… „Nur mal eben das Moppet zum TÜV bringen.“

oder: „Tell my why I don’t like mondays“

Montag.

Montag (Symbolbild…)

Montage sind doof und aller Übel Anfang. Da ist sich die westliche Zivilisation wohl einig. Dass das durchaus seinen Grund haben kann, habe ich an einem Tag erfahren, an dem kaum etwas klappte – natürlich einem Montag …

Mein Montag fing bereits am Sonntag an: Rüsselseuche. Also, nicht bloß so‘ n Schnüpferken, sondern schon so eine Art TMS (tödlicher Männerschnupfen): Nase, Stirn, Kiefer, Hals, Hüfte, Kreislauf. Die Schadens- und Ausfallmeldungen des Körpers überschlugen sich. Mir war erst kalt, dann warm, dann wieder kalt. Ihr kennt das. Und zu all dem hatte ich auch noch Urlaub. Da soll man sich ja eigentlich erholen.  Weil der Pastor aber nicht kurzfristig erreichbar war, verschob ich das mit dem Sterben zunächst. Für den nächsten Tag war geplant, mein Motorrad zur Werkstatt zu bringen: TÜV war abgelaufen. Seit fast genau zwei Jahren! Es wurde also langsam Zeit, einen Termin hatte ich schon ausgemacht.

Montag Morgen wachte ich also pünktlich um halb vier auf und konnte nicht mehr schlafen. Ich wälzte mich bis um sechs („Kochwäsche“: einmal links rum, Pause, einmal rechts rum, Pause …) , stand dann mit meiner Frau auf und frühstückte etwas mit ihr, bevor sie zur Arbeit abrückte. Nase, Kopf und Hüfte waren immer noch nicht so toll, also legte ich mich noch mal hin. Einen Versuch, doch noch eine Mütze Schlaf zu bekommen, war es wert.

Sie kann so süß sein. KANN.

Sie kann so süß sein. KANN.

Da war die Katze jedoch anderer Meinung: Schließlich war schon mal jemand wach, da musste die Stille jetzt vorbei sein! „Mau! Mauauuu! Mau!“, mopperte sie herum, während sie rastlos durch die Bude Streife lief. Ich wurde langsam porös. Aber um sie auf Links zu drehen und als Muff auf die Garderobe zu legen fühlte ich mich zu krank. Schlafen war trotzdem nicht. Um halb zehn gab ich den Einschlafversuch dann auf. Ich schluckte ein Pfund ASS (war nichts anderes im Haus), zog mir die Motorradklamotten an – und stellte fest, dass mein Jethelm nicht auffindbar war! Tolle Wurst: Der Integralhelm saß ziemlich stramm, weshalb ich ihn heute eigentlich nicht auf meine riesen- Glumse pressen wollte. Ich hatte schließlich Kopfweh genug! Aber ich hatte jetzt leider keine Wahl. Mist.

Ich setzte mich ins Auto, um zum Motorrad zu fahren, welches sich in einer angemieteten Tiefgarage befand. Jedoch war kein Parkplatz für mein Auto in der Nähe zu finden. Ich biss also frustriert und schwitzend ins Lenkrad (bei Sonnenschein kann es im Auto mit Motorradklamotten schon mal warm werden) und suchte den nächsten freien Parkplatz, der gefühlte 10km von der Tiefgarage entfernt war, und machte mich mit wackligen Erkältungsbeinen auf den Weg zurück. Da ich das Moppet bereits vor zwei Monaten mal gewaschen und die Batterie geladen hatte, war ich voller Hoffnung, dass der Strom noch für einen Startvorgang reichen würde.

