Lichtblicke: UK 4 AA gegen die günstige Alternative PX1

20151219_195422Einige Feuerwehrleute, so auch ich, haben für ihren Einsatzdienst eine Helmlampe. Man kann damit aber nicht nur den Helm belampen, sondern wenn man sie an der Hurratüte befestigt, auch die Umgebung erhellen. Mein Modell der Wahl war eine UK 4 AA eLED, explosionsgeschützt und mit Heckschalter. Hätte ich mir aufgrund des Preises, der in dieser Ausführung zwischen 70 und 80 Eumel liegt, wohl nicht selbst gegönnt. Aber es gibt ja Weihnachten, und es gibt ja eine Familie … Was soll ich sagen: Die Lampe ist klasse. Seit nunmehr einem Jahr begleitet sie mich bei verschiedensten Situationen und hat mich mit ihrer Leistung begeistert.

Mein Vater jammerte nun herum, dass er für die Arbeit eine Taschenlampe bräuchte. „Aber eine gute! Bloß nicht mit LED! Die taugen nichts“ , meinte er.  Ich wollte ihm eigentlich auch so einen Lichtblick in der Art besorgen, wie ich ihn hatte. Seine abwehrende Einstellung gegenüber LED- Lampen („Taugen nichts. Meine hat 3,99 gekostet, und die funzelt nur!“) war schlagartig nach dem Erblicken des Lichtkegels aus meinem Einsatzbeamer hinfällig. Allerdings wollte ich nicht gleich so viel Geld ausgeben, nur, damit mein Erzeuger mal im Dunkeln nach seiner Anhängerkupplung sehen konnte. Ich suchte und fand eine Alternative: Die Paralux PX1 LED. Diese kostet nur ungefähr 40 Euro und weist in etwa die gleichen Leistungsmerkmale wie die UK auf. Da ich kurze Zeit später beide Lampen zu Hause hatte, habe ich sie einmal verglichen:

Rechts der Heckschalter der UK, links der etwas robustere der PX1

Rechts der Heckschalter der UK, links der etwas robustere der PX1

Zulassungsstempel der Lampen

Zulassungsstempel der Lampen

Wasserdicht sind beide. Ex- geschützt für Zone 1 auch. Desweiteren haben beide einen Gummikopf, Heckschalter und ein modisches Sicherheitsgelb. Die Unterschiede fangen bei den Maßen an: Die PX1 ist etwa 1cm kürzer als die UK, und das auch noch am vorderen Ende. Ich habe die PX1 zwar nicht am Helm getestet, denke aber, dass das in einigen Halterungen ein schwerpunktmäßiger Nachteil sein kann: Schiebt man die UK bis zum vorderen Anschlag in eine drehbare Helmhalterung, kann es sein (wie bei meinem Halter aus Kunststoff), dass sie sich durch das Übergewicht  am hinteren Ende langsam nach oben dreht, während man arbeitet. Ich schiebe sie deshalb nicht ganz in den Halter, sie ist dann ausgewogener. Die PX1 ist allerdings vorne etwas kürzer und hat zudem einen einfacher (und daher leichter) konstruierten Kopf, was das Übergewicht nach hinten stärker werden lässt. Zumindest in meiner Halterung würde das das Verdrehen der Lampe begünstigen.

deutlich kürzer, unterbrochener Steg am Gehäuse: oben die PX1

deutlich kürzer, unterbrochener Steg am Gehäuse: oben die PX1

Anders als beim Hersteller Parat angegeben, passt die PX1 übrigens nicht in jede Halterung für die UK4AA, da der „Klammersteg“ am Gehäuse bei der PX1 unterbrochen ist, genau hier aber einige Halterungen der UK greifen.  Die PX1 ist leer mit 75g/80g Lampengewicht angegeben (die bei einigen Anbietern beschriebenen 240g beziehen sich wohl aufs komplette Verpackungsgewicht), die UK4AA mit 159 bis 181g – allerdings mit Batterien. Da ich keine Briefwaage zu Hause habe, konnte ich das genaue Leergewicht leider nicht selbst ermitteln, gehe aber davon aus, dass die Lampen in etwa gleich schwer sind. Vielleicht könnte man auch die Gradabweichung bei der Schieflage des Helmes bei angesteckten Lampen messen, um der Sache auf den Grund zu gehen …

Während der Heckschalter der UK etwas schwammig in der Bedienung ist, erfordert der Schalter der PX1 mehr Druck und rastet dann deutlich spürbar ein. Auch mit Handschuhen sind beide Schalter blind zu finden.

DSCN4065

Links die PX1, rechts die UK.

