Feuerwehr? Super- Geil.

Dass die Feuerwehr Nachwuchssorgen hat, sollte sich mittlerweile ausreichend herumgesprochen haben. Gerade im ländlichen Bereich wird der Brandschutz und die Hilfeleistung ausschließlich von Freiwilligen geleistet, die aber durch mangelnde Tagesverfügbarkeit und dem Anspruchsdenken der Gesellschaft („Wieso soll gerade ich helfen, da ist doch die Stadt für zuständig!“) immer häufiger entweder unterbesetzt und spät, manchmal sogar gar nicht ausrücken können.

Während sich früher ausreichend Bürger für ihren Beitrag in der Gemeinschaft verantwortlich fühlten, schaut heute jeder, vor allem die Zielgruppe der jungen Erwachsenen, wie man möglichst luxuriös durch unsere Wohlstandsgesellschaft kommt. Nehmen, nicht geben.

Von Plakatwänden schauen daher bundesweit ernst dreinblickende Frauen und Männer auf uns herab, untertitelt mit Slogans wie „Allein ist er erfolglos.“ oder „Wir suchen Dich!“. Ein Appell an den Gemeinschaftssinn, an die Verantwortung für Mitmenschen. Allerdings halten sich die Erfolge scheinbar in Grenzen: Vor den Feuerwehrhäusern müssen nicht gerade Dixi- Klos für die Schlangen der Aufnahmewilligen aufgestellt werden. Warum sollte ich auch der Feuerwehr beitreten, wenn auf den Plakaten damit geworben wird, dass ich mir damit bloß Arbeit aufhalse?

Mitglieder des Löschzuges Vohwinkel der Feuerwehr Wuppertal gingen daher einen anderen Weg: Wenn sich keiner dafür interessiert, einfach nur anderen einen Dienst zu erweisen, ohne die Aussicht, dabei Vorteile zu erlangen, warum wirbt man dann nicht mit unserem Joker, der auch für viele in der Jugendfeuerwehr das ausschlaggebende Moment war: Die außergewöhnliche Technik? Wenn die Menschen den Hintern nicht hoch bekommen, um etwas für andere zu tun, warum ihnen dann nicht schmackhaft machen, dass man schließlich auch selbst etwas vom Dienst in der Feuerwehr hat? Mit coolenWerkzeugen umgehen, das Gefühl, im Einsatzfall wichtig zu sein, und Kollegen, mit denen man super klar kommt? Herausgekommen ist ein meiner Meinung nach klasse Video, welches von 20- bis 30- Jährigen garantiert besser aufgenommen wird, als ein Plakat, auf dem man sieht, wie jemand seine Freizeit für die Notfälle anderer „vertrödelt“, statt etwas zu machen, was cool ist und Spaß machen kann.

Und für die, die sich aufregen, dass damit nur Chaoten angesprochen würden: Seid ihr denn aufgrund der Werbeplakate irgendwelcher komerzieller Promo- Klitschen, die teuer vom Bund bezahlt wurden, der Feuerwehr beigetreten? Oder war es nicht doch die Aussicht, mal mit Blaulicht durch die Gegend zu fahren und mit einem dicken Schlauch zu spritzen?

 

 

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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19 Antworten zu Feuerwehr? Super- Geil.

  1. André schreibt:

    Auch ein sehr, sehr geiles Video.
    Beim Refrain hätte ich folgendes besser gefunden: „Es ist supergeil, supergeil, richtig supergeil, supergeil, ich find’s supergeil, supergeil, denn DU bist mit dabei, mit dabei!“

    Das hätte sich auch besser in den Rhythmus eingefügt.

    JM2C

  2. gnaddrig schreibt:

    Das Video hat was, ist viel besser als das Original von Edeka 🙂

    Was die Freiwilligen Feuerwehren angeht, da wundere ich mich eher, dass die überhaupt noch soviele Freiwillige finden. Wenn ich mir anschaue, was da an Zeit draufgeht, wie oft die Leute dann aus Unternehmungen mit der Familie, sozusagen unterm Weihnachtsbaum weg, oder aus dem Bett alarmiert werden und u.U. kaum irgendwas Privates zuverlässig planen können und für das ganze keinen müden Euro sehen, ist es beachtlich, dass so viele Leute sich da so reinhängen. Eine Lösung habe ich auch keine, die Umstellung auf bezahlte Dienste ist wahrscheinlich nicht finanzierbar, v.a. in kleinen ländlichen Gemeinden.

