Frauen können nicht warten…

… zumindest nicht, wenn es um Streichelhandys geht! 😉

„Jetzt ist es so weit“, frohlockte meine Liebste. „Ich kann mir ein neues Handy holen!“ Ich stutzte: „Jetzt schon? Seit der letzten Verlängerung sind doch noch keine zwei Jahre vergangen?!“ Sie klärte mich auf: „Ich bin doch in diesem neuen Vertrag, wo ich jedes Jahr ein neues Handy abholen kann. Und das Jahr ist jetzt um.“ – „Dass ihr Weiber immer das neueste Handy haben müsst … Und wer bekommt das alte?“ Es folgte die erste Hiobs- Botschaft: „Keiner. Das muss ich wieder abgeben.“ „Aber das könntest du doch bei Ebby verticken, wenn du es bis zum nächsten Jahr behälst?“, wandte ich ein. „Das S5 ist doch ein super Knochen, der bringt noch was!“ Aber davon wollte sie nichts wissen: „Das ist doch dann nichts mehr wert. Vielleicht noch 200 Euro…“ Na super. Sie verschenkt also die geschätzten 200 Flocken, nur, um jetzt schon ein neues Streichelhandy zu bekommen! Klasse. Ich war über so viel Geschäftssinn begeistert.

Wir enterten also auf ihr Geheiß hin den Konsumtempel der Stadt, begaben uns in die rote Komunikationskapelle und angelten einen SIM- Priester. „Magst du draußen auf mich warten?“, säuselte „sie“ mir entgegen. „Das wird vielleicht etwas länger dauern. Kannst ja bei Saturn stöbern.“ „Ich brauch nix“, brummelte ich, und verließ den Laden mit einem schlechten Gefühl im Bauch. Wenn Frauen alleine in so einem Schuppen sind, kann schließlich meistens kein Mann dagegen anverdienen.

Kundenköder.

Kundenköder.

Ich drehte also eine Runde duch die Schaufenster. Nach zwanzig Minuten war die Runde beendet, ich setzte mich an den Brunnen gegenüber des Ladens, in dem unanständig viele Handys herumlagen und meine Frau gerade „in Arbeit“ war: Mittlerweile kümmerten sich ein Mann und eine Frau in dunklen Anzügen um mein Weibchen, die Kaffee schlürfend auf einem Hocker saß. Ich bekam wieder dieses Gefühl: Wenn jemand hineingeht, der seinen einfachen Vertrag verlängern will, bekommt der mit etwas Glück in 20 Minuten einen Auszubildenden, dessen Standard- Spruch „Moment, ich frag‘ mal eben…“ ist. Der einem auch keinen Sitzplatz anbietet, ohne vorher die Stimmung mit selbstgebackenem Blödsinn zu belasten. Und einen Kaffee bekommt man dann auch nicht ganz so einfach. Hier standen aber offensichtlich keine „Ich frag‘ mal eben“s um meine Frau herum, die genüßlich den Beamtensprit tankte, und der Haufen „Give-aways“ auf dem Tisch sah auch eher danach aus, als wenn die Handydealer das große Geschäft witterten! Dafür gab es meines Erachtens nur zwei Möglichkeiten: Entweder war der Vertrag meiner Frau viel zu teuer und sie wollten sie nicht verlieren, oder Frau war im Begriff, sich ein sauteures Handy aufschwatzen zu lassen. Sie sah mich indeß und winkte mir glücklich zu. Ich verspürte das dringende Bedürfnis, die Lage in Kino- Manier mit dem Ruf „Achtung! Zugriff!“ zu retten, bekam jetzt aber so kurzfristig bestimmt keinen Termin beim SEK. Mist. Wenn man die schon mal braucht …

Nach etwa einer Stunde (!) winkte sie mich in den Laden. Vielleicht war noch etwas zu retten! Ich versuchte, möglichst gelassen hinüber zu schlendern (ich glaube, es ist mir gelungen. Die zwei verletzten Passanten und der umgerannte Verkaufsstand zählen nicht, die standen halt sehr ungünstig!) und checkte unauffällig die Lage: Der Tisch voller Süßigkeiten, Schlüsselbänder, Kulis und Prospekten, zwei Luxus- Briketts lagen dazwischen und ein breit grinsendes Angestellten- Pärchen darum herum. Der Verkäufer stellte schon die erste Fangfrage: „Kaffee? – Kennen Sie sich auch etwas aus? Ihre Frau hat da ja wohl schon einiges vorab gelesen.“ Sicherheitshalber behauptete ich reflexartig: „Klar. Muss ja wissen, was so Phase ist.“ Dem Bauernfänger gegenüber nie Schwäche zeigen! Mich als blöd outen kommt bei Bedarf von alleine…

