Im TV geht’s rund

 

Es scheint, dass die Debatte vor und zum Jahreswechsel über „Gewalt gegen Rettungskräfte“ den Fokus der Medien etwas auf Feuerwehr und Rettungsdienst gelegt hat. Zusätzlicher Anreiz, etwas „zum Thema“ auf die Beine zu stellen, war wohl der Erfolg von „Feuer und Flamme“, der bisher besten Feuerwehr- Doku, die ich gesehen habe. Die Sender haben gemerkt: Hey, die Feuerwehr ist scheinbar auch ohne künstliche Dramatisierung interessant!

So werden im Moment einige Formate aus dem In- und Ausland gesendet, die sich weitgehend darauf beschränken, die Feuerwehr und den Rettungsdienst bei der Arbeit zu beobachten. Während einige Serien fast ganz ohne Off- Kommentare auskommen, wird bei anderen noch ein wenig erklärt. Der neue „heiße Scheiß“ sind dabei auch die Kameras, die die Einsatzkräfte an der Kleidung tragen, so dass man zum Beispiel einen echten Eindruck davon bekommt, welche Sicht (oder auch Nullsicht) sich einem Angriffstrupp bietet.

Hier die Sendetermine, wie sie im Moment stehen:

Montag, 22.10Uhr auf vox: „Die Notrufzentrale“.  Den Disponenten der Feuerwehr wird ein wenig über die Schulter geschaut, und man bekommt ein Bild davon, wie es ist, wenn man die Dramen und den Unfug einiger Anrufer nur „aus der Ferne“ mitbekommt, ohne zu wissen, was vor Ort wirklich passiert. Bei einigen Anrufen habe ich den Eindruck, dass sie nachgesprochen wurden, um die Anonymität zu bewahren: Es fällt auf, dass die Anrufer sich dabei häufig nicht mit Namen melden und auch nicht danach gefragt werden.

Dienstag, 21.15 auf DMax: „112: Feuerwehr im Einsatz“. Nach dem Erfolg von „Feuer und Flamme“ des WDR will diese Serie nun anknüpfen. Damit schnell das passende Material zusammenkommt, wurden gleich mehrere Feuerwehren beim Einsatz begleitet. Allerdings wird wenig bis nichts vom Wachalltag gezeigt, und mit den Off- Kommentaren können sich die Macher hier und da die Privatsender-üblichen Dramatisierungen doch nicht verkneifen – dabei war gerade das ein Reiz bei der WDR-Vorlage: Die Geschehnisse einfach mal so stehen und nur im Nachhinein durch die Protagonisten ein wenig erklären lassen. Nun gut, der eine oder andere Zuschauer braucht aber vielleicht auch die gewohnten Kommentare, wenn er schon die ungeskriptete Realität ertragen muss… Auch die kommentarlosen Wachszenen aus der WDR-Vorlage hatten ihre besondere Stimmung und spiegelten zumindest ansatzweise die Diskrepanz zwischen dem eher gewöhnlichen Wachleben einerseits und den teils dramatischen Erlebnissen nach dem Alarmgong andererseits wieder, die in jedem Moment ein Hochfahren von 0 auf 100 erforderlich machen können. Darauf muss man bei DMax fast vollständig verzichten.

Um  22.35Uhr dann umschalten auf K1 Doku: „Notruf in New Orleans“. Der Name ist Programm: Die Ambulance- Teams in New Orleans werden begleitet. Als Insider merkt man schnell: Es gibt zwar einige Schuss- und Stichverletzungen mehr, aber das Einsatzspektrum ist verdächtig ähnlich wie hierzulande.

Samstag, 20.15Uhr, wieder auf DMax: „112: Feuerwehr im Einsatz“. Siehe oben: Die Folge vom Dienstag wird wiederholt. Anschließend:

21.15Uhr: „Fire brigade: Die Helden von London“. Dieses mal wird gezeigt, wie die englische Feuerwehr ihre Einsätze bewältigt. Aufgrund der Synchronisierung lässt sich für mich schlecht beurteilen, inwieweit die Kommentare reißerisch sind oder nicht. Der geneigte Zuschauer kann jedenfalls hier und da einige Unterschiede in der Organisation, der Ausrüstung und der Taktik erkennen, die ganz interessant sind.

Sonntag, 20.15 auf TLC: „Die Lebensretter von England“. Dieser Einblick ist für mich als Rettungsonkel extrem interessant: Notfälle wie „Hausunfall“ müssen unter Umständen aufgrund von fehlenden Kapazitäten bis zu 2 Stunden warten, während an anderen Einsatzstellen für den einsamen Opa noch in Ruhe ein Bütterchen geschmiert und ein Tee gekocht wird. Mein Disponent würde mir mit dem nackten Arsch ins Gesicht springen … Aushilfe in Form von „First Response“ oder „Trageunterstützung“ durch die Feuerwehr kann man dort offenbar nicht erwarten, da Rettungsdienst und Brandschutz doch recht strikt getrennt werden. So wurde ein Fall gezeigt, in dem über zwei Stunden auf eine weitere Ambulance zur Unterstützung gewartet wurde, um einen übergewichtigen Patienten aus der Wohnung zu tragen. Ich denke, das wäre durch die nächste Feuerwache in 15 Minuten erledigt gewesen. Aber so erklärt sich wohl auch der Mangel an freien Rettungsteams zu Spitzenzeiten: Andere Länder, andere Sitten.

