KoPlaWu, XL

… oder: Kleine Ursache, großes Blutbad

DIGITAL CAMERAMeine Schicht auf dem Notarztwagen begann mit dem hektischen Klingeln des Brüllwürfels. Die Meldung: „Bewußtlose Person im Netto- Markt. Einsatz mit Notarzt.“ Für Gewöhnlich versteckt sich hinter solchen Drohungen eine kleine Oma, der zwischen Südfrüchten und Damenbinden einen Moment schwindelig geworden ist. Nun ja, bei manchen Preisen passiert das schon mal. Oder, was auch schon vorkam und ich nun dem Notarzt unter die Nase rieb: „Bei dem Laden habe ich schon das eine oder andere Mal einen Zecher aus dem Eingang gepflückt. Einmal sogar vom Packtisch! Mich wundert nur etwas, dass der Callboy in der Leitstelle gleich einen Notarzt mit schickt. Da stimmt etwas nicht … „

Der parallel alarmierte RTW war schnell vor Ort. Und eben so schnell kam über Funk auch die erste Rückmeldung an uns: „Patientin nach Sturz, kaum ansprechbar, schweres SHT [Murmelschaden]! – Wann treffen Sie hier ein?“ Ich antwortete: „Eintreffen in etwa zwei Minuten.“ Das hatte ich allerdings nicht erwartet. So schwer verletzt nach einem Sturz? Vielleicht eine Verkäuferin von der Leiter gefallen? Oder ein Unfall beim Paletten schieben? Zwei oder drei Augenblicke später waren wir da. Wir fledderten die Notfallausrüstung aus dem Auto und betraten den Laden.

In einem Gang im Verkaufsraum kniete ein junger Mann und presste einen Stapel tropfender Kompressen auf die Schläfe einer älteren Frau, die vor ihm lag und mit dem Oberkörper bei ihm angelehnt war. Um die beiden herum eine Masse an Tüchern und Kompressen, von Blut durchtränkt. Große Klumpen halb geronnenen Blutes waren wie gekochter Pudding überall auf der Kleidung der Frau und auf dem Boden verschmiert. Die Kollegen vom RTW waren gerade damit beschäftigt, die Daunenjacke der Patientin aufzuschneiden, um ihr einen großen Zugang für eine Infusion in den Arm zu legen. Die Federn flogen und klebten überall am Blut der Dame fest. Es sah aus wie im Geflügelschlachthof.

Reicht nicht immer ...

Reicht nicht immer …

Die Patientin war zunächst desorientiert, aber bei Bewußtsein. Augenzeugen sagten uns, dass ihr nach dem Sturz für eine Weile die Betriebssicherungen rausgeflogen waren. Erst seit einigen Augenblicken antworte die Verletzte wieder einigermaßen verständlich auf Aufforderung, sie klarte jetzt zunehmend auf. „Was ist denn passiert?“, fragte der Notarzt. Doch sie selbst wusste es (noch) nicht. Der Ersthelfer hinter ihr berichtete: „Sie ist plötzlich umgefallen und hier irgendwo an den Regalen angeschlagen. Dann blieb sie liegen, das Blut spritzte nur so!“ Geistesgegenwärtig presste er zunächst das nächstbeste Taschentuch auf die Wunde, welches er nach kurzer Zeit durch Küchenpapier ersetzen konnte. So ein Supermarkt ist für solche Fälle üppig ausgerüstet.

Unser Medizinmann war natürlich neugierig: „Können Sie die Kompresse mal vorsichtig  einen Moment hoch nehmen, damit ich die Wunde sehen kann?“ – Klar konnte er. Augenblicklich schossen im Rhythmus des Pulses feine Strahlen etwa einen Meter weit durch die Gruppe verdutzter Retter. Gleich machte der Ersthelfer das Loch wieder dicht, wir hatten genug gesehen: Auf der Schläfe klaffte eine etwa 5cm lange Wunde, in der offensichtlich auch eine Arterie demoliert war. Da hatte das Warenregal ganze Arbeit geleistet! Offbar war die Patientin auf ihrem Weg zum Boden mit der Steckleiste, in die die Preisschilder eingeschoben werden, kollidiert. Und diese war der Dauerhaftigkeit halber nicht aus Schaumstoff, sondern natürlich aus Blech. Das Ergebnis war eine auslaufende Rentnerin.

