Tiere suchen im Zuhause …

… oder: „Come in and find out. Oder auch nicht.“

Ich bearbeitete morgens im Schreibzimmer der Wache die Checkliste unseres Löschfahrzeuges, an dessen Beladung ein paar Sachen geändert wurden. Denn zum Schichtbeginn wird täglich die Beladung auf Vollständigkeit und Funktion geprüft. Dabei wird diese Checkliste abgehakt, damit man nichts übersieht.

Vertieft in den Spalten zwischen „Aufzugswerkzeug“ und „Airbagsicherung“ wurde ich aber aufgeschreckt: Das Alarmlicht flammte auf, der Gong ertönte, gefolgt von der Durchsage der Leitstelle: „Einsatz fürs LF! Kölner Straße 44, dort Rauch aus Fenster im 2. OG.“

Abwärts...

Abwärts…

Wir besetzten schnell unseren roten Bomber und machten uns auf den Weg in den Nachbarbezirk, in dem die Rauchentwicklung gemeldet war. Es war klares Winterwetter, daher mutmaßte ich: „Da ist bestimmt bloß einer heiß duschen gewesen und hat jetzt die Luke im Keramik- Salon aufgerissen.“ Die Erfahrung zeigte, dass es sich bei vielen Einsätzen nur um Kleinigkeiten wie diese handelte.

Auf der Anfahrt meldete sich die parallel alarmierte Dienstkutsche der betroffenen Stadtteilwache: „Starke Rauchentwicklung auf der Anfahrt sichtbar. Bitte Einsatzstichwort erhöhen.“ Verstärkung wurde angefordert! – Also doch kein Duschdunst …

Wir hatten noch ein Stück weit zu fahren, rüsteten uns mit Atemschutzgeräten aus, und als wir an der Brandstelle eintrafen, war die Straße bereits mit dem ersten Löschzug verstopft. Im zweiten Obergeschoss eines alten Wohnhauses kam dichter, braun-schwarzer Qualm aus mehreren Fenstern, die Außenfassade war um das Fenster, hinter dem es wohl brannte, bereits herabgebröckelt, der Fensterrahmen weggeschmolzen. Die Bewohner konnten sich alle selbst retten, standen teilweise in Trainingsanzügen oder Schlafanzügen auf der Straße, und der erste Trupp war schon mit einem Schlauch im Hauseingang verschwunden. In hektischem, aber gezielten Treiben wurde die Wasserversorgung gelegt, die Drehleiter aufgebaut und weiter erkundet. Über Funk kam unser Einsatzbefehl, nachdem sich unser Chef bei der Einsatzleitung angemeldet hatte: „Euer Angriffstrupp geht ins Dachgeschoss vor, dort sollen sich noch Tiere befinden!“ Wir rüsteten uns weiter mit Handlampen, Funkgeräten, Fluchthauben und der Wärmebildkamera aus und gingen zum Haus. Ich blickte an der Fassade hoch. An dem Haus der vorletzten Jahrhundertwende drang nun vermehrt weißer Wasserdampf aus den Fenstern: Die Kollegen hatten den Brand also gefunden und waren dabei, ihn zu löschen. Am Eingang instruierte uns der Einsatzleiter: „In der Dachwohnung werden noch ein Hund und eine Katze vermisst. Ihr geht zur Tierrettung vor. Der Mieter gab mir seinen Wohnungsschlüssel, ihr braucht also nicht mit dem „Generalschlüssel Größe 45“ dort eingdringen.“ Ich nahm den Schlüssel in Empfang und wir betraten das Treppenhaus.

An der Brandwohnung vorbei, in die ein Schlauch führte und aus der heraus die Kollegen bei der Arbeit zu hören waren, ging es weiter ins Dachgeschoss, wo der Rauch immer dichter wurde.