    • firefox05c schreibt:

      Die Feuerwehren betreiben im Grunde ja auch kaum gute Lobbyarbeit. Sie stellen sich oft nur als Dienstleister dar, die ganz selbstverständlich da sind. Wie ein Fernseh- Notdienst oder ein Hausmeister- Service. Und so wird die Feuerwehr dann auch wahrgenommen: Wie eine bezahlte Firma mit Angestellten im Schichtdienst.
      Das Feuerwehr auch Spaß machen kann, außerhalb der Einsätze auch in etwa die gleichen Strukturen wie ein gewöhnlicher Verein bietet und im Einsatz natürlich das eigene Ego streichelt, wenn man etwas sinnvolles und wichtiges tun kann, ist vor lauter „Ernsthaftigkeit des Themas“ oft verpöhnt. Bei der Feuerwehr darf es nach Meinung vieler (sich selbst sehr wichtig nehmender, natürlich völlig ohne Spaß teilnehmenden) Feuerwehrleuten nur um die selbstlose Opferbereitschaft für Umme gehen. Das ist auch deutlich aus den negativen Kommentaren zu lesen.
      Aber wenn „Feuerwehr“ wirklich nur aus Arbeit, Entbehrungen, nur für andere geopferter Freizeit und Lebensgefahr bestehen soll, bin ich seit 30 Jahren scheinbar bei irgendeinem anderen Verein …

      • gnaddrig schreibt:

        Dann ist das Video aus Vohwinkel wohl ein guter Ansatz, den Spaßfaktor ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Und das mit dem Vereinsleben ist natürlich auch ein Ding, das zieht, gerade auf dem Land. Besser als bei Feuer wieder Eimerketten organisieren zu müssen ist das allemal…

  3. Judi schreibt:

    Ich wohne auf dem Dorf ganz im Süden Deutschlands. Hier gibts gar keine Berufswehren. Aber zum Glück viele, viel Menschen die den Job freiwillig machen. Und das gerne tun. Kinder- und Jugendfeuerwehr ist hier ne große Sache, die machen viele tolle Unternehmungen mit den Kids, mit und ohne Feuerwehrbezug und „kriegen“ so schon die kleinen Steppkes.
    Dadurch, daß hier mindestens jede dritte Familie zumindest noch ein paar Kühe hält und das Heu deckenlastig überm Stall neben dem Wohnhaus lagert kennt leider auch jedes Kind nen Hof, wo es schonmal gebrannt hat und lernt früh, wie wichtig die Feuerwehr ist, vermutlich auch ne Motivation. Und es gibt kaum eine Familie wo nicht wenigstens ein Erwachsener bei der Feuerwehr ist, auch das motiviert natürlich.

    Solche Filme brauchts hier also noch nicht. Gut finde ich ihn aber trotzdem 😉

    • firefox05c schreibt:

      Hier in NRW wandelt sich das Leben auf den Dörfern: Die Bauern werden immer weniger. Statt dessen werden Wohngebiete mit Einfamilienhäusern hochgezogen, in denen junge Familien wohnen, die aus den Städten geflüchtet sind. Und diese haben eben oft keinen Bezug zur Dorfgemeinschaft. Wenn dann (wie schon ein paar mal gesehen) noch mit roten Bierbuden das Immage der „Bierseeligen Feierwehr“ gefördert wird, hat eben keiner mehr ein Interesse am Ehrenamt.

  4. Armin schreibt:

    Die Feuerwehrarbeit ist bei uns schon seit Jahren entschädigt, was bisher einfach ein Nice to Have war, wenn man Anfang des Jahres einen kleinen bis mittleren Betrag auf das Konto erhielt.
    Jetzt neu hat unser Kanton (mitten in der Schweiz) die Stundenansätze erhöht, was ich persönlich unnötig finde, denn alle unsere Feuerwehrler ziehen ihre Motivation aus der Arbeit und nicht dem Geld.
    Der Nachteil: mit den höheren Ansätzen melden sich jetzt Versicherungen mit Botschaften wie: „Warum rücken 15 Mann zu diesem Einsatz aus? Das braucht doch höchstens 8!“
    Was diese Versicherungen häufig nicht verstehen, ist, dass wir alle Berufstätig sind, teilweise auch nicht in der eigenen Ortschaft und so bei einer Alarmierung von 20 Personen einmal 10 und einmal 19 kommen…

    Aber krass finde ich den Kontrast zu der Feuerwehr eines relativ frisch zugezogenen deutschen Kameraden, der in Deutschland Mitgliederbeitrag zahlte und immer noch zahlt und es ganz normal ist, dass Feuerwehrler selber persönliche Schutzausrüstung kaufen, weil sie schlechtes oder gar kein Material erhalten haben.
    Das darf doch nicht sein!
    Der Schutz der Allgemeinheit und ihrer Güter beinhaltet zuallererst den Schutz der Einsatzkräfte.

