Zwei mal Glück gehabt

Nach dem Abendessen zu Hause meinte meine lebensbereichernde Menschin: „So, nun noch ein Bad, und dann vor dem Fernseher etwas entspannen. Machst du die Küche fertig?“ Das ist meist der Deal bei uns: Der eine kocht, der andere räumt die Küche auf. Und sie hatte heute gekocht. Ich beschickte also die Spülmaschine und schaltete sie ein. Das Zubehör des Pseud- Thermomuxx, in dem wir heute das Essen konstruiert hatten, spülte ich per Hand, während Mausi sich das Bad bereitete. Anschließend ließ sie sich zu Wasser, während ich schon mal den Flachbildschirm anwärmte.

So planschte sie etwa eine dreiviertel Stunde. Es war schon nach 22 Uhr, als sie fertig war und die Badezimmertür öffnete. Sie rief mich: „Henrik? Kommst du mal? Hier riecht es komisch…“ Ich befürchtete, dass sie damit nicht bloß ihre Feminalchemie meinte, die Frauen für gewöhnlich zur Instandhaltung ihres Körpers bereithalten, und tat wie gebeten. Im Flur stieg mir ein typischer Geruch in die Nase: Hier schmorte etwas! Es roch nach Kunststoff. Wir schnüffelten in Richtung Deckenbeleuchtung und in den Schuhschrank, in dem die Elektrik für Router, Telefon und Feuerwehr- Piepser lag: Nichts. Ich ging in die Küche. Sofort schlug mir der penetrante, beißende Gestank von schmorender Isolierung entgegen. Es war so intensiv, dass es in den Augen brannte, obwohl kein Rauch zu sehen war. Da ich in der Küche nichts verdächtiges sah, aber das Fenster gekippt war, stand für mich fest: „Ich glaube, da draußen brennt ein Auto!“ Nachdem ich mich an meiner Frau vorbeigedrängt hatte, griff ich mir im Flur die Hausschlüssel und lief hinaus auf den Parkplatz vor dem Haus: Falsch vermutet, dort roch nichts. Klare Luft. Mist, dachte ich mir, dann kommt das doch aus der Wohnung! Wieder in der Küche, in der immer noch kein Rauch zu sehen war, aber es erbärmlich stank,  öffnete ich zunächst das Fenster. „Schatz, wenn wir hier nicht in den nächsten zwei Minuten etwas finden, hole ich die Kollegen“, drohte ich an. Doch in welcher Form? Nur auf der Wache anrufen, ob sie mir mal kurz die Wärmebildkamera ausleihen würden? Lasse ich sie gleich mit dem HLF anrücken, damit sie eingreifen konnten, falls die Situation eskalierte? Es könnte irgendwo an der Elektrik hinter der Küchenfront brennen. Wenn das Feuer dann eine gewisse Größe überschreitet, kann die Ausbreitung plötzlich schnell gehen. Oder rufe ich gleich in der Leitstelle an und lasse mir einen Zug schicken, wie es hier bei „verdächtigem Brandgeruch“ üblich ist?

Der Gestank wurde trotz weit geöffnetem Fenster nicht weniger. Wir schnüffelten wie die Hunde durchs Versorgungszimmer: Der Billig- Wunderwutzi, in dem wir gekocht hatten, war kalt und aromalos. Der nächste Gedanke war furchtbar: Sollte die Kaffeemaschine schmoren? Ohne Kaffee würden wir sterben! Aber auch in der Ecke, in der der Automat stand, war nichts zu finden. Woher kam der Gestank? Der Warmwasserboiler war kalt, obwohl der Geruch in der Gegend stärker wurde. Dann kamen wir drauf: Die Spülmaschine daneben, die gerade das Wasser des Spülganges abpumpte, odorierte die Umgebung mit beißenden Dämpfen!

Rechts das defekte Modul

Als ich die Tür öffnete, konnte ich auch eine deutliche Wärmeentwicklung im Bereich der Bedienknöpfe fühlen. Ich schaltete sie ab und drückte zusätzlich den entsprechenden Automaten im Sicherungskasten der Wohnung raus. Glück gehabt: Die Elektrik hatte noch nicht gebrannt, nur geschmort, und wir hatten es rechtzeitig bemerkt. Manchmal schalten wir die Maschine auch abends ein und gehen ins Bett. Nicht auszudenken, wenn die Maschine dann Feuer gefangen hätte! „Na toll“, meinte mein Weibchen. „Das hat uns gerade noch gefehlt! So’n Ding kostet doch bestimmt um die 400 Euro!“

Oberseite der Leiterplatte: Deutliche Schmorspuren am Heizrelais in der Mitte

Ich holte etwas Werkzeug und fing an, die Maschine auseinander zu bauen. Hinter der Blende der Bedienfront wurde ich fündig: Das Steuermodul hatte überhitzt. Was ich vermutete, wurde wenig später vor dem Laptop bestätigt: Dieses Modul ist das teuerste Ersatzteil der Maschine. Neu: 150 bis 170 Tacken. Die Reparatur würde also nicht billig.

Am nächsten Tag konnte ich eine Ersatzmaschine von einem Kollegen auftreiben, die noch in seiner Garage herumoxidierte und beim ersten Probelauf in der Fahrzeughalle der Feuerwache roch wie ein totes Kaninchen. Ein Billigteil, laut wie die Nordseebrandung, und mit dem gleichen Wasserverbrauch, um diese auch zu erzeugen. Aber sie kostete nur eine „kleine Mark“ und sollte eh‘ nur die Zeit überbrücken, bis wir die Mittel für eine ordentliche neue Maschine hätten. Darüber ärgerte ich mich bei Twitter. Und siehe da: Ein zweites Mal Glück gehabt! Jemand, der das las, machte mich darauf aufmerksam, dass für genau diese Maschinenserie, die mir gerade aufgeraucht war, eine Rückrufaktion bestand! „Ein Relais könnte überhitzen“, stand auf der Seite von Bosch. „Dieses muss ausgetauscht werden.“

Unterseite: Die Lötstelle ist weggebrutzelt

Nachdem ich telefonisch einen Techniker- Termin ausgemacht hatte, kam der Mechanikus ein paar Tage später tatsächlich mit dem benötigten Teil und tauschte es aus. Die Spülmaschine funktionierte wieder – auf Werkskosten.  Jetzt habe ich natürlich die billige Maschine wieder aus der Küchenzeile ausgebaut und die bessere eingesetzt. Den günstigen Brandungsimitator versuche ich nun über „Kleinanzeigen“ zu verkaufen. Vielleicht bekomme ich so noch das Geld wieder rein, das ich dafür ausgab.

Anschlussdose des Herdes (auf dem Kopf liegend)

Übrigens nicht der erste Elektrobrand in meiner Küche: Vor einigen Jahren qualmte es mal unter der Arbeitsplatte beim Einbauherd. Als ich den Ofen in der Front dann losgeschraubt und vorgezogen hatte, konnte ich die immer noch züngelnde Flamme auspusten, die auf der Innenseite des Anschlusskästchens entstanden war. Wieso brennt so eine Dose eigentlich selbstständig weiter? Sollte es da nicht Vorschriften geben, die es verbieten, so ein Material zu verbauen? Offensichtlich ist das nicht der Fall.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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14 Antworten zu Zwei mal Glück gehabt

  1. Coco schreibt:

    Mir ist mal ein Handföhn fast in Flammen aufgegangen! Ich bin dank beherztem Zug am Stecker zum Glück mit dem Schrecken davongekommen… seit dem gucke ich jeden Föhn doch ein wenig skeptisch an bevor ich ihn benutze.

  2. roerainrunner schreibt:

    Deswegen besitze ich keinen Geschirrspüler, Mikrowelle, Wäschetrockner oder Elektroherd.
    Ich werde im Ernstfall dank meines Gasherdes einfach direkt ersticken 😀

  3. WPR_bei_WBS schreibt:

    Vorschrift vermutlich mittlerweile schon – aber die alten haben immer noch Bestandsschutz, bei Pech und entsprechender Wohngegend gerne mit den Regeln aus Kaisers Zeiten. Guck doch z. B. mal in Deinen Sicherungskasten, ob da jeder Stromkreis an einem FI hängt…

    • firefox05c schreibt:

      Mit „Anschlussdose“ ist das Kästchen auf dem Elektroherd gemeint, nicht die Hauselektrik. Der Ofen war zu dem Zeitpunkt erst ein paar Jahre alt. Mein erster Verdacht, dass die vom Elektriker oben angeschlossenen Kabel den Defekt verursacht haben, wurde übrigens nicht bestätigt: Es überhitzte unter der Abdeckung ein geräteseitig verbauter Anschluss! (Unser Haus ist übrigens aus den späten 60ern, der Sicherungskasten wurde irgendwann auch mal modernisiert)

      • WPR_bei_WBS schreibt:

        Das mit der Dose war mir schon klar :-). Der FI war nur als Beispiel gedacht, dass trotz entsprechender Vorschrift die Dinge qua Bestandsschutz in Realita noch anders sein können. Ob es jetzt so eine Vorschrift bei Anschlussdosen gibt (nicht brennbaren Material) weiss ich allerdings auch nicht.

  4. Mr. Gaunt schreibt:

    Bei mir war es der Kabeldecoder der plötzlich kleine Rauchschwaden von sich gab. Ohne dass irgendetwas damit gemacht wurde. Glücklicherweise war ich im Zimmer als der brutzelte. Das hätte auch tagsüber passieren können während ich bei der Arbeit war….

    Hattet Ihr Euch denn auf eine lange Durststrecke eingestellt bis zum Kauf einer neuen Maschine? So klassisch Wasser, Spüli, Bürste und Muskelkraft hätte ich eine zeitlang vorgezogen statt mir so ein Altmonster in die Küche zu stellen.

  5. Simon schreibt:

    statt ausstöpseln könnte auch sowas helfen:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtung

    • firefox05c schreibt:

      Ja, wenn man nicht gerade zur Miete wohnt, kann man sich die vorhandene Elektrik so umbauen. Ansonsten müsste man den Vermieter überreden.

  6. Lysander schreibt:

    Ohje! Unsere Spülmaschine läuft meistens über Nacht…

    • firefox05c schreibt:

      Sieh es mal so: Fast jedes Gerät, welches am Stromnetz hängt, kann einen Brand verursachen. Manchmal sogar im Standby. Gerne brennen zum Beispiel auch Trockner, Heizdecken und Ladegeräte. Hochleistungs- Akkus in E-Bikes, Handy oder Tablet sollten auch sorgsam behandelt werden: Sie sind in dünnen Schichten aufgebaut, die einen „Kurzen“ verursachen, wenn sie aneinander geraten (Recherchiere bitte nicht „Handybrände“, wenn du ängstlich bist!).
      Um dem Risiko von Elektrobränden aber aus dem Weg zu gehen, müsstest du jeden Abend alles ausstöpseln. Ist allerdings vielleicht etwas übertrieben. 😉 (Bei mir über die Jahre „thermisch zerstört“: Röhrenfernseher, Sat-Receiver, Herd, Spülmaschine.)

      • Lysander schreibt:

        Von Heizdecken wusste ich das, die haben einen üblen Ruf…
        Ich habe schaltbare Steckdosen und halte mich damit für schlau. Ausstöpseln wäre mir auch zu nervig. Das mache ich nur bei meinem Crosstrainer und wenn er läuft steckt er zusätzlich in einer Steckdose mit Blitzschutz.

  7. Talianna schreibt:

    Die ganz typische Wohnungszündquelle – Elektronik. Jetzt habe ich ein ganz komisches Gefühl, weil hinter mir in der Küche die Spülmaschine läuft. 😉

    • firefox05c schreibt:

      So lange du dabei nicht das Haus verlässt und wach bleibst, ist alles in Ordnung. 😉 (Übrigens fällt mir gerade ein: Mir ist bei meinen Eltern auch schon mal ein Röhrenfernsehgerät aufgeraucht. Es hatte aber das Qualmen eingestellt, bevor ich es aus dem Fenster im zweiten Stock werfen konnte. Ach, und eine Pfanne ist mir mal überhitzt und landete im Garten. Im folgenden Sommer blieb dort ein brauner Fleck.)

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