Eine neue „Hurra!“- Tüte

Der Feuerwehrmann und sein Helm. Manchmal eine lebenslange Beziehung. Bei den Einsätzen bekommt er seine Spuren ab, die einige Kameraden wie Trophäen bewundern. Doch mal im Ernst: Die meisten Kratzer entstehen gar nicht bei heroischer Brandbekämpfung unter Einsatz des Lebens, sondern eher durch die unpflegliche Behandlung und der Angewohnheit, ihn kopfüber auf dem Boden abzulegen oder irgendwo runter fallen zu lassen. Den Schmutz am Helm, der womöglich tatsächlich von Einsätzen zurückbleibt, kann man abputzen. Auch, wenn einige Kollegen es anders behaupten: „Den kriegste nicht mehr sauber. Der ist so.“ – Von wegen! Mit etwas „gutem Willen“ habe ich bisher fast jeden Helm von Leuten, die mich mit einer derartigen Aussage herausgefordert hatten, wieder „schick gemacht“! Selbst Kunststofftropfen konnten mich nicht aufhalten.

Mein alter. Mit Stadtwappen meiner FF drauf.

Etwa 20 Jahre bin ich nun schon bei der BF, und fast ebenso lange habe ich auch meinen Aluhut in Gebrauch. Egal, ob bei Verkehrsunfällen, Bränden oder Übungen, der Deckel war immer mit dabei. Jährlich bei über 300 Einsätzen. Regelmäßig geputzt sah er aber noch ganz gut aus, und „altern“ tut so eine Schale sowieso nicht. Wenn jemand kopfschüttelnd zu mir sagte: „Wieso putzt du den Helm? Ist mir doch egal, wie das Ding aussieht!“, löste das bei mir zwei Dinge aus: Zum Ersten bekam er sofort zur Antwort: „Erfahrung trägt man nicht AUF, sondern IM Kopf. Und einen dreckigen Topf kannst du jedem Praktikanten aufsetzen, der hat dadurch trotzdem keine Erfahrung.“

Perfekt polierte Kugel. Es hat den Kollegen gefreut. Na, wenigstens ein paar Kratzer sind noch drauf.  😉

Zum Zweiten steigerte sich in mir dann jedesmal das unbändige Verlangen, zu testen, ob es dem Kopfschüttler wirklich so „egal“ war, wie sein Helm aussieht – indem ich ihn beim nächsten mal gleich mit putzte. Und polierte. Und mit Auto- Hartwachs versiegelte. Aus Erfahrung kann ich euch sagen: Gerade die, die am lautesten tönen, ihnen wäre das Aussehen egal, sind nachher die, die am meisten, leidenschaftlichsten und lautesten über das restaurierte Aluminium- Tiefzieh-Erzeugnis schimpfen! Einer hatte mir für den Wiederholungsfall sogar Prügel angedroht. Allerdings erst, nachdem ich seinen bei einem Containerbrand frisch versauten Helm schon zum zweiten mal innerhalb von drei Wochen geputzt hatte …

Meine eigene Schutzhaube bot jedenfalls selten für derartige Angriffe eine Grundlage. Was jedoch alterte, war das Inlet, genauer: Das lederne Schweißband. Irgendwann fing es durch Schweiß und Feuchtigkeit an zu stinken. Es stank dermaßen, dass man den angewärmten Helm schon auf einen Meter roch. Nicht angenehm. Überhaupt nicht.

Ich ging also beim nächsten Besuch der Hauptwache in die Kleiderkammer und fragte zunächst vorsichtig, ob es eventuell das Inlet als Ersatzteil gäbe. Der Kammerbulle klärte mich allerdings darüber auf, dass in den letzten Monaten ein Modellwechsel stattgefunden hätte. Mit mitleidiger Mine, wie beim Überbringen einer Todesnachricht, teilte er mir mit: „Dafür gibt es keine Ersatzteile mehr. Du kannst nur einen komplett neuen Helm kriegen …“, gefolgt von einem mitfühlenden: “ … tut mir leid.“ Nun, was sollte ich machen: Ich bekam ein neues Brandbekämpfer- Endstück. Und zwar gleich mit einem neuen Schutztuch, da sich die Befestigung hierfür in den neuen Helmen ebenfalls geändert hatte. In kaum 20 Minuten hatte ich das Zeug zusammengepfriemelt, lediglich das Visier mit dem kleinen Hitzeschaden an der Vorderkante übernahm ich vom alten Blechle.

Der neue. Noch ohne FF- Wappen. Ich hoffe, ich bekomme noch eines.

„Der Neue“ hat nun auch ein Stellrad zum schnellen Anpassen der Kopfweite in der Inneneinrichtung. Das ist bei Atemschutzeinsätzen ganz praktisch: Musste man bisher einen Kompromiß zwischen den Kopfweiten mit und ohne Maske eingehen, kann man die Alutüte nun bei Bedarf mit einem Handgriff einstellen.

Bei der Rückkehr zur Stammwache bekamen wir gleich einen Einsatz übermittelt: „B2, Rauch aus Lagerhalle“ stand auf den Meldern! Während ich mich ausrüstete, rief ich unserem Chef nach vorne zu: „Du, ich habe kein Problem mit einem sauberen Helm. Aber trotzdem Danke, dass du an mich denkest und so etwas organisierst!“ Er lachte.  – Letztendlich war es aber ein Fehlalarm.