    • firefox05c schreibt:

      Zum deutschen Kollegen: Ich schrieb hier im Blog mal einen Artikel dazu, wie das Ehrenamt und die Mitgliedermotivation durch die Gemeinden, die zur Gestellung der Schutzkleidung gesetzlich verpflichtet sind, ausgenutzt wird. Eine Unverschämtheit.

  5. Armin schreibt:

    Ganz schön finde ich das Kommentar-Infomail:
    „gnaddrig kommentierte unter Feuerwehr? Super- Geil.“

  6. BRC_MEDIC schreibt:

    PR-Arbeit ist selbst bei anderen HiOrg’s (meiner z.B.) was gaaaaaaaanz seltsames. Da wird unter dem Motto „Menschen in der Krise helfen“ immer froehlich Bilder aus dem anderen Ende der Welt gezeigt (wo natuerlich Freiwillige nicht hingeschickt werden, auch wenn man will) oder was sozialen Diensten zu tun hat (wo es mehr als genug hier[TM] gibt). Dann wundert man sich allen Ernstes warum die EH-Helfer immer weniger werden.

    Was fehlt ist so ein frisches Video wie das was Du gezeigt hast. Leider zieht das dann – wie ich aus einer anderen HiOrg gelernt habe – nur Blaulichtfetischisten an, die dann gleich wieder die Lust verlieren weil es nur eine Handvoll Blaulichtfahrer gibt (die Ausbildung kostet um die €1500,– pro Nase).

    Zum Thema Freiwilige Feurwehr (ja gibbet auch hier[TM]): Grundvorraussetzung ist, das man innerhalb von 15/20 min an der Wache sein kann – auch Tagsueber. Damit sind schon alle wieder gekniffen die Pendeln muessen – allerdings machen die auch keine Werbung, weil es genug Bewerber gibt (gilt auch fuer die Polizei und deren „Specials“).

    • firefox05c schreibt:

      Unter einer Anzahl von Bewerbern oder neuen Mitgliedern sind häufig auch immer wieder Schichtarbeiter, von denen der eine oder andere auch unter der Woche tagsüber frei ist. Hierzu muss man allerdings erst mal einige Leute anlocken.

  7. Tim schreibt:

    Im Feuerwehrmagazin wurde vor kurzem noch der Pressesprecher der Berliner Feuerwehr in Leserbriefen kritisiert, weil er genau darauf hingewiesen hat, dass es nichts bringt als Feuerwehr nur rumzujammern. Man sollte schließlich viel mehr mit den eigenen positiven Aspekten um Mitglieder werben.
    In diesem Zusammenhang finde ich gerade das Video der Wuppertaler Kameraden sehr gut, da es zeigt, dass das ehrenamtliche Engagement bei der Feuerwehr Spaß macht!
    @firefox05c: Ich bin u.a. auch wegen der „super geilen“ großen roten Autos vor nun 14 Jahren in die Feuerwehr eintreten und nicht wegen irgendeiner Werbekampagne.

  8. Thomas Kuhn schreibt:

    Klar fasziniert AUCH die Technik, wer etwas Anderes behauptet, dem glaube ich nicht. Aber was eben auch unbeschreiblich motivierend und befriedigend ist, ist das Glücksgefühl, im ERNSTfall (ziemlich oft) helfen zu können, wo eigentlich schon alles in der Grütze ist. Jeder, bei dem Du mit Deiner Truppe besser warst, als der Typ mit der Sense, alle, denen Du zumindest noch das Leben (und oft auch noch einen Teil der Habe) hast retten können – die Leute geben mir das Gefühl, dass sich Aufwand, Einsatz und Anstrengung lohnen. Finanzieller Ausgleich ist nett, macht Freude – kann aber in Sachen Motivation allen anderen Gründen in keiner Weise das Wasser reichen. Die Frage ist bloß, wie vermittelt man dieses Gefühl so anderen, um sie für die gute Sache zu motivieren. Wann immer ich im Freundes- oder Kollegenkreis davon erzähle, bekomme ich Anerkennung, oder Bewunderung, oder Wer-weiß-was – nur keine Beitrittserklärungen. :-/

