Es war einmal… ein seltsames Pärchen

In unserer Nachbarschaft gab es ein seltsames Pärchen: Eine Katze und ein Hund, die gemeinsam Gassi gingen!

Die Katze, eine Freigängerin, gehörte früher einem alten Mann, der sie fütterte und ihr Obdach bot – bis er pflegebedürftig in ein Heim musste. Seine Frau kümmerte sich danach nicht weiter um die Katze, die fortan durch die Siedlung streunte.

Eine Nachbarin nahm sich der nun verwildernden Katze an: Sie stellte ihr Futter vor die Tür, öffnete im Winter ihren Geräteschuppen, damit die Katze sich vor dem strengen Frost verkriechen konnte, und die Katze ließ sich im Gegenzug von ihr streicheln – was sie sich sonst von kaum jemandem gefallen ließ. Nur mit in die Wohnung im zweiten Stock wollte die Katze nicht, dafür hatte sie sich schon zu weit von den Menschen entfernt.

Diese Nachbarin wiederum hatte nicht nur die Katze zu versorgen: Ein West-Highland-Terrier gehörte auch zur Familie. Und da er nichts gegen Katzen hatte (Rassismus ist scheiße…), freundeten sich die Katze und der Hund an: Zunächst begegneten die beiden sich ab und zu, wenn der Hund Gassi geführt wurde, dann kreuzten sich die Wege seltsamerweise immer häufiger – bis die halbwilde Katze irgendwann abends zur üblichen Zeit vor der Haustür saß und auf ihren Freund wartete, um ihn mit einem Nasenstubser zu begrüßen. Dann zog das Trio gemeinsam los.

So zogen die beiden um den Block...

So zogen die beiden um den Block…

So sah ich die drei oft um den Block spazieren: Die ältere Frau mit dem weißen Hund an der Leine, der hier und dort schnüffelte, und sich regelmäßig umsah, ob die Katze auch noch dabei war. Diese streunte immer mal kurz vor ihm, mal kurz hinter ihm, jetzt auf dem Weg stolzierend, bald unter einem Busch sitzend. Aber immer in der Nähe.

Kreuzten Frauchen und Hund an einer Bushaltestelle die Straße, war das der Punkt, an dem scheinbar das Revier der Katze zu Ende war: Dort blieb sie dann sitzen oder wartete in der Nähe, bis Frau und Hund auf dem Rückweg wieder vorbei kamen. Das Trio schlenderte wieder zum Haus, an dem sich die Katze von den beiden anderen verabschiedete, bevor die Nachbarin mit ihrem Wessi darin verschwand.

Doch dann sah ich plötzlich den Hund ohne Katzenanhang beim abendlichen Spaziergang. Nach einigen Tagen bekam ich mit, warum: Ein anderer Nachbar fragte nach ihr, als die Frau mit ihrem Hund wieder alleine an unserem Balkon vorbei spazierte. Die Antwort machte traurig: „Tja… die Mohrle… die kommt nicht mehr. Leider wurde sie dort hinten an der Bushaltestelle überfahren.“

DIGITAL CAMERAUnsere Siedlung ist um eine ganz besondere Attraktion ärmer geworden. Und der Hund um eine Freundin.

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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8 Antworten zu Es war einmal… ein seltsames Pärchen

  1. Talianna schreibt:

    Armes Tier – passiert leider viel zu oft. Ich bin nur so froh, dass mir, die ich ja durchaus viel Auto fahre, noch nie passiert ist, dass ich ein Tier an- oder überfahren habe. Das würde mir wohl so sehr, oder zumindest fast so sehr nachgehen, wie wenn ich einen Menschen anfahren würde.

    Und auch wenn ich keine Katze habe, auch aus Allergie-Gründen, ich finde Katzen total toll, gerade eben auch, wenn sich dann solche ungewohnten Freundschaften bilden!

  2. Schneewittchen schreibt:

    Eine wunderschöne Geschichte über eine besondere Tierfreundschaft! Leider ein trauriges Ende, was mich seelisch schmerzt, da ich meine eigene geliebte Katze auf eben gleiche Weise verlor… Dennoch vielen lieben Dank fürs Posten!
    lg Alex ^^

  3. So etwas ähnliches gibt es in unserer Nachbarschaft auch.
    Schade, dass es die Katze nun nicht mehr gibt..
    By the way: Ich mag deinen Blog sehr!

  4. blumenelfe schreibt:

    Eine wunderschöne Freundschaft und so traurig 😦

  5. Ruhrköpfe schreibt:

    eine schöne Geschichte, wenn auch mit einem traurigen Ende

  6. martinacarmenluise schreibt:

    *schnüff* auch bei den Tieren laufen Beziehungen nicht immer mit Happy-End…

  7. Andreas O. schreibt:

    Sowas geht mir echt an die Nieren, und Ich schäme mich etwas dafür, dass mir das bei Menschen nicht oft passiert.

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