Bedenkenträger (Seelenkotze)

Wenn jemand kein Bock mehr auf dieses Thema hat, sehe ich es ihm nach.

Europa muss im Moment gerade eine Flüchtlingswelle bewältigen. Flüchtlinge aus Kriegsgebieten, die sich unter anderem durch zu wenig wirtschaftspolitischem Interesse des Westens entwickeln konnten (Wo man keine Geschäfte machen kann, können die sich ruhig kloppen. Dann kaufen sie wenigstens unsere Waffen.). Flüchtlinge aus armen Regionen, die unter anderem durch zu viel wirtschaftlichem Interesse ausgebeutet wurden. Und weil unsere demokratischen Systeme viel zu schwerfällig sind, um in angemessener Zeit (mindestens schon 2 Jahre?) auf so eine Situation zu reagieren, stehen wir nun vor einem Chaos sondergleichen. Erst jetzt beginnen die Berufsdebattierer damit, konkrete Maßnahmen zu ergreifen.

Jetzt, da Zehntausende schon untergebracht werden mussten und die nächsten „Parasiten, Wohlstandstouristen und IS- Kämpfer“ schon Schlange stehen, laufen langsam die ersten groß angelegten Maßnahmen an. Aber Weihnachten kommt schließlich auch immer ziemlich plötzlich, also kann sich die Bundespolitik bei dieser kurzfristig eingetroffenen Reisegruppe auch mal etwas Zeit lassen.

Dabei wird diese „Welle“ womöglich nicht so schnell abebben, wie es manche Politiker gerne hätten. Denn nach Krieg und Armut wird auch das Klima die Leute vertreiben. In ein paar Jahren wird womöglich die nächste Völkerwanderung in Schwung kommen. Auch z.B. in den USA gibt es ganze Landstriche, in denen jetzt schon das Wasser rationiert wird. Dort können wir uns in einiger Zeit wahrscheinlich ansehen, wie die ersten Gegenden in Richtung Norden verlassen werden und wie der Rest des Landes damit umgeht. Ob der Zaun gegen die Wirtschaftsflüchtlinge aus Mexico dann einfach nur um ein paar Meilen versetzt wird? Ich rechne jedenfalls damit, dass sich viele Menschen aus dem nordafrikanischen Raum demnächst in Bewegung setzen werden, wo es auch immer trockner wird. Sie werden dann wohl nicht nach Israel oder Saudi- Arabien wandern (übrigens eine salafistische Erbmonarchie. Interessiert uns aber in diesem Fall nicht, da wir gute Geschäfte mit ihnen machen), sondern nach Europa: Erreichbar, reich, sicher. Oder wohin würdet ihr wandern? Russland? China?

Ich habe keine Ahnung von Weltpolitik, die sich zu mancherleuts Unverständnis eben nicht auf zwei, drei einfache Faktoren, die zwischen dem fünften und sechsten Bier mal eben dahingesabbert werden, reduzieren lässt. Die brauche ich aber auch nicht, um zu sehen, was sich hier, in meinem Umfeld, im Moment für Probleme entwickeln – unabhängig vom komplizierten weltpolitischen Gefüge.

Asylunterkünfte brennen, es wird gehetzt, und „besorgte Bürger“ demonstrieren gegen die Aufnahme von Flüchtlingen – natürlich „nur gegen die Wirtschaftsflüchtis“. Dabei vergessen viele, dass sie selbst auch erst vor ein bis drei Generationen als Wirtschafts- oder Kriegsflüchtlinge hier her gekommen sind. Meine Mutter zum Beispiel. Oder meine Oma väterlicherseits. Gerade hier im Ruhrpott sind die vielen Dzikowskis, Kowalskis und Szybulskis vor Jahren als Wirtschaftsflüchtlinge eingewandert. Der Arbeit wegen.

