Fotos eines „warmen“ Tages

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Alter, dieser Bauch! (O.o)

Nachdem wir im letzten Jahr sehr spontan und darum etwas spät am Tatort ankamen (der halbe Zug war schon durch, als wir einen Platz hatten, von dem aus wir auch etwas sehen konnten), wollten wir in diesem Jahr mal pünktlich bei der Demo sein: Die Parade zum CSD in Köln stand an! Meine Liebste und ich versammelten uns also am Tag X morgens schon in der Burg eines Freundes, um mit ihm und seinem Mann vor der Parade erst einmal zwei Stunden lang ausgiebig zu frühstücken. Und die Zeit brauchten wir auch: Besagter Freund hat immer viel, viel zu erzählen …

Flügel waren "In"

Flügel waren „In“

DSCN0833Pünktlich (also eine viertel Stunde nach Beginn der Demo…) starteten wir dann auch von seiner Wohnung aus in Richtung Straßenbahn, ein paar Minuten später fanden wir uns in der Innenstadt wieder und suchten uns einen Platz an der Route des Demozuges, an dem wir trotz Gedränges Aussicht auf Aussicht hatten. Was sofort auffiel: Flügel und Ledergurte, manchmal auch beides, schienen in diesem Jahr zur Sommermode zu gehören. Ich hatte weder das eine noch das andere. Man muss ja nicht jeden Modehype mitmachen…

Die "Homo-Ehe": Vor einigen Jahren noch der Aufreger der CDU, kratzt es heute niemanden mehr

Die „Homo-Ehe“: Vor einigen Jahren noch der Aufreger der CDU, kratzt es heute niemanden mehr

DSCN0597Der Demo- Zug kam. Laut. Bunt. Schrill. Mit viel Spaß, aber auch vielen ernsten Parolen. Denn dass es sich bei dieser Parade nicht nur um einen „Liebes- Karneval“ handelt, sondern um eine Demo mit wichtigen Botschaften, konnten die Zuschauer oft genug sehen. Wurden im vergangenen Jahr noch die Gleichstellung im deutschen Gesetz thematisiert (z.B. das Adoptionsrecht), wandten sich in diesem Zug die Aufrufe unter anderem gegen die Schwulenpolitik Putins, die Verfolgung Homosexueller in Afrika und für die Durchsetzung des Themas „sexuelle Vielfalt“ im Schulunterricht. Ihr erinnert euch?

Kinder denken sich nichts Böses, wenn zwei Männer zusammen leben. Das tun nur Erwachsene

Kinder denken sich nichts Böses, wenn zwei Männer zusammen leben. Das tun nur Erwachsene

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Auf dem Shirt: Leiser Verdacht…

Dieses Vorhaben, mit dem den pubertierenden Kindern Toleranz nahegelegt werden soll, wird von Leuten torpediert, die der Meinung sind, Homosexualität sei nicht nur etwas, was man anerzogen bekommen kann, sondern auch eine therapierbare (Erb-? )Krankheit (so wie Haarausfall, mit dem sich im fortschreitenden Alter viele Männer anstecken. Achtet mal drauf! Die Glatzen werden früher oder später fast alle Männer befallen, wenn man dagegen nichts findet! Ich habe mich leider auch schon infiziert…)

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Feuerwehr- Fetisch vom RubberClub

"Hüa!" ;-)

„Hüa!“

Außerdem präsentierten sich, wie in jedem Jahr, verschiedene Gruppen der sozialen und gesundheitlichen Hilfe sowie LGBT- Vereine. Was „sexuelle Vielfalt“ auch bedeuten kann, wurde dem Randvolk von Rubber- und Petplay- Clubs gezeigt: Einiges von dem kann ich zwar tolerieren, aber nicht verstehen…

 

"Ich glaub, mich tritt ein Pferd..." ;)

„Ich glaub, mich tritt ein Pferd…“ 😉

Wie im letzten Jahr hatte ich auch dieses mal wieder den Eindruck: Dass man jemandem seine sexuelle Orientierung nicht ansehen könne, gilt offensichtlich nur für Heteros. Homos hingegen scheinen schon auf zwanzig Metern erkennen zu können, dass ich nicht in ihre Interessengruppe gehöre: Beim Verteilen von Infomaterial und lustigen Aufklebern schossen die Herren und Damen zielstrebig an mir vorbei, hin zur „Kundengruppe“ um mich herum. Selbst mein begleitender Freund, der teilweise meine Frau anstatt seines Mannes im Arm hatte und daher in meinen Augen nicht auf Anhieb als Männerliebhaber erkannt werden konnte, bekam diese Kleberchen ungefragt angepappt, die mir verwehrt blieben!