An der abschließbaren Parkbox angekommen, stellte ich fest, dass das Moppet aussah wie Sau. Wie acht Jahre Keller! Na, da hatte sich das Waschen schon mal richtig gelohnt. Ich war frustriert. Ich schob den Bock aus der Box, drehte den Zündschlüssel: „Krrrrrrr!“ machte der Anlasser bloß.  Nicht genug Strom. Montag halt, da musste es eigentlich genau so kommen. Außerdem waren die Reifen fast platt. Ich schob im Schweiße meiner Füße das Zweirad mit seinen 230kg also ächzend die Tiefgaragen- Einfahrt hoch und wollte das Moppet einfach anrollen lassen. Aufsitzen, Leerlauf, anrollen, Kupplung, erster Gang: Anstatt, dass der Motor jetzt durchs Getriebe gedreht wurde, gab es eine Vollbremsung! Die Kupplungsscheiben klebten. Toll. Anrollen ist also nicht. Ich legte meine dicke Motorradjacke und den Helm in die Tiefgarage und wanderte mit verschwitztem Rücken zurück zum Auto, damit ich damit die leere Batterie überbrücken könnte. Den ganzen. Verdammten. Weg.

Eine Ewigkeit später war ich mit dem Auto zurück, baute die Sitzbank des Moppets ab, überbrückte die Batterien und startete den Hobel. Sitz wieder drauf, Motorhaube zu. Und dann erst kam mir die Idee: Warum nicht das Auto auf meinen gemieteten Platz in der Garage stellen, wenn das Motorrad doch nicht mehr da steht? Hätte ich auch schon vorher drauf kommen können. Ich hätte mir die Rennerei erspart … Zwischenzeitlich war allerdings das Tiefgaragentor wieder zugefahren. Meine Klamotten und der freie Platz waren drinnen, der Torschlüssel war am Bund, der am tuckernden Moppet baumelte. Na klasse. Sollte ich mich jetzt daneben legen und den Schlüssel vom Bund fummeln, damit das Motorrad weiter laufen konnte? Oder sollte ich es wagen, den Motor abzustellen, in der Hoffnung, dass die Batterie jetzt ja ein paar Minuten geladen war? In Anbetracht meines Erkältungszustandes entschloss ich mich, auf Risiko zu spielen: Motor aus, Tor hoch, Auto rein, Schlüssel wieder ins Motorradschloss: „Krrrrr!“ – Die Batterie war wohl so gut wie tot. Ich hatte den Kaffee ja dermaßen auf, sachich euch! Und ärgerte mich über mich selbst: Warum hatte ich das nicht sofort kontrolliert, BEVOR ich das Auto abgeparkt hatte?

Büschn Bio- Strom wäre jetzt klasse...

Büschn Bio- Strom wäre jetzt klasse…

Also Auto wieder raus, Tor dieses mal blockieren, Sitz vom Moppet runter, überbrücken, Sitz drauf, Auto wieder in Garage, Klamotten anziehen und los. Ich durfte zwar ohne TÜV keine Umwege fahren, aber trotzdem musste ich erst zur nächsten Tankstelle zum Luft nachfüllen. Dort wartete ich an der Luftsäule zunächst ab, dass ein PKW- Fahrer vor mir fertig wurde. Und der machte ewig an den Rädern rum. Warten macht mit einer Erkältung nur so mittelmäßig Spaß, wenn einem alles weh tut. Als ich endlich an der Reihe war, fummelte ich mir mit dem Anschluss einen Wolf an meinen Ventilen, bis ich  herausfand, warum mein Vorgänger so lange gebraucht hatte: Die Gummidichtung in dem Ding war kaputt. Montag eben.

Wutentbrannt fuhr ich mit fast plattem Reifen also zur nächsten Tanke, wo ich einigermaßen problemlos endlich die Gummis wieder dick bekam. Mit vom Kettenfett versauten Pfoten machte ich mich in Richtung Werkstatt auf, in der Hoffnung, dass nicht plötzlich die Schmiere hinter mir herfahren und unangenehme Fragen zu meinem 2 Jahre versäumten TÜV- Termin stellen würde. Nach einem nervigen Baustellen- Stau kam ich an der Werkstatt an und wurde vom Meister gleich angepampt: „Watt? Jetzt? Mannmannmann, Annahme und Ausgabe immer nur zwischen 17 und 19 Uhr! Ich komme ja zu nix…“ Klasse. Auch bei ihm war also scheinbar Montag.