Im abgedunkelten Zimmer verglich ich nun die Lichtkegel der Brenner. Schließlich ist so eine Funzel kein modisches Accessoir, sondern soll die Erleuchtung bringen. Augenscheinlich ist der Kernkegel der UK  größer. Die PX1 hat einen kleineren Kernkegel, darum herum einen etwas größeren Nebenkegel. Sofort fällt allerdings auch die Lichtverteilung auf: Während bei der PX1 die üblichen Abschattungen im Nebenkegel zu sehen sind, kann die UK hier deutlich punkten. Der größere Lichtfleck ist ohne irgendwelche Schatten, einen Nebenkegel gibt es fast nicht!

links die beiden Linsen der UK

links die beiden Linsen der UK

Das ist der aufwändigen doppelten Linsenoptik zu verdanken, den die PX1 nicht aufbieten kann. Das Streulicht um die Kegel herum empfinde ich bei beiden Lampen als gering. In der Praxis muss man sich jetzt entscheiden, ob man neben dem hellen Zentrum auch die Umgebung etwas erleuchten will, oder ob man zugunsten einer geringeren Blendung im Rauch lieber nur einen Hauptlichtstrahl ohne Aura haben möchte.

Die große Helligkeit beider Lampen, insbesondere der PX1 mit dem Nebenkegel, kann auch zum Problem werden, wenn man in verrauchter Umgebung unterwegs ist und der angestrahlte Smog das Licht reflektiert. Hier hat die PX1 aber ein Schmankerl zum Aufrüsten im Zubehör- Angebot: Statt der weißen LED kann man bei Parat einen Leuchtkopf mit einer amberfarbenen LED kaufen, die zwar nicht ganz die Leistung der weißen LED erreicht, durch den gelblichen Farbton bei Rauch aber eine verbesserte Sicht verspricht. Das habe ich bei UK noch nicht gefunden. Schade, wäre ich doch ein potenzieller Kunde für so ein Gimmik. Ausprobieren würde ich es jedenfalls gerne mal.

DSCN4071Überhaupt kann man bei der PX1 den LED- Kopf auch z.B. gegen einen Xenonbrenner oder den Kopf mit der Amber-LED tauschen, ohne die Zulassungen zu verlieren. Auch das bietet UK meines Wissens nicht an.

Alles in Allem glaube ich, dass die PX1 eine Alternative für die UK4AA darstellen kann, wenn man eine LED- Lampe sucht. Insbesondere der Preis ist verlockend, kann doch nicht jeder mal eben 70-80 Tacken für eine Lampe ausgeben. Für Arbeiten ohne Rauch ist der Nebenkegel der PX1 bestimmt auch vorteilhaft, um sich in engen Umgebungen, z.B. bei einem VU, zu orientieren. In der weißen LED- Version wird aber im Brandeinsatz von der UK weniger Rauch angestrahlt als vom breiteren Nebenkegel der PX1, wodurch die Sicht verbessert wird.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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7 Antworten zu Lichtblicke: UK 4 AA gegen die günstige Alternative PX1

  1. Ulrich Wolf schreibt:

    Es gibt durchaus noch zwei weitere gute Altenativen: Zum Einen die HL10EX von AccuLux (http://www.acculux.de/explosion_hl-10-ex.php) Zum Anderen eine UK mit nur 2 AA Batterien: Die UK 2AA eLED. (https://pvsafety.wordpress.com/2015/06/23/interschutz-2015-helles-kopfchen/) Besonders gefällt mir die kleine UK, wenn man eine Helmleuchte sucht. Sie ist wesentlich leichter, als die leuchten mit 4 Batterien und (fast) genauso hell. Was bei einer Helmleuchte nicht unbedingt so entscheidend ist. Im Nahfeld absolut ausreichend. Preislich liegen beide Modelle unter der UK 4AA und die PX1.

  2. cobeen schreibt:

    Morgen Firefox,
    wie verhält es sich den bei euch mit der Zulassung für den Helm? Wir haben bei uns in der FF das Problem das der Hersteller uns nur die UK erlaubt die auch mit ihrem Namen versehen ist, genauso verhält es sich mit der Halterung, ist beides, Lampe und Halterung, nicht mit dem label versehen erlischt die Zulassung des Helmes. Und was dann im Falle eines Unfalls passiert brauche ich dir ja nicht erklären. Verstehen tut das keiner….

