Info: Natural Born Hauslocher

„Drrrrrrt! – … – Drrrrrrt!“ klang es morgens durch die Siedlung. Davon wachten meine Erwählte und ich auf. „Drrrrrt!“ Ich seufzte in Richtung Kissenberg neben mir: „Der Specht meldet mal wieder Revieransprüche an. Um diese Zeit! Muss das sein?“ Wir wohnen zwar mitten in der Großstadt, aber trotzdem treibt sich hier vom Fuchs über Waschbär bis zum Specht alles herum, was der Wald so zu bieten hat. Mausi brummelte nur. „Drrrrrt!“, schallte es von draußen. „Weiß der denn nicht, dass ich heute mal ausschlafen will?“ Meine Frau drehte sich um: „Geh halt raus und sag es ihm …“

Jetzt war auch sie vollständig wach. „Nicht, dass der an der Hauswand hängt?“, mutmaßte ich. Immerhin waren die Klopfsalven recht laut zu hören. „Meinst du, der kloppt was kaputt?“, fragte Frau. „Hmm … ich denke, das ist nur unproduktives Signaltrommeln. Wenn sie Insekten suchen, ist das wohl mehr so ein vereinzeltes in-die-Borke-hacken“, überlegte ich laut, und klopfte einen Beat an der Bettkante, von dem Allround- Laien wie ich sich vorstellten, wie es klingen mag, wenn Herr Buntspecht dinniert.

„Drrrrrrt! – … – Drrrrrrt!“ klang es wieder hohl durch die Gegend. Ich wurde etwas unruhig. Und wenn er nun doch die Fassade abbaute? Ich stand also auf und schlich zunächst wenig Gesellschaftstauglich auf den Balkon, um den Hauer zu suchen. Da lehnte ich mich nun bei etwa 6°  im Pyjama über die Balkonbrüstung und verdrehte mir den Hals, um die Fassade abzusuchen:  Nichts zu sehen. Muss ich mich wohl doch erst mal anplünnen, ärgerte ich mich. Aber das Informationsbedürfnis (also, nicht mit ‚Neugier‘ zu verwechseln!) war stärker als der Unmut über das verfrühte Landfein machen. Angezogen, Schlüssel hergesucht: „Ich geh‘ mal spicken. Mach schon mal Kaffee.“

Specht1

zahlreiche Löcher machen Spechte glücklich und Hausbesitzer knatschig

Bei der Außenuntersuchung des Hauses wurde ich schnell fündig: An der Westfassade hing auf Höhe des dritten Stocks ein Buntspecht an der Wand und schaute im Gegensatz zu mir hellwach aus den Federn. Dann entdeckte er mich, stutzte zwei, drei mal und machte sich vom Acker. Allerdings hatte er einen Teil seiner Arbeit bereits verrichtet: Auf der Fassade verteilt fand ich sechs Löcher, bis 10cm groß! Auch die anderen Außenwände hatten mehrere, wenn auch nicht so große Baustellen des flugfähigen Schlagbohrers. Aber ausgerechnet die Wetterseite war der Hauptspielplatz des Spechtes!

Faustgroße Löcher ...

Faustgroße Löcher …

Bei der Recherche im Netz fand ich dann heraus, dass Buntspechte wohl häufiger der Sachbeschädigung und Lärmbelästigung überführt werden: Da es in einigen urbanen Gegenden (gerade auch im Ruhrpott!) viel Grünzeug, aber wenig Totholz gibt, finden die Insektenfresser zwar genug Frühstück, aber kaum Nistmöglichkeiten. Die gedämmte Fassade hingegen fühlt sich an wie Baumborke und klingt beim Draufrumhacken wie ein morscher Stamm. Klar, dass der Rotschopf da mal prüft, ob man drinnen nicht nisten kann! Folgerichtig sind es auch häufig junge Spechte, die auf der Suche nach einem Revier auch ein neues HQ brauchen. Und dann vergreifen sie sich eben auch an Styroporfassaden.