„Na, dann schauen wir mal“, meinte er. „Zum TÜV und Ölwechsel kommt noch eine neue Batterie“, verriet ich ihm. „Jepp. Und vorne zwei neue Gabel- Simmeringe. Die sind undicht“, eröffnete er mir. Na toll, kostet ja alles nichts. Ich machte mit ihm den Reparaturauftrag fertig und quetschte wegen der steigenden Temeraturen meine Motorradjacke und den Helm in den mitgebrachten Rucksack. Doof nur: Eine der Nähte entschied sich in diesem Moment dazu, wegzuschwächeln. Konnte ich das Ding später also auch wegwerfen.

Ich schnaufte mit wenig Luft und viel Kopfschmerzen zur nächsten, etwa 300m entfernten Bushaltestelle. Doch hier hielt die falsche Linie. Mist! Der Linienplan verriet mir: Wieder zurück, an der Werkstatt vorbei, 800m weiter zur Halte mit der richtigen Linie. Ich hätte Pflastersteine werfen können! Scheiß Montag! Aber wahrscheinlich hätte ich mich dabei nur selbst verletzt. Ich stampfte los. Aber nur, um an der letzten Straßenecke zu sehen, wie mein Bus gerade von der Haltestelle ablegte. Ich knirschte mit den Zähnen: Hatte ich jetzt doch 30 Minuten Zeit, zu überlegen, was noch alles schief gehen könnte!

Als der Bus kam, machte ich mir den nächsten Feind: „Öhm… ich habe leider nur einen 50 Euro- Schein mit. Ist das ein Problem?“ Der Fahrer schaute mich erst verständnislos, dann sauer an, bevor er unwillig brummelnd unter dem Armaturenbrett abtauchte, um seine Tasche mit den Scheinen hervorzukramen. Wenigstens hatte er mich nicht wieder rausgeschmissen.

Ich setzte mich nach Erhalt der Karte auf eine der versifften Bänke im Aroma- Express. Der Bus fuhr los. Und mir fiel ein, dass der Schlüssel für die Tiefgarage am Motorrad- Schlüsselbund war. Am Moppet. In der Werkstatt. Richtig:  Der Schlüssel für DIE Tiefgarage, in der mein Auto stand. Ob ich einen zweiten Schlüssel zu Hause hatte, wusste ich nicht genau. Wenn nicht, müsste ich abends mit Mausi noch mal quer durch die Stadt zum Schrauber fahren, um den Schlüssel zu holen, damit ich an mein Auto käme! Ich fuhr mit dem Bus also nicht erst zur Tiefgarage, sondern gleich nach Hause. Wenigstens das klappte aber: Wir hatten dort noch einen Zweitschlüssel für die Garage.

Morgens um zehn war ich losgefahren, um „mal eben“ das Motorrad in die Werkstatt zu bringen. Jetzt war es halb drei. Mir taten alle Gelenke weh, ich hatte Kopfschmerzen und eine dicke Nase. Und musste noch das Treppenhaus putzen: „Flurwoche“. Scheiß Montag.

Kein Bock mehr.

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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7 Antworten zu … „Nur mal eben das Moppet zum TÜV bringen.“

  1. petra1971 schreibt:

    Gute Besserung

  2. Ruhrköpfe schreibt:

    es gibt so Tage, Gute Genesung und liebe Grüße, Annette 🙂

  3. Nobody schreibt:

    Ja, wer kennt sie nicht, diese kurzen Unternehmungen?

  4. kleiner_Geist schreibt:

    Es gibt Tage da verliert man, und es gibt Tage da gewinnen die Anderen.

  5. opatios schreibt:

    An Tagen wie diesem wächst das Verständnis für Patienten, die wegen einem „kleinen Wehwehchen“ den Pflasterlaster kommen lassen. 😉
    Ich wünsche Dir, deiner Holden und dem Mopped gute Besserung.

  6. Chris schreibt:

    Also ein fast normaler Wochenanfang. Aber ich habe die Lösung gefunden und praktiziere das jetzt so. Fange einfach am Sonntag mit der Woche an, schon ist der Montag kein Problem mehr 😉

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