Gesucht und gefunden: Der Puppenspieler und sein Püppchen

Ja, sehe ich denn dermaßen „hetero“ aus? Oder bin ich so hässlich??? Hallo!? Lediglich „die Grünen“ und die Jungs von den „Herzenslust Heroes“ der AIDS- Hilfe hatten wohl aus Personalmangel ausreichend Heten verpflichtet, so dass ich zumindest ein paar der Spruch- Sticker bekam. Obwohl: Einer ihrer Leitsprüche war auch „AIDS ist nicht schwul!“ …

Ach ja: Und die Mädels irgendeines bunten Wagens wemsten mir noch einige Lollies an die Birne. Da ich vom betreffenden Club aber keinen Flyer oder sonstiges bekommen habe (von wegen „Zielgruppe“, siehe oben…), weiß ich leider nicht mehr, an wen ich bei dem Lutschvergnügen denken soll.

Alles in allem war es aber eine entspannte Atmosphäre, ohne dieses „zwangs- Föhlichsein“ mit Druckbetankung, wie man es von Karnevalsumzügen kennt, die ähnlich bunt sind. Hier wurde es niemandem übel genommen, wenn er sich mit ernster Miene zu den politischen Parolen seine Gedanken gemacht und diskutiert hat.

Hier noch ein paar Eindrücke des Nachmittages:

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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13 Antworten zu Fotos eines „warmen“ Tages

  1. AH1978 schreibt:

    Wow! Danke für diese klasse Story! Ich hätte Dich nicht als so tolerant eingeschätzt. Aber gut zu wissen, dass es so ist. 🙂

    • firefox05c schreibt:

      Das erschreckt mich jetzt etwas. Komme ich hier irgendwie homophob rüber? Schreibe mal bitte: Was meinst du mit „nicht so tolerant“? Was hat dich das glauben gemacht? Ich möchte ja auch wissen, wie ich so wirke… 🙂 (Wenn du magst, werde ich die Antwort auch nicht veröffentlichen)

      • AH1978 schreibt:

        Nein, ich meinte damit nicht, das Du homophob rüber kommst. Nur das du dir privat den CSD anschaust, hätte ich einfach nicht erwartet. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur einem Vorurteil erlegen: Feuerwehr=Männerdomäne=wenig Verständnis für Homosexualität (wie beim Fussball). 😉

      • firefox05c schreibt:

        Du wirst lachen (und es zwischen den Zeilen anderer Artikel vielleicht schon gelesen haben): Der Freund, mit dem ich dort war, ist ebenfalls Feuerwehrmann.
        Was das „Verständnis“ angeht: Als Hete kann ich zwar tolerieren, dass ein Mann lieber mit Männern intim ist – im praktischen Sinne „verstehen“ kann ich es aber nicht, da ich an Intimitäten mit Männern nicht viel erotisch finde. Da „verstehe“ ich eher Lesben … 😉

  2. Florian Dehne schreibt:

    Schöner Bericht und schöne Bilder. Und ich muß sagen, ich bin in keinster Weise über die Einstellung verwundert, die Du in diesem Beitrag rüberbringst. Wenn mich vorher einer danach gefragt hätte, hätte ich vielleicht nichts dazu sagen können. Aber mich verwundert es nicht…

  3. nadar schreibt:

    Zu sexueller Vielfalt im Unterricht kannst du hier ein paar Gedanken von der anderen Seite lesen – von einer Lehrerin: http://frauhenner.blogspot.de/2014/07/dekonstruktivistische-sexualkunde-denn.html

    • firefox05c schreibt:

      Der von dir verlinkte Artikel zeigt ein Problem auf, wie es oft entsteht, wenn etwas an der Gesellschaft geändert werden soll: Die Ausführung des Planes wird sehr von Extremisten beeinflusst, die gute Absicht schlägt Phasenweise ins Absurde um. In der französischen Revolution wurden gegen Ende die Revolutionsführer als Verräter geköpft, im DDR- Fernsehen wurde die Erwähnung einzelner Wörter von höchster politischer Stelle verboten, Feministinnen wollten den männlichen Artikel aus der Sprache verbannen und alles zumindest als „geschlechtslos“ definieren. Wir müssen leider damit rechnen und dagegen arbeiten, damit durch solche extremistischen Einflüsse nicht der gute Ansatz unmöglich gemacht wird.
      Denn abseits dieser im von der Lehrerin beschriebenen „Lehrstoff- Empfehlung“ von den in einem Kommentar erwähnten selbsterklärten „Experten“ halte ich die Idee für gut. Es hapert allerdings wieder mal – wie auf vielen Themengebieten, die schier endlos und in um „Corectness“ gestelzte Diskussionen zerredet werden – an den Details, in denen dann oft über das Ziel hinaus geschossen wird. Das ist unserem politischem System geschuldet, in dem eine breite Masse von Verantwortlichen – die aber oft keine Ahnung hat und sich deshalb irgendwelche „Fachleute“ aus den Fingern saugen muss – mitbestimmen darf.
      Die Geschichte hat allerdings gezeigt, dass am Ende oft etwas brauchbares übrig bleibt, was die Gesellschaft nachhaltig verändert.
      So lange allerdings die Einen am liebsten gleich die Heterobeziehung als gesellschaftliche Erkrankung darstellen wollen und die Anderen den Zusammenbruch der Gesellschaft beschwören, sobald man am Bestehenden kratzen möchte, wird noch ein weiter Weg gegangen werden müssen, bis man sich in der Mitte bei etwas Sinnvollem trifft. Dass die ganze Idee in der Praxis noch unausgegoren und mit riesigen Grauzonen behaftet ist, räumt auch die Lehrerin ein. Es muss noch vieles im Konzept erarbeitet werden. In zwei bis zwanzig Jahren steht aber ein Lehrstoff, mit dem alle leben können, und wir schütteln fassungslos den Kopf, wenn wir an die Verirrungen der Anfänge denken.
      Davon ab glaube ich nicht, dass auch nur ein Kind durch dieses Konzept dermaßen verwirrt wird, dass es erst nach Jahren der „glücklichen“ Beziehung mit einem gleichgeschlechtlichen Partner merkt, dass es eigentlich schon immer heterosexuell war – so, wie es heute teilweise in umgekehrter Form läuft (Familienväter kommen plötzlich darauf, dass in all den Jahren der Selbstverleugnung ein Mann an ihrer Seite gefehlt hat. So ein Familiendrama ist vermeidbar!).
      Das „Anbieten“ von Gedanken zur Selbstkritik darf aber nicht – wie im Artikel befürchtet und vielleicht auch im Sinne des erwähnten Lehrstoffes beabsichtigt – zum „Aufdrängen“ werden! In den Köpfen Pubertierender gibt es schon Chaos genug.
      Ein weiteres Kommentar unter diesem Artikel verweist auf eine meines Erachtens logische Lösung mit gutem Menschenverstand: In den Schulbüchern kommen einfach auch mal Homopaare vor, die das bisherige Hetero- Familiendogma auflockern, im Ethikunterricht wird über gleichgeschlechtliche Liebe gesprochen und ähnliches.
      Von Unterrichtseinheiten zu „besonderen“ Sexualpraktiken und dem Einflechten von Sexgeschäfts- Modellen sowie dem Orion- Katalog halte ich allerdings auch nichts. Das hat in meinen Augen nichts mit dem Lehren von Toleranz zu tun: Diese Dinge gab es nämlich auch schon vor der „Homodiskussion“ für Hetero- Paare.
      Wer wirklich „ganz besondere“ Wünsche hat, wird da auch von alleine drauf kommen. Im Lehrplan sollte es vielmehr darum gehen, dass es auch durchaus normal ist, wenn es mehr gibt, als die Heteroehe mit samstagabendlicher Missionarsstellung bei ausgeschaltetem Licht. Was es da genau gibt, können die Heranwachsenden dann gerne auch wie bisher selbst herausfinden – nur eben mit mehr Mut, auch mal „anders“ zu sein, und weniger Furcht, deswegen gleich von den Mitmenschen als „pervers“ dargestellt zu werden. Dazu brauchen sie aber keine Fickanleitung vom Kultusministerium.

  4. FloSB schreibt:

    Danke für Deinen Beitrag und die tollen Fotos. Hab Dich knapp verpasst, stand wohl keine 100m von Dir weg. Achja, ich hab auch keine „Baperl“ bekommen 😉

  5. Talianna schreibt:

    Hui – tolle Bilder und feiner Bericht – den hatte ich noch nicht gelesen, ich bin zu Anfang weiter „hinten“ gesprungen. Aber nun habe ich es – zugegeben durch einen Anlass – nachgeholt:

    Ich wurde für den „Liebster“ Award nominiert, und da ich bei Dir gerne lese (in letzter Zeit dank Stress und Krankheit seltener, aber nichts desto trotz) habe ich Dich in meiner Antwort auf die Nominierung ebenfalls nominiert. Wenn Dir das zu blöd ist – kein Thema.

    Näheres hier: http://thehighwaytales.wordpress.com/2014/08/02/liebster-award-uhje-und-nun/

  6. Da hast du ja weitaus mehr vom diesjährigen CSD mitbekommen als ich. Ich hab den halben Tag verschlafen und bin erst so um 17:00h da eingetrudelt 😀

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