Meine Angetraute hatte wieder diesen teuren Tonfall, als sie mir entgegensäuselte: „Schatziiiii? Welches Handy würdest du nehmen? Das S6 oder das HTC m9?“ Vorsichtig fragte ich: „Wo liegt denn der Unterschied? Das HTC soll ja vergleichbar mit dem S6 sein.“ Sie fing an zu erklären: „Also, das S6 kostet dann 120 Euro, ich bekomme aber noch so eine kontaktlose Ladeschale dabei, und eine Tasche. Ganz ohne Stecker, das Handy legt man einfach so drauf! Und mit dem HTC für 65 Euro würde ich noch…“ Ich unterbrach: „Das HTC. Das HTC ist gut. Besser als das S6. Viiiiel besser. Das HTC.“ In purer Verzweiflung versuchte ich unsere Mücken zu retten. Hatte sie nicht davon gesprochen, dass es nur „getauscht“ würde? Ich traute meinen Ohren nicht: Den Verkauf des S5 für vielleicht 200, ach, lass es nur 100 Tacken sein, schrieb sie schon vorab in den Wind, und legte jetzt noch 65 oder 120 drauf, nur, um ein Jahr vorher ein Handy los zu werden, dass bis letzte Woche noch ein Topmodell war? Weiber, ey, echt getz! Und am Ende nutzt sie nicht einmal die Wetter- App! Jetzt wusste ich auch, warum das Telefondealer- Pärchen so freudig grinste: Sie schwatzten ihr nicht nur ein Spitzenmodell auf, sondern auch noch das Zubehör. Wie ich später erfuhr, war die Frau, die mein Weibchen bearbeitete, tatsächlich sogar eine Promotion- Mitarbeiterin von HTC. Klar, dass ich da kaum eine Chance hatte, die versammelte Bagage auf „ein Modell drunter“ herunterzuhandeln. Alle gegen mich.

Munter plauderte die HTC- Dame auf meine Maus ein, erklärte ihr die besonderen Funktionen (Gestensteuerung, Portraitfotos miteinander vermischen, mobile Daten abschalten, um Akku zu sparen, pipapo. Also alles das, was man jeden Tag so braucht…), während ich schon froh war, das Schlimmste vermutlich abgewendet zu haben, und mich den ausgestellten Geräten zuwandte. Handys an sich können mich nämlich nicht unbedingt begeistern: Telefonieren, WhattsApp und (viel wichtiger) Twitter geht schließlich mit allen Streichelbriketts. Alles andere ist Spielerei. Doch mein Einsatz war noch mal gefragt: „Schatziii?“ (Da war er wieder, der teure Unterton) – „Was hälst denn du von dieser Soundbox?“ Auf dem Tisch stand zwischen dem Gewühl der Bestechungs- Gadgets ein NFC- angesteuerter Lautsprecher und plärrte vor sich hin. „Das kostet sonst 149, wir würden es für 99 bekommen. Und dann bekomme ich NOCH OBENDRAUF!!! (*blinkblink!*) eine Gutschrift auf die Rechnung von 50 Euro!“ – „Ach Maus … Wofür? Wir haben doch in jedem Raum Musik?“ Sie war etwas irritiert: „Im Bad. Wenn ich im Bad bin…“ Ich schaute schräg: „Ich glaube, das ist etwas übertrieben. Hat das neue Handy denn so einen scheiß Klang?“ Gerade noch mal abgefälscht. An der Latte abgeprallt. Gespart. Puh…

Nun wurde zusammengerechnet: 79 Euro, mit Schutzhülle und Kratzschutzfolie. Aber es gab noch ein Problem: Ihre alte Karte (micro) passte nicht ins neue Handy (nano)! Seltsam: Die Smartphones werden immer größer, aber die Karten darin immer kleiner! „Ich stelle das einfach von der alten Karte um und gebe Ihnen eine neue“, bemühte sich der Anzugträger. Tipp- tipp- tipp am Geschäftscomputer … „Gleich müsste die neue Karte funktionieren. Das Gerät neu starten, und dann mal sehen… ah! Sehen Sie, da ist schon die Verbindung!“ Madame strahlte mich an, ihren neuen Knochen in der Hand: „Schatzi! Ruf mich doch mal an! Gucken, ob es geht!“ Doch mein Handy ging nicht mehr. Keine Verbindung… „Ich glaube, ich habe hier im Einkaufsbunker keinen Empfang.“ Sie rief also ihren Vater an: Funktionierte! Also verließen wir den Laden.