Der Übeltäter!

Der Übeltäter!

Am Ende des Frühjahres sollen die Tiere laut Vogelschutzbund ihre Arbeiten dann aber beenden, da sie dann irgendwo eine Höhle gebaut haben. Dann hacken sie auf der Suche nach Insekten unter der vermeintlichen Baumrinde nur noch vereinzelt und zudem „nur“ kleinere Löcher in unsere Behausungen.

Ärgerlich in meinem Fall ist, dass ausgerechnet die Schlagseite des Hauses großzügig gelocht wurde. Ich habe den Schaden nun meinem Vermieter gemeldet und hoffe, dass er ihn behebt, bevor die Dämmung durchnässt und komplett unbrauchbar ist.

Der übliche Spruch bie Nässeschäden: „Dann hat der Mieter wohl schlecht gelüftet“, scheidet jedenfalls schon mal aus.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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9 Antworten zu Info: Natural Born Hauslocher

  1. inbereitschaft schreibt:

    Ist in unserem Haus auch an einigen Stellen. Aber es ist ein großes Mietshaus und ich wohn hier eh nicht ewig, von daher nicht mein Problem. Hören tu ich den Specht im Gegenteil zu den Tauben nämlich nicht. Die Wohnungsgesellschaft hatte letztes Jahr die grandiose Idee, neben meinem Haus einen Taubenschlag einzurichten, damit sich die Tauben dort wohler fühlen als überall sonst an den Häusern und weil dort ein Züchter das ganze kontrollieren kann. Der Plan geht auch gut auf, nur sind wir die Leidtragenden, dass alle anderen Häuser taubenfrei sind…

  2. Bloggergramm schreibt:

    Ich frage mich jedes Mal wieder, wieso man auf die Idee kommt, seine ganze Fassade mit hoch brennbaren Materialien zu pflastern…
    Siehe http://www.feuerwehr-frankfurt.de/index.php/projekte/wdvs oder die Ergebnisse des von der Bundesinnenminsterkonferenz in Auftrag gegebenen Brandtests in 02/2014.

    • firefox05c schreibt:

      Ganz einfach: Die Styropor- Industrie hat es durchgesetzt, dass ein Wämedämmungsgesetz erlassen wird (der Text wurde in weiten Teilen 1:1 aus einem Papier der Lobby- Gutaachten übernommen!), und bietet das billigste Material dafür an. Der Rest interessiert nicht, so lange es nicht zu teuer für die Versicherungen wird. Wenig Dämmeffekt, riesige Gewinne für Hersteller und Handwerksbetriebe. Übrigens gab es schon vor vielen Jahren Tests, die aber vehement von der Lobby abgestritten und als „nicht wissenschaflich“ abgetan wurden – bis die ersten Fassaden, die nachweislich allen Vorschriften entsprachen, „trotzdem“ lichterloh brannten.
      Aber das ist ja ein anderes Thema als Schäden durch Spechte. 😉

  3. Nobody schreibt:

    Nett zu hören. Hat deine Stadt auch den Karneval abgesagt oder warum gab es dieses Jahr keinen Bericht von deinem Kopf?

    • firefox05c schreibt:

      Schön, dass es dir auffällt! 🙂 In diesem Jahr hatte ich mal ausgesetzt mit dem Kopfputz. Dafür war ich abends als „Biene Willi“ unterwegs, mit einem Schild: „Maja? MAJA!?!“

  4. A.F. schreibt:

    Aber firefox, klar hat beim Nässeschaden jemand falsch gelüftet. Nur war es diesmal nicht du sondern der Herr Specht. 😀

  5. A.H. schreibt:

    Spechtlöcher in der Fassade? Kenne ich! Bei meinen Schwiegereltern gab es dann im Frühsommer sogar Nachmieter in der Höhle – eine Eichhörnchenfamilie. 🙂 Drei Etagen nur am rauen Putz hochklettern? Für Eichhörnchen scheinbar kein Problem…

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