Ohne Hose im Parkhaus

Wie des öfteren in den vergangenen Jahren, war ich auch dieses mal engagiert worden, um ein Whiskytasting (Verkostung hochwertiger Whiskys mit Hintergrundinformationen) musikalisch zu untermalen. Irgendwie bringt man meine Brülltüte immer wieder mit Schottland in Verbindung, ich weiß auch nicht, warum … 😉 Angeplünnt im Highland- Dress (schwarzes Hemd zum Kilt) begab ich mich zum Event. Da die Parksituation in der Innenstadt immer etwas suboptimal ist, stellte ich mein heil’ges Blechle in das Parkhaus eines der Veranstaltungslokalität gegenüberliegenden Einkaufszentrums. Ich hatte im Kopf, dass dieses bis etwa 22.00 zugänglich sein sollte. Später sollte mich diese Vermutung einholen.

Der Abend verlief laut, lecker und gemütlich (die Gäste wurden ob der Wirkung des Destillates immer redseliger, einige versuchten sich auch vergeblich an der Bedienung meines Gebläses), und das kollektive „Besäufnis mit Niveau“ ging, wie auch der Flascheninhalt von 7 Whiskys à 1l, zur Neige. Gegen 21.45 fragte ich den Veranstalter noch: „Hömma, weißt du, wie lange das Parkhaus zugänglich ist? Nicht, dass ich mit der Bahn nach Hause muss …“ Der Angesprochene winkte ab: „Oooch, da kannst du bis um Mitternacht oder so dein Auto heraus holen. Ist also noch Zeit.“

Kurz vor halb elf beendete ich mit dem „Steigerlied“ und „Muss I denn“ meine Präsenz, baute Hamish in seine Tasche zurück, nahm meine belustigte Frau am Arm und wir zogen mit wehendem Kilt los zum Parkhaus. Dort enterten wir durch den Konsumtempel das Parkdeck, bezahlten die Parkkarte und falteten uns ins „Henrik- Mobil“. Die Sperranlage vor der zur Ausfahrt hinunterführenden Schnecke schluckte die Parkkarte und hob brav das Ärmchen, woraufhin ich bei der Abfahrt Gas gab, bis das Kontrolllämpchen des ESP hektisch zu blinken begann. Die „Rallye für den Mittleren Dienst“! Bei Mausi drehte sich sowieso schon alles. Unten angelangt stellte sich meinem KFZ jedoch ein Sperrgitter in den Weg: Anker raus! Kopfstand! Das Parkhaus war dicht. Und wir drinnen, eingesperrt in der Wendelschnecke, zwischen Schlagbaum am Parkdeck und Gitter vor der Straßenausfahrt! Mist. Shit. (hier anfügen, was euch sonst noch so einfällt)

Mit einem Gesicht wie Kermit mit Schlaganfall legte ich den Rückwärtsgang ein und fuhr wieder zwei Etagen hinauf zum Parkdeck. Dort stieg ich aus und betätigte das „Info“- Knöpfchen am elektronischen Doppelposten der Ausfahrt: „Hallo? Ähm… dumme Sache: Wir sind hier im Parkhaus eingesperrt. Gitter ist unten. Schappes dicht. Kann uns hier noch jemand rauslassen?“ Die freundliche Stimme auf der anderen Seite war etwas irritiert: „Wie? Haben wir nicht eben schon mal miteinander gesprochen? – Nicht? – Nun gut, ich rufe die Kollegen mal an, die kommen dann. Bleiben sie bitte dort, wo sie nun stehen.“ Okay. Mussten wir eben warten.

Frau war vom schottischen Flaschengeist etwas angeschlagen und kuschelte sich in ihren Sitz. Ich lief einige male vor dem Auto hin und her, bevor ich die Idee hatte: „Du, so ein leeres Parkhaus hat doch bestimmt eine Akustik wie eine Kirche. Was meinst du, soll ich Hamish noch mal auspacken?“ Ohne eine Antwort abzuwarten, baute ich im Kofferraum meine Brülltüte zusammen und schmetterte los: Schottische Schlagerparade galore! Der Betonbackes erzitterte von Amazing Grace, Scotland the Brave und Highland Cathedral, dass es nur so eine Freude war! „Wenn die nicht kommen, spiele ich so lange, bis jemand die Polizei ruft!“, verkündete ich zwischen zwei schön lauten Tunes. Doch es kam niemand.

Nach einer halben Stunde hatte ich aufgegeben, packte die Presslufttröte wieder in den Kofferraum. „Schatz, ich schaue mal unten vor dem Gitter, ob der Nachtwächter vielleicht dort auf uns wartet“, sagte ich meiner Angetrauten und ging die Auto- Trockenschleuder hinab. Unten: Nix. Alles zu. An der Wand entdeckte ich dabei ein Schild: „Parkhaus wird ab 21.30 geschlossen… Service für Notfälle, Telefon… kostet aber 50 Tacken!“ stand darauf! Whaaaaat? Wenn jetzt einer kommt, kostet das „die größere Hälfte“ meiner Abendgage! Tränen verschleierten auf dem Rückweg meinen sonst so stahlharten Blick … Ich stieg wieder ins Auto und überbrachte die schlechte Nachricht meiner Liebsten: „Meine gute Laune ist weg. Die wollen 50 Euro, wenn die uns raus lassen! Mist. Hätte ich das gewusst, wären wir mit der Bahn heim gefahren.“ Dann wurde plötzlich auch noch das Licht im Parkhaus ausgeschaltet! Hallo??? Wir hatten nichts zum Frühstück mit! „Das ist jetzt nicht wahr, oder?“, schimpfte ich. „Ich geh‘ noch mal zum Schlagbaum und tu‘ mal Knöpfchen.“

Nach dem Klingeln meldete sich erneut der Service- Mensch. „Oh, sind die noch nicht da? Komisch… Ich frage noch mal nach.“ und nach etwa 2 Minuten: „Die müssten in fünf Minuten bei Ihnen sein. Bleiben Sie bitte genau dort, wo Sie sind.“ – Also, für 50 Flocken hätte ich einen schnelleren Service erwartet!