Angriffstrupp bei der Arbeit

Angriffstrupp bei der Arbeit

Oben auf dem Treppenpodest vor der Wohnung war kaum noch etwas zu erkennen. Die Sichtweite betrug hier nur noch etwa 40-50cm. Ich suchte die Wohnungstür, und als ich sie gefunden hatte, verdrehte ich die Augen: Sie stand offen! Es war also zu erwarten, dass bereits die ganze Wohnung völlig verqualmt war, was die Überlebenschance für die Tiere natürlich dramatisch herabsetzte. Ein Fehler des flüchtenden Mieters, der seinen Lieblingen das Leben gekostet haben könnte. „Geh du mal vor“, sagte ich zum Kollegen, „du hast die Wärmebildkamera. Ohne die sieht man hier nichts.“ Der Spannmann schob sich auf dem engen Plateau an mir vorbei und betrat tief gebückt die Wohnung. Ich schaltete meine Helmlampe ein und krabbelte auf allen Vieren hinter ihm her. Was für ein Hund würde uns hier erwarten? Eine 50kg- Töle, die in Panik nach uns schnappt, weil wir in sein Revier eindringen? Und werden wir die Katze überhaupt finden, falls sie sich in die letzte Ecke verkrochen hat, um dort Schutz zu suchen?

Gleich an der ersten Tür links hing an der Türklinke eine Flexi- Leine. Allerdings so ein filigranes Teil, dass es auch als Barbie- Zubehör durchgegangen wäre, was mich etwas beruhigte: Wenn Herrchen nicht auch seine Katze an der Leine spazieren führen sollte, konnte der dazugehörige Hund nicht mehr als ein wenig Doggenfutter sein. Eine winzige Trethupe, die womöglich genauso schlecht zu finden wäre, wie eine Katze… Ich schaute hinter die Tür und fand ein Gäste- WC, welches noch nicht verraucht war. Also: Fenster auf, ein kurzer Blick durchs Sitzungszimmer: Kein Fell drin. Beim Verlassen schloss ich die Tür hinter mir und schmierte in den rußigen Niederschlag auf dem Türblatt ein Kreuz, damit alle weiteren Kollegen sehen konnten, dass dieser Raum schon kontrolliert wurde.

Personen vor einer Wärmebildkamera

Personen vor einer Wärmebildkamera

Im nächsten Moment merkte ich, dass der vorausgegangene Kollege scheinbar schon in einem der nächsten Räume verschwunden war und dort nach den Tieren suchte. „Dirk? Wo bist du?“, rief ich ins Grau des Rauches. „Hier im rechten Raum!“, kam die Antwort gut hörbar von vorne. In Anbetracht der Tatsache, dass es in der Wohnung nicht brennen sollte und wir am schnellsten für klare Sicht für die Suche sorgen könnten, wenn wir möglichst schnell alle Fenster öffnen würden, entschied ich mich, mich mit dem Rufkontakt zum Kollegen zufrieden zu geben. So kroch ich weiter im Uhrzeigersinn durch das nächste Zimmer. Später sollte mich das Leben noch an die Grundregel erinnern, dass man sich in der Wohnungen nicht trennt …

Zunächst führte der Wohnungsflur vor mir, den ich entlang robbte, nach links. Ich stieß gegen die Zweige einer Dezemberpalme und schob mich zwischen ihr und der Wand hindurch, um hinter ihr den Boden zu untersuchen. Immerhin könnte sich eines der Haustiere hier verkrochen haben. Nach meiner erfolglosen Runde um die Christstaude kniete ich vor einer Essgruppe, die ich wiederum umrundete: Keine Mietze, kein Kläffer. Die Sicht war immer noch nicht besser: Die Hand am ausgestreckten Arm konnte ich schon nicht mehr erkennen! In dieser Suppe würde man ohne Atemschutz nicht lange überleben, dachte ich mir. Und es würde womöglich noch ewig dauern, bis wir die kleinen Tiere fanden!

„Dirk?!“, rief ich, „schon was gefunden?“ – „Nein, nix“, kam es aus einem anderen Raum zurück. „Wer weiß, wo die sich verkrochen haben!“

Ich suchte weiter. Ein Bett tauchte aus dem dichten Schleier vor mir auf. Im Raum mit der Essecke. Manche Leute richten sich etwas komisch ein. Unter dem Bett: Nur Socken, Pantoffeln, eine CD… kein Tier. Hinter dem Bett erkannte ich den hellen Schein eines Fensters, welches ich öffnete, bevor ich weiter suchte.

