„Ich glaube, wir haben einen Schwulen im Verein!“

Nach diesem Satz in einem Sportverein machen sich bei einigen immer noch Beklemmung breit. Auch unter Feuerwehrleuten geht dann schon mal ein Zucken durch die Reihen. Und nun?

Wenn ich mich umziehen will? Oder sogar duschen? Was ist mit den üblichen schlüpfrigen Bemerkungen, die man sich so untereinander an den Kopf wirft? Und wenn ich mir mit dem auch noch einen Ruheraum teilen muss? Es ist doch allgemein bekannt, dass Schwule jeden Hintern bespringen, den sie entern können! Womöglich bin ich sein Typ!

DSCN0627Alexander von Beyme hat da eine schöne „Gebrauchsanweisung“ gefunden, aus dem Englischen übersetzt und auf Fußballvereine adaptiert. Kann aber auch genau so für eine Feuer- oder Rettungswache gelten. Man sollte sie mit einem Augenzwinkern lesen, sie trifft die Sache aber ziemlich genau. Nachzulesen

hier.

Übrigens: Ich habe unter meinen Kollegen (mindestens) einen Schwulen. Und was soll ich sagen: Selbst nach dutzenden Nächten im gleichen Ruheraum bin ich nicht schwanger und kann auch noch sitzen! Wer hätte das gedacht …    😉

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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9 Antworten zu „Ich glaube, wir haben einen Schwulen im Verein!“

  1. Elmauge schreibt:

    Soso…

  2. inbereitschaft schreibt:

    Schöner Text, den du verlinkt hast! Ich finde, dass deine Erfahrungen mit Schwulen in der Feuerwehr mal einen eigenen Artikel verdient hätten, das würde mich wirklich interessieren! Zu Ausländern in der FF habe ich schonmal eine ausführliche Diskussion gelesen und ich glaube dass es sich mit Homosexuellen ähnlich verhält. In vielen Dorffeuerwehren ist beides für mich unvorstellbar, sobald aber jemand kommt, man sich besser kennen lernt und Vorurteile abgebaut wurden ist es das normalste Ding der Welt.

    • firefox05c schreibt:

      Ich würde gerne einen Artikel darüber schreiben. Da der Kollege aber der einzige geoutete Kollege in meinem Umfeld ist, würde ich ihn mit irgendwelchen Beschreibungen oder Einschätzungen vielleicht kompromittieren. Ich muss auch ehrlich sagen, dass der Umgang zwischen uns so ungezwungen ist, dass mir gar nicht viel einfallen würde, was ich jetzt speziell zu diesem Thema schreiben könnte: Ich habe – außer meine anfänglichen Gedanken – keine besonderen Erfahrungen gemacht. Eigentlich müsste er selbst vielleicht mal einen Gastartikel hier schreiben. Dann müsste er aber womöglich wiederum andere Kollegen kompromitieren. Auch irgendwie doof… 😉

  3. BRC_MEDIC schreibt:

    Ist schon lustig, mein (guter) Kumpel in D, der selbst Schwul ist mukiert sich ueber die „Tunten“. Was ich fuer Spass verpasst haette wenn ich die gleiche Homophobie an den Tag legen wuerde die ich hier[TM] erfahre.
    Ich bin als Medic auf diversen Prides unterwegs und ich kann absolut nicht verstehen, wie homophob die meisten Leute hier sind. Nach aussen gibt man sich liberal, aber hinter der Kulisse ist man doch herb daneben. Traurig.

  4. Judi schreibt:

    Blöd-unwissende Interessensfrage am Rande – habt ihr einen Ruheraum oder zwei? Oder stellt sich die Frage mangels Kolleginnen nicht?

    Ich habe nämlich gerade ergebnislos überlegt, wie ich es hinkriegen würde, Angst vorm gemeinsamen Ruhen mit männlichen Kollegen zu bekommen – mal vorausgesetzt, daß ihr nicht gewohnheitsmäßig nackt vor Euch hinruht und auch jeder ne eigene Pritsche kriegt. Von daher finde ich die männliche Vorstellung, dass es schlimm sein könnte, wenn ein homosexueller Mann im gleichen Raum mit rumruhen könnte, völlig verquer (Du ja auch 😉 )

    • firefox05c schreibt:

      In unserer Rettungswache haben wir (im Gegensatz zu den meisten anderen Rettungswachen) nur einen Ruheraum. Aus dem Grund werde ich auch nicht in die Situation kommen, mit einer weiblichen Kollegin Dienst in dieser Wache zu machen: Es ist schlicht nicht zulässig.
      Jetzt muss ich etwas ausholen und mich in meinen eigenen Vorurteilen austoben:
      Ich denke mal, dass Frauen im Bezug auf Lesben etwas anders ticken, als Männer in Bezug auf Schwule. Vielleicht kannst du da mehr zu schreiben. In den Köpfen vieler Männer gibt es jedenfalls Klischees, die aus Vorbehalten resultieren, die sich nicht faktisch belegen lassen. Das habe ich aus vielen Bemerkungen herausgehört, die homophobe Männer in meinem Umfeld so von sich gaben; sei es aus wirklichen Bedenken, angemacht zu werden, oder als Beweis für ihre eigene Männlichkeit (Gorillas trommeln sich auf die Brust, Männer poltern: „Mit so was habe ich nichts zu tun!“)
      Diese Vorbehalte sind immer die selben: Wenn einer schwul ist, steht er auf Männer. Und zwar auf alle. Wenn man „Pech“ hat, ist man der nächste. Denn Schwule wechseln ständig die Partner. Und wenn sie einen Männerhintern sehen, bekommen sie ein Rohr, egal, ob Heten- oder Homo- Hintern. Loch ist Loch. Da können sie sich nicht gegen wehren, denn sie sind Triebgesteuert …
      Vielleicht ist das eine Reflexion der eigenen Einstellung: „Es ist doch normal, wenn man geile Weiber aufreißen will, jedem Stöckelschuh hinterher giert? Und ich bin natürlich ein geiler Typ. Was sollte einen Schwulen also davon abhalten, mich anspringen zu wollen …“
      Der gedankliche Sprung, sich vorzustellen, dass man eventuell nicht ins Beuteschema des Schwulen passt (man fühlt sich ja auch als Hetero nicht automatisch von jeder Frau angesprochen), klappt dann aus irgendwelchen Dingen nicht.
      Was mich auch immer wieder wundert, ist die Tatsache, dass sich Homophobe scheinbar zwanghaft bei einem Schwulen vorstellen, wie er Verkehr hat. Ich glaube aber nicht, dass sie auch sofort bei jeder noch so unauffällig aussehenden Bäckereifachverkäuferin Bilder vor dem geistigen Auge haben, wie sie von ihrem Mann über den Küchentisch geschoben wird, oder der Chef seine Frau beackert. Da werden große Unterschiede gemacht … (Lesben hingegen sind geil. Wegen der Bilder, und so… 😉 )
      Ich habe mich früher schon nicht für Homophob gehalten. Im Alltag interessiert es mich schlicht nicht, was die Menschen im Bett machen, so lange es legal ist. Als aber klar war, dass besagter Kollege bei uns seinen Dienst aufnimmt (und man im Dienst dann sehr eng zusammen lebt), war ich zunächst etwas unsicher, ob mein Selbstbild stimmt und ich wirklich kein Problem damit hätte, mich vor ihm im Duschraum nackig zu machen. Womöglich ist ihm das unangenehm? Ich ziehe mich ja auch nicht vor jeder Frau einfach aus, um SIE nicht zu kompromittieren! (Ich bin übrigens kein Saunagänger…) Es war also mehr ein Problem mit meinen eigenen Moralvorstellungen als mit ihm. Learning by doing: Er findet es in Ordnung. Wir sind halt beide erwachsen. Und ich bin auch nicht sein Typ. 😉

      • Judi schreibt:

        Danke für Deine detaillierten Ausführungen 😉

        Zitat:“Ich denke mal, dass Frauen im Bezug auf Lesben etwas anders ticken, als Männer in Bezug auf Schwule. Vielleicht kannst du da mehr zu schreiben.“
        Ja, das stelle ich durchaus auch immer wieder fest. Klar, auch da gibt es Vorurteile, aber die Ängste die es da unter manchen Männern gibt erlebe ich eher nicht. Ggf. erfolgende Outings werden zur Kenntnis genommen und dann geht frau zur Tagesordnung über. Wobei es durchaus – leider – in vielen beruflichen Kreisen nach wie vor auch für Frauen von Nachteil ist, offen homosexuell zu sein.
        Das „Vorurteilsbild“ über Homosexuelle ist aber auch geschlechtsspezifisch sehr unterschiedlich. Während der schwule Mann ja per se alles bespringt was ein y Chromosom besitzt und atmet ist die lesbische Frau eher das frigeide Mannweib – also, um mal die gängigen Vorurteile kurz zusammenzufassen *gg*. Somit wird selbst von sehr vorurteilsbehafteten Frauen eine lesbische Frau meist nicht als „gefährlich“ eingestuft.
        Ich habe mir zur männlichen Homophobie mal so meine vielleicht gewagten, vielleicht auch dilletantischen, in jedem Fall aber rein küchengartenpsychologischen 😎 Gedanken gemacht.
        Ich glaube, homophobe Männer haben einfach ein Problem mit der Vorstellung davon wie Männer miteinander sexuell aktiv sind, also mit dem rein technischen Vorgang. Der Mann ist es gewohnt aktiv einzudringen, die Vorstellung dabei den passiven Part zu haben macht diesen Männern ein gewisses Unbehagen, das beflügelt dann die Phantasie auf oftmals eher unschöne Weise und *schwupps* sind Schwule „gefährlich“.

  5. Carsten schreibt:

    Schade, dass man über Homosexualität überhaupt diskutieren muss!

  6. Steffi schreibt:

    Mal wieder ein schöner Beitrag!

    Auch ich habe als Frau öfter mal Gespräche mit Männern darüber, wie schlimm es denn sein muss, wenn ein Schwuler im selben Fussballverein ist (umziehen, duschen) oder ähnliches. Gerade nach Hitzelsberger gab es da einige Diskussionen. Auch immer mit den Argumenten die du in deinem Beitrag erwähnst.

    Mittlerweile antworte ich auf sowas immer mit einer Frage. Ich frage dann ganz einfach, ob er auch wahllos alle Frauen (also ganz normale Durchschnittsfrauen) in einer gemischten Sauna begatten müsste. Oder ob er bei allen weiblichen Bekannten auch gleich darüber nachdenkt, sie direkt zu bespringen. Meistens setzt dann ein Denkprozess ein, auf dessen Basis man weiter diskutieren kann. Nämlich dass auch schwule Männer nicht auf alles stehen was einen Penis hat. Und selbst wenn sie es tun nicht nur darauf warten, dass sich das Gegenüber nach der Seife bückt.

    Zu 99% ist die Diskussion danach beendet.

    Wie oben schon geschrieben wurde: Als Frau bewegt man sich ja auch permanent unter geschlechtsreifen und tendenziell paarungswilligen, heterosexuellen Männern. Und auch Frauen können ganz entspannt den gemischten Ruheraum nutzen, ohne gleich Übergriffe fürchten zu müssen.

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