Viele von denen, die sich heute nicht mehr vorstellen können, wieso man überhaupt aus seiner Heimat flieht, stammen auch von Menschen ab, die vor nur 25 Jahren selbst einen Weg durch Mienenfelder und Selbstschussanlagen gesucht haben, ihre Freunde und sogar ihre Familie zurücklassen wollten, auch in der Gewissheit, dass diese wegen ihrer Flucht von der Stasi drangsaliert würden. Nur, um hier ein besseres Leben führen zu können. Und dort war noch nicht einmal Hunger und Elend …

Jetzt müssen die Fernwanderer untergebracht werden. Jetzt? Seit zwei Jahren durchlief hier ein Genehmigungsantrag die Stadtämter, um auf einem ehemaligen Sportplatz ein Containerdorf zu errichten, da von der Stadt zusätzliche Aufnahmekapazitäten gefordert wurden. Hauptproblem: Ein Geschäftsmann hatte Interesse an dem Gelände bekundet. Jetzt, wo die Konga- Schlange aus Syrien quasi am Bahnhof steht, werden dort in aller Eile ein paar Zelte aufgebaut. Dort, wo eigentlich zumindest Container stehen sollten. Das hat sich für die nächsten Jahre dann wohl erledigt. 6 Personen und mehr werden dann in einer Zelle untergebracht, die kleiner ist als mein Wohnzimmer (ich habe es mir ansehen können), 200 unfreiwillige Camper pro Zelt. Die Wände nicht bis zur Decke und wenige Millimeter dick, statt einer Tür gibt es einen diskreten schwarzen Vorhang, und die Zeltplane, die das Dach bildet, flattert laut im Wind, die Kunststoff- Außenwände knarzen. Ich bin gespannt, ob die Heizgebläse für den Winter reichen. Das ist also der von den Hetzern beklagte Luxus. Für eine andere Unterkunft mussten durch private Initiativen teilweise Hebammen, Ärzte und Sachspenden organisiert werden, weil die Stadt überfordert ist.

Aber wie lange werden die Bürger noch bereit sein, zu helfen – und sich dafür auch noch zu rechtfertigen? Im Moment läuft es einigermaßen. Aber wann wird die Stimmung umschlagen? Munition für die Gegenseite gibt es genug: Einige Städte beginnen damit, Bestandsmietern in ihren Wohnungen zu kündigen, um längerfristig Wohnraum für Flüchtlinge zu bekommen. Da kocht natürlich der Hass der „besorgten Bürger“ hoch, die sich in ihren Kommentaren bei FB auch nicht vor volksverhetzerischen Aufforderungen scheuen. Und als Mensch, der bisher oft leichtes Spiel hatte, die idiotischen Stammtischparolen der bestens informierten Bildleser zu entkräften, weiß man plötzlich nicht mehr, was man angesichts solcher Entscheidungen entgegnen soll.

Mancher THW- Zug geht bereits auf dem Zahnfleisch, und in den SEG- Betreuungsgruppen werden Sonderschichten geschoben. Das kann doch nicht die Antwort sein, nachdem schon Monate feststeht, dass die Menschen kommen werden! Die wieder eingeführten Grenzkontrollen sind da bloß eine „Notbremse“, um den Zustrom etwas zu kanalisieren. Jedenfalls in den Augen der Verantwortlichen. Ich glaube aber nicht, dass irgendein Syrer, der seinen Rucksack schon gepackt hatte, jetzt Zeitung liest und zu seinem Nachbarn sagt: „Och nee! Das mit der Flucht und dem üppigen Taschengeld kann ich wohl vergessen. Die lassen ohne Ausweis keinen mehr nach Deutschland rein …“

 

Grafik von "watson.ch". Problem oder Einzelfälle?

Grafik von „watson.ch“. Problem oder Einzelfälle?

Die ganze Sache und die damit verbundenen (teilweise durch „laisser-faire“ hausgemachten) Probleme spaltet die Bevölkerung. Die Medien in ihrer (oft kritisierten) Funktion als „Meinungsformer“ haben viel zu lange das Feld den Giftmischern überlassen. Die Folge: Damals brannten Synagogen, heute Asylunterkünfte. Dann schwimmen plötzlich alle nach links: Asylanten sind in der Meinungslandschaft dadurch entweder der Segen, der uns vor dem Aussterben bewahrt und den Wohlstand sichert, oder die Verantwortlichen für Kriminalität, Islamisierung und Fußpilz. Menschen mit einer ausgewogenen Ansicht findet man jetzt nur noch selten: Entweder, man zeigt sich bedingungslos dafür, oder man ist rechter Hetzer. Ich schätze meine Meinung (öhm… natürlich…) als einigermaßen ausgewogen ein: Flüchtlinge aufnehmen ja, wer kein Recht auf Asyl hat, muss für die Berechtigten erst mal Platz machen. Anträge müssen schnell bearbeitet werden, um die beiden Gruppen zu unterscheiden. So lange wir noch Zelte aufbauen müssen, um die Leute unterzubringen, haben wir keine Wahl.  Die freiwilligen Helfer dürfen nicht ausgenutzt werden, und wer sie für ihr Engagement auch noch beschimpft, soll auswandern. Der Staat muss mal bitte in die Pötte kommen, um die Backpacker aufnehmen zu können. In unserem Mietshaus ist eine Wohnung frei (eine Schwatte und vier Polen haben wir schon problemlos in der Gemeinschaft absorbiert), ich habe auch noch einen Schwager, der einen Kühlschrank abgeben kann, aber mein Wohnzimmer gehört mir. Bla, bla, bla.  Also vieles von dem, was als „Links“ oder „Rechts“ bezeichnet wird, findet sich da gemischt wieder. Kommt aber so ein geizig- missgünstiger Egomane mit seinen rechten Sprüchen daher, weil er Angst um sein Marmeladenbrot hat, komme ich mir vor wie auf einer Kinderwippe: Um ein Gleichgewicht zu schaffen, muss ich mich sehr weit links platzieren.