Nun wartet das neue Stück auf seine ersten Abenteuer. Ich bin gespannt, wann ich ihn das erste mal putzen muss. So der besseren Sichtbarkeit halber. Da muss man als „amtlich bestellte Betriebspetze“ ja schon drauf achten.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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15 Antworten zu Eine neue „Hurra!“- Tüte

  1. Löschdrache schreibt:

    Vielen Dank fürs Hinzufügen zur Blogroll!

    Was Helme angeht: dein neues Exemplar sieht rein äußerlich genau so aus wie der Vorgänger, ist das jetzt ein ALEX?

    Wir haben bei uns von der DIN-Schüssel auf einen US-amerikanischen Kunststoffeimer mit Nomexinnenleben umgestellt, immerhin soll man den laut Bedienungsanleitung ganz ordinär in die Waschmaschine schmeissen können. Das ist auch bitter nötig, da das Ding innen nach einem Brandeinsatz genauso riecht, wie der Rest der Klamotten.

  2. derenergist schreibt:

    Ja, des Feuerwehrmannes Helm – eine unendliche Geschichte. Aber es gibt eben wenige Ausrüstungsteile die einem bei jedem Einsatz so nahe sind.

    Durch meine zwei FFen (im Ort der Arbeitsstelle und daheim) habe ich das Vergnügen zwei diametral entgegengesetzte Ansatz genießen: ist es bei der einen ein leichter DIN-Helm wie bei Dir setzt die andere mit dem Rosenbauer auf die drei-Kilo-Maximallösung mit acht integrierten Visieren und angeflanschter Festzeltbeleuchtung. Über die speziellen Freuden, die dieses Modell seinen Trägern beschert fange ich jetzt lieber nicht an.

    Insofern sei froh, daß Dein Arbeitgeber eine vernünftige Wahl getroffen hat und viel Spaß beim ersten Streckendurchgang und den Schleifspuren des Käfigs – Du brauchst ja auch Herausforderungen für das Aufarbeiten 😉

    • firefox05c schreibt:

      Nun, es gibt viele Kollegen mit „behördlich gestellten Diensthelm“, die sich solche Calimero- Schalen dann privat kaufen. Sieht ja auch schicker aus. Da werden die Nachteile gern in kauf genommen. 😉

  3. Herb schreibt:

    So ein Trophäenhelm wird in Fachkreisen mittlerweile auch aus Arbeitsschutzgründen schon diskutiert – Stichwort: Kontaminationsverschleppung bei der PSA.

    • firefox05c schreibt:

      Das mit der „Kontaminationsverschleppung“ halte ich für marginal, da der Helm ja höchstens von außen gereinigt wird. Diese Fläche hat keinen Körperkontakt. Das Inlet, welches tatsächlich an der Haut liegt, wird wohl seltener gereinigt. Geht bei den Lederteilen auch nicht wirklich gut… Da halte ich es für Sinnvoller, die Jacken und Hosen nach einem Brandeinsatz zu reinigen und sofort duschen zu gehen.
      Allerdings ist nicht nur die Schutzwirkung in Puncto „Sichtbarkeit“ bei einer Schmutzkugel stark beeinrächtigt,sondern zumeist auch das Visier blind. Und ein blindes Visier wird nicht zum Schutz heruntergeklappt, wenn man es bräuchte.

  4. WPR_bei_WBS schreibt:

    Nun gut, stellenweise sieht man ja, gerade im europäischen Umfeld, die unterschiedlichsten Farbgebungen. Ich bin aber trotzdem der Meinung, daß in DE übliche „Nachleuchtend“ ist nicht grundlos so verbreitet. Nur leuchtet da eben nichts mehr nach, wenn eine modische Russ-Schicht drüber liegt. Insofern kann ich Deinen „Putzfimmel“ nur gutheißen.

    Frage zu Technik: Was nimmst Du bzw. nimmst Du nicht, um die Farbe nicht zu entfärben?

    Hoffe, Du hattest, wenn Dienst, einen einigermaßen angenehmen über die Feiertage!

    Grüsse aus dem Wohnort, gerade zurück aus der Heimat. 🙂

    • firefox05c schreibt:

      Ich nehme alles, was da ist: Zunächst Seife für den „losen“ Dreck, dann Autopolitur, für hartnäckige Flecken auch schon mal Schmirgelpaste. Aber das meiste ist nach dem Polieren weg. 😉

  5. Herb schreibt:

    Da gibt’s wohl noch einen Kollegen in der Nachbarschaft, dessen Hut das Putzen auch ganz gut vertragen könnte 😉
    https://www.waz.de/staedte/essen/sechs-kinder-und-eine-schwangere-bei-brand-in-essen-verletzt-id212979479.html

    Ansonsten: Gutes, erfolgreiches und unfallfreies neues Jahr 2018.!

  6. nessi6688 schreibt:

    Bei meinem ersten Helm von 2013 war beim Inlet irgendwann die Plastik-Befestigung gebrochen und bei meinem zweiten kam mir neulich die Kopfschale entgehen, weil auf einmal eine Mutter fehlte…
    Da hätte ich lieber das Sauberkeits-Problem… xD

  7. Steffen schreibt:

    Meine DIN-Schüssel musste ich nach einem Innenangriff tauschen. Trotz Kriechgang hat die Mütze so einen hitzetechnisch auf Selbige (also die Mütze) bekommen, dass das nachleuchtende gelb einem nicht leuchtenden braun gewichen ist.

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