Wir legten der Frau eine Infusion an, sie wurde schnell nach weiteren Verletzungen untersucht (ohne Überraschungen), der Blutdruck wurde gemessen. Ihr Kreislauf schien stabil. Ich löste den Ersthelfer ab, der immer noch die Wunde zudrückte. Dann machte der Arzt sich auch schon Gedanken über unser Transportziel, da wir vor Ort nicht mehr für die Kundin tun konnten: „Ich brauche einen Chirurgen. Vielleicht auch einen Neurochirurgen, ich weiß noch nicht genau, wie tief die Wunde ist. Und einen Anästhesisten. Vielleicht brauchen die Kollegen auch noch einen Gefäßflicker. Na ja… alles in allem wären wir am Besten bedient, wenn wir in der Klinik einfach den „Schockraum“ alarmieren lassen, dann haben wir alles da.“ Das fanden wir auch sinnvoll: Bringt man den Patienten einfach in eine Notaufnahme, haben wahrscheinlich nur ein Internist und ein Chirurg dort Dienst. Und die beiden sind dann womöglich auch gerade mit anderen Patienten beschäftigt. (Erste Frage der Schwester: „Karte dabei?“ … ) Lässt man aber „Schockraum- Alarm“ geben, kommen von jeder medizinischen Disziplin ein Vertreter sowie einige Schwestern bzw. Pfleger in einem maximal ausgestatteten Raum zusammen, in dem nicht nur umfangreiche Untersuchungen wie Röntgen und CT, sondern bei Bedarf auch sofort Notoperationen durchgeführt werden können (in diesem Fall: Schläuche flicken). Ideal: Alle erst mal hinbestellen, und wen man dann nicht braucht, der kann sofort wieder gehen.

Wir luden die Beschädigte ins Auto, fuhren los und bestellten unterwegs telefonisch den „Schockraumalarm“. Die ganze Fahrt über stand ich vor der Trage, presste Kompressen auf die Wunde und erklärte der Verletzten, was nun auf sie zu käme: „Das ist da gleich wie bei „Emergency Room“. Da steht ein Dutzend Leute um sie herum, die untersuchen und verkabeln Sie. Das sieht dann sehr Chaotisch aus, ist aber alles durchorganisiert. Aber weil wir womöglich verschiedene Fachrichtungen für Ihren Kappes brauchen, haben wir mal den „großen roten Knopf“ drücken lassen.“ Ihr warmes Blut rann mir wieder durch die Finger: Ich war wohl etwas von der idealen Stelle zum Abdrücken weggerutscht. Die Kompressen sogen sich also augenblicklich voll und fingen an zu tropfen. Die Suppe lief an der Rückenlehne hinunter. Wenigstens war die Jacke schon im Laden entfernt worden, dachte ich mir. So haben wir die meisten Federn dort gelassen. Die Putzfrauen würden viel Spaß mit dem verklebten Hühnerpelz und dem Blut haben … (Nebenbei: Ich habe einmal auf Anweisung eines Arztes im RTW eine Daunenjacke zerschnitten. Wir haben das Auto nach dem Einsatz an einen Berg stellen und mit dem Wasserschlauch ausspritzen müssen, um den Federn Herr zu werden!)

Ich stand auf der Fahrt also hinter ihrem Kopf und unterhielt mich etwas mit der Dame, um sie zu beruhigen. Über ihren Hund, der jetzt alleine zu Hause wartete, über ihr Gebiß, das sie eben dort gelassen hatte, weil sie nicht so gut damit zurecht kam …  Der Studierte beugte sich in seinem Sitz vor: „Blutet das jetzt mittlerweile weniger? Schau doch mal!“ Eigentlich wollte ich die Kompressen nur vorsichtig anlupfen. Aber, wie das Leben so ist, durchfuhren wir im passenden Moment ein Schlagloch. Die Wand neben der Patientin beantwortete die Frage des Docs: Nö, hatte nicht aufgehört. Life sucks. Und die RTW- Wand sah aus wie nach einem Anschlag.