Es wird nicht geduldet, dass jemand den Flüchtlingen hilft

Es wird nicht geduldet, dass jemand den Flüchtlingen hilft

Das passt mir nicht, aber mit „Ausgewogenheit“ kann man solchen bewölkten Charakteren leider nicht begegnen. Ich denke, so – oder umgekehrt – wird es vielen gehen. Die Gesellschaft wird in zwei Teile gezwungen: Die einen opfern sich auf, um zumindest die gröbste Not zu lindern und haben Verständnis für die Flüchtenden, die anderen wollen die Mauer wieder haben und brüsten sich jetzt schon damit, dass sie diejenigen sein werden, „die euch dann wieder retten“ (O- Ton FB). Das Denken wird dabei gerne geopfert: Jeder führt in dem Geschrei nur die „Informationen“ vor, die ihm gefallen, und sind sie noch so blödsinnig: Auf unserer Wache hat tatsächlich jemand einen mehrseitigen Hetzartikel des Kopp- Verlages (ganz vorne mit dem „Insiderwissen“ und den „unabhängigen Nachrichten“) ausgedruckt und „zum Informieren“ hingelegt, in dem behauptet wird, die Flüchtlinge seinen eine heimliche, organisierte Armee des IS, die das Land übernehmen soll. War das nicht die gleiche Quelle, die trötete, dass sich „die von der EU“ die Euro-6- Abgasnorm nur ausgedacht haben, damit die deutschen Feuerwehren daran zugrunde gehen, um den Markt für (ausländische) Privatunternehmen zu ebnen?  Und dafür wurde Papier aus Steuergeldern verbraucht …

Äußern kann man seine Meinung sowieso kaum noch. Nach dem ersten Satz wird man in ein Kästchen gesteckt, schnell geht es weiter mit  „jeder weiß doch, dass…“- Behauptungen und dem Beklagen von Befindlichkeiten, mal die eigenen, mal die der Flüchtlinge. Meist jedoch ohne Gehalt. Diskussionen unmöglich, sachliche Informationen unerwünscht, Einzelfälle sind Trumpf. Dazwischen: Eine Wand aus Gefühlen, Gerüchten und Hass. Ich weiß nicht, wohin das die Gesellschaft bringt. Die Spannungen in meinem Umfeld finde ich unerträglich. Mittlerweile umschiffe ich dieses ganze Thema schon, wenn ich nicht gerade Lust auf Krawall habe, weil ich natürlich weiß, was dann los geht. Aber mit Totschweigen bin ich auch nicht glücklich.

Nicht zuletzt habe ich auch Bedenken, wie sich das ganze auf meinen Dienst auswirkt. In unmittelbarer Nähe zur Wache steht so ein Zeltdorf. Werden wir mit dem RTW demnächst zwischen streitende Parteien der Bewohner geraten? Brauche ich dann eine stichsichere Weste? Werden wir mit dem LF zu zündelnden Chaoten gerufen? Wie werden die Leute dort reagieren, wenn die ersten mit „Abschiebebefehl“ geholt werden? Randale? Selbstverbrennungen? Linke Steinewerfer? Ich habe ein wenig Angst. Verzweifelte Menschen sind kaum berechenbar.