    • firefox05c schreibt:

      Für Feuerwehrausrüstung muss ein Hersteller durch Prüfungen nachweisen, dass sie den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Dafür bekommen sie dann ein Baumusterzertifikat. Meines Wissens muss bei jeder baulichen Veränderung an einem typgeprüften Gerät dieses neu geprüft werden, da anders vom Hersteller (als Inhaber der Zertifikate) nicht garantiert werden kann, dass diese Veränderungen nicht die Funktion beeinträchtigen (und somit die Zulassungsfähigkeit erlischt). Das gilt auch für Anbauten, wozu neben Visieren und Helmsprechgarnituren auch Helmlampen zählen. Streng genommen gilt das oben beschriebene also auch für alle anderen Helme, an die Lampen angebaut werden, die nicht mit dem Helm zusammen geprüft wurden. Die Zulassung kann auch vom Anbaugeräte- Hersteller beantragt werden. Im Umkehrschluss kann ein Hersteller festsetzen, dass bestimmte Anbaugeräte die Zulassung seines Helmes erlöschen lassen, weil er Bedenken hat, dass die Funktion beeinträchtigt wird (Visier kann nicht korrekt geschlossen werden, anclipsbarer Atemanschluss wird nicht sicher dicht o.ä.).
      Die Forderung der von dir genannten Firma finde ich indes sehr zweifelhaft: Die UK4AA wurde offensichtlich von der Firma (oder von UK) zusammen mit dem Helm typgeprüft und für genehmigungsfähig befunden. Da die Firma aber höchstwahrscheinlich außer dem Aufdruck nichts an der Lampe verändert, halte ich die ausgesprochene Warnung für einen Marketing- Gag: Der Hersteller will ein Zusatzgeschäft mit den Lampen machen, also entzieht er die Zulassung, wenn man sie woanders kauft … Das darf er wahrscheinlich, und falls es zu einem Zwischenfall kommt (z.B.: im Innenangriff heizt sich ein Metallhalter für die Lampe derart auf, dass der Helm beschädigt wird, oder zB. eine Helmschale reißt, weil ein Halter zu fest angezogen werden kann), kann der Hersteller jede Garantie oder Schadenersatz verweigern, wenn sein tolles Label nicht auf den Teilen ist.
      Pragmatisch gesehen muss aber erst mal etwas passieren, um den Helm in seinen ausgelobten Schutzfunktionen versagen zu lassen, bevor diese Regelungen überhaupt interessant werden. Und offensichtlich beeinträchtigt die UK mit dem auch vom Helmfuzzi verwendeten Halter die Schutzfunktionen nicht. (Aber Leute, die Angst haben, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt, sollten die Lampen weiterhin lieber beim Helmhersteller kaufen.) 😉

      • energist schreibt:

        Pragmatisch gesehen muß nur irgendeiner in entscheidender (!) Position den Käse glauben und der sinnvolle Einsatz guten Zubehörs wird per Dienstanweisung verhindert. Wir hatten Jahr und Tag unser Notfallholster an dem Beckengurt der PA, es gab nie Probleme. Nachdem ein wichtiger Obervorschriftensammler von der hauptamtlichen Fraktion mal ins Internet (Fw-Forum) gesehen und die dortige Diskussion als gesetzten Gesetzestext interpretiert hatte, befinden sich die Holster nun am Fw-Gurt. Folge: alle schlanken Kameraden kommen nicht mehr an das eigene Holster (wir trainieren, das des Trupp Partners zu nutzen), regelmäßig gehen die am Holster befestigten Keile verloren. Und das alles nur, weil jemand im Internet spekuliert hat, ob nicht „Betriebserlaubnis“ des PA erlischt, wenn man ein nicht typgeprüftes „Anbauteil“ anbringt.

        Aber weil sich dieser wichtige Jemand auf diese Position festgelegt hat und sein Gesicht waren will (als ob es schlimm wäre einen Fehler zu machen) muß das jetzt so bleiben. Ganz egal ob es im Einsatz Probleme macht oder nicht.

      • firefox05c schreibt:

        Dann bleibt nur zu hoffen, dass er nicht merkt, dass der Gurt ebenfalls eine Zulassung benötigt. Und jetzt stell dir mal vor, bei einem der zahlreichen Notabseilungen verheddert sich die Feuerwehrleine am Holster!!! (-.-)

      • energist schreibt:

        Nun habe ich schreckliche Bilder im Kopf: wenn gleichzeitig auch noch eine spontante Durchzündung der Fassade stattfindet, könnte der Feuerball bei der Entflammung des Holsters die geprüfte Fw-Leine berühren und das ganze Sicherheitskonzept durcheinander bringen! Jetzt muß ich mich erstmal setzen ;-D

      • firefox05c schreibt:

        Es tut mir leid. Aber das Leben ist hart. 😉

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