  9. A.F. schreibt:

    Na ja schimpfe mal nicht so auf die Jugend. Es sind nicht alle so, wie du sie in deinem Beitrag beschreibst. Bei uns haben auch mittlerweile viele in der mittleren Altersklasse aufgehört bei den freiwilligen Diensten von DRK und Feuerwehr zu arbeiten. Das hat verschiedene Gründe, aber die häufigsten beiden die genannt werden/wurden sind:
    1. Unser Arbeitgeber gibt nicht zu das wir einfach so vom Job weg kommen, auch wenn er (der Arbeitgeber) das nicht so offen sagt. Das dürfte der Arbeitgeber glaube ich auch nicht so offen, vor allem wenn es schon Kündigungen wegen so etwas gab, oder keine Einstellungen.
    2. Ich muss jetzt Zweck des Jobs pendeln und hab deswegen keine Zeit mehr.
    Bei den Jüngeren gibt es nicht nur, die ich will nur nehmen Mentalität, auch da sind die Gründe vielfältig, aber auch bei denen steht an erster Stelle der Job.
    Ich komme aus einer Region, wo die meisten weg ziehen müssen, weil es keine oder nur sehr wenige Jobs gibt. Wo sollen den die Neuen her kommen, wenn die Regionen die Jungen auch nicht halten können?
    In Großstädten, wo es die Jobs gibt, gibt es ja meistens auch eine Berufsfeuerwehr für so was.

    • bloggergramm schreibt:

      Zu Punkt 1.
      Geht zum Glück auch anders. Habe ich damals in meinen Ausbildungsbetrieb erlebt.
      Wir hatten eine Zeitlang mal einen Meister, der auch Maschinist bei der FFW war. Der hat direkt im Bewerbungsgespräch gesagt bekommen, das es u.a. zu seinen Aufgaben in der Firma gehört, alles stehen und liegen zu lassen, wenn sein Melder geht. 🙂

      • A.F. schreibt:

        Ja, solche Arbeitgeber gibt es auch hier, nur leider werden sie weniger.
        Bei uns ist die Kleinstadt mittlerweile dazu übergegangen, dass sie Bewerber bei Stellen der Stadt fragen, ob sie in der FFW mit machen würden. das kann aber meiner Meinung nach auch keine wirkliche Lösung sein.

  10. D.B. schreibt:

    Ich habe die Erfahrung gemacht das auch viele Jüngere Kameraden wieder ausgetreten sind weil sich die älteren Kollegen profilieren müssen z.B. ein Freund von mir konnte mal nicht zum Aufbauen der Zelte für ein Fest, weil er arbeiten musste und wurde zur von einem Kameraden ( der nicht arbeitet) zur Sau gemacht was ihm einfällt da keine Zeit zu haben.

    • firefox05c schreibt:

      Das ist schade. Da hilft es aber meistens, die Leute mit einer klaren Ansage wieder herunter zu holen. Ansatzpunkte gibt es schließlich genug bei solchen Vorwürfen.

  11. Talianna schreibt:

    Als mein Schwager (Berufsfeuerwehr in der nächsten größeren Stadt) mich fragte, ob ich nicht aufgrund meines Jobs Strahlenschutzberaterin für die lokale freiwillige Feuerwehr machen will, hab ich erstmal angeführt, dass ich bedingt durch eben den Job unter der Woche 9-12 Stunden weitab meines Heimatortes bin. Aber als dass nix ausmachte, hab ich klar „Ja“ gesagt.

    Gerade auf „Wohndörfern“ ist die Menge von Leuten, die den Großteil ihrer Zeit näher als 15-20min Weg an der Wache der freiwilligen Feuerwehr sind, echt klein – und viele Leute wollen’s eben „richtig oder gar nicht“ machen.

    Eine weitere Schiene – wie eben den Umgang mit interessanter, nicht jedem zugänglicher Technik schmackhaft zu machen wie in dem Video, find ich stark. Mit Technik umzugehen, die man sonst nicht in die Finger kriegt, war auch ein Grund, warum ich mich für meinen aktuellen Job entschieden habe – und auch wenn mich die Technik oft zum Fluchen bringt, wegen der Technik hab ich es noch nie bereut, selbst wenn ich einiges nicht selbst machen kann.

    In so fern: Genau der richtige Ansatz, finde ich!

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