Ich sage immer: „Ich bin nicht stolz, ein Deutscher zu sein. Fürs „stolz sein“ müsste man ja eine eigene Leistung vollbracht haben. Aber ich bin verdammt froh, hier leben zu können.“ Im Moment fühle ich mich aber nicht so wohl hier, wenn ich mir ausmale, wohin das noch alles führt. Und wenn ich auf den ekligen Sprüchen herumschlittere, die man überall vorgekotzt bekommt. Man traut sich ja kaum noch was zu sagen, was nicht rechts ist.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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16 Antworten zu Bedenkenträger (Seelenkotze)

  1. DichterMann schreibt:

    „Man traut sich ja kaum noch was zu sagen, was nicht rechts ist.“
    Ist das wirklich so schlimm auf der Feuerwache? Die Feuerwehrmänner brüsten sich doch immer als die Bedingungslosen Helfer. Naja … ich habe aber eh schon läger den Eindruck, dass das mehr Schein als Sein ist, und es bei vielen nur darum geht sich mit einem lauten tatütata als die Ritter der Neuzeit zu profilieren. Bitterer Tobak!
    Ich sehe es übrigens mehr von der anderen Seite der „Kinderwippe“ als Du. D.h. man kann sich kaum trauen Bedenken an der zumeist völlig unkritischen Solidaritätswelle zu äußern, ohne gleich als Nazi abgestempelt zu werden … und „die Mitte“ schweigt sich lieber aus, weil sie nicht nach links oder rechts gedrängt werden möchte. Das hast du wohl ganz gut erkannt.

    • firefox05c schreibt:

      Feuerwehrleute sind eben auch nichts besonderes, was politische Ansichten angeht.Ich möchte aber darauf hinweisen, dass sich meine Anmerkungen zur Grundstimmung auf meine gesamte (auch z.B. meiner familiären) Umgebung bezogen hat.

  2. BRC_MEDIC schreibt:

    Guter Kommentar. Ich stimme Dir vollstens zu, dass die „Politik“ hier maechtig geschlafen hat. Anstatt den Leute vor Ort zu helfen, wird das mal schnell verdraengt, weil „iss ja janz weit draussen“ (oder jwd).
    Meine[TM] Meinung ist ausgeglichen (denke ich mal):
    Wer Asyl braucht der soll es bekommen (Leute aus Syrien habe mit Sicherheit einen Grund – vgl mit Deutschen in WW2). Ich denke mal diese Leute sind froh ein Dach uebern Kopf zu haben und nicht bebombt zu werden.

    Im Endeffekt werdet Ihr* das ausbaden duerfen. Die „politische Herrscherkaste“ wird wie Fahne im Wind flattern (Mal mehr aufnehmen, dann keine mehr …..). Es ist weder fair das Problem per Dekret aufzubuelgeln, um dann erstmal Alle an Bord zu holen und dann Leute ohne Asylgrund nicht abzuschieben (weil „kann man ja nicht….“).

    Das Problem wird nicht in D geloest sondern an der Quelle. Und warum SA so gut wie keine Fluechtlinge hat/aufnimmt, solte doch auch zu denken geben.

    *Leutchen die in D leben

  3. Scully schreibt:

    Schöner Beitrag! Ich verstehe die Verwunderung vieler Menschen auch nicht. Ja, ups, auf einmal wollen Menschen hierhin. So ein Wunder aber auch. Wo wir ihnen doch alles verkauft haben, was man so zum Leben braucht. Waffen und Waffen und … die ein oder andere NGO haben wir auch bei ihrer Arbeit nicht behindert. – Es wundert mich genauso, dass es nun die Politik so überrascht, kann sie doch sonst nicht genug vor Terror und Klimawandel warnen. Dass es Menschen woanders tatsächlich mehr betrifft als uns, die wir eben ein paar hundert Kilometer entfernt sind, schien den Damen und Herren tatsächlich nicht wirklich in den Sinn gekommen zu sein… Was schon am eigenen Vertrauen in Politiker kratzt (und es wird bei der Vielzahl der Themen arg dünn.)

    Auch, dass man nicht mehr darüber diskutieren kann, weil jegliche Sachlichkeit zu oft einfach in den Wind geschossen wird, anstatt sich gegenseitig mal zuzuhören, ist wirklich sehr schade, aber in so vielen Belangen immer mehr Alltag. Die Fronten vergraben sich einfach immer tiefer auf beiden Seiten und ein Gespräch, Aufklärung und Problemlösung ist so natürlich schwer bis unmöglich. Stattdessen eskaliert es an beiden Enden.