Die nächste Tür, die ich durchquerte, stand ebenfalls offen. Auch hier: Kaum bis gar keine Sicht. Rechts ein Schrank, am Boden einige Wäschestücke. Dann hörte ich ein Geräusch aus dem Dunkel: War es ein Miauen? Oder Winseln? – Nein, jetzt hörte es sich wie ein helles Knurren an… Oder ein Stöhnen? Es klang merkwürdig, ich konnte es nicht genau einordnen. Ich rief in den Raum, während ich weiter kroch: „Hallo? Kleiner, wo bist du? Komm her!“ (Wobei letzteres Kommando mehr ein Verzweiflungsruf war, denn in dieser Bude lief mir bestimmt kein Hund entgegen, der freudig sein Endstück in die Rund schleuderte!) Ich schob einen Stuhl beiseite, der mich auf dem Weg entlang des Schrankes behinderte. Etwa zwei Meter weiter gekrochen, erfasste der Lichtkegel meiner Helmlampe vor mir – den kleinen Hund! Der Tinkabell- Verschnitt in Kinderkackebraun lag vor dem Fernsehschrank auf der Seite, winselte und röchelte nur noch leise vor sich hin. Seine Schnauze war bereits vom Rauch geschwärzt. Ich nahm ihn schnell hoch, drückte ihn fest an meine Jacke und lief möglichst gebückt den Weg zurück: „Dirk! Ich habe den Hund! Sag mal über Funk Bescheid!“ Während ich durch die Wohnungstür ins Treppenhaus lief, hörte ich schon den Kollegen hinter mir: „Einsatzleitung von Angriffstrupp Wache 4: Wir haben einen Hund gefunden und kommen jetzt runter!“

Zwei Treppen weiter unten, unterhalb der Rauchgrenze, stand unser Heimleiter am Geländer. Ich drückte ihm den schlaff auf meinem Arm liegenden Tinkerbell in die Hand: „Bringst du den raus? Der lebt noch. Wir gehen wieder rein und suchen die Katze!“ Verdattert nahm er den Wadenbeißer entgegen. Ohne eine Antwort abzuwarten, drehten wir uns um und liefen wieder hinauf zur Wohnung. Die Sicht war immer noch nicht viel besser, also krabbelten wir wieder auf allen Vieren in die Bude: Der Kollege mit der Kamera in die rechten Räume, ich in die linken der weitläufigen Wohnung.

Der nächste Raum war ebenfalls etwas unordentlich: Ich schubste beim Durchsuchen mit der Atemschutzflasche einen Wäscheständer um, kam wieder an einem unordentlichen Bett vorbei, in und unter dem ich nichts rettbares fand, umrundete einen Ledersessel – und hatte unter dem Tisch plötzlich eine scheinbar leblose Katze vor mir liegen. Weiß- braun gefleckt lag sie still auf der Seite. Gefunden! Ich nahm sie hoch: Sie war nicht tot, sondern fing glücklicherweise schwach an, zu zappeln und sich zu wehren. Während meine großen Handschuhe sie fest an meinen Körper drückten, damit sie sich nicht befreien konnte, verfingen sich die Krallen in meiner Jacke und ich spürte, wie sie versuchte, in meine Hand zu beißen. Aber sie war schon sehr kraftlos. Jedoch durfte sie mir nicht entwischen: Wenn sie frei käme, wer weiß, ob ich sie noch einmal finden würde!

„Dirk!, rief ich, während ich versuchte, mit dem sich erschöpft windendem Bündel den Rückweg zu finden. „Dirk! Ich habe die Katze!“ Doch dieses mal war er wohl schon ein paar Räume weiter, so dass ich ihn zunächst nicht hörte. Mit beiden Händen drückte ich die Katze, dass ich nicht mehr wusste, ob ich sie nicht bei der Atmung behindern würde, und tastete mich tief gebückt mit dem Ellenbogen durch eine Tür, von der ich dachte, dass sie in den Flur führte. Führte sie nicht: Ich erkannte nach zwei Schritten schemenhaft vor mir ein Waschbecken. Ich war im Bad! Mist. Ich drehte wieder um, fand aber die Tür nicht mehr. Lediglich geschlossene Schranktüren und eine Holzvertäfelung konnte ich etwa 30cm vor meiner Nase erkennen. Ich suchte weiter: Brüllschüssel, eine Dachschräge, Badewanne, wieder Schränke, ich stieß gegen einen Wäschekorb. Ich fand den Ausgang nicht!

