Update zu: Randale in der Notaufnahme

Wie ihr hier nachlesen konntet, hatten wir ein paar Probleme mit einem etwas verdrehten Menschen.

Letztens bekam ich dann – kaum vier Monate später – die Vorladung zu einer Zeugenaussage in einer Gerichtsverhandlung. „Aha“, dachte ich, „dann hat der Schutzmann also tatsächlich eine Anzeige gestellt…“ Was mich aber etwas wunderte: Als Anklagegrund wurde „Körperverletzung“ angegeben. Ging es bei uns nicht eigentlich um Beleidigung?? Nun ja, bei der Veranstaltung im Saale würde sich dann wohl einiges klären.

Am besagten Verhandlungstag saß ich also mit meinem Kollegen und dem Polizisten vor dem angegebenen Tagungsraum im Amtsgericht. Und nicht nur wir, sondern auch der Beschimpfer und  zwei weitere junge Männer. Ich stieß meinen Kollegen an: „Bestimmt seine Kumpels. Die wollen den Typen noch mal sehen, bevor er einfährt…“

Nachdem der Angeklagte im Saale zur Vorbesprechung verschwunden war, kam man dann ins Gespräch. „Ich dachte, du wolltest dem nur anne Karre wegen Beleidigung?“, sprach ich den Streifenmenschen an. „Was steht denn da in dem Einladungswisch von KV?“ Er deutete zu den beiden jungen Männern rüber: „Ich habe ja auch nur wegen Beleidigung geschrieben. KV sind die beiden da drüben. Denen hat er ja schon vorher im 177er Bus eine geschmiert.“ Die beiden genannten grinsten: „Richtig. Der hat im Bus rumgepöbelt und randaliert. Und als ich falsch geguckt habe, hat der mich ins Gesicht geschlagen. – Und wer seid ihr?“

Wir klärten sie auf. Jetzt war der Abend scheinbar komplett, wir tauschten Erinnerungen aus.

Anders der Angeklagte: Er konnte sich (für mich wenig verwunderlich) an nichts mehr erinnern, zeigte sich vor der Richterin aber wohl sehr reumütig. Darum endete das Verfahren auch ein wenig unspektakulär: Der Angeklagte jammerte herum, der Herr vom Jugendamt (die Sache wurde, weil der Schläger noch knapp 21 war, nach Jugendrecht verhandelt) sah wohl eine gute Prognose, und man einigte sich ohne Zeugenanhörung nach etwa einer dreiviertel Stunde auf Einstellung des Verfahrens gegen Antritt einer wie auch immer gearteten Therapie (das wurde uns nicht erklärt, aus dem Redn der Richterin schließe ich darauf, dass er etwas gegen seinen Drogenkonsum tun soll). Für mich war es egal, dass er sich bei uns im Gerichtssaal entschuldigte. Mir war ja nichts passiert. Der Polizist war sichtlich enttäuscht, und was die beiden Geschlagenen davon hielten, war zu erahnen. Alles ein wenig unbefriedigend für die Tat von einem in dieser Hinsicht nicht ganz Unbekannten.

(PS: Bevor jemand meint, ich dürfe darüber nicht öffentlich schreiben: Es war eine öffentliche, jetzt abgeschlossene Verhandlung.)

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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3 Antworten zu Update zu: Randale in der Notaufnahme

  1. opatios schreibt:

    …und damit ist dem Cliffhanger glatt ein Teil der Spannung genommen, denn jetzt wissen wir ja wie’s ausgeht.

    Andererseits sind das doch die interessantesten Krimis: Der Leser / Zuschauer weiss genau, wer der Täter war und wo die Bombe liegt, aber der Protagonist weiss es nicht… 😉

  2. cobeen schreibt:

    Da kann man nur den Kopf schütteln über useren ach so tollen Rechtsstaat.. Erst werden harmlose Passanten verprügelt, Polizisten und Rettungskräfte aufs üble Beleidigt und was kommt dabei rum? Nüscht.. Sehr Traurig…

    Das man bei der Polizei, Feuerwehr und co ein dickes Fell haben sollte ist klar, ist da aber nicht irgendwann die Schmerzgrenze erreicht?

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