Henriks Brülltüte feat. „Velvet“: The Gael

2016-11-12-17-25-52Ich durfte als Gastmusiker bei einem Konzert der Folkband „Velvet“ ein wenig mitspielen! Eine klasse Aktion: Für die Stücke „The Gael“ (Titelmelodie „der letzte Mohikaner“) und „Mull of Kintyre“ wünschten sich die Leute von „Velvet“, eine Folkband aus Bochum, mal eine richtige Brülltüte. Obwohl, um ehrlich zu sein: Sie wollten einfach IRGENDWAS mit einer Bagpipe machen. „Mull of Kintyre“ hatte ich dann bei einer ersten telefonischen Absprache vorgeschlagen, was auch sofort Gefallen fand. Wer nun aber glaubt, dass danach dutzende male geübt wurde, ist auf dem Holzweg. So wie ich: Zu einem Treffen im weit entfernten Proberaum wurde ich gar nicht erst eingeladen, und für die Probe am Mittwoch vor dem Konzert-Samstag wurde ich vorsichtig gefragt: „Nun ja, wenn du möchtst, kannst du dann schon mal vorbei kommen. Ansonsten treffen wir uns ja am Samstag auch vorher auf der Bühne zum Soundcheck …“ – Klar: Sie kannten ihr Programm und hatten nicht viel zu üben. Aber mir war das nun wirklich zu kribbelig! Ich hatte sie vorher niemals gesehen, und vorher auch nie mit einer Folkband zusammen gespielt. Und was Tonarten angeht, wusste ich nur, dass es sowas wie Dur und Moll gab. Wozu auch? Auf meinem Ding kann man eh‘ nicht viel verstellen!  Da wollte ich natürlich vorher schon mal sehen, ob es Probleme gab. Also fuhr ich zur „Vorprobe“ in der Wohnung des Flötenschlumpfes. Glücklicherweise. Denn weil mein Beutel ein wenig höher wie andere Frequenzerzeuger gestimmt wird, nämlich sogar einen kompletten Halbton höher (eine Besonderheit bei unserem Instrument), gab es den üblichen Haken, den fast alle Befummler der Great Highland Pipe mit anderen Musikern haben: „Mann, klingt das schief! Da stimmt doch was nicht!“ 😉

Nachdem wir uns auf eine Tonart geeinigt hatten (oder besser: Weil ich nicht einfach einen halben Ton runter stimmen kann, mussten sie selbst sehen, wie sie damit klar kamen 😉  ), klappte das Spielen von „Mull of Kintyre“ ziemlich schnell. Also, außer mit dem Gesang: Denn „nur ein halber Ton höher“ kann für den Sänger den Grat zwischen „Schlüpper auf der Bühne“ und „Tomaten am Hemd“ bedeuten! Wir entschieden also, dass sie zunächst einen Durchgang ohne mich in ihrer üblichen Tonart machen wollten und anschließend mit mir ein Instrumental spielen würden. Unter solchen Profis wird da scheinbar recht pragmatisch „mal eben“ ein Plan über den Haufen geworfen, wenn es notwendig erscheint. Das gefiel mir.

Ich durfte übrigens nur im Wohnungsflur der Behausung spielen, während die Band im Musikzimmer zusammen stand. Sie hätten sonst nicht mehr viel anderes neben meinen hohlen Knüppeln hören können. Ist halt sehr dominant, mein Hamish.

„Und was könnten wir dann noch machen?“, fragte der Gitarrist danach durch die offene Tür. „Hmm… watt könnter denn?“, erwiederte ich vorsichtig. „Was hälst du von „The Gael“? Kennst du das?“ Natürlich kannte ich das! War zwar schon ein, zwei Jahre her, dass ich das gespielt hatte, aber mein Part war schließlich auch alles andere als aufwändig. „Wenn ich das ein paar mal spiele, geht das. Kein Problem.“ Die Band war sich schnell einig. „OK, dann spielst du das Hauptthema parallel zur Fidel, und auf mein Zeichen setzt du kurz aus, damit wir wieder etwas Spannung aufbauen können, bevor wir wieder zusammen spielen“, planten sie. Rein verbal. – Und damit waren die „Proben“ zu diesem Stück auch schon erledigt. Und ich wusste noch nicht, wie sich das überhaupt anhören sollte …

gleich geht's los!

gleich geht’s los!

Am Konzerttag kamen wir alle zum Soundcheck. Der Tontechniker fummelte an seinen Kabeln und Pannels hochkonzentriert herum. Wir spielten zur (bisher ersten!!) Probe einmal zusammen „The Gael“, wie der Saitenschrubber sich das gedacht hat. Klappte einigermaßen. Das Stück war für die Band damit genug geprobt. „Och, das wird schon klappen“, meinte der Gitarrist lapidar. Einen solchen Vertrauensvorschuss war ich gar nicht gewohnt! Mein Wunsch nach einem Mikrofon für mich wurde vom Tontechniker lachend abgelehnt, nachdem er die Brülltüte live gehört hatte: „Bisse bekloppt? Wenn du jetzt noch ein Mikro bekommst, hört man die Band nicht mehr. Das Ding ist ja scheiße-laut!“ Auch die Idee, das ich beim Betreten der Bühne, was als Überraschung fürs Publikum erst während des Stückes geschehen sollte, einmal quer über die Bretter durch die Band schlendern könnte, wurde vom Tonmann belächelt: „Klar kannze datt. Aber dann hört in der Band keiner mehr etwas anderes aus den Monitor- Lautsprechern als dich. Die Jungs müssten dann in dem Moment quasi blind spielen.“ Na, das wollte ich natürlich auch nicht. Es ist verdammt schwierig, sauber zu musizieren, wenn man weder die Anderen noch sich selbst hören kann. 😉

Wie sich das bis dahin nur zwei mal „geprobte“ Zusammenspiel dann anhörte, könnt ihr hier im Video erleben: Für mich wenig Aufwand, für das Stück ein super Effekt!

 

Die Sache kam auf jeden Fall super beim Publikum an. Auch das später gespielte „Mull of Kintyre“, von dem ich leider noch kein Video habe, erntete viel Begeisterung. Und die Jungs von der Band fanden die Zusammenarbeit ebenfalls so klasse, dass ich direkt eine Anfrage bekommen habe, ob ich zum nächsten Robert Burns Day noch einmal Lust hätte, sie zu verstärken.

Alle glücklich. Für mich ein tolles Erlebnis.  Experiment gelungen. 🙂

Und wer mehr über sie erfahren möchte: http://velvet-irish-folk.de/

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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5 Antworten zu Henriks Brülltüte feat. „Velvet“: The Gael

  1. squirrel1976 schreibt:

    Das klingt total toll ❤

  2. kleiner_Geist schreibt:

    Das hört sich ja sogar nach was an.
    Nur erscheint mir der Raum für die Wucht der Instrumente etwas klein, oder täuscht das?

    • firefox05c schreibt:

      Die Aufnahme wurde etwa in der Mitte des Raumes gemacht, der für 200 Personen ausgelegt ist. Die Veranstaltung war ausverkauft. Ich finde, der Raum war groß genug. 😉

  3. Nobody schreibt:

    So, so. Da konntest du ihnen mit deinem lieblichen Gerät Feuer unter dem Hintern machen.
    Wie sieht es eigentlich mit deinen üblichen Verdächtigen, den Schotten in der Bretagne, aus?

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