So kam ich nicht weiter. Man glaubt nicht, dass man sich in einem handelsüblichen Sitzungszimmer verlaufen kann, bis man entweder irgendwann mal nichts sieht oder nach einer Party mindestens 2,5 ATÜ auf dem Kessel hat. Aber es ist möglich. „Dirk!“, rief ich, die Katze fest im Griff. Sie musste hier raus, es war alles noch dicht verqualmt. Sie hatte schon aufgehört, sich zu wehren, lag jetzt schlaff auf meinem Arm. „Dirk!“ – Keine Antwort. Der Kapitalfehler, sich zu trennen, rächte sich. Ich hatte die Orientierung verloren. Mit dem Kollegen und der Wärmebildkamera voraus wären wir in ein paar Sekunden hier raus, die Katze würde frische Luft bekommen. Jetzt aber brauchte ich beide Hände, um die Katze fest zu halten, weil ich befürchtete, sie würde mir in einem unaufmerksamen Moment doch noch entwischen, und konnte nur „auf Sicht“ den Weg suchen. Und „auf Sicht“ war in diesem Fall nicht einmal eine Armlänge weit.

Wir lernen in der Ausbildung auch: Wenn man Stress bekommt und die Lage nicht mehr überblickt, soll man einen Moment inne halten, einen klaren Kopf bekommen und sich sammeln. Das tat ich: Zwei, drei Sekunden stand ich einfach nur still. „Ich muss die Sache systematischer angehen“, dachte ich bei mir. Hatte mich bis jetzt mein Orientierungssinn verarscht und mich im Weißen Salon durch den dichten Qualm planlos hin- und her laufen lassen (Männer wissen schließlich IMMER, wo der direkte Weg ist), änderte ich nun die Taktik: „Ich gehe jetzt an den Wänden entlang und untersuche sie so lange, bis ich die Tür finde“, dachte ich mir. Luft hatte ich genug in der Flasche, um in aller Ruhe zu suchen. Nur für die Katze wurde es immer enger …

Die erste Wand, auf die ich traf, war die Dachschräge. Hier konnte die Tür nicht sein. Ich fand jedoch ein Fenster, welches ich öffnete, damit vielleicht die Sicht etwas aufklarte. An der nächsten Wand stand die Wanne, eine Heizung war dort, dann stieß sie schon an die dritte. An dieser zogen auf meiner Suche Holzvertäfelungen und zwei Schranktüren an meiner Nase vorbei. Erst in der letzten Wand befand sich dann die Tür: Sie war hinter mir zugefallen, und in der Erwartung einer offenen Tür hatte ich sie – auch, weil ich im Stehen die Klinke schon nicht mehr sehen konnte – bei der Suche für eine Schranktür gehalten!

Ich trat hinaus, lief durch das seltsame Wohn- und Schlafzimmer in den Flur. „Dirk! Wo bist du?“ Er antwortete: „Hier, ich komme! Habe noch nichts gefunden.“ Er musste irgendwo etwa zwei bis drei Meter vor mir sein. „Komm raus, ich habe die Katze“, sagte ich. „Gib mal Rückmeldung, ich komme nicht an mein Funkgerät.“ Ich hörte, wie er mir folgte und die Einsatzleitung informierte: „Wir haben die Katze, kommen jetzt runter. Schickt uns mal jemanden, der uns das Tier abnimmt.“
Wir liefen das Treppenhaus hinunter, das bereits rauchfrei war, an der Brandwohnung, in der immer noch gearbeitet wurde, vorbei. Unten vor der Tür fand ich aber niemanden, der uns das Fellbündel abnehmen konnte, also rief ich durch die Maske zum dort bereit stehenden Sicherungstrupp rüber: „Wo ist der Hund hingekommen?“ Sie deuteten die Straße hinunter: „Der ist da hinten, im letzten Rettungswagen.“ Hinter Löschfahrzeugen, einer Drehleiter, dem Einsatzleitwagen und der Polizei standen auch drei RTW aufgereiht auf der Fahrbahn. Und im letzten sollte das Flohtaxi versorgt werden. Also musste ich mit aufgesetzter Maske und geschultertem Atemschutzgerät, dampfend vom Schweiß, die ganze Einsatzstelle passieren, wobei ich werbewirksam von der Presse gefilmt wurde. Tiere und Kinder gehen immer …

