Noch ’n Test: Grillabend XS

Ja, ich gestehe: Auch ich bin ein YPS- Leser. So, jetzt ist es raus. YPS. Die Erfinder des Gimmik. Die gibt es seit einiger Zeit nämlich wieder. In einer der letzten Ausgaben war der gute, alte Solar- Ofen enthalten. Angeblich verbessert, da nun für Erwachsene. Sollte bei guter Sonneneinstrahlung bis zu 100 Grad bringen!

Mit selbstgemachtem Grillrost: Wird nix.

Mit selbstgemachtem Grillrost: Wird nix.

In der darauf folgenden Ausgabe sah ich dann Fotos, die Leser eingeschickt hatten: Auf Schaschlikstäbchen aufgespießte Leckerchen lagen quer über dem Ofen. Nun gut, dachte ich mir eines sonnigen Tages, das probiere ich jetzt auch! Also: Ofen aufgebaut, auf den Balkon gestellt, Cherry- Tomate hergekramt – und kein Schaschlikstäbchen … Mist! Was nun? Wie bekomme ich das Ding auf den Ofen? Aber man ist ja Krisenkompatibel: Schnell holte ich den Blumendraht aus dem Schrank und flocht mir in ein paar Minuten aus einigen abgeschnittenen Stückchen einen Mini- Rost, auf dem die Tomate dann ihren Platz fand. So stellte ich das Ding mittags in die Sonne. Tat sich aber nichts… Gut, dass ich den Tisch noch nicht gedeckt hatte.

Versuch macht kluch: Bei nicht ganz klarem Himmel schon 50°

Versuch macht kluch: Bei nicht ganz klarem Himmel schon 50°

Es dauerte eine Weile, bis ich bei genauerer Überlegung und der Kontrolle mittels eines Bratenthermometers darauf kam, dass die größte Hitze offensichtlich nicht oben, sondern unten im Ofen entsteht! Die Fotos hatten mich also in die Irre geleitet. Also: Behelfsrost weg, Tomate unten rein gelegt. Und weil eine Tomate alleine nicht schmeckt, noch einen Schnipsel Toast drunter und mit etwas Käse zugedeckt. Um die 50 Grad konnte ich bei nicht ganz klarem Himmel schon messen. Jedoch nur, wenn nicht gerade eine Wolke vor dem Lorenz stand. Oder ein leichter Wind ging. Wie eigentlich die meiste Zeit an diesem Nachmittag. Doof.

Trockenbau ...

Trockenbau …

So stand das Gerät dann auf dem Kratzbaum auf dem Balkon. Stundenlang. Katze maulte rum, weil sie dort nicht liegen durfte, verschiedene Wolken schoben sich immer wieder vor die Sonne, das arme Käsehäppchen vertrocknete … kurz: Es wurde wieder nichts. Mist. Mausi lachte mich schon aus, glaubte nicht an Physik. Abendessen zu Zweit also doch nur wie immer. – Oder nicht?

Mini- Grill von Rasting

Mini- Grill von Rasting

Ich war angefixt, wollte meiner Frau was bieten. So leicht gebe ich nicht auf! Mir fiel im Frust ein, dass mein Augenstern mir vor einiger Zeit mal einen „Mini- Grill“ mitgebracht hatte. „Als ich den gesehen habe, musste ich sofort an dich denken!“, sagte sie damals zu mir. Das ist Liebe. Wahrscheinlich war das Gerät ein etwas gehobenes Werbegeschenk einer Wursterei. Und das stand nun schon über ein Jahr unbeachtet auf dem Küchenschrank herum. Vielleicht war das Ding meine Rettung, um vor der Frau doch noch in Sachen „Nahrungsbeschaffung“ zu glänzen! Wir mussten also doch nicht elendig verhungern! Nun also Plan B: Grillabend XS. Meine Frau musste natürlich wieder ihr ChiChi zelebrieren: „Ich habe da noch eine Gurke und ein paar Tomaten. Ich mache einen Salat dazu!“ Und das, wo ich noch nicht einmal wusste, ob das Grillding nicht in sich zusammenfällt und eher Kernschrott denn Nahrungsbereiter ist! „Natürlich. Lad‘ noch die Nachbarn ein und häng Lampions auf. – Darf ich erst mal sehen, ob der Aparillo überhaupt brauchbar ist?“ Aber sie war schon in der Küche verschwunden. Jetzt durfte ich keinen Durchhänger mehr haben!

Schnell Hitze. Etwas Öl erforderlich

Schnell Hitze. Etwas Öl erforderlich

Schnell lief ich also zunächst in den nächsten Supermarkt, pflückte eine Packung Nürnberger Fleischstifte aus der Kühlung und einige Brötchen vom Bäcker, und baute zu Hause das Mini- Öfchen auf. Obwohl: Aufzubauen war im Grunde nicht viel: Grillpfanne säubern und leicht einölen, die beiliegende Schale mit Brennpaste anzünden, Blech drauf, Hitze da. Geil! Im Grunde war es ja kein Grill, sondern eine Art Outdoor- Pfanne. Trotzdem: Würstchen drauf, und – man glaubt es kaum – es zischte sofort vielversprechend, und nach ein paar mal drehen waren die Dinger appetitlich gebräunt und somit geeignet zur Brötchenfüllung. Der „Mini- Grill“ verteilte die Hitze gut und war rasend schnell! Je zwei bis drei Wurstfinger mit etwas Tomatenparfait ins Brötchen gestopft, und der Abend war lecker gerettet! Zwischendurch verzog sich die Pfanne aufgrund der Hitze etwas, nach dem Erkalten war sie aber wieder grade.

Macht nicht nur Spaß, sondern auch lecker Würstchen!

Macht nicht nur Spaß, sondern auch lecker Würstchen!

Vielleicht hätte ich die halbe Schale Brennpaste verschlossen lassen sollen, um die Hitze etwas zu dosieren. Wenn man sich statt 6 Nürnbergern vielleicht mal zwei normale Würstchen auf die Pfanne drapiert, sind die Phosphatstengel womöglich nach einer Weile außen verbrannt und innen noch kalt. Naja. Nächstes mal … Nach dem Grillen machte ich das Ding in drei Minuten wieder sauber. So ein kleiner Hintern ist schnell geputzt. Ein paar Gebrauchsspuren blieben jedoch zurück: So muss man beim Grillen aufpassen, dass die Kunststoffummantelung des Klappgriffes kein Opfer der Flammen wird. Zudem sollte man ein Deckelchen zum Ablöschen der Brennpaste haben, damit sie zwischen den Gängen nicht unnütz weiter brennt und die Pfanne überhitzt. Fazit: In jedem Fall ist dieser „Mini- Grill“ eines der wenigen Gadges mit echtem Gebrauchswert und hohem Spaßfaktor! Kein Dreck, keine Wartezeit, überall einfach auf den Tisch stellen und los. Zudem hatte die Sache einen unbezahlbaren Nebeneffekt: Ich konnte ein erfolgreiches Experiment mehr verbuchen, das ich beim nächsten Blödsinn als Argument bei der Rechtfertigung einbringen kann. Ist Gold wert. Ach, und den Solar- Ofen teste ich ein anderes mal aus. Die Sache ist noch nicht gegessen.

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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Eine Antwort zu Noch ’n Test: Grillabend XS

  1. gnaddrig schreibt:

    Und wenn Du den Solarofen in einen großen Pappkarton stellst, so als Windschutz, dann könnte sich das doch viel besser erwärmen, oder?

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