Als wir zu Hause ankamen, klingelte ihr neues Handy: Ein Freund war dran. Problem: Es war MEIN Freund! „Wieso rufst du denn bei mir an?“, fragte Frau irritiert. Mein Freund: „Wieso bei dir? Ich habe doch deine Nummer gar nicht! Ich habe bei Henrik angerufen.“ Mir schwante böses, und nach einem Blick auf mein Handy hatte ich gewissheit: Der Typ im Telefonladen hatte MEINE Karte (Partnervertrag) abgeschaltet und auf IHRE neue Karte geswitcht. Klasse…

Zurück ins Einkaufszentrum. 20 Minuten Fahrt. Parkplatz suchen. Schein kaufen. Kilometer an Konsumgütern vorbei bis zum roten Laden.

Glücklicherweise konnte innerhalb von Minuten meine Karte wieder aktiviert werden. Doch als er in den Computer schaute, um dieses mal die richtige Karte umzuschalten, machte das Verkaufstier komische Geräusche: „Hmm. Oh- oh…“ Solche Geräusche möchte man nicht hören! „Die Karte ist so alt, dass sie nicht von der üblichen Software verwaltet wird. Die kann ich nicht hier im Laden umschalten. Die muss von der Zentrale geschickt werden. Heute ist Freitag. Die ist also Montag oder Dienstag da.“ Meine Frau bekam einen mittleren Blutrausch: „Waaaas? Das geht nicht!! Ich brauche mein Handy! Ich muss doch erreichbar sein! Da muss man doch was tun können!“ (*put Herzinfarkt here ____________*) „Tja“, meinte der Händler. „Ich könnte höchstens eine neue Karte anbieten. Die hat aber eine neue Nummer. Die alte verfällt dann.“ – „Ja!“, keuchte Frau. „Machen Sie das. Ich muss erreichbar sein!“ In alten Filmen bekommen die hysterischen Frauen in solchen Situationen eine geklatscht. Ist aber nicht mehr in Mode. Ich schob ihr also nur verbal den Bozen ins Getriebe: „Hallo? Bisse ranzig? Dann ist deine Nummer weg! Wer soll dich denn dann erreichen? Und wem du dann alles die neue Nummer geben musst! Krankenkasse, Ärzte, Abdecker! Mach das  nicht!“ Ihre Kommunikationswelt brach zusammen. Zwei Tage ohne Fummelkästchen! Ich bot eine – für mich logische – Lösung an: „Nimm doch dein altes Handy mit der alten Karte einfach noch mal mit, und wir kommen am Dienstag wieder und holen das neue.“ Doch das kam natürlich überhaupt nicht in die Tüte. Wer so etwas vorschlägt, der vergewaltigt auch Ziegen. Oder so. Sie schaute mich an, als hätte ich gerade behauptet, ich hätte den Papst im Puff gesehen. An der Stange. Im Spitzen- BH mit Bommeln. „Nein. Da muss es eine andere Möglichkeit geben“, beharrte sie. Der Verkäufer machte seufzend einen Vorschlag: „Ich könnte die alte Karte, die ja sowieso nicht in dieses HTC passt, zurecht schneiden. Das müsste klappen. Kann aber auch daneben gehen.“ Meine Frau griff nach dem letzten Strohhalm: „Versuchen sie es! Jetzt.“ Pure Verzweiflung. Ich gab zu bedenken, dass sie dann unter Umständen nicht einmal mehr die Möglichkeit hätte, das alte Handy NUR ZWEI TAGE weiter zu nutzen. Wollte sie nicht.

Es funktioniert!

Es funktioniert!