Es war mittlerweile fast 23.00Uhr. Nach einigen Minuten, in denen ich mich gedanklich schon mal von meinem Geld verabschiedete, kamen zwei Security- Hoschis über das große Parkdeck angeschlendert. Ich stieg aus den Spar-Boliden und ging um die Motorhaube herum: „Nabend. Also, wir sind wohl etwas zu spät zum Auto gekommen. Wir waren drüben  bei einer Veranstaltung …“ , begrüßte ich sie. „‚Etwas‘?“, fragte der Ältere der beiden. „Das Parkhaus schließt um 21.30, da ist „etwas“ ein wenig großzügig gefasst, nicht?“ Ein wenig unfreundlich, der Herr. Nun ja, immerhin war ich hier der Depp, der den Ladenschluss- Hinweis an der Einfahrt nicht gesehen hat, weil er mit 40 Klamotten in die Aufwärts- Schnecke gedonnert ist! Wir erinnern uns: „Rallye für den Mittleren Dienst“ … Mein Sternchen erklärte noch aus dem Auto heraus: „Das war eine falsche Information vom Veranstalter. Der sagte, dass wir bis Mitternacht hier raus könnten.“ Ich ließ mir die Lehrstunde also gefallen und bemerkte nur kleinlaut: „Tja. Und dann musste ich gerade lesen, dass Ihr Service ja auch noch 50 Euro kostet. Ist ein teurer Abend für uns.“ Das vertonte ich in einer Frequenz, die bedeutete, dass ich mich damit schon abgefunden hatte.

„Ja, richtig. Wer so spendabel ist, kann länger bleiben.“  Sicherheits- Hoschi schaute an mir hinunter und bemerkte meinen Kilt. Wahrscheinlich auch, weil ich nicht versuchte, den Preis zu verhandeln oder ihn als Halsabschneider beschimpfte (schließlich hat nicht er die Tarife festgelegt), grinste er mich plötzlich an:

Tatsache: Keine Hose an …

„Naja … aber weil Sie keine Hose an haben, können wir das mit der Gebühr mal vergessen. Mein Kollege wird Ihnen das Tor öffnen.“ Ich nahm das Angebot natürlich gerne an: „Das ist ja nett! Also, wenn Sie möchten, kann ich Ihnen als Entschädigung ja noch einen spielen! Mein Dudelsack liegt im Kofferraum!“ Sein Partner lachte: „Ach, dann waren Sie das, der hier eben gespielt hat? Und ich dachte, das kam von draußen!“ (Sicherheits- Hoschi lachend ab…)

Wir verabschiedeten uns noch nett vom älteren Security- Menschen und bekletterten das Auto. Langsam fuhren wir zum Ausfahrts- Gitter, das der zweite Nacht- Aufpasser gerade öffnete. Nach einem herzlichen „Danke! Und schönen Dienst noch!“ fuhren wir in Richtung Bett davon. Unsere Laune war wieder top.

Für Umme. Weil ich keine Hose trug. 🙂

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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12 Antworten zu Ohne Hose im Parkhaus

  1. Tirsi FlauschiBauchi schreibt:

    Ich hätte ja die Frage erwartet was denn unter dem Kilt getragen wird 😀
    Sehr nette Security Herren trotz anfänglichem Misston. Am besten also immer ohne Hose unterwegs sein wenn es teuer werden könnte und dann schüchtern aufs Röckchen zeigen und ein Liedchen auf Hamish anbieten ^^
    Sehr tolle Story, da wäre ich gerne Mäuschen gewesen 😉

    • roerainrunner schreibt:

      Die Frage dümpelt mir auch im Kopf herum.
      Nachher stellt sich raus, dass du nur deswegen nicht gelöhnt hast, weil du mal den Blick drunter gewährt hast 😀

  2. squirrel1976 schreibt:

    Andere hätten ohne Hose wahrscheinlich noch mehr als 50 Ocken bezahlt…Stichwort „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ 😉

  3. Nobody schreibt:

    Spannende Geschichte. Ist mir auch schon in einer anderen Stadt passiert. Aber mit Hose und Geld bezahlen. Der größere Stapel an Geldscheinen im Depot des Nachtwächters ließ da aber auch auf ein Geschäftsmodell schließen.

    Aber andere Frage: Der Karneval ist vorbei und es gab wieder keinen Brandeinsatz auf deinem Kopf? Sehr bedauerlich!

  4. Franz schreibt:

    Also wenn ein Typ im Rock mir nachts in einem dunklen Parkhaus anbietet, mir einen vorzublasen, würd ich den auch schnell ziehen lassen ;o)

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