    Es ist ja auch irgendwie ein Henne-Ei-Problem: Dadurch, dass ein Dialog so schwer zu führen ist und so abweisend und ironisch eingeleitet wird, wie in meinem Beispiel oder wie manche Leute es sich auch denken, können andere ihre Bedenken erst gar nicht aussprechen und niemand kann darauf eingehen, so dass sie fortbestehen und im blödesten Fall von Medien oder anderen Personen sogar bestätigt werden. Außerdem fallen Missstände weniger auf, weil niemand sich traut, sie zur Sprache zu bringen. Dazu kommt, dass, wenn sich mal jemand so weit vorwagt und berechtigte Bedenken anspricht, der Politik die Antworten fehlen, so dass das Vertrauen darin, dass man auf die Situation vorbereitet wäre, sich in Luft auflöst und … Naja, wie du schon schreibst: Ist man darauf vorbereitet? Zeltunterkünfte, die noch im September bezogen werden, zeugen nicht davon und niemand kriegt so wirklich mit, ob und wie man gedenkt, damit umzugehen. Man könnte meinen, es wird einfach wegignoriert. Auch die möglichen Folgen, die du angesprochen hast. Aber wo bringt man so etwas an, wo gibt es darauf Antworten? Sie fehlen oder sind in einer verwirrenden Vielzahl vorhanden und keiner weiß, was richtig ist. Und jetzt gibt man noch etwas Schwarz-Weiß-Denken zu dieser Unsicherheit und fragt mal den Geschichtslehrer des Vertrauens, woher er diesen Mix kennt 😦
    Da fällt ihm sicher mehr als eine Gelegenheit ein. Man sieht auch bei den Gesprächen unter Freiwilligen Helfern, dass vor allem die Unsicherheit und das Gefühl, auf verlorenen Posten zu stehen, enorm ist. Gefühlt ist alles, was man tut, ein Tropfen auf dem heißen Stein und die zuständigen Behörden feiern jede Stelle einzeln, die ihnen zugesprochen wird. Für die übergreifende Kooperation und Koordination gibt es trotzdem keine Ressourcen, und so bleibt man eben dabei und versucht das zu schaffen, was man eben kann, baut einzeln das Know-how auf, denn um voneinander zu lernen, fehlt meistens schon die Zeit, sich darüber auszutauschen, wer was tut und wer was kann. Unzufriedenheit auf allen Posten.

    [Anm.: Ich habe deine Kommentare zusammengeführt.]

  4. Jakob Thoböll schreibt:

    Super Beitrag! Ich kann deine Besorgnis gut nachvollziehen. Jetzt, wo die Flüchtlinge nicht mehr ein Problem „Der da unten“ in München sind, sondern auch bei uns vor der Haustür, rutschen die Bürger mehr an den Rand der Wippe, um bei deinem schönen Sprachbild zu bleiben. In den nächsten Wochen, wenn ich volljährig werde, werde ich auch für meine HiOirg zur Verfügung stehen. Ich freue mich immer, helfen zu können, aber sehe auch schon auf den regulären San-Diensten, dass Helfer an ihre Grenzen kommen durch die Arbeit in den Unterkünften.

    Wie wird sich die SItuation ändern, wenn der Ausnahmezustand Normalfall wird? Wer wird ausdauernder sein, die – zum Glück vielen – Helfer der HiOrgs, Feuerwehren, THW Polizei und alle anderen, die mit Spenden, Arbeitszeit und anderem den Ankommenden weiterhelfen, oder die, die hetzen?

    So, wies im Moment läuft kann das auf keinen Fall Dauerzustand werden. Das täte keinem gut.

    Ich wünsch euch auf der Wache viel Durchhaltevermögen und fallt nicht von der WIppe 😉

    Liebe Grüße
    JAkob

    • firefox05c schreibt:

      Du sprichst da eins der grundlegenden Probleme an: Die Hilfsdienste wie DRK, FW und THW sind für Akut- Notfälle da und dafür ausgerüstet, nicht zur Regelversorgung der Flüchtlinge. Das müssen Kräfte leisten, die dafür ausgebildet sein und die nötige Hardware haben müssen. Die Hilfsdienste müssen möglichst schnell wieder für ihre eigenen Aufgaben zur Verfügung stehen.

