Nachts auf der Nebenwache …

… klingelte das Telefon. Ein „externes Gespräch“ auf dem öffentlichen Anschluss. Um diese Zeit? Ich melde mich: „Die Feuerwache in XX, guten Abend!“ Die Stimme am anderen Ende stellte sich vor: „N’Abend. Hier ist Kleinert. Ich brauche einen Krankenwagen.“ Kleinert? Den Namen kannte ich: Ein Kollege, der sich im Personalrat engagierte und daher auf allen Wachen bekannt war, hieß so. Nun wollte er wohl auf dem „kleinen Dienstweg“ einen Transport organisieren. „Soso, einen Krankentransport hast du für uns“, stellte ich fest. „Und den sollen wir jetzt fahren.“ – „Ja. Wir haben eine Einweisung vom Notdienst. Schulstraße 26. Ins St. Ansgar. Nun brauche ich einen Krankenwagen.“ Ob es seiner Frau wohl nicht so gut ging? Aber er musste doch wissen, dass auf unserer Wache gar kein RTW stationiert war, der nachts solche Transporte übernehmen könnte!

„Ja, hömma, dann ruf‘ mal fix beim 12er auf der Station an. Die Jungs müssten gerade drin sein“, klärte ich ihn auf. „Telefonnummer hasse?“  Die Besatzung würde das dann mit der Leitstelle abklären und die Sache für den Kollegen übernehmen. Dachte ich. Doch es kam eine verständnislose Gegenfrage: „Wie? Was? – Bei wem anrufen?“ Nun erst wurde ich stutzig: Wieso kannte der unseren Sprachcode nicht? Ob es doch nicht der Beamte aus dem Personalrat war? Ich fragte vorsichtig nach: „Öhm … Entschuldigung: Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie womöglich gar nicht bei der Feuerwehr sind?“ – „Nein nein, bin ich nicht“, entgegnete er etwas verwirrt. „Mein Sohn war mal bei den Freiwilligen, aber ich … Nö.“

Oh Mann, das war mir jetzt natürlich peinlich: Eine zufällige Namensgleichheit bei zusätzlicher Stimmenähnlichkeit! Heidenei! Ich schämte mich jetzt für meine „intime“ Ansprache: „Oh, entschuldigen Sie bitte! Wir haben hier einen Kollegen mit dem gleichen Namen“, stammelte ich hastig. „Tut mir echt leid. – Da rufen Sie für den Transport am besten unsere Leitstelle an, unter 19222 wird man Ihnen einen Krankenwagen schicken! Tut mir wirklich leid!“ Er schrieb sich am anderen Ende die Nummer auf und verabschiedete sich.

Der Mensch muss jedenfalls einen super- professionellen Eindruck von mir bekommen haben: Braucht Hilfe, will nicht „die Welle“ machen und sucht sich schon die Nebenstellen- Nummer der zuständigen Wache aus dem Telefonbuch – und wird dann so blöd angemacht …

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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2 Antworten zu Nachts auf der Nebenwache …

  1. Hermione schreibt:

    Aaach, du hast es ja erklärt. ^^

  2. roerainrunner schreibt:

    Ach, die meisten nehmen das ganz locker, glaube ich.
    Ich hatte auch mal eine Kundin mit „Heyho, hier ist Roe, na wie geht’s?“ begrüßt, weil es so aussah, als wäre es ein Kollege, aber sie war weitergeleitet worden. Die Kundin nahm’s locker mit „Wir haben schon so oft miteinander telefoniert, dass Duzen echt mal angebracht wäre…“ 😀

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