Am RTW übergab ich den Kollegen die weiß- braun gefleckte Katze. „Habt ihr den Hund? Lebt der noch?“ „Ja“, antwortete der Rettungsassistent. „Dem geht’s relativ gut. Hat ein wenig Sauerstoff bekommen.“ Da den Menschen nichts passiert war und für den Fall der Fälle noch zwei weitere RTW anwesend waren, konnten sich die Kollegen ein wenig um die Tiere kümmern. Das ist eigentlich nicht richtig, aber soll man die Viecher deswegen einfach liegen lassen und sich langweilen?

Ich ging wieder zurück zum Punkt, an dem die Atemschutz- Überwachung stattfand, wo Dirk bereits wartete. „Und?“, fragte er. „Lebt noch“, antwortete ich lakonisch, als ich mir die Maske abnahm. Ein ekliger Geruch stieg mir nun in die Nase: Eines der beiden geretteten Viecher hat wohl im Stress seine Analdrüse an meinem Jackenärmel entleert. Furchtbar! Ein Fall für unsere Reinigung. Aber zunächst war der Einsatz noch nicht beendet: Wir sollten uns nun bereit halten, falls bei den mittlerweile begonnenen Nachlöscharbeiten noch ein Trupp zur Unterstützung gebraucht würde.

Etwas später ging einer der Bewohner mit einem Transportkarton durch die Einsatzstelle. Ich sprach ihn an: „Ist das die Katze, die wir aus der Dachwohnung geholt haben?“ Er nickte. „Der geht’s schon wieder besser.“ – „Und der Hund?“ Der Mann deutete auf eine Frau, die etwas abseits stand: „Dem geht’s auch wieder gut. Meine Tochter hat ihn genommen.“ Ich ging zu ihr hinüber. Auf dem Arm hatte sie ein Bündel aus einer weißen Jacke, aus der ein zitterndes, kleines Fellschnäuzchen hervor lugte. „Ist das der Hund aus dem Dachgeschoss?“ – „Ja“, sagte sie. „Danke, dass Sie ihn gefunden haben. Ihm geht’s schon wieder besser.“ Neben ihr stand ihr Mann: „Wir haben auf die Schnelle nur zwei der Katzen greifen können, bevor wir runter sind“, erklärte er. Ich hakte nach: „Dann haben Sie auch die Wohnungstür aufgelassen?“ – „Ja“, meinte er, „Ich dachte, dann können die Tiere sich vielleicht selbst retten.“ Leider musste ich ihm erklären, dass das in diesem Fall nicht die ideale Lösung war. Glaubte er etwa, die Kleinen würden ihre vertraute Umgebung verlassen, um dem Rauch entgegen zu laufen? „Leider ist dadurch, dass Sie die Tür nicht hinter sich schlossen, die ganze Wohnung dicht verraucht gewesen. Das hätte die Tiere fast das Leben gekostet“, klärte ich sie auf.

„In der Wohnung müsste aber noch eine Katze sein“, sagte er plötzlich. „Wir haben vier Katzen, und konnten selbst nur zwei mitnehmen!“ Ich nahm mein Funkgerät und informierte die Einsatzleitung. Allerdings gab es nicht viel zu tun: Wenn das Tier bis jetzt überlebt hatte, wartete es nun in einer mittlerweile rauchfreien Wohnung. Wenn aber nicht…

Trotzdem schickte der Chef noch mal einen Trupp hinauf, der die Zimmer abermals genau untersuchen sollte. Später fanden sie tatsächlich die Katze in einem versteckten Winkel. Sie hatte es nicht überlebt.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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14 Antworten zu Tiere suchen im Zuhause …

  1. Daniel Eschenlohr schreibt:

    auf so einen Artikel habe ich schon länger wieder gewartet … Abend gerettet

  2. machermama schreibt:

    Toller Bericht und Dank an euren Einsatz für die Vierbeiner! Auch wenn es eine nicht geschafft hat.