Und nun warte ich noch auf die Serie einer Feuerwehr der USA. Die können nur Innenangriff. Oder eine aus Russland. Die können nur Außenangriff. Eine Serie aus Japan wäre allerdings erstaunlich gewöhnlich: Die arbeiten da in etwa in der uns gewohnten Weise. Können die, die nicht genug bekommen, bei YouTube sehen.  😉

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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12 Antworten zu Im TV geht’s rund

  1. Benjamin schreibt:

    Mich hat zuletzt diese Doku aus den USA begeistert:
    Taking the Heat – The first women firefighters of New York City
    In 1982, one woman single handedly took on the entire New York City Fire Department – and won. For the first time in the city’s history, women could join the force as firefighters. Of the few who joined, one was knifed, one was beaten up, and some got death threats. This is the story of how these women survived over twenty years in a department that did not want them…told in their own words.
    https://www.youtube.com/watch?v=u6l56ShNMAE (Teil 1)
    https://www.youtube.com/watch?v=mGTgyO2PLYw (Teil 2)
    https://www.youtube.com/watch?v=wh_NaVIrMxY (Teil 3)

  2. Steffen schreibt:

    Für Achtung Kontrolle bei KabelEins wurde am vergangen Mittwoch an der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg ein Ausbilder während des Lehrgangs THL Bus- und LKW-Unfälle begleitet.
    Also momentan scheinen sie wirklich alles was nur ansatzweise Feuerwehr ist zu verfilmen.

    Und ganz nebenbei werde ich da auch mit zu sehen sein (och nöööö) 😀

  3. BRC_MEDIC schreibt:

    Ja, zu GB und Tragehilfe: Da kommt mir immer ein Einsatz meiner Kollegen in den Sinn: Sylvesterdienst – Einsatz „Pat nach Sturz wieder in’s Bett helfen“. Ich habe schon zu meinem Spannmann gesagt, das wir noch von denen hören. Das war vor Digitalfunk, da konnte man noch mithören was andere Crews so haben.
    Nach 1 Stunde kam dann die erste Nachfrage ob noch eine weitere Crew verfügbar ist (Hahaha, bei Sylvester – sicher …..). Nach 3 Stunden kam dann die Freimeldung, man habe ein paar Bodybuilder aus einem Studio nebenan gewinnen können die Person wieder hochzuwuchten. 250KG lebendgewicht. Die FW zu rufen wäre keinem in den Sinn gekommen – weil „mal anpacken“ nicht bei denen auf’m Dienstplan steht.

    Die 2 Stunden und Bütterken machen ist mit Sicherheit nicht von einer Crew gekommen. Das passiert einem als „First Responder“ schon eher. Mein persönlicher Rekord sind 5 Stunden gewartet.

    • WPR_bei_WBS schreibt:

      Ich frag mich, wenn man schon die Feuerwehr bei sowas nicht hinzu zieht, ob die da drüben zumindest darauf vorbereitet sind, einen Deadlock zu verhindern? Sonst wartet (bei mal unterstellten zwei Einheiten) RTW 1 bei Patient A auf den RTW 2 als Tragehilfe, während RTW 2 bei Patient B auf RTW 1 als Tragehilfe wartet…

  4. Ralf Hauptvogel schreibt:

    Dir fehlt noch was auf DMAX. Feueralarm! https://www.dmax.de/programme/feueralarm Feuerwehr aus Dänemark. Gefällt mir besser als 112. Und mal ein interessanter Einblick bei unseren Nachbarn.

  5. Tobias schreibt:

    Schön zusammengefasst! Zur Vollständigkeit halber auch auf Dmax: Feueralarm! Einsatz in Dänemark!
    https://www.dmax.de/programme/feueralarm
    https://www.fernsehserien.de/feueralarm-einsatz-in-daenemark/sendetermine

  6. Thomas Kuhn schreibt:

    Hatte bei DMAX 112 jüngst die amüsante Situation, plötzlich einen HBM der BF Krefeld zu entdecken, der in seiner Freizeit als Ehrenamtler mit mir den ELW2 des Rheinkreises Neuss besetzt. Ich fand ihn sehr authentisch. 🙂

  7. DermitdemFeuertanzt schreibt:

    Bei „Die Notrufzentrale“ sind die Gespräche voll anonymisiert, wird am Anfang jeder Folge eingeblendet.
    Find ich schade. Wenn man Name und Adresse „weggepiept“ hätte, wäre es authentischer und und hätte diese natürliche Dramatik wie bei „Feuer & Flamme“.
    Manchen Nachgesprochenen Anrufen merkt man es an.

    • WPR_bei_WBS schreibt:

      Klar – aber die Feuerwehr / Polizei hat sicher besseres zu tun, als die einzelnen Anrufer nachträglich um Erlaubnis zu bitten, das aufgezeichnete doch bitte auch senden zu dürfen. Zumal es das Vertrauen der Anrufer und auch der Zuschauern (= potentielle Anrufer) sicher nicht vergrößern wird. Und über Wiedergabe ohne vorherige Einverständnis muessen wir glaub ich erst gar nicht erst reden, oder?

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