In der Klinik angekommen, schoben wir die Dame in den Schockraum, in dem die ganze Mannschaft schon wartete. Flugs wurde sie von zwölf Händen auf den Behandlungstisch umgelagert. Wir hatten uns vorgestellt, dass unser Doc kurz erklärt, dass unser einziges Problem die zerrissene Arterie an der Schläfe sei, und während der Chirurg sein Tischchen richten lässt und der Neurochirurg nach einem kurzen Betasten der Wunde enttäuscht feststellt, dass der Knochen nicht betroffen ist, schlenderten die anderen Pfleger und Ärzte etwas angenervt wieder auf ihre Stationen. Aber die Truppe war wohl gut „auf Zündung“: „Rufen Sie einfach in den Raum hinein!“, wurde unser Doc angewiesen, während ein Sturm der Maximalversorgung wie ein Platzregen – oder besser: Hagelschauer – über die arme Patientin hereinbrach: EKG- Kabel flogen, sämtliche Kleidung wurde der Frau vom Leib geschnitten und entsorgt, alle Gelenke betastet und bewegt, die Leiste punktiert, um Laborblut zu entnehmen, im Hintergrund schon das Röntgen für Kopf und Rumpf vorbereitet! „Hören Sie mich?“ – „Tut das weh?“ – Was haben wir heute für einen Tag?“ – „Es piekt mal kurz…“ – „Haben Sie Allergien?“ – „Nehmen Sie blutverdünnende Mittel?“ droschen die Fragen auf die arme Frau ein. Die Meute war nicht mehr zu halten: Das ganze Standard- Programm für Polytraumata wurde abgefahren. Vollständig. Die Patientin hatte mittlerweile einen Puls von 140. Ich versuchte, den X- ten durchgesifften Stapel Kompressen auf die Schläfe drückend, sie etwas zu beruhigen. Ich sprach sie betont leise an, da ich ja direkt an ihrem Kopf stand: „Also, normalerweise machen wir natürlich nicht so einen Aufriss wegen einer Kopfplatzwunde. Aber Sie haben sich dummerweise eine Ader zerpflückt. Das ist zwar nicht lebensgefährlich, wenn man sie zudrückt. Aber wir wollten sicher gehen, dass die benötigten Spezialisten auch da sind, weil das natürlich nicht jeder einfach zunähen kann. Nun, und jetzt bekommen Sie das volle Programm …“ Ich glaube nicht, dass sie das wesentlich beruhigen konnte, aber mehr konnte ich nicht tun. In diesem Augenblick wurde mir mal wieder deutlich, wie beängstigend die Situation für jemanden sein muss, der das alles bei vollem Bewustsein über sich ergehen lassen muss.

Als der Instrumententisch für den Chirurgen vom Pfleger gerichtet war, konnte dieser mich an der Kompresse ablösen, so dass ich den Raum noch vor dem Röntgen verlassen konnte. Draußen wartete mein Spannmann, der bereits das ganze Überwachungs- Gedöhns auf die Trage gepackt hatte. Wir gingen  zum Auto und begannen zu putzen. Die Trage war durchgesifft: Im Einmal- Schonbezug, den wir immer über die Tragenauflage spannen, war ein Loch. Und jetzt ratet mal, wo das ganze Blut hin lief, welches mir durch die Kompressen getropft war … Fast eine Stunde lang popelten wir das Zeug aus jeder Ritze, wieder sammelten sich X Tücher mit roter Färbung auf dem Boden. Es waren zwar mit dem Blut im Laden insgesamt vielleicht nur etwa 400ml, also 2 Gläser Wasser, was die Dame verlustig geworden war. Aber es ist unglaublich, wie viel es ist, wenn man es beseitigen muss! Letztendlich mussten wir sogar die Sicherheitsgurte von der Trage abbauen und in Lösung einlegen, um der Verschmutzung Herr zu werden. Mit einfachem Putzen war da nichts zu machen.

Ich vermute, die Patientin wurde am nächsten Tag wieder entlassen. In Engelshemdchen und Winterstiefeln, wenn sie niemanden kennt, der ihr neue Kleidung bringen kann… 😉

Auf jeden Fall zeigt dieser Unfall mal wieder, dass man auch kleine Kreislaufschwächen ernst nehmen sollte. Auch, wenn es nur auf dem heimischen Sofa „mal kurz dunkel geworden“ ist: Der nächste Ausfall kann vielleicht beim Überqueren einer Straße kommen.

Oder eben beim Einkaufen.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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28 Antworten zu KoPlaWu, XL

  1. Loretta Cosgrove schreibt:

    Ich befürchte, mir ist beim lesen dieses Blogeintrags auch etwas geplatzt. Vor lachen. Meine Katze ist schon geflüchtet…

  2. Steffen schreibt:

    Die Dame war sozusagen ein Auslaufmodell, wa?