  3. Julia M. schreibt:

    Arme Katze … Hat die andere denn überlebt? Ich glaube, wenn man in Panik rausrennt, hat man einfach Angst, das Tier in der Wohnung einzuschließen – auf die Idee, dass die Tiere sich eher verkriechen als ihre Angst zu überwinden und loszurennen kommt man glaub ich gar nicht.

    Aber Hut ab, dass ihr die Tiere gesucht habt und Glückwunsch, dass es geklappt hat!!! Gut zu wissen, dass die Feuerwehr auch für Tiere in die Wohnung geht. 🙂

    • firefox05c schreibt:

      Die Feuerwehr rettet immer in der Reihenfolge: Menschen- Tiere- Sachwerte. Nicht, dass es plötzlich nichts mehr zu retten gibt. 😉
      Der kleine Hund und die Katze, die wir gefunden hatten, haben überlebt. Ob sie aber Spätfolgen zu erleiden hatten (Lungenödem, Organschäden) kann ich natürlich nicht sagen.
      Gerade Katzen als Einzelgänger werden sich eher in vertraute, Schutz suggerierende Ecken oder Höhlen zurückziehen, als einem Menschen hinterher zu laufen, der nicht einmal Mäuse fangen kann. Bei Hunden sehe ich die Wahrscheinlichkeit, sich (dann allerdings direkt) an einen Menschen zu hängen, schon eher.

      • Wolfsfire schreibt:

        Kurze Info: Katzen sind keine Einzelgänger (auch wenn das leider noch viele glauben). Sie jagen nur allein. Haben aber ein ausgeprägtes Sozialverhalten und sollen nicht alleine gehalten werden, da sonst Verhaltensstörrungen entstehen können (Depressionen (die ach so ganz ruhigen, nur schlafenden Katzen) oder aggressives Verhalten und sogar Unsauberkeit). Natürlich passen nicht alle Tiere einfach so zusammen. Als Regeln gelten gleiches Geschlecht, gleiches Alter, ähnlicher Charakter. 🙂
        Sie gehen durchaus eine enge Bindung zu ihren Besitzern ein. Im Panikfall hilft aber auch die wenig. Dem Rauch entgegen oder gar hindurch wird kaum eine Katze oder ein Hund laufen. Es ergibt für sie einfach keinen Sinn. Und seien wir ehrlich, wer nimmt schon selbst gerne den verrauchten Weg. Auch wenn die Vernunft sagt, dass da der einzige Ausweg liegt. Instinkte sind so ne Sache. Da hilft glaube ich keine noch so enge soziale Bindung. Ist vielleicht eher ne Charaktersache. Nicht jeder kann einen kühlen Kopf bewahren. Das gilt wohl für Mensch und Tier.

      • firefox05c schreibt:

        Ich habe mich leider scheinbar etwas zu allgemein ausgedrückt. Ich meinte natürlich nicht, dass Katzen keine anderen Lebewesen leiden können, sondern, dass Katzen im Gegensatz zu Hunden nicht regelmäßig Hilfe vom Menschen erwarten bzw. sie einfordern. Für einen Brandfall heißt das zum Beispiel: Das Tier kann seinem Fluchtinstinkt nicht nachkommen, weil die Wohnungstür zu ist. Während Hunde etwa anfangen, zu bellen und vom Menschen Hilfe erwarten (man liest dieses dann und wann in der Zeitung unter der Behauptung, ein Hund hätte heldenhaft sein Herrchen vor dem Feuer gerettet. Die eigentlichen Motive sind m.E. unklar, solange nicht feststeht, dass der Hund auch ohne Herrchen hätte verduften können), ziehen sich Katzen an einen vermeintlich sicheren Ort zurück oder suchen bis zuletzt alleine nach einem Fluchtweg.
        Dass Katzen untereinander sozial agieren und dann und wann sogar Menschen klaglos in ihren Wohnungen dulden, wollte ich nicht bestreiten. 😉

  4. Michi schreibt:

    Schöner Text – vielen Dank dafür!

    Im Bad hab ich glatt Angst um dich bekommen… Hab schon befürchtet, dass gleich ein „Mayday“ über den Funk geht. Aber ist ja nochmal gut gegangen.

