Und dann war da noch …

… der Kollege, der gedanklich zu tief im „worst case“ steckte:

Wir wurden mit unserem Löschfahrzeug und einigen weiteren roten Autos mit dem Stichwort „Bombenfund“ alarmiert, was so ziemlich alle Explosivkörper und Munitionsteile einschließt, die seit dem letzten Krieg im Ruhrgebiet eben so herum liegen. In diesem Fall deutete an der Einsatzstelle der Schachtmeister einer Baustelle in ein Loch, in dem das Projektil eines im Grunde kleinkalibrigen Geschützes vor sich hin oxidierte: Es war etwa 15cm lang und hatte einen Durchmesser von um die 5cm. „Keine Ahnung, wattat iss. Sieht für mich aus, wie wennet ne Granate wär“, meinte er zu uns.

Unsere Führung stellte nach genauerer Besichtigung fest, dass es sich tatsächlich nur ein Vollmantel- Projektil ohne Sprengstoff handelte, welches damals wohl hier im Innenhof „ordnungsgemäß“ eingeschlagen war. Abspannen, Bautätigkeit geht weiter.

Dem Kollegen war das allerdings nicht ganz geheuer: Wurde sonst bei Granat- oder Bombenfunden doch immer abgesperrt, evakuiert und viel Tamtam gemacht. „Und jetzt? Das kann doch nicht da liegen bleiben?“, meinte er nachdenklich. „Wieso nicht?“, fragte ich. „Und wenn die hoch geht? Irgendwo im Loch muss doch noch der Rest sein?“, gab er zu bedenken. So erklärte ich ihm grinsend, wo vermutlich sein Denkfehler lag:

Schwermetall, 70 Jahre verschollen...

Schwermetall, 70 Jahre verschollen…

„Nun ja, der Rest …: Der Treibsatz wird beim Abfeuern verbrannt sein, und die Hülse haben sie damals vielleicht wieder aufbereitet. So als Dose oder sowas. Nun, und die Kanone werden sie wieder mitgenommen haben. Konnte man ja mehrfach verwenden.“ Jetzt dämmerte ihm, dass etwa 90% der Munition von damals vermutlich ordnungsgemäß funktionierte – und die Metallklumpen der Projektile aus Gewehren, MGs und Kanonen womöglich noch tonnenweise irgendwo in Boden und Gebäuden stecken müssten. So ganz ohne Gefahr.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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3 Antworten zu Und dann war da noch …

  1. BRC_MEDIC schreibt:

    Naja, es koennen ja nicht alle beim Bund gewesen sein und dann noch bei der Marine (bei denen geht das Zeug ja unter) 🙂

  2. energist schreibt:

    I’m Zweifelsfall kann man über die Leitstelle ja schnell eine Email mit Photo an die zuständige EOD schicken. Die können das ja sofort bestätigen.

    • firefox05c schreibt:

      Das Ding wurde von unserer Einsatzleitung schon als harmloses Projektil erkannt. Deswegen wurde der Einsatz ja nach ein paar Minuten abgebrochen…

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