  3. Mitleser schreibt:

    „Gurte einlegen“? Bei uns kommen die in die Waschmaschine, wo sie wie die andere Patientenwäsche auch, die nicht „Einmal“ ist (Patientensack, Wolldecken, …) , mit desinfiz. Waschmittel gewaschen werden. Und das auch gern, wenn der Patient einfach nur „bäh“ war.

    • firefox05c schreibt:

      Da wir keinen Ersatz auf der Wache hatten, mussten wir die Gurte leider mit der Hand waschen, damit sie schnell wieder angebracht werden konnten. Falls wir z.b. ein verschmutztes Tragetuch haben, können wir es natürlich komplett tauschen und in der Medizintechnik auf der Hauptwache waschen lassen. (Mehrfach verwendbare Patientendecken haben wir nicht mehr.)

  4. Don Tango schreibt:

    Na wenn das mal nicht eines dieser sagenumwobenen offenen SHTs war… Sachen gibt’s!
    Passt natürlich mal wieder sehr schön, dass ausgerechnet wenn es mal zählt, die Meldung nicht ganz mit der Lage vor Ort übereinstimmt. Aber ihr wart ja von Anfang an mit im Spiel, immerhin!

    Sehr schön geschrieben, wie alle Beiträge die ich bisher verfolgen durfte!

    Das wäre mal der perfekte Einsatz gewesen für eine Klammer die wir gerade auf unseren Pflasterlastern zum Testen spazieren fahren:
    http://tacticalshit.com/innovative-itclamp-hemorrhage-control-system/ [Anm.: Link geändert]

    Ich bin zwar kein Vertreter der Firma aber als Rettungsassistent, zu dessen Arsenal das Ding seit kurzem gehört, echt überzeugt. Solange das nicht zu nah am Auge war, hätte das gut passen können.

    Hat die Dame denn kreislauftechnisch im Verlauf eures Transports nochmal auf sich aufmerksam gemacht?

    • firefox05c schreibt:

      Bewußtlos war die Dame zum Zeitpunkt der Meldung ja. Lediglich die Sache mit der Verletzung wurde uns „verheimlicht“. Wir wären aber auch bei der vollständigen Beschreibung nicht schneller gefahren. 😉
      Die von dir verlinkte Klammer kenne ich nicht. (Wir haben aber ein ganz tolles Abbindesystem. Hätten vielleicht am Hals abbinden können…) Kann man die auch bei arteriellen Blutungen einsetzen, ohne, dass die Arterie dann „verloren“ ist? Was ist mit Thrombosegefahr, muss nach der endgültigen Versorgung (Nähen des Gefäßes) eine Lyse- Therapie gemacht werden?
      Habt ihr schon Erfahrungen?
      Die Verletzung war allerdings ziemlich nahe am Auge. Auch das war ein Grund, gleich den Schockraum zu bestellen: Bei Beteiligung der Augenhöhle wäre man auf Überraschungen vorbereitet gewesen. Und was den Kreislauf angeht: Bis auf einen erhöhten Puls völlig unauffällig. Auf dem Transport war sie voll orientiert und sprach recht ruhig mit uns. Erst im Schockraum gab die Pumpe noch mal etwas Gas. 😉

      • Simon schreibt:

        Diese Klemmen adaptieren die Wundränder und komprimieren die Wunde. Ich bin davon nicht überzeugt, einen ordentlichen Druckverband ersetzt sowas nämlich nicht.
        Lysieren muss und sollte man nach Einsatz dieser Klemme nicht, überhaupt sollte man nach einer größeren Wunde nicht lysieren. 😉

      • firefox05c schreibt:

        Dachte nur, da die Gefäßränder nicht aufeinander liegen, dass sich Thromben durch das umgebende (freie) Blut bilden könnten, die dann die Ader verstopfen. Wenn immer wieder ein wenig Blut austritt, würde das offene Ende ja freigespült.

      • Dennis schreibt:

        Wir fahren die Klammern nach einer 3/4 jährlichen Probephase nun auch auf den RTWs in unserem Landkreis spazieren und sind auch relativ froh, dass wir sie dabei haben. Gerade für arterielle Blutungen in Bereichen, die man nicht abbinden kann oder in denen man keinen Druckverband anlegen kann sind sie denke ich optimal.
        Sie wurde auch vor kurzem erst durch Kollegen bei einer arteriellen Blutung am Kopf eingesetzt und die Blutung dadurch erfolgreich gestillt.

