Tipps: Wetter für Gassigeher und Blümchenschützer

Immer wieder ziehen Unwetter oder markante Wetterlagen übers Land. In der Wettervorhersage der großen TV- Sender und Radiostationen hört man dabei zwar Warnungen vor Starkregen, möglichen Gewittern oder Schneefällen, aber diese Meldungen betreffen oft große Landstriche oder ganze Bundesländer. Doch wie bekomme ich möglichst genaue Informationen, die mich rechtzeitig warnen, wenn bei mir „Land unter“ zu erwarten ist?

Zunächst: Will man eine möglichst genaue Vorhersage für den eigenen Standort, kommt man nicht umhin, diese auf die nächsten zwei, drei Stunden zu beschränken – was allerdings durchaus dazu reicht, zu entscheiden, ob man nun mit dem Hund Gassi geht oder lieber noch wartet, oder ob man den Balkon räumen muss. Natürlich gibt es noch eine ganze Menge weiterer Wetterseiten und – Apps, ich möchte hier aber einmal die Medien vorstellen, die ich für mich als am praktischsten befunden habe.

Ich gehe bei der Einschätzung von Wettergefahren wie folgt vor:

Zunächst höre ich im Radio oder TV eine Warnung für den nächsten Tag, meist bezogen auf mein Bundesland oder – noch allgemeiner – „Für den Westen Deutschlands“. Das ist für mich das Startsignal, das Wetter über verschiedene Kanäle zu verfolgen.  Um genauere Warnungen zu erhalten, benutze ich verschiedene Apps. wetterwarnerDie Wetterwarnungen des DWD erhält man zum Beispiel über die App „Wetterwarner“ aufs Handy. Diese kann man entsprechend kreisgenau und nach Warnschwellen einstellen. Ich empfehle, die Nachrichten erst ab Warnstufe Rot zustellen zu lassen, da das Handy bei niedrigeren Stufen sonst selbst bei einfachem Regen und an-der-Wäsche-wackel- Wind alle Nase lang klingelt. Auch Pollenflug, Waldbrandindex und weiteres kann man dort nachsehen.

Auch über den Computer kann man auf die Infos des DWD zugreifen: Unter der  DWD- Seite  kann man die einzelnen Warnregionen auf einer Deutschlandkarte sehen und bis ins Dörfli reinzoomen. Über beide Kanäle des DWD wird man über den kompletten Warntext informiert, in dem z.B. auch der Geltungszeitraum einer Warnung nachzulesen ist.

regen

Regenradar. Unten in der nächsten Karte ist etwa an den Stellen, die hier rot sind (Starkregen), Gewitter zu sehen.

Bekommt man nun eine Nachricht für seinen Kreis, zum Beispiel über Starkregen, empfiehlt sich ein Blick auf das Regenradar. Das kann man entweder auch über diese App am Handy abrufen, oder man schaut sich wegen der besseren Auflösung und Übersicht das Regenradar auf einem Tablet oder PC an. Oft hat sich die Angst vor Regen dann schon erledigt, wenn man sieht, dass es wieder mal nur über die Nachbarn hinwegzieht.  Das Radar unter dieser Seite ist recht interessant und hochauflösend animiert, auch unter wetter.com lässt sich ein Regenfilm abrufen. Anhand der Färbungen kann man recht gut einschätzen, wie dicke es kommen mag, und über die Filmsequenz ist die Zugrichtung vorhersehbar. So albern es klingt: Mit einem einfachen Lineal auf dem Monitor lässt sich für die nächsten etwa zwei Stunden sehr genau vorhersagen, um wie viel Uhr es höchstwahrscheinlich anfängt, am eigenen Standort zu regnen: Regenfronten ziehen in der Regel sehr gleichförmig. Einfach in Zugrichtung abmessen, wie viele Zentimeter sich die Regenfront in den letzten zwei oder drei Stunden fortbewegt hat, dann diese Strecke in Zugrichtung zum eigenen Standort aufaddieren, und am Endpunkt wird man ziemlich genau in der vorher „ausgemessenen“ Zeit einen nassen Hintern bekommen. Umgekehrt kann man natürlich auch genauso gut vorhersehen, wann es wieder trocken ist.

Etwas Vorsicht ist bei den animierten Prognosen geboten: Diese scheinen auf einigen Seiten nicht so oft korrigiert zu werden, so dass die prognostizierte Wetterbewegung teilweise erheblich vom aktuellen Bild abweicht! Konzentriert euch lieber auf die aktuellen und vergangenen Daten. Viel mehr machen die bezahlten Wetterfrösche auch nicht.

Nur kurzfristig und trotzdem noch sehr ungenau ist die Entwicklung von Gewitterzellen zu bestimmen. Diese bilden sich oft in Starkregenfeldern. Um sie zu sehen, gibt es die nächste Karte:

aktuelle Entladungen sind mit einem roten Rand versehen, der graue Kreis ist die Ausbreitung des Donnerschalles.

aktuelle Entladungen sind mit einem roten Rand versehen, der graue Kreis ist die Ausbreitung des Donnerschalles.

