgereicht haben, dass der Kleine es differenzieren kann, ob jemand „alt“ oder „final“ ist.

  9. Tanja schreibt:

    Danke für diesen bewegenden Artikel. Etwas ähnliches habe ich auch erlebt – und deshalb bin ich seit Anfang des Jahres beim Roten Kreuz und mache die Ausbildung zur ehrenamtlichen Kriseninterventionshelferin.
    Ich hoffe, dass ich so einem Fall später mal genau so souverän reagieren kann.

    • firefox05c schreibt:

      Ob ich „gut“ war, kann vielleicht die Mutter im Nachhinein sagen. Da ich keine besondere Schulung habe und keinen Kontakt mehr zum Jungen, kann ich nur hoffen, dass es so in Ordnung war. Ich habe während meiner Ausbildung lediglich den üblichen kurzen Anriss in Sachen Krisenintervention bekommen. Und das ist nicht sehr viel.

  10. Talianna schreibt:

    Da ich – zwischen ihrem Geburtstag und ihrem Todestag – mal wieder viel an meine 2006 verstorbene Mutter denke, hat mich Deine Erzählung hier sehr berührt. Nach meinem Dafürhalten hast Du das großartig gemacht – die richtigen Antworten geliefert und nichts oder zumindest nicht viel vorgegeben, was der Kleine vielleicht für sich selbst noch als anders „herausfinden“ oder eher sich entscheiden muss.

    Zwischen all meinen damit überforderten Verwandten hätte ich beim Tod meines Opas und später beim Tod meiner Mutter vielleicht jemanden gebraucht, der mir ein bisschen Halt gibt. Wäre auch für meine Eltern, meinen Vater leichter gewesen.

    Und, ganz offen: Lieber ein Feuerwehrmann, der sich bemüht, im Familienkontext nichts falsches zu sagen, als ein Geistlicher. Aber DAS liegt nun definitiv an mir.

    • firefox05c schreibt:

      Danke für das Lob und die Bestätigung.
      Zumindest die hiesigen kirchlichen Seelsorger kommen allerdings nicht unbedingt mit der Bibel daher, sondern sondieren erst, welche Art von Beistand gewünscht bzw. erwartet wird. Wenn jemand „kirchenfern“ ist, können sie sich auch auf rein irdischen Zuspruch beschränken.

      • Talianna schreibt:

        Ich hab noch nicht ganz so viel Erfahrung mit Seelsorgern. Bei den für mich sehr traumatischen Toden – Opa mütterlicherseits, ich war 14, Mama, ich war 26 und Oma mütterlicherseits, da war ich 30 – war ich dann eher auf mich bzw. den Rückhalt der Familie gestellt. Aber es ist tröstlich, wenn die Seelsorger einem auch nicht zu viel Glauben aufdrängen und sich auf den Trost konzentrieren. Dennoch, irgendwie – Feuerwehrmann und Trost geht für mich gut zusammen. Vielleicht auch, weil ich mir meinen Schwager (Berufsfeuerwehr Karlsruhe) in der Rolle auch sehr gut vorstellen kann, die Du eingenommen hast in diesem Falle.

  11. A.F schreibt:

    Ist zwar schon ein älterer Beitrag aber das muss ich los werden: Danke das es Leute wie dich im Rettungsdienst gibt.

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