    • Da pflichte ich dir völlig bei. Man muss nur nach Dortmund schauen. Ab Montag kommen die ersten Züge in Köln an. Seit Freitag wissen „wir“ (DRK) bescheid und sollen bitte alles an verfügbaren Menschen zusammen trommeln. Nicht so leicht in 2 Tagen, noch dazu am WE.
      Also Morgen von 15:00-09:00h, also 18h. Ich bin sehr gespannt was da auf uns zukommt. Und ob es Chaos gibt oder eine gute Organisation.

  5. Du sprichst mir aus der Seele..
    Besonder diese Aussage „Ich sage immer: “Ich bin nicht stolz, ein Deutscher zu sein. Fürs “stolz sein” müsste man ja eine eigene Leistung vollbracht haben. Aber ich bin verdammt froh, hier leben zu können.”“
    unterschreibe ich sofort!

  6. Schachspiel schreibt:

    Danke für deine Worte 🙂
    Bei der ganzen Sache gibt mir aber eins Hoffnung: Es kommen nicht nur die besorgten Rassisten und „Bedenkträger“ aus ihren Löchern, sondern auch viel mehr Leute, die sich mit Flüchtlingen solidarisieren, als ich mir hier jemals vorstellen konnte.

  7. @Scully: Es freut mich echt, dass es doch noch Menschen gibt, die so denken… Und nicht nur dieses extreme Schwarz-Weiß-Denken…

  8. M. schreibt:

    „ganz vorne mit dem “Insiderwissen” und den “unabhängigen Nachrichten”) ausgedruckt und “zum Informieren” hingelegt, in dem behauptet wird, die Flüchtlinge seinen eine heimliche, organisierte Armee des IS,“

    Kann nicht sein! Die Flüchtlinge werden von den Amerikanern geschickt die die Deutschen hassen weil,… ja weshalb eigentlich? Jedenfalls hat das so gestern eine Arbeitskollegin berichtet. Sie wiederum hat es von ihrem Kohlenhändler der ihr da mehrere Seiten im Internet gezeigt hat…

    Jedenfalls danke ich dir für deinen Post, endlich mal wieder gesunder Menschenverstand, ich dachte schon das sei ausgestorben!

    „Man traut sich ja kaum noch was zu sagen, was nicht rechts ist.“

    Oder links. Und nein, sachliche Diskussionen oder auch nur das Äussern einer abweichenden Meinung ist auch nicht gefragt.

    • firefox05c schreibt:

      „Moderate Meinungen“ sind nicht gefragt. Ich habe den Eindruck, alle haben sich radikalisieren lassen, entweder von der einen oder von der anderen Seite.

  9. Chris schreibt:

    DANKE!!! Es gibt sie doch noch, die denkenden und über den Tellerrand schauenden Menschen.
    Gestern Abend wurde mir berichtet, man sei völlig gegen die Unterstützung von Flüchtlingen, da Deutsche auch viel zu wenig unterstützt würden. Könne man ja an zahlreichen Sendungen des bildungsfernen TV-Programms sehen.
    Außer fassungslosem Kopfschütteln ist mir auch erstmal nichts mehr eingefallen.
    [Amn.: 2 Teilkommentare zusammengefügt]

  10. Torben schreibt:

    Auch wenn dies jetzt ein wenig spät ist, danke ich dir dennoch für diesen Artikel.

    Gerade mit dem Punkt, dass so manch ein Ortsverband vom THW auf dem Zahnfleisch gegangen ist. Wir waren mit daran beteiligt, 3 Notunterkünfte mit aufzubauen.
    Es war zum Schluss so, dass die Mannschaft wirklich am Ende war und zum Glück von unserem Häuptling die Reißleine gezogen wurde und er sich gegen ein erneutes ranziehen unseres Ortsverbandes gestellt hat, weil er verhindern wollte/musste, dass wir verheizt werden.

    Selbst der netteste und verständnisvollste Chef war am murren, wenn man ihm offenbart hat, dass man wieder für 3 oder 4 Tage nicht da sein wird und er Verdienstausfall erstattet bekommt.

    Wir müssen helfen, das steht außer Frage und wir sollten auch wirklich alles in unserer Macht stehende tun um diesen Menschen zu helfen.
    Ich bin mit einem ins Gespräch gekommen und was der mir erzählt hat, hat bei mir für längere Kopfschmerzen gesorgt.
    Ich finde leider nur, dass die Politik das Problem nur nach „unten“ durchgeschoben hatte.

    Jedenfalls vielen, vielen Dank dass es da „draußen“ doch noch den gesunden Menschenverstand gibt.

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