Mitbringparty

Ein bis dahin unbescholtener Nachmittag endete, als das Alarmlicht aufflammte und die Stimme aus dem Lautsprecher verkündete: „Einsatz fürs HLF. Feuermeldung auf dem Westfriedhof: Brennt Grabgesteck.“ Ich rief hektisch unseren Anstaltsleiter: „Fix jetzt! Da müssen wir uns beeilen! Sonst ist das Feuer aus, bevor wir da sind …“

Wir überschlugen uns also nur mäßig. In der Fahrzeughalle kamen wir am Angriffstrupp- Führer vorbei, der vor dem Waschbecken stand: „Moment. Ich komme gleich“, meinte er, während er Wasser in einen Eimer laufen ließ. Der will wahrscheinlich gleich sein Auto waschen, dachte ich, während ich unser Dienstfahrzeug bestieg. Als der Motor vom Maschinisten gestartet wurde, stieg auch der Kollege vom Waschbecken endlich ein – und schob dabei den gefüllten Eimer vor sich her! „Was willst du denn damit?“, fragte ich irritiert, als das Auto anfuhr und das Wasser anfing, ordnungsgemäß überzuschwappen. „Für das Gesteck. Ich habe kein Bock, gleich die Kübelspritze quer über den Friedhof zu schleppen“ , tat er wie selbstverständlich kund.

20151224_164843Während wir zum Friedhof fuhren, stellte ich unsere Stiefelpakete (die wir zu einem solchen Einsatz natürlich nicht anzogen) auf die Sitzbank und rief immer wieder nach vorne: „Nicht so schnell … Vorsicht in der Kurve! … Bitte etwas sanfter bremsen, hier schwimmt alles!“ Denn tatsächlich – wer hätte das gedacht – wurde der offene Eimer natürlich bei jedem Schlagloch inkontinent. Das Wasser flüchtete bei jeder Gelegenheit links und rechts aus dem Behälter, um sich im Fußraum der Kabine breit zu machen. „Hast du wenigstens einen Spritzer Seife drin? Dann braucht ihr gleich nur noch kurz durchfeudeln, und die Karre glänzt wieder“, witzelte der Wachführer von vorne. Kollege Eimerwart war schon still, da er merkte, dass seine Idee wohl nicht ganz so durchdacht war: Während sich hier in der Kabine etwa die Hälfte des Eimerinhaltes in den Trittkasten vor der Tür versammelte, gondelten wir im Aufbau des Löschfahrzeuges über anderthalb Tonnen Wasser durch die Gegend. Selbst wenn dem Kollegen also die Kübelspritze zu schwer war und er mich kollegialerweise ebenfalls vor der Schlepperei schützen wollte: Ein paar Sekunden, um einen mitgebrachten leeren Eimer zu füllen hätten wir bestimmt gehabt.

Am Friedhof angekommen, ergoss sich der halbe mitgebrachte Wasservorrat in Form eines kleinen Sturzbaches auf die Einfahrt, als besagter Mitarbeiter seine Tür öffnete. Mit der verbleibenen halben Eimerfüllung zogen wir also über die Sammelruhestätte („Schau mal, da drüben sind schon wieder einige Leute ausgezogen, da ist wieder was frei!“) , fanden ein bereits mit der Wasserflasche eines Besuchers weitgehend gelöschtes Tannengesteck und gossen den Rest unseres Löschmittels darüber aus.

Nachdem wir mitsamt Eimerchen wieder am Löschbomber angekommen waren und Vollzug gemeldet hatten, informierte der Wachbetreuer die Leitstelle: „Haben einsames Gesteck bei der Oxidation unterbrochen. Der Stadtteil konnte erfolgreich gehalten werden.“ Für die Rückfahrt ermahnte ich den Arbeitssparer noch, bitte nicht mit schmutzigen Schuhen auf dem frisch gespülten Boden herum zu trampeln. Schließlich wollten wir ja keine Fußabdrücke hinterlassen, wenn schon mal alles sauber war … 😉

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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2 Antworten zu Mitbringparty

  1. esproviding schreibt:

    Wie immer einfach klasse geschrieben…

    Frohe Weihnachtennn wünsche ich dir und der ganzen Wache (und deiner Familie natürlich)

  2. blaulichtengel schreibt:

    Also mit neuen Putzeimer ein Feuer löschen, das hätte ich von einer Berufsfeuerwehr nicht erwartet. Der Kamerad hat hier also ein neues Löschutensil mit aufs KFC genommen, nur die Füllung mit Wasser war nicht so toll.
    Immer wieder schön, die Geschichten des Lebens so zu lesen!

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