Lesetipp: Wer kommt, wenn man die „112“ anruft? – in den meisten Wohnorten freiwillige Kräfte!

Auch in meiner Heimatgemeinde mit etwa 18500 Einwohnern habe ich schon mehrfach Bürger enttäuschen müssen, wenn sie fragten: „Wie viele Leute arbeiten hier eigentlich bei der Feuerwehr?“ Erstaunt mussten sie dann hören, dass wir trotz etwa 150 Einsätzen jährlich und 10 Einsatzfahrzeugen  keinen einzigen hauptamtlichen Feuerlöscher beschäftigen – alle etwa 65 Mitglieder der Einsatzabteilung bewältigen die Notfälle ehrenamtlich! Und dabei ist „meine“ Feuerwehr noch nicht einmal die Meistbeschäftigte.

Das „Feuerwehrmagazin“ hat nun einen Artikel herausgebracht, in dem das „System Feuerwehr“ mal für Außenstehende erklärt wird. Vielleicht ist auch euer Nachbar unterwegs, wenn ihr das Martinhorn der Feuerwehr hört?

Was in dem Artikel nicht explizit genannt wird ist, dass es neben der Grundausbildung noch viele weitere Lehrgänge gibt, die alle aus der Freizeit heraus an Wochenenden belegt werden: Atemschutzgeräteträger, Drehleitermaschinist, Technische Hilfe, Gefährliche Stoffe und Güter und noch viele weitere Sonderausbildungen. Auch für Übungen und theoretische Schulungsabende muss regelmäßig Zeit aufgebracht werden.

Aber wer wirklich helfen will, nimmt das gern in Kauf, um sich zu qualifizieren. Unbezahlt.

Dafür bekommt man aber nicht nur ein „gewöhnliches“ Vereinsleben, sondern auch Einblick in Physik, Chemie und Technik, kann im Rahmen der Ortskunde- Besichtigungen hinter die Kulissen großer Gebäudekomplexe schauen (Kliniken, Heime, Fabriken und andere Betriebe), darf mit außergewöhnlicher Technik arbeiten – und hat nicht zuletzt nach Einsätzen das gute Gefühl, etwas Sinnvolles mit seiner Zeit angefangen zu haben, von dem die Gesellschaft auch etwas profitiert! Und unter uns: Die Action kommt auch nicht zu kurz … 😉

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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8 Antworten zu Lesetipp: Wer kommt, wenn man die „112“ anruft? – in den meisten Wohnorten freiwillige Kräfte!

  1. Peter Vorweger schreibt:

    Man kann es gar nicht oft genug sagen: Danke an alle freiwilligen Feuerwehrler, die unser Leben ein ganzes Stück sicherer machen!

    • gnaddrig schreibt:

      Absolut. Ich habe eine Weile in einer Fachwerkstadt mit einer Freiwilligen Feuerwehr gewohnt und manchen Brand in engen Altstadtgassen in der Nachbarschaft gesehen. Wenn die durchschnittlich erreichte Hilfsfrist nur um ein paar Minuten länger wäre, würden viele dieser Häuser nicht mehr stehen. Großartige Leistung der Ehrenamtlichen!

  2. rescue93 schreibt:

    Wo muss ich unterschreiben? 😀

  3. aponettesplauderei schreibt:

    Was mich hier interessiert: nicht jeder kann jederzeit springen und helfen. Wie wird das gehändelt? Gibt es eine Einsatzplanung für die Ehrenamtlichen? Kann jemand sagen: Dienstag Nacht kann ich nie, bitte mich nicht anrufen?

    • firefox05c schreibt:

      Es wird angestrebt, jede Funktion etwa 3fach zu besetzen: zum Beispiel für jedes Löschfahrzeug 3 Maschinisten, jede Mannschaftsfunktion 3fach und so weiter. Daraus ergibt sich eine „Soll- Gesamtstärke“ der Feuerwehr. Für „meine“ FF sind das etwa 65 Mitglieder insgesamt (also etwa 20 Funktionen).
      Alarmiert wird nicht über Telefon, sondern in der Regel über Piepser. Bei einem Alarm werden dann entweder gleich alle Mitglieder alarmiert oder, für kleinere oder spezielle Alarme (Drehleitereinsatz, Ölspur, Kleinbrand…) eine vorher festgelegte kleinere Gruppe.
      So hofft man dann, dass bei der Alarmierung der 3fachen erforderlichen Mannschaftsstärke genügend Kräfte auf den Alarm reagieren können. Diese kommen dann von der Arbeit, vom Einkaufen, von zu Hause oder wo sie sonst gerade sind.
      Gerade Feuerwehren in kleineren Orten haben heutzutage aber das Problem der mangelhaften „Tagesalarmverfügbarkeit“, da viele Einwohner auswärts arbeiten oder sich als „Zugezogene“ nicht für die Gemeinschaft vor Ort und damit für die Feuerwehr interessieren (ja, auch einige Deutsche integrieren sich in einer neuen Gemeinschaft nur schlecht! 😉 ). Dann kann es sein, dass eine Feuerwehr trotz der vollen Sollstärke am Tag nicht die erforderliche Einsatzstärke erreicht oder schlicht zu wenig Mitglieder hat. Dort muss sich die Gemeinde Gedanken z.B. über die Zusammenlegung benachbarter Wehren machen.

      • gnaddrig schreibt:

        Was mich immer wieder wundert ist, wie man bei Freiwilligen Feuerwehren überhaupt vernünftige Hilfsfristen hinkriegen kann. Wo die Berufsfeuerwehr 90 Sekunden nach Anruf vom Hof rollen kann, dürften bei den Freiwilligen nach dieser Zeit noch nicht einmal alle im Auto zur Wache sitzen, je nach Tageszeit, Arbeits-/Wohnort usw. Und den Weg zur Wache können sie im Privatauto ja auch nicht mit Sonderrechten absolvieren, oder? Allenfalls wild parken dürfen sie mit ihren Feuerwehrschildern. Wie schafft man es, da einigermaßen zuverlässig in vertretbarer Zeit ausgerüstet am Einsatzort aufzuschlagen?

      • firefox05c schreibt:

        Meine FF hat eine Ausrückzeit des ersten Löschfahrzeuges von etwa 3 Minuten. Bei der FF, die mit in unserer BF- Wache untergebracht ist, kommen die ersten Kollegen schon auf den Hof, wenn wir gerade aus der Halle rollen. Man staunt manchmal, wie kurz für einige Leute die Anfahrt zum Gerätehaus ist. 😉
        Was „Sonderrechte“ angeht (also, das reine Übertreten der StVO, ohne andere zu gefährden), wird es durch den §35 erlaubt. Allerdings muss der FF, die ja „inkognito“ unterwegs ist, niemand Platz machen (kein Sondersignal) und es darf auch niemand gefährdet werden: Rote Ampel überfahren: Ja; steht dort aber ein Fußgänger, der gerade „grün“ bekommt: Nein. Der Grat ist schmal. Spätestens, wenn es zu einem Unfall kommt, hat man den anderen Verkehrsteilnehmer eindeutig gefährdet.
        Ich denke, die meisten Feuerwehren haben also eine Ausrückzeit von bis zu 5 Minuten. Das mit den „90 Sekunden nach Anruf“ ist kaum praktikabel: Wir müssen zwar 90 Sekunden nach dem Wachalarm rausrollen, nach dem Anruf hat der Disponent (bzw. der Leitstellenrechner) aber noch eine Minute Zeit, bis der Wachalarm ankommen muss!

      • gnaddrig schreibt:

        Danke für die Auskunft. So oder so erstaunlich, was da geleistet wird! Respekt!

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