Der Kartenspieler schnippelte also die alte Karte kaputt, fummelte sie in das HTC-Dings (soll man nicht, da die neuen Karten etwas dünner sind), schaltete ein: Das Handy akzeptierte die Karte! Mausi war glücklich! Wir verließen den Laden in der Gewißheit, dass Montag oder Dienstag eine neue Karte im Briefkasten liegen würde. Doch bereits am Auto verleißen die letzten Lebensgeister die SIM- Karte. Jetzt war es Amtlich: Mausi hatte für volle zwei Tage kein Smartphone! Und sie konnte noch nicht einmal jemand anderen dafür verantwortlich machen. Nicht einmal mich. Rest des Tages versaut.

Ich glaube, was dann kam, war ihr schlimmstes Wochenende seit langem. Tja. Wenn man nicht warten kann…

Wenigstens klappte die Zusendung der neuen Karte, die bereits am Montag im Kasten lag. Jetzt ist Mausi wieder flauschig.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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13 Antworten zu Frauen können nicht warten…

  1. Daniel Eschenlohr schreibt:

    das kenne ich als EDVler nur zu gut…

  2. heutmalanonym schreibt:

    ich kenn sowas nur vom Göttergatten! Das ist ganz sicher nicht geschlechtsspezifisch!

    • gnaddrig schreibt:

      Ich kenne das auch eher von Kerlen, dass sie dauernd das allerneueste Spielzeug wollen. Man müsste mal die Leute fragen, die in Firmen Diensthandys ausgeben, ob da mehr als normal Geräte verloren- oder kaputtgehen, wenn ein neues Modell ins Programm kommt.

    • firefox05c schreibt:

      Ich weiß, dass es da wahrscheinlich keinen Unterschied gibt. Aber Klischees zu bedienen macht so unglaublich Spaß… 😉

  3. BRC_MEDIC schreibt:

    ROFL …. Ich habe seit Jahren nur Kartenverträge. Da Frau ein Telefon für grobmotoriker braucht (das auch mal ’ne Zeitlang im Misthaufen liegen kann und dann einfach abgeduscht wird), passt das auch. Ich habe noch kein JCB-Telefon im Knebelvertrag gesehen 🙂

  4. Mercator schreibt:

    Hahaha…!
    Und jetzt am besten noch unauffällig einen Testbericht liegen lassen, der das S6 als viiieel besser als das HTC bewertet.

    Aber eigentlich wäre das ganz schön gemein.

  5. sst89sst89 schreibt:

    Sei froh, dass da beim zerschnippeln nur die Karte und nicht das ganze Handy zerbröselt ist… bei meiner Schwester sind 2 Handys verstorben, bis man merkte, dass es an der zerschnittenen Karte lag

  6. sakasiru schreibt:

    naja, ob das alte Handy in einem Jahr wenn der Vertrag ausläuft auch noch 200 wert ist bezweifle ich… Aber wegen so ein paar popeliger vodafone Schlüsselbänder würd ich jetzt auch nicht grad vor Verzückung umfallen. Bin halt kein Konsummensch – obwohl weiblich 😉

  7. Alex K. schreibt:

    Wieder mal köstlich geschrieben! Ich erkenne da irgendwo meine Holde wieder…
    Da kannste Argumente bringen, wie du willst, das schönere Handy gewinnt.
    Die goodies die du zeigst, die werden hier bei Karneval geworfen. Tinnef ohne Wert!

  8. Bamboori schreibt:

    Ich hätte ja mal große Lust in ein Geschäft zu gehen und mich ähnlich beschwatzen zu lassen, nur um am Ende anzukündigen dass ich eigentlich nur mal gucken wollte 😀
    Ein Glück wenn man sich ein bisschen auskennt… sei es nun mit Smartphones oder Verkäufermaschen.

  9. dassteph schreibt:

    Muss mal kurz Weiberehre verteidigen. Ich hab das billigsten Smartphone das es gibt, und auch bis es wirklich so gar nicht mehr geht, dann gibt’s das nächste für max 60€.
    Habe ein paar Schlappen,einmal Orthesenschuhe und „gute“ Schuhe (die irgendwie doch immer dreckig sind) lg

  10. Quartiermeister schreibt:

    Ich hatte jahrelang gar kein Handy, bis mir die Schwester meiner Freundin ihr abgelegtes 4S geschenkt hat, jetzt warte ich darauf, dass sie sich das iPhone 6s oder so zulegt….

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