    Die Überschrift hat übrigens auch was 🙂

  5. Eine traurige Steffi schreibt:

    Oh man. Ich kann mich den „Abend gerettet“ Kommentaren nicht anschließen.
    Musste beim Lesen schon Pausen machen… :‘-(

    Erst einmal: Ich finde es toll, dass ihr noch mal rein seid, und die Tiere gerettet habt. Hut ab!
    Aber auch eine tote Katze ist (aus Besitzersicht) eine zu viel. (Der Grund warum ich nicht finde, dass der Abend gerettet ist. Aber wie soll man etwas retten, wenn man noch nicht einmal weiß, dass es da ist. Also bitte nicht aus Vorwurf verstehen!)
    Ich habe zwei Katzen und würde alles an Besitz für die beiden hergeben. Dem Feuerwehrmann der sie im Brandfall retten würde, wäre ich ewig dankbar!

    Ich habe dazu auch gleich noch zwei Fragen, über die ich mir schon lange Gedanken mache: Bringt so eine Wärmebildkamera denn etwas, auch wenn die Katze unterm Sofa sitzt? Oder: Wenn ich einen Zettel an die Tür kleben würde (diese netten „Retten Sie bitte meine Tiere“-Aufkleber) und dort aufschreibe, wo sich die Katze am wahrscheinlichsten befindet, würdest Du/Ihr danach schauen?

    Danke jedenfalls, dafür dass Du und deine Kollegen ihr Leben (oder zumindest deine/eure Gesundheit) aufs Spiel setzt.

    Ich muss jetzt erst mal mein Taschentuch suchen und dann meine Fellkugeln knuddeln.

    • firefox05c schreibt:

      Dass du meinst, dass es nicht schön ist, wenn eine Katze die Sache nicht überlebt hat, empfinde ich nicht als Vorwurf. Wir können trotz teurer Ausrüstung und viel Ausbildung auch nicht alles.
      Eine Wärmebildkamera bildet – wie der Name schon sagt – ein Wärmebild der Umgebung ab. Man kann die Wärmestrahlung auch durch den Rauch und trotz Dunkelheit sehen: Das heißt, man sieht hell, was warm oder heiß ist, und dunkler, was kalt ist. Die verschiedenen Materialien der Umgebung (Holz, Glas, Metall…) strahlen unterschiedlich die Wärme ab und haben verschiedene Oberflächentemperaturen. Daher sieht man die Umgebung ähnlich wie auf einem Schwarzweiß- Negativ. Ein Körper, der auf dem Boden liegt, oder auch die Stelle, auf der der Körper vor kurzem lag, erscheinen durch die Körperwärme etwas heller. Durch Möbel kann man damit natürlich nicht sehen, und in Glasscheiben sieht man sogar sein Spiegelbild. Aber wenn man mit der Kamera unter ein Sofa linst, würde sich eine Katze deutlich abzeichnen.
      Wenn wir den genannten Aufkleber beim Betreten der Wohnung sehen, werden wir natürlich gezielt auch auf Haustiere achten. Aber einen bestimmten Ort in einer verrauchten, fremden Wohnung zu finden (vermuteter Platz) ist reine Glückssache. So müssen wir uns auf die Erfahrung verlassen. Im beschriebenen Fall waren die Tiere wahrscheinlich auch nicht an dem Ort, an dem der Besitzer sie vermutet hätte. Und ehrlich gesagt: so offen, wie die Katze lag, hätte ich nicht mal meine eigene vermutet.

      • Eine traurige Steffi schreibt:

        Vielen Dank für deine Antwort.

        Ich hoffe einfach, dass meine nie in diese Situation geraten – und wenn doch, dass jemand wie du da ist, der sie findet.

        Noch einmal Hut ab vor dieser Leistung!

  6. gnaddrig schreibt:

    Mit dem Kollegen und der Wärmebildkamera voraus wären wir in ein paar Sekunden hier raus
    In einer idealen Welt wären Wärmebildkameras nur noch so groß wie ein Würfel Frischhefe und preislich irgendwo zwischen Einsteigerhandy und Jahresabo der Lokalzeitung angesiedelt. Jeder Feuerwehrmann hätte eine Wärmebildkamera auf dem Helm und ein Display im Visier. Dann müsste niemand mehr als Kameramann den sperrigen Kasten durch den Rauch tragen und jeder Feuerwehrmensch könnte jederzeit den Ausgang finden 😉

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