Unter Lightningmaps wird eine zoombare Karte angezeigt, auf der nicht nur die aktuell georteten Entladungen zu sehen sind, sondern auch die vergangenen Blitze farblich codiert angezeigt werden. So kann man auch hier wiederum eine Zugrichtung aus den Ortungen der letzten zwei Stunden abschätzen. Allerdings sind gerade Gewitterzellen sehr launisch, tauchen auf und verschwinden wieder. Zumindest kann man anhand der niedlichen Pünktchen auf der Karte und im Zusammenhang mit dem Regenradar, auf dem möglicherweise eine Starkregenfront zu sehen ist, abschätzen, ob man im gefährdeten Gebiet liegt oder ein Gewitter doch eher in fünfzig Kilometern Entfernung niedergehen wird. Zusätzlich bietet diese Seite noch die Möglichkeit, über einen Button, der sich oben rechts befindet, die Schallausbreitung des Donners anzuzeigen: In einer Entfernung von 10-12km kann man – sofern die Anzeigeverzögerung, die man oben links sehen kann, nicht zu groß ist – ziemlich genau den Donner eines Blitzes hören, wenn der angezeigte Kreis über den eigenen Standort streicht. („Schatz, pass auf: Gleich geht der Hund stiften!“)

In den letzten Jahren bin ich mit der Auswertung dieser Daten immer recht gut gefahren. Man bekommt mit der Zeit auch Routine, so dass dann ein kurzer Blick reicht, um eine Gefahr zu erkennen oder zu sehen, ob man die Wäsche raushängen kann.

katwarn-logoWeitere Apps zur Warnung, die ich nutze, sind Katwarn und NINA. Beide Apps geben nicht nur die Warnungen des DWD aus, sondern können auch durch Behörden mit anderen Gefahrenmeldungen gefüttert werden: Sollte ich wegen eines Großbrandes Türen und Fenster schließen? Sind Behinderungen aufgrund von Bombenentschärfungen zu erwarten? Diese Meldungen werden – sofern die zuständigen Stellen fleißig mitmachen – direkt aufs Handy geschickt.

So. Und wer jetzt noch von nassen Füßen überrascht wird, hat vorher halt einfach nicht geguckt.

 

 

 

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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5 Antworten zu Tipps: Wetter für Gassigeher und Blümchenschützer

  1. cixio schreibt:

    Die Idee von NINA ist an sich ja gut, die Umsetzung (auf iOS – Android kenne ich nicht) eher extrem bescheiden. Der Aufbau ist sehr sparsam und sieht aus wie aus einer Drag&Drop-Software. Die Push-Meldungen sind so gut wie immer wenig aussagend, z.B. „Bombenentschärfung“ – damit ich sehen kann wo genau das ist muss ich erst die App öffnen.

    Dazu kamen dann bis vor ca. 3 Wochen mindestens 2-3x die Woche irgendwelche Testalarmierungen, die dann auch noch später zurückgenommen werden mussten (und damit wieder den Text „Testalarmierung“ gesendet haben). In letzter Zeit ist das immerhin weniger geworden.

    Einige aus meinem Freundeskreis (RD und FWler) haben die App aus den oben genannten Gründen bereits wieder gelöscht. Ziel verfehlt, setzen, 6.

    • firefox05c schreibt:

      Schade finde ich auch, dass im Grunde ja nur ein Link zur Meldung auf der Internet- Seite gesendet wird. Ich weiß aber nicht, für welche Regionen Nina eingepflegt wird oder wo Katwarn besser funktioniert, darum habe ich beide Apps angegeben.

  2. Techniker schreibt:

    Ich halte von diesen Apps gerade in Hinblick auf Unwetterwarnungen gar nichts. Das führt doch nur dazu, dass die Menschen noch weniger auf ihre Umwelt achten. Dicke schwarze Wolken am Himmel, „hmm, die App sagt nix, also setz ich mich aufs Rad“. Bei mir hat Katwarn nur Fehlalarme angezeigt: Unwetterwarnung -und, was war: Bisschen Wind und Regen.
    Eine Bombentschärfung ist keine Katastrophenlage. Wenns mich betrifft, weil ich mich im Sperrkreis aufhalte, wird mich spätestens die Polizei rausklingeln (klingeln muss sie eh) wenn mich der Blaulichtauftrieb nicht schon vor die Tür gelockt hat, und wenn ich net daheim bin betriffts mich nicht.
    Aber Hauptsache wir ham ne Äpp…

    • Thomas schreibt:

      Das geht mir ähnlich. Vor lauter Unwetterwarnungen hätte man in den letzten zwei Wochen das Haus nicht verlassen dürfen, während ausgerechnet an dem einen Tag, an dem es hier keine Warnung gab, der starke Regen unseren Grillabend halb ruiniert hat. Klar, es ist nicht immer stadtteilgenau vorherzusagen und in anderen Stadtbereichen sah es auch schon wieder teils extremst anders aus (hier laues Lüftchen und 3km weiter Äste in der Oberleitung), zudem wechselt das Wetter in letzter Zeit auch immer recht plötzlich, aber gefühlt wird viel auf blauen Dunst gewarnt… Regen- und Blitzradar hingegen sind tatsächlich praktisch, wenn man wissen will, ob man in den nächsten Stunden wirklich getroffen wird, obwohl es natürlich auch dort sein kann, dass eine Starkregenwolke, bis sie bei einem ist, nur noch Nieselregen enthält.

      Andererseits ist eine Warnung mehr natürlich besser als eine Warnung zu wenig, aber auf Dauer wird das zu einer Geschichte ähnlich dem Kind und dem Wolf.

      • firefox05c schreibt:

        Die Warnungen des DWD sind für mich im Grunde nur Aufforderungen, die Wetterdaten vermehrt zu beobachten. Starkregen und Gewitter lässt sich eben nicht Stadtgenau vorhersagen. Für meine Einschätzung ist das Regenradar am wichtigsten.

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