    • Simon schreibt:

      Ein Offenes SHT war das nicht. Damit ein SHT als „offen“ bezeichnet wird, muss die Dura geöffnet sein. Selbst eine Schädelfraktur mit intakter Dura ist kein offenes SHT.

      • firefox05c schreibt:

        Ich glaube, er meinte das durch den Bürger gemeldete „Schlimm 2“. 😉 (Wie neulich wieder: „Kommen Sie schnell!!! Der verblutet!!!“ war: 1cm Cut in der Unterlippe nach Schlägerei …)

  5. Anna schreibt:

    Hi,
    wie immer wunderbar geschrieben. Obwohl es eigentlich eine ziemlich ernste Geschichte ist (sein sollte) habe ich herzlich gelacht.
    Vielen Dank, dass du solche Geschichten mit uns teilst. Weiter so!

    • firefox05c schreibt:

      Es war ja im Grunde „nur“ eine Platzwunde, wie man sie öfters sieht. Nur dass dieses mal auch eine Arterie verletzt war – die aber zu gehalten wurde. 😉

      • gnaddrig schreibt:

        Du hast oben 400ml Blutverlust geschätzt, das ist ja schon ganz hübsch. (Wer je Nasenbluten hatte, weiß, was für beeindruckende Effekte man schon mit zwei, drei Schnapsgläsern Blut erzielen kann!) Und 400ml sind gar nicht so weit von da entfernt, wo es dann ernst wird.

        Dann hat der Ersthelfer hier durch einfaches Taschentuchdraufdrücken sicher erheblichen Blutverlust verhindert und vielleicht Leben gerettet, oder?

      • firefox05c schreibt:

        Wäre die Wunde nicht zugedrückt worden, hätte es kritisch werden können. Zum Glück war sofort ein beherzter Ersthelfer da, der nicht erst die Zuständigkeit abgeklärt und dann Handschuhe gesucht hat. An diesem Beispiel kann man auch gut sehen, dass selbst einfachste Maßnahmen sinnvoll sind. Wäre die Frau alleine in ihrer Wohnung gewesen, hätte die Sache wohl anders ausgesehen.
        Unser Arzt meinte bei der Übergabe im Schockraum: „Blutverlust etwa 200ml“. Allerdings haben wir von der Trage schon fast ein Wasserglas entfernen müssen. Auch an der Jacke, die wir zurück ließen, hingen mehrere Blutklumpen, die bis Kinderfaust- groß waren. Ich denke daher, dass die Menge größer als 200ml war.

    • firefox05c schreibt:

      Ich bemühe mich immer neu. Gruß an die Schwester. 😉

  6. kleiner_Geist schreibt:

    Mann, „Kopf Platz Wunde“ – und ich habe, bevor ich angefangen habe zu lesen, mich echt gefragt, was jetzt das Pla in der KochWurst sucht. Scheißdiät!

  7. red_cap schreibt:

    Soviel zum Thema „No-touch Übergabe“ im Schockraum oder auf der ITS.
    😉

    • firefox05c schreibt:

      Inwiefern? Meinst du das Umlagern?

      • red_cap schreibt:

        Habe ganz vergessen zu antworten. Sorry.
        Eine „no touch“ Übergabe bedeutet, dass während der Übergabe (eines kritisch kranken oder verletzten) Patienten niemand etwas an dem Patienten und eigentlich überhaupt in dem gesamten Raum macht (z.B. Umlagern).
        Alle Anwesenden (ärztlich und nicht-ärztlich) erhalten EINMAL eine vollständige Übergabe mit allen notwendigen Informationen, u.a. auch in Bezug auf das Umlagern.
        Es geht vor allem aber über eine geschlossene Kommunikation, sodass keine relevanten Informationen für die weitere Patientenversorgung entgehen und man nicht ständig nachfragen muss, weil man nicht zugehört hat.
        Diese kurzzeitige Entschleunigung sorgt im Nachhinein für eine effizientere, schnellere und auch sicherere Weiterversorgung.
        Es gibt nur wenige Dinge, die man vor der eigentlichen Übergabe ggf. durchführt, z.B. ein Wechsel der Beatmung bei Ende des Sauerstoffvorrates oder die sofortige Gabe von Blutproduktion. In den „großen“ chirurgischen Schockräumen Deines Wirkungsbereiches düfte es auf diese Weise in der Regel ablaufen.Innere und Intensiv ziehen hoffentlich irgendwann nach.

      • firefox05c schreibt:

        In der Tat war es der Schockraum der Maximalversorgung in dieser Großstadt, der auch überregional von Hubschraubern angeflogen wird. Dort ist dieses Vorgehen noch Standart. (Wahrscheinlich war mir der Begriff auch noch nicht geläufig)

      • red_cap schreibt:

        Probier es mal es aus. Die Übergabe geht durch „hands off“ schneller und besser.
        🙂

      • firefox05c schreibt:

        Das liegt leider nicht an mir. So etwas muss der Leiter des Schockraumes „von oben“ bestimmen, damit sich das komplette Personal danach richtet. Da habe ich als kleiner Pflasterkleber nichts anzuordnen.

      • red_cap schreibt:

        Dann unterbreite doch dem NA vor Übergabe einen Vorschlag. 😉
        Man kann im Schockraum auch seitens des RD explizit um eine „no-touch Übergabe“ bitten.

  8. Ok ich liege vor Lachen unterm Tisch. Ich hatte mal eine ähnliche Situation, eine Rentnerin die vor mir an der Ampel aus dem Stand einfach ungebremst auf den Asphalt geknallt ist, quasi mit Nase und Brille zuerst. Und oh wunders, Marcumarpatientin. Straße, sie und Ersthelferlein (also ich) sahen nach wenigen Minuten auch aus, als hätte man versucht die arme Frau abzuschlachten.

  9. Otto schreibt:

    Eine sehr ähnliche Situation hatte ich heute im Supermarkt: Mann erleidet epileptischen Anfall, kippt um und holt sich eine Kopfplatzwunde. Das sah auch aus…

  10. Exekutor schreibt:

    Hehe. Das erinnert mich an den Zivildienstleistenden in einer Blutspendezentrale.

    Ery-Konzentrate sind mit den ganzen Zusatzstoffen, die man da hineinkippt, grob 350 ml. Und da ist immer ein Schlauch dran, der in Segmente unterteilt ist, damit man Proben nehmen kann, ohne die Konserve anpieksen zu müssen. Nun, diese Segmente müssen erst mal angefertigt werden, am Anfang ist das nur ein durchgehender Schlauch. Dafür gab es eine Schweißmaschine mit 5 oder 6 Schweißköpfen, in die man den Schlauch 2 mal einlegen musste (von freiem Ende zum Ende Richtung Konserve hin arbeitend). Danach legte man die Konserve auf den Stapel mit den anderen fertig verschweißten Konserven – auf so eine Art Servierwägelchen.
    Nun bot es sich an, dieses Servierwägelchen im Abstand von ca. zwei Armlängen an einen Betonpfeiler (natürlich weiß getüncht) zu stellen, damit es nicht davonrollt. Faul, wie man ist, hält man die Konserve dabei am Schlauchende fest, und wirft sie Richtung Wägelchen. War die maximale Schlauchlänge erreicht, hielt die Konserve kurz in der Luft an, wie man es aus dem Zeichentrickfilm kennt, wenn die Figur über die Klippe rennt, und flatschte dann auf den Stapel. Ging problemlos, „Bauchlandungen“ auf der breiten Seite bei der gegebenen Fallhöhe übersteht so eine Konserve locker.

    Doch dann kam der Tag, an dem eine Segment-Schweißnaht noch nicht richtig ausgekühlt war, und plötzlich stand da ein Zivi mit ein paar Schlauchsegmenten in der Hand, der nur noch zusehen konnte, wie 350ml roter Flüssigkeit unaufhaltsam auf einen weiß getünchten Betonpfeiler zufliegen – mit der Schmalseite. In etwa auf Herzhöhe eines durchschnittlich großen Menschen verteilte sich dann die ganze Pampe, und vermittelte einem zufällig dazukommenden Betrachter das Bild, als sei an diesem Betonpfeiler gerade jemand per Erschießungskommando exekutiert worden. Natürlich wurde sofort geschrubbt, was das Zeug hält – aber ich glaube, wenn man den Pfeiler heute anschaut, hat er an der entsprechenden Stelle immer noch eine leichte rosa Färbung … zumindest wenn man weiß, wo man danach Ausschau halten muss.

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