Autoverkauf, Teil 2

Wie am Ende des ersten Artikels schon befürchtet, lief mir die Sache mit dem Verkauf des homemade facegelifteten Panda etwas zu glatt. Und in der Tat hatte ich noch einige Beschäftigung durch diese internationale Autoschieberei: Dummerweise hatte ich nämlich in der Hektik der kurzfristigen Abholung nicht einfach gründlich, sondern ZU gründlich alle Papiere zusammengesucht und dem Autokutscher mitgegeben.

Als ich das Vehikel nämlich zwei Tage später am Straßenverkehrsamt abmelden wollte, fiel mir auf, dass nicht nur der KFZ- Brief, sondern auch der Schein ins Land der Zitronen und Zypressen emigriert war. Alles, was ich noch hatte, waren die amtlichen Registrierungsbleche, der Kaufvertrag und der Transportauftrag für den Zoll. Ich fand aber, dass es im Land des Amtsschimmels, in dem bis hin zur Versicherungslage beim dienstlichen Toilettenbesuch alles bis ins kleinste Detail irgendwie geregelt ist, auch für diesen Fall eine Möglichkeit geben würde, die Karre von der behördlichen Karte zu bekommen. Also: Termin gemacht (ohne den läuft hier nämlich nur die Nase), eine Woche später in die Wartehalle gesetzt, nach etwa 2 Stunden vorgesprochen. Ich erklärte der Dame vonns Amt meine Lage. „Nö. Ohne Schein geht das nicht.“ Verächtlich schaute sie auf den Kaufvertrag und ließ ihn angewiedert auf den nach Norm sortierten Schreibtisch, auf dem nichts persönliches zu finden war, fallen: „Was soll ich mit dem Ding? Da kann ich nichts mit anfangen“, stieß sie unwirsch hervor. Dann nahm sie mit spitzen Fingern den Transportauftrag für den Zoll in die Hand, der eigentlich nur zufällig beim Kaufvertrag lag: „Und das hier? Das ist auf Italienisch. Da kann ich auch nichts mit anfangen.“ Auf die englischen und französischen Übersetzungen auf dem Formblatt ging sie gar nicht erst ein.  Mit einem Blick auf den Computermonitor meinte sie: „Ich sehe hier, dass Sie der Besitzer des Autos sind (was formal schon mal falsch war: Ich war im Datensatz zwar der Eigentümer, was aber noch nichts über den Besitz aussagte). Aber was soll ich ohne Schein machen?“  Von der Möglichkeit, zumindest erst einmal die Veräußerung anzeigen zu können, sprach sie nicht. Wozu auch: Es hätte womöglich Arbeit bedeutet. Da musste ich schon selbst drauf kommen. Zwei Stunden Wartezeit umsonst.

Später, als ich wieder zu Hause war, füllte ich nach der Erkenntnis, zunächst die Veräußerung kundtun zu können, die entsprechenden Formulare aus und schickte sie zum Verkehrsamt. Anschließend versuchte ich mit der Unterstützung einer Twitter- Followerin mit fremdländisch- Kenntnissen, dem neuen Besitzer über Whatsapp- Nachrichten klar zu machen, dass er mir bitte den „dreifach gefalteten Schein“ noch mal schicken solle. Parallel schrieb ich eine Mail an das Straßenverkehrsamt, in der ich fragte, was es für eine Möglichkeit gäbe, das KFZ auch ohne Schein abzumelden. Die Antwort fordete fast unmögliches von mir. Hier der Originaltext:

„… in diesem Fall ist eine Bestätigung der Behörden aus Italien  mit vorzulegen, das die Zulassungsbescheinigung Teil I  dort eingezogen wurde (muss auf Deutsch übersetzt werden).

Mit freundlichen Grüßen …“

Also mit anderen Worten: Ich soll im Falle, das Angelo nicht mitspielt, von hier aus die hinteralplichen Behörden zu dem Amtsakt nötigen, in einem Dorf in Süditalien einen Beamten loszuschicken, der bei Angelo die Tür eintritt und den Schein konfisziert. Das schafft wahrscheinlich noch nicht einmal die hiesige Polizei ohne umfangreichere Amtshilfeersuchen. Anschließend soll ich die Nachricht über den Vollzug des Aktes übersetzen und wahrscheinlich amtlich beglaubigen lassen, was womöglich nur dort geht, wo sowohl italienische Beamte als auch die deutsche Sprache offiziell zusammen anzutreffen sind: In einem etwa 35km entfernten Konsulat. Was natürlich auch alles bezahlt werden müsste. Bei 81€ Steuern im Jahr wäre es womöglich günstiger, einfach die Kündigung der Pflichtversicherung bekannt zu geben, was irgendwann eine amtliche Zwangsstilllegung zufolge hätte. Ich bekäme darüber eine Rechnung und gut. Ohne Lauferei.

Meine Befürchtungen, dass es Angelo eigentlich egal sein könnte, wie ich hier das Auto loswerde, waren aber unbegründet. In Italien ist es nicht nur sauteuer, ein Auto zuzulassen, sondern die Behörden dort sind scheinbar auch sehr pingelig: Ohne den Stempel auf dem Schein, den ich hier zum Abmelden bekommen würde, war es dort offensichtlich nicht möglich, eine Zulassung zu bekommen! Angelo fand eine Möglichkeit: Er kannte jemanden im Fernbus- Geschäft. Und so bekam ich von einem mir unbekannten Mann eine Sprachnachricht mit sowohl italienischem als auch süddeutschem Akzent: „Isse Kollege von Angelo hier! Passe auf: De Papiere kome mit de Buus, verstehst? Kome an Freitag, kanscht du hole an Bahnhof, bei Flixbuus! Freitag, uhme siebzehn dreißisch! Okay? Isch schieke dir Nuhmer von Farrer. Kanscht aanrufe, ob Verschpätung. Ahm Dienschtag giebscht du Papiere wieder aan Buusfarrer, OK? Uhm sieben dreißisch.“ Das kam mir natürlich sehr entgegen, auch, wenn ich von dieser Kuriermöglichkeit noch nichts gehört hatte. Sofort machte ich mir den nächsterreichbaren Termin beim Amt zu eigen. Glücklicherweise hatte ich Urlaub und war so recht frei in der Zeiteinteilung.

Freitag Abend fuhr ich also zum Busbahnhof. Kurz vor dem Termin bekam ich einen Anruf. Ich hörte ein paar Hintergrundgeräusche und jemanden, der irgendetwas stammelte, was mir weder Deutsch noch Italienisch erschien. Allerdings begann die angezeigte Nummer mit „+39“, was die Vorwahl eines italienischen Anschlusses war. Nachdem klar war, dass es keine Chance gab, auf ein gemeinsames Informationslevel zu kommen, brach das Gespräch ab. Einige Momente später brummte die Kommunikationstafel erneut. Eine Whatsapp von dieser Nummer, mit einem Bildchen: Dem Kartenausschnitt des Bahnhofes mit einer Ortsmarke drauf. Offensichtlich war der Bus bereits dort eingetroffen. Gar nicht so dumm, der Fahrer! Ich schickte ein „5 Minuten!“ zurück, womit meines Erachtens alles gesagt war. Einige Minuten später ging ich am Busbahnhof auf den erstbesten Bus mit italienischer Beschriftung zu, klopfte etwas unsicher an die geschlossene Tür und sprach dort nach dem Öffnen derselben einen der beiden insässigen Fahrer an, den ich natürlich nicht kannte: „Panda? Apricena? Kollege Angelo?“ Er nickte erfreut und gab mir einen Umschlag, mit dem Hinweis: „Angelo telefono, capisci?“ Ich nickte und sagte: „Okay. Dienstag zurück!“ Das war unkomplizierter, als ich dachte. Auch der Termin am Amt, der für Montag gebucht war, lief erstaunlich problemlos: Halbe Stunde warten, 7,50€ auf den Tisch, Stempel auf den Schein. Erledigt.

Kann nun endlich weg…

Am Dienstag Morgen dann fragte mich meine Frau: „Und wie erkennst du nun den richtigen Bus, wenn dort vielleicht gerade mehrere stehen?“ Grinsend gab ich zurück: „Ich habe den Umschlag mit ‚Fiat Panda, Apricena‘ beschriftet. Damit werde ich dann so lange vor den Bussen rumwedeln, bis sich jemand meldet.“ Das schien ein guter Plan. 😉 Unterwegs zum Bahnhof  bekam ich wieder einen „+39″er – Anruf, dieses mal von einem dem hier üblichen Vokabular mächtigen Menschen. Er teilte mir kurz mit, dass der Bus etwa 30 Minuten später an besagter Haltestelle eintreffen würde. „Ich bin schon unterwegs!“, informierte ich ihn kurz. Zur vereinbarten Zeit fuhr tatsächlich der blaue Bus eines italienischen Reiseunternehmers am Bahnhof ein, den ich sofort aufsuchte. Auch hier verlief die Übergabe ohne Probleme. Der Bus fuhr auch sofort wieder ab: Offensichtlich hatten sie extra für Angelo diesen Zwischenstop eingelegt. Ich war das Auto nun jedenfalls auch offiziell los!

Da ich nichts mehr von Angelo gehört habe, gehe ich davon aus, dass die Unterlagen gut angekommen sind. Was für ein Aufwand, nur, weil ich den Schein versehentlich mitgeschickt hatte!

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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5 Antworten zu Autoverkauf, Teil 2

  1. roerainrunner schreibt:

    Ist doch süß, wie unkompliziert die das per Kurier erledigt haben, oder? Per Post wäre es nicht so schnell gegangen 😀

  2. Dennis schreibt:

    Toller Schreibstil, coole unkomplizierte Geschichte. Aber der erste Teil fehlt mir irgendwo???

    • firefox05c schreibt:

      Die Überschrift ist wohl ein wenig Irreführend: Eigentlich war es ein Bezug auf den letzten Absatz des Artikels „Auto kaputt“. Hat wohl nicht so funktioniert… 😉

  3. Wie immer hab ich Dich sehr gerne gelesen und das Grinsen im Gesicht war für diesen Abend genau das was es gebraucht hat!